Kuhhandel

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2004, Seiten: 206, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2010, Seiten: 284, Originalsprache

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Andreas Kurth
Doping beim Ochsenrennen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Nov 2008

Svenja Gudmundsdottir ist eine lebenslustige, handfeste Tierärztin, im Allgäu bestens integriert. Und so kann Johanna Kennerknecht kaum glauben, dass ihre Freundin Selbstmord begangen hat. Svenja soll sich mit einem Mittel zum Einschläfern von Tieren getötet haben. Jo ist gerade erst von einer drei Monate dauernden Auszeit zurück, und muss schon wieder einen Tiefschlag akzeptieren. Doch sie will den angeblichen Selbstmord nicht wahrhaben, und beginnt einmal mehr mit eigenen Ermittlungen. Aber ohne die Polizei, also ohne ihren Freund Gerhard Weinzirl, kann sie den Fall offenbar nicht lösen. Der Kommissar ist aber der Grund für ihre Auszeit – eigentlich herrscht noch immer Funkstille.

Spuren führen in die Dopingszene

Weinzierl seinerseits ist von Kennerknechts Tempo zuweilen genervt - und er ist noch immer empört, weil sie vor drei Monaten einfach verschwunden ist. Dennoch lässt er sich nach einigem Hin und Her überzeugen, wie in einem Mordfall zu ermitteln. Jo hat bei ihren regelwidrigen Nachforschungen erfahren, dass Svenjas Chef irgendwie mit Doping zu tun hat. Der Kommissar geht dem entsprechenden Tipp nach und stößt auf neue Hinweise, die jedoch erneut in eine andere Richtung führen. Davon weiß Jo nichts, und so geht sie wieder ihren Theorien eines Dopingrings auf einer Alb in der Nähe nach. Als sich dann der Kommissar ebenfalls auf diese Alb begibt, weil er Jo dort in Gefahr wähnt, gerät er selbst in Lebensgefahr. Jo scheint also mit ihren Vermutungen Recht zu haben, aber dann gibt es neue dramatische Ereignisse, und alles steuert auf ein rasantes Finale zu.

Beziehungsdynamik geschickt eingebaut

Nicola Förg hat mit der Reihe um Kommissar Gerhard Weinzirl und Tourismus-Managerin Johanna Kennerknecht ein ebenso originelles wie eigenwilliges Ermittler-Paar kreiert. Das persönliche Verhältnis der beiden Querköpfe ist einer überaus dynamischen Entwicklung unterworfen, und die Autorin versteht es, geschickt die Handlung des Romans dieser Dynamik anzupassen und sie sogar zu nutzen. Insbesondere der Kommissar ist ein Ur-Allgäuer - und so ist in diesem Regionalkrimi deutlich mehr Lokalkolorit drin, als in den meisten anderen Werken aus dieser Sparte. Dabei werden die Sequenzen mit der heimischen Mundart keineswegs zu zahlreich, sondern durchaus dosiert und passend eingesetzt.

Authentisches Szenario

Das vermittelt Authentizität, und wer dann doch mal nicht mitkommt, kann das kleine Glossar am Ende des Buches nutzen. Und da lernt der Leser, dass ein Hosasoicher eben ein Hosenscheißer ist, und eine Ratschkattl eine extrem geschwätzige Frau. Neben einem netten Lerneffekt wird so das authentische Szenario für die Geschichte gezeichnet. Das veritable Gefühlschaos der beiden Protagonisten sorgt zudem für zahlreiche Missverständnisse, aber dadurch wird auch die Ermittlungsarbeit in der Regel befruchtet. Nicola Förg zeigt auch in diesem Buch wieder, dass sie eine gute Geschichte spannend, kurzweilig und unterhaltsam erzählen kann. Gerhard Weinzierl und Jo Kennerknecht sind sympathische Figuren, stehen mitten im Leben - und wirken wegen ihrer Schwächen und Fehler eben nicht wie ausgedachte Figuren.

Gut recherchierte Fakten

Pluspunkte sammelt die Autorin auch mit offenbar gut recherchierten Hintergründen aus der Dopingszene und vielen Fakten aus der Tiermedizin. Dennoch vermeidet Förg es hervorragend, zu sehr in Fachjargon zu verfallen, dem Leser wird kein Fachbuch präsentiert. Der spannungsreiche Plot wirkt insgesamt glaubwürdig, allerdings ist Kommissar Zufall mitunter zu stark mit seiner helfenden Hand zur Stelle. Aber das ist bei einem durchweg spannenden und unterhaltsamen Roman eine verzeihliche Schwäche. In jedem Fall gibt die Allgäu-Reihe um Weinzierl und Kennerknecht noch genug Potenzial für weitere Folgen her. Die beiden könnten ihre Beziehung noch ausbauen – und kriminelle Energie dürfte im Allgäu auch noch ausreichend vorhanden sein.

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