Deadline

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • London: Corgi, 2008, Titel: 'Deadline', Seiten: 488, Originalsprache
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Johannes Steck

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Jörg Kijanski
Solider Mainstream mit ideenlosem Finale

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2008

Andrea Devern ist eigentlich eine rechterfolgreiche Geschäftsfrau, doch in letzter Zeit macht ihr ihr Ehemann Pat Phelan einige Probleme, da dieser immer öfter abends durch die Kneipen zieht. Sollte ihre Mutter Recht haben, die Andrea vor dem ehemaligen Kleinkriminellen schon immer gewarnt hat? Andreas Welt scheint eines Abends gänzlich aus den Fugen zu geraten, denn als sie nach Hause kommt, erhält sie einen anonymen Anruf. Emma, ihre 14-jährige Tochter, wurde entführt und Andrea soll binnen 24 Stunden 500.000 Pfund Lösegeld übergeben. Pats Hilfe könnte sie jetzt gut gebrauchen, doch der ist wie vom Erdboden verschluckt.

In ihrer Not ruft Andrea ihren früheren Geliebten, den ehemaligen Schwerverbrecher Jimmy Galante, an und bittet ihn um Hilfe. Jimmy hatte sich vor Jahren nach Spanien abgesetzt, doch nachdem er von Andrea erfährt, dass er Emmas Vater sei kehrt er am nächsten Tag nach London zurück.

Andrea soll das Lösegeld übergeben in einem verfallenen und abgelegenen Haus übergeben. Jimmy will sich verdeckt im Hintergrund halten, um die Täter zu beobachten. Aber irgendetwas geht schief und Andrea kehrt nach einer SMS von Jimmy in das Haus zurück. Während von Emma weiterhin jede Spur fehlt, findet sie stattdessen Jimmy - aufgehangen an einem Fleischerhaken.

Noch während Andrea entsetzt auf Jimmys Leichnam starrt klingelt ihr Handy. Da sie nicht allein gekommen sei verlangen die Entführer eine weitere halbe Millionen Pfund. Völlig verwirrt gerät Andrea auf der Heimfahrt in eine Polizeikontrolle und erklärt der Beamten ihre Lage. Sie wird zum Quartier der SOCA, der Serious and Organized Crime Agency, gebracht, wo sie kurz darauf in dem Ermittler Mike Bolt gegenübersteht, der den Fall übernehmen soll. Bolt ist sichtlich irritiert, denn vor rund fünfzehn Jahren hatte er ein kurzfristiges Verhältnis mit Andrea. Diese eröffnet ihm, dass sie Jimmy angelogen habe und er, Bolt, Emmas Vater sei...

Hohes Tempo ist oberstes Gebot

Lässt man die "klassisch" aufgebauten Krimis mal außen vor, so gibt es momentan zwei wichtige Richtungen in diesem Genre. Da gibt es die Gruppe derer, die den Krimi einen Hauch von Anspruch verpassen und einen gewissen literarischen Touch geben will (Robert Wilson, Fred Varga) und die andere Gruppe, die vor allem auf Tempo setzt (Peter James, Sebastian Fitzek).

Zur zweiten Gruppe gehört auch der Brite Simon Kernick. Action, Tempo, kurze Kapitel und am Ende eines Abschnitts folgt (fast) immer ein treffsicherer Cliffhanger. Wer auf diese Art von Thriller steht, der Begriff Pageturner ist hier mehr als angebracht, findet in "Deadline" einen vorzüglichen Roman dieses Genres. Kernick versteht sein Handwerk und setzt insbesondere seine Cliffhanger vorzüglich. Auch wenn er sprachlich durchgängig sehr leichte Kost bietet, so fällt es einem dennoch schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Was will man mehr?

Gut, hier und da wäre ein wenig mehr Tiefgang durchaus wünschenswert, denn wenngleich man bei allem Tempo die ein oder andere Ungereimtheit gerne überliest, so hapert es in der zweiten Hälfte dann doch an einigen Stellen erheblich.

In der zweiten Hälfte flacht die Geschichte deutlich ab

Die Charaktere werden, den Gesetzen des Mainstreams gehorchend, oberflächlich aber akzeptabel dargestellt. Schließlich soll es ja weitergehen. Das Szenario sorgt durch häufige Wechsel der Orte für zusätzlichen (Lese-)Druck und so wäre dieser sehr gut zu lesende 08/15-Plot (nein, kein Widerspruch) eine klare Empfehlung, wenn er nicht - wie schon angedeutet- einige Schwächen hätte.

Verdächtige werden so auffällig in den Vordergrund geschoben, dass sie von Natur aus schon nicht in Frage kommen. Dazu gesellt sich eine haarsträubende polizeiliche Aktion bei der zweiten Geldübergabe. Diese soll sich ausdrücklich zurückhalten und bietet stattdessen - gefühlt mit allen Kräften - Geleitschutz für Andrea. Auffälliger und dümmer geht es kaum. Überraschend positiv und originell ist allerdings wie Simon Kernick die Geldübergabe "auflöst". Zum Finale ließe sich ebenfalls einiges anmerken, doch aus verständlichen Gründen sei nur so viel gesagt, dass dieses für einen deutlichen Punktabzug sorgt. So viel (ideenloser) Mainstream muss nun wirklich nicht sein.

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