Kein Kinderspiel

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • New York: Morrow, 1998, Titel: 'Gone, Baby, Gone', Seiten: 374, Originalsprache
  • München: Ullstein, 2000, Seiten: 528, Übersetzt: Andrea Fischer
  • Berlin: Ullstein, 2004, Seiten: 524
  • Berlin: Ullstein, 2007, Titel: 'Gone baby gone - kein Kinderspiel', Seiten: 524

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Bernd Neumann
Lesen ohne Limit

Buch-Rezension von Bernd Neumann Sep 2003

Lehanes Bücher zwingen zum Komplettkauf und damit verbundenen Lesen in chronologischer Reihenfolge. Immer wieder macht er angedeutete Rückblicke auf Schlüsselfakten früherer Romane dieser Krimi-Serie, die sich nur eben diesen Insidern sofort erschließen. Dadurch fühlt man sich säumig und ausgeschlossen aus der Familie der treuen Lehane-Fans, kommt sich vor wie ein Schüler, der nach langer Krankheit den Anschluß zum aktuellen Lernstoff verpasst hat und etwas ratlos rumsitzt. Clevere, umsatzorientierte Taktik, Herr Mr. Lehane!

In "Kein Kinderspiel" prallen wir auf einen Kriminalroman mit einem unwahrscheinlichen Drive: knackige Kapitelabschlusssätze und nahtlose Anschlüsse an das Neue unterstützen das Lesevergnügen und zwingen den Leser fast automatisch, nicht etwa gegen 02.00 oder 03.00 Uhr einfach schlapp zu machen. Lesen ohne Zeitlimit, der Weg scheint das Ziel zu sein.

Wer ein Faible für sehr bildhafte Sprache hat und sich an gelungenen Vergleichen erfreuen kann, ist bei Lehane und seinem Detektivpärchen Angela Gennaro und Patrick Kenzie genau richtig (Kostprobe: "In der Kneipe war es so still wie in einer Kirche vor dem Jawort."). Dieses Duo, gemeinsam im irischen Einwanderermischmasch aus mafiosihafter Cliquenwirtschaft, Selbsterrhaltungbereitschaft die Sinne abstumpfenden, die Gewaltbereitschaft aber anfeuernden Whisky aufgewachsen, besitzt beim Leser einen großen Sympathiebonus.

Gewandelt vom Kriminellen zum unerschrockenen Hüter für Recht und Ordnung stürzen sich die beiden unerschrocken ins Kampfgetümmel und gehen nie einer gefährlichen Situation duckmäuserisch aus dem Wege, wobei ihre Mittel und Methoden mitunter auch im krassen Widerspruch zu den Dienstvorschriften stehen. Aber der Zweck heiligt ja bekanntlich die Mittel. Dabei ist der Zwiespalt zwischen teamfähiger und -verlässlicher, kühler Polizeiarbeit und sexueller Zuneigung höchst unterhaltsam. Mit ihrem Sandkastenfreund und Kaugummifan Bubba (wie ein Bär: einfach zum Kuscheln, aber in kritischen Situationen mit einer hundertprozentg zuverlässigen Verteidigungs- und Angriffslust bei ebensolcher Erfolgsquote) bilden sie ein unschlagbares Team der Thriller-Kriminalliteratur.

Nebenbei erfährt man in dem Buch auch Einiges über die amerikanische Pop-Musik der frühen 80er Jahre und kann sich erfreuen an den witzigen T-Shirts des Bostoner Detektivpärchens. Bei der Schilderung des rüden Wettkampfes der Amateur-Footballer zweier Polizeispezialabteilungen braucht man zwar gehörige Fachkenntnisse, bekommt aber wieder einmal plastisch geschildert, welches Kind und zugleich Tier doch da im (männlichen) Menschen versteckt ist.

Man muss schon recht hart gesotten und kein psychisches Sensibelchen sein, um mit der allseitigen Brutalität klar zu kommen. Kein Kinderspiel eben. Die scheinbar lakonische Anfangsfeststellung, dass "von den täglich 2300 in diesem Land als vermisst gemeldeten Kindern .... jährlich 300 im Nichts verschwinden und vielleicht in Kellern von Pädophilen festgehalten werden" wird zum beklemmenden Thema dieses Lehane-Krimis.

Kindesmisshandlungen sexueller Art sind - da spreche ich vielen Krimi-Couchern sicherlich aus dem Herzen - das widerlichste, was auf unserem Planeten passieren kann. Die körperliche Wehrlosigkeit und psychologische Unreife (sofort fällt einem Bettina Wegeners Chanson "Sind so kleine Hände" wieder ein) pervers zu egoistischen Befriedigung animalischster sexueller Bedürfnisse auszunutzen und die "Objekte" dann irgendwann vor lauter Überdruss wie ein defektes Spielzeug auf den Müll zu schmeißen, ist das Abartigste auf dieser Welt überhaupt. Das macht als Leser unendlich traurig und wütend zugleich, verleitet zum Weglegen des Buches, weil der Mit-Leidensdruck unerträglich wird.

Und wie Lehane diese geistesgestörte Kampfmaschine Roberta Tatt und ihr befremdendes Verhältnis zum pädophilen Ehemann Leon und dessen Kumpel Corwin Earle in ihrer Behausung beschreibt, das zählt wohl zu den härtesten zehn Buchseiten, die jemals aufgeschrieben worden sind. Da beruhigt es wenig sich einzureden, dass es sich hier "nur" um eine Story handelt. Automatisch erinnert man sich an die eingangs erwähnten 300 im Nichts verschwundenden Kinder pro Jahr. Das ist ja nicht ein rein amerikanischer Tatbestand, wie die Medien uns immer wieder zeigen (müssen).
Wenn dann aber im Rücken solcher verrohten Triebtäter "ein ovales Loch von der Größe einer Suppenschüssel" gähnt, glaubt man an so etwas wie Gottes langsam mahlende Mühlen; aber das davor Geschehene ist nicht wieder gutzumachen und der seelische Druck wird dem empfindlichen Leser nicht abgenommen.

Lehane legt uns mit "Kein Kinderspiel" einen spannenden, nerven- und seelenaufreibenden Thriller vor, in dem der verdächtige Personenkreis dieser Kindesentführung (und hervorragend suggerierten Kindesmisshandlung!) groß, aber zugleich übersichtlich ist und vielfach wechselt:

91°, meiner Einschätzung nicht ganz so überzeugend und um einiges depremierender wie Absender unbekannt. Das liegt vielleicht daran, dass hier dem Leser ein ekliges Tabu-Thema schonungslos um die Ohren gehauen wird. Der Unhappy-End-Schluss fordert ja auch zu Diskussionen heraus.

"Kein Kinderspiel" sollte man aber lesen, um für das versteckte alltägliche Grauen wachgerüttelt und sensibilisiert zu werden. Wohl auch deshalb wurde "Kein Kinderspiel" mit dem Deutschen Krimipreis (2001, 3. Platz internationale Rubrik) gewürdigt. Es ist zweifelsohne auch eines der Werke aus der Rubrik "Bücher, die man nicht vergisst".

Kein Kinderspiel

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Letzte Kommentare:
07.08.2015 17:30:00
Meffiforce

Ich bin gerade mit diesem Buch durch und ich muß sagen, daß ich es nicht wieder lesen würde. Warum?

Erstens bin ich zwar sicherlich kein Sensibelchen, aber als Mutter eines 5 Monate alten Babys war mir die schonungslose Behandlung des Themas (wenn auch objektiv betrachtet sicherlich nicht die schlimmste Szene, so hat mich die Schilderung, wie Broussard seinen Sohn damals aufgefunden hat, am stärksten verstört) einfach zu heftig. Das alles zu lesen und dabei mein Kind zu sehen, das neben mir schläft ... das würde ich mir nicht wieder zumuten.

Zweitens fand ich das Buch, ganz unabhängig vom Thema, nicht so fesselnd wie die ersten drei. Die ersten habe ich förmlich verschlungen, konnte nachts trotz Schlafmangel nicht zu lesen aufhören. Dieses habe ich mehrfach für einige Tage zur Seite gelegt, der fesselnde Suchtfaktor war einfach nicht da. Ich kann nur hoffen, daß die nächsten wieder besser werden.

15.03.2013 10:25:12
Stefan83

Keine Regel ohne Ausnahme. Und das bedeutete im Fall von „Kein Kinderspiel“, dem vierten Band aus der Reihe um das Bostoner Detektivpaar Patrick Kenzie und Angela Gennaro, dass ich mir diesmal Ben Afflecks Verfilmung „Gone Baby Gone“ vor der literarischen Vorlage zu Gemüte geführt habe. Etwas, das ich sonst immer vermeide, wird doch die oftmals komplexe Handlung auf der Leinwand auf vergleichsweise wenige Minuten reduziert und verrät dabei gleichzeitig aber soviel, dass das im Anschluss gelesene Buch kaum mehr mit Überraschungen aufwarten kann. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass mir „Kein Kinderspiel“ nicht ganz so gut gefiel wie noch der Vorgänger. Ein anderer ist schlichtweg die Thematik, welche mir als jungem Vater schon mittels bewegter Bilder auf den Magen schlug. Die Art und Weise wie Lehane sie jedoch auf Papier niedergeschrieben hat – dies ist mitunter fast nicht mehr zu ertragen. Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Buch zuletzt so emotional ergriffen, wann sich meine Kehle bei der Lektüre derart fest zugeschnürt hat. So spannungsarm der Roman dann streckenweise auch ist – mit der gnadenlosen, die tiefste Seele berührenden Geschichte, dringt Dennis Lehane in Bereiche des Kriminalromans vor, welche auf solch literarisch überzeugende Art und Weise noch keiner zuvor betreten hat.

Den Anfang nimmt alles mit dem Verschwinden eines kleinen Mädchens. Amanda McCready, vier Jahre alt, ist einfach aus ihrem Bett entführt worden, während die drogen- und alkoholabhängige Mutter Helen laut eigener Aussage mitsamt Freundin im Nachbarshaus vor den Fernseher gesessen hat. Ganz Boston beschäftigt sich mit der Kindesentführung. Suchgruppen werden aufgestellt, Sonderkommissionen gebildet, ganze Stadtteile mit Bildern des Mädchens tapeziert – ohne Ergebnis. Auch nach ein paar Tagen gibt es weder Zeugen noch irgendwelche Spuren. Während Helene die mediale Aufmerksamkeit zu genießen scheint, wendet sich die Tante von Amanda an die Detektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro. Sie sollen sich ihrerseits auf die Suche nach dem Kind machen. Anfangs nur widerwillig nehmen die beiden, welche befürchten im Verlauf ihrer Ermittlungen auf eine Leiche stoßen zu müssen, den Auftrag an. Doch ihre unkonventionellen Methoden scheinen dort Erfolg zu haben, wo die Polizei versagt hat. Schon bald stoßen sie auf mögliche Gründe für das Verschwinden Amandas.

Gemeinsam mit den zwei Detectives Poole und Broussard dringen sie tief in die kriminelle Drogenszene Bostons ein. Und mit jedem neuen Hinweis ergibt sich ein düsteres Bild von Amandas Mutter Helen. Doch wer hat wirklich ein Motiv für die Entführung? War es das Werk von zwei Pädophilen, die inzwischen wieder auf freiem Fuß sind? Oder der Racheakt einer örtlichen Drogenbande? Und die schlimmste Frage von allen: Lebt das Kind überhaupt noch oder ist es schon längst tot? Für Patrick Kenzie und Angelda Gennaro werden die Nachforschungen zu einer persönlichen Belastungsprobe, welche sie letztlich mit einer Situation konfrontiert, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse bis ins unkenntliche miteinander verschmolzen sind …

Auch wenn schon die ersten drei Titel der Serie im Stile des „Hardboiled“ mit düsteren Szenen aufwarteten - „Kein Kinderspiel“ macht seinem Namen alle Ehre und konfrontiert den Lesern mit den schlimmsten Abgründen des Verbrechens. Und Lehane tut dies, ohne dafür übermäßig schlachten oder metzeln zu müssen. Stattdessen sind es die leisen, ruhigen Töne, mit denen der Autor die Abartigkeiten beschreibt, welche umso lauter und über das Ende des Buches hinaus nachhallen. Soviel sei hier gleich vorweg gesagt: Zart besaitet und sensibel darf man keinesfalls sein, ist es doch gänzlich unmöglich der beklemmenden Thematik aus dem Weg zu gehen. „Kein Kinderspiel“ ist nicht einfach nur ein nachtschwarzer, knallharter „Hardboiled“-Thriller – es ist eine explizite, detaillierte Auseinandersetzung mit Kindesmisshandlungen und Pädophilie, die jedem Menschen, der noch einen Funken Gefühl in sich hat, schwer an die Nieren gehen wird. Wo sonst eine Distanz zwischen der fiktiven Geschichte und dem nach Unterhaltung lechzenden Leser Bestand hat, fallen diese Schranken hier schnell weg, zwingen uns die bildreichen, unheimlich traurigen Passagen förmlich in die Geschichte.

Wenn Patrick Kenzie mit erhobener Waffe durch die verdreckten Hausflure eines dunklen Hauses schleicht, zitternd vor Angst, weil ihn nicht der Tod sondern schlimmeres erwartet – dann stellt sich Gänsehaut ein, ist man mit ihm dort. Und was man schließlich in diesem winzig kleinen Raum unter dem alten Dach lesen und auch im Geiste sehen muss, das brennt sich ein. All das widerliche, perverse, ekelhafte greift auf den Leser über, der lediglich zwischen Trauer und Wut wählen kann und doch weiß, dass beide Gefühle keinerlei Ventil bieten. Dass es keine Erklärung für das Böse gibt, das Patrick Kenzie und uns vorgesetzt wird. Dass es sich nicht um eine künstlich für spätere Hollywood-Verfilmungen inszenierte Situation handelt, sondern um etwas das tagtäglich passiert. Überall, nicht nur in den USA.

Wie Lehane diese Hoffnungslosigkeit auszudrücken versteht, wie er an Gefühlen rührt, ohne Gefahr zu laufen, ins Pathetische oder Kitschige zu abzugleiten – das ist die große Stärke und gleichzeitig die große Last dieses Romans, dem man, aufgrund dieser Grausamkeiten, sicherlich überdrüssig werden, aber doch auch irgendwie nie wirklich aus der Hand legen kann. Bei all dem Leid, dass die Figuren erfahren, gerät die typische Coolness, welche die Reihe bisher ausgezeichnet und die auch diesmal ihre Momente hat, beinahe gänzlich in den Hintergrund. Und auch der eigentliche Fall, dessen Konstruktion man mit dem Wort genial wohl nur unzureichend beschreibt, bewegt am Ende dann weniger, als die offenen Fragen und ethisch-moralischen Wegscheiden vor denen man steht. Wie würden wir handeln? Muss man das Gesetz brechen, um das Wohl eines Kindes zu sichern? Bis zu welchem Punkt kann Gewalt mit der Rettung von kindlicher Unschuld legitimiert werden?

Antworten bietet „Kein Kinderspiel“ nicht. Nur ein schlechtes Gefühl, einen faden Nachgeschmack, eine beängstigende Hilflosigkeit angesichts des hier erlebten, welches nicht nur die Beziehung zwischen Kenzie und Gennaro nachhaltig verändert, sondern auch den Leser in Nachdenklichkeit zurücklässt. Wenn das die Aufgabe war, wenn es Lehanes Ansatz war, uns eine egoistische, gleichgültige Mutter hassen und die Ratlosigkeit angesichts solchem Bösen spüren zu lassen, dann hat er sie vortrefflich gemeistert. Der vierte Band der Reihe ist, trotz vergleichsweise ruhigen Tempos und mancher Länge, der bis hierhin eindringlichste. Ein bitteres, trauriges Meisterwerk, das man, egal wie die persönliche Meinung ausfällt, nur schwer wird vergessen können.

20.09.2011 19:22:06
M.Reinsch

Puh, das war wieder so eine Geschichte, die lange in mir nachhallen wird!
Eine ganze Weile habe ich mich nur an dem sehr guten Schreibstil und den wunderbaren Figuren (vor allem den Wortgefechten) erfreut. Denn die Story fängt so belanglos und fast harmlos an, dass ich sie nur nebenher wahr genommen habe. Aber wie immer ist Lehane ein Meister des Details. Bestimmte Gesprächsfetzen, Andeutungen oder (eigendlich unwichtig erscheinende) Handlungen erhalten im laufe der Geschichte so viel Gewicht wie ein LKW...
Was als "harmlose" Kindesentführung beginnt wird zur rasanten Achterbahnfahrt mit vielen Kehren und Wendungen, di man nicht erwartet. Und dann ist der Fall gelöst - ach nee, da sind ja noch fast 100 Seiten ?! Nun beginn Lehane das eigendliche Puzzel zu enträtseln und die Fahrt geht brutal weiter...
Neben der wiedereinmal herrlich schnoddrigen Art, den unvergleichlichen Gestalten, der enormen Tiefe seiner Charaktere, greift Lehane diesmal noch tiefer in die "Trickkiste". Mich haben natürlich seine "Hard Boiled"-Szenen wiedereinmal mitgerissen, aber langgelegt hat er mich mit einer Reihe ganz anderer Szenen. Immer wieder kam die Frage für mich auf "Wie würde ich entscheiden?" - denn nebenher ist dieser Roman auch eine Anklageschrift gegen bestehendes amerikanisches Recht!
Der Plot ist so übel, das ich erst einmal irgend etwas "Sinnlosen" lesen muß, um darüber hinweg zu kommen!
Mr.Lehane, sie sind gerade in meinen "Lieblingssautorenkreis" aufgestiegen!!
100°

18.05.2010 18:24:39
Frank

Inhaltlich haben meine Vorschreiber/innen ja bereits alles wesentliche genannt.
Dennoch möchte ich noch anmerken, dass ich diesen Lehane für den schwächsten der Reihe halte.
Wobei das bei der hohen Qualität seiner Bücher keinesfalls bedeuten würde, dass es sich bei "Kein Kinderspiel" um einen schwachen Roman handelt.
Ganz übel im Vergleich allerdings die Verfilmung (Gone Baby Gone) - allein die Darstellung "Bubbas" rechtfertigt eine Hetzjagd auf den Regisseur. Von inhaltlichen Abweichungen mal ganz abgesehen.
85 %.

14.11.2009 22:38:27
heinrich

Der Titel deutet an, worum es bei den Ermittlungen des Bostoner Detektiv-Duos diesmal geht - Lehane vollzieht das Durchlittene mißhandelter Kinder an einigen Stellen so detailliert nach, daß es kaum zu ertragen ist. Wer von den gewalttätigen Szenen in den vorhergehenden Kenzie-Gennaro-Geschichten schockiert war, sollte dieses Buch nicht lesen!
Patrick und Angela werden im Laufe ihrer Nachforschungen psychisch und physisch in Mitleidenschaft gezogen, als sich die Suche nach der vermißten Amanda zu einer offensichtlichen Auseinandersetzung zwischen Gangstern und der Bostoner Polizei ausweitet, bei der die Beiden zwischen die Fronten geraten.
Lehane ist es gelungen, ein komplexes soziales Problem für den Leser faßbar zu machen und in eine überaus spannende Geschichte zu verpacken; was mich allerdings nicht überzeugt, ist die schablonenhafte Darstellung der Polizisten zwischen absoluter Gewaltbereitschaft im Dienst und naiver Familienidylle nach Feierabend. Dramatisch wird es am Ende, als sich Patrick und Angela über die unvermeidliche Entscheidung zwischen Gesetz und Kindesinteressen zerstreiten. Als Fan der Reihe vergebe ich 84°

16.07.2009 16:55:40
koepper

Endlich wieder ein tolles Buch! Lehanes "Kein Kinderspiel" ist ein weiterer sehr guter Krimi. Die Geschichte ist hart, es geht um Kindesmißbrauch, widerwärtigster Art. Lehane schildert nicht nur dies, sondern beschreibt sehr eindringlich auch die alttägliche, gedankenlose, selbstsüchtige Vernachlässigung von Kindern und deren Folgen. Das macht er sehr sensibel.
Das alles und mehr ist verpackt in einer vielschichtigen und spannenden Geschichte.
Das Ermittler- und Liebespaar Patrick Kenzie und Angela Gennaro sind zwei mutige, engagierte und absolut sympathische Gestalten. Lehane gelingt es, die Liebesbeziehung der beiden unverkitscht in die Geschichte einzubauen.
Gelegentlich schweift Lehane ab z.B. um ausführlich ein Footballspiel zwischen Cops zu schildern. Da er wirklich gut schreiben kann, störte mich das überhaupt nicht; der Unterhaltungswert des Buches erfuhr dadurch eine Steigerung:
Das Buch ist von vorne bis zum Schluss spannend, erst ganz am Ende klärt sich die Geschichte auf.
Lehane gönnt uns kein glattes happy end, es löst sich nicht alles in Wohlgefallen auf. Dies hätte auch nicht zu diesem harten, hervorragenden Buch gepasst.
Empfehlung.

11.10.2008 09:52:43
Falcon

Mit jedem Buch das ich von diesem Autor lese, wird er mir sympatischer.
Lehane schafft es das Thema Kindsmissbrauch in einem neuen Licht zu betrachten.
Die verschachtelten Zusammenhänge werden erst gegen Ende hin klarer.
Dieses ist dann auch konsequent durchgezogen und regt zum Nachdenken an.
Etwas störend fand ich die diversen Hinweise auf vorangegangenen Fälle von Angela und Patrick. Meiner Meinung nach überflüssige Hinweise, denn auch ohne diese Rückblicke war die Figurenzeichnung exzellent. Dies ist wohl auch eine der Stärken von Lehene.
Sehr guter nachhaltitger Lesestoff, welcher zurecht ausgezeichnet worden ist.

03.09.2008 10:46:50
Bibi Heckel

Mein erster Roman von Dennis Lehane und ich bin total begeistert. Als passionierte Krimi- und Thrillerleserin passiert es oft, dass ich viele Dinge schon vorhersagen kann, bevor ich sie lese. Nicht so bei diesem Buch. Ich bin noch nicht ganz fertig und habe bisher immer noch keine Vorstellung davon, wie das Buch enden wird.

Werde mir auf jeden Fall so schnell wie möglich die anderen Bücher von Lehane besorgen, zumal die beiden Hauptfiguren einem auch sehr sympatisch sind und man immer wieder Zeilen zum schmunzeln findet (z. B. über Bubba und seine Art und seine Kommentare).

02.09.2008 03:14:26
Rolf.P

Dennis Lehane - schon der Name des Autors ist für mich ein Qualitätssiegel! Einer der besten 10 Krimis des Jahres - so steht es im Klappentext des Buches und diese Einschätzung kann ich nur dick unterstreichen.
Bei seinem vierten Kenzie-Gennaro Krimi schafft es der Autor nicht nur die bisher in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen, sondern die Freude über das Buch und den Fall noch zu steigern.
Lehane hat sich mit diesem Fall eine nicht alltägliche Geschichte ausgedacht, sondern lässt den Leser auf eine Art Verbrechen schauen, wo sich nicht alles auf Anhieb als schwarz oder weiß darstellt. Dies bekommt auch die Beziehung zwischen Gennaro und Kenzie zu spüren.
Während den Ermittlungen gibt es einige überraschende Wendungen und bald wird klar, dass einige Protagonisten noch eine andere Seiten haben. Überhaupt scheint der Autor darauf Wertzulegen, dass der Leser, die Figuren von allen Seiten kennenlernt. Es wird dargelegt, dass auch die vermeintlich Bösen eine andere Seite haben.
Auch bei diesem Buch passt wieder alles: Spannung von Anfang bis Ende, Überraschungen auf fast jeder Seite und trotz aller Grausamkeiten auch die richtige Dosis Humor. Die Krönung des Werkes ist das furiose Finale mit einer nicht alltäglichen Lösung. Dabei bleibt es dem Leser überlassen, wie er die Lösung bewertet.

Eine Warnung sei auch angebracht: zart besaitete Gemüter, denen die Schilderung von Gewalt an Kindern zu schaffen macht, sollten die Hände von diesem Buch lassen, denn genau darum geht es - um Kindesentführung, Kindesmissbrauch und Pädophilie... und um die Frage "was ist richtig und was ist falsch kann es richtig sein das Falsche zu tun, weil man es vom Gesetz her tun muss?"

Lehane gehört für mich zur U.S. Spitzenliga der "Hardboiled" Krimiautoren!
Lesen! Lesen! Lesen!

13.05.2008 23:01:18
Sus1978

Ein Buch, auf das ich eher durch Zufall gestoßen bin weil ich mir die Verfilmung dazu (Regie Debut von Ben Affleck) ausgeliehen habe. Ich lese Entführungsfälle sehr gern und außer Mystik River habe ich bisher kein Buch von D. Lehane vorher gelesen.

Doch ich fand Patrick Kenzie so genial dargestellt in dem Film, und dermaßen charimatisch, dass ich neugierig geworden bin, wei die Vorlage wohl sein mag. Schließlich haben die Crew und der Autor selbst im Bonusmaterial über das Buch gesprochen, so dass ich es mir gleich ausgeliehen habe! WOW! Es übertrifft den Film um Längen (wie die meisten Bücher) sauspannend und genial geschrieben, einfühlsam aus P. Kenzies Sicht und ein heikles Thema fesselnd dargestellt. Auch ich hab oft Tränen in dne Augen gehabt! Auch die Verwirrungen sind gut gestrickt! Ich hol grad die anderen Bücher von D. Lehane alle nach, Patrick Kenzie mein neuer Held! Wie konnte ich diese Reihe vorher nur verpassen???

16.04.2008 08:18:01
bubble70124

Wow, ich habe das Gefühl, das wird von Buch zu Buch besser.

Das heikle Thema Kindesmißbrauch wurde gut dargestellt und umgesetzt - nicht zu hart aber auch nicht zu weich. Am Ende die Gratwanderung zwischen Richtig und Falsch fand ich besonders gelungen. Es ist eben nicht immer alles schwarz oder weiß.

Ich habe wieder voll mitgelebt. Die Mutter der kleinen Amanda hätte ich am liebsten mal deftig geschüttelt und die Schießerei im Steinbruch - ich glaube ich war mittendrin :-)

23.03.2008 17:34:28
Sonny

Meine Erwartungen an den nächsten Lehane wurden mal wieder voll erfüllt. Spannend, witzig und flüssig geschrieben. Die einzelnen Personen allzu menschlich dargestellt.
Das Ende hinterlässt einen kleinen Nachgeschmack. Wie hätte ich gehandelt?
Band 5 liegt schon bereit.

04.11.2007 17:40:21
sue82

Auch der 4te Teil um das Detektiv - Duo Patrick Kenzie und Angela Gennaro strotzt nur so vor Spannung und Wortwitz. Das Ende war unerwartet. Die Schilderung der Kindsmorde brutal und Bubba ist wieder in Höchstform.

Alles in allem ein gelungenes Buch, die Charaktere passen, die Story ist brutal und erzählt schonungslos offen wie es in der Welt zugeht.

07.10.2006 16:28:28
martin h

die grauenhafte schilderung, wie unschuldige kinder unter unvorstellbaren qualen leiden, hat mich als familien-vater sehr betroffen. lehane hat hier ein sehr düsteres kapitel unserer gesellschaft aufgegriffen. aus der optik des krimilesers fehlte mir trotz allem jedoch etwas die spannung. dennis lehane kann es besser. ich vermisste eine klare struktur. desöfteren war es mir auch zu langatmig geschrieben. von lehane erwartet der leser sehr, sehr viel. da kann es gelegentlich zu kleineren enttäuschungen kommen.

12.04.2006 21:53:50
Rainer

Nach dem Roman "Praying for rain" ist das der zweite Titel, den ich von Dennis Lehane gelesen habe. Er gesellt sich in eine Reihe der großen Namen der internationalen Kriminalliteratur von heute: Michael Connelly, Peter Robinson. Ein sehr skurriles Team mit Kenzie, Gennaro und Bubba. Ausgefeilte psychologische Porträts bis in die Nebenfiguren und ein Ende in diesem Buch von mehr als 500 Seiten, das man sich nicht gewünscht hat, aber welche Wünsche werden im Leben schon erfüllt. Angie Gennaros Reaktion kann ich jedenfalls nachvollziehen.

29.12.2005 09:33:56
Marcel

So..gute 3 Monate und gut 6 Bücher weiter (nach Beendigung des Buches), muss ich meine Meinung zu diesem Thriller noch einmal ergänzen:

Nachdem man die letzte Seite eines Buches ausgelesen hat findet man viele Bücher meisterhaft...aber nur ganz ganz wenige bleiben für immer an einem hängen und fressen sich geradezu in das Herz und Gehirn des Lesers.

"Kein Kinderspiel" ist bislang das einzigste Buch was das bei mir geschafft hat.
Ich bin 28 Jahre, Familienvater und viele halten mich für eher gefühlskalt (stimmt aber nicht *g). Beim lesen dieses Buches auf dem Weg zur Arbeit stiegen mir in der Bahn die Tränen in die Augen, so sehr hat mich die mit der Story verbundene Wut gepackt.
Ein Gefühl, welches auch heute noch nachwirkt. Nicht unbedingt ein gutes Gefühl..aber ein Zeichen dafür, dass der Thriller und die Handlung 100%ig funktionieren und zum Nachdenken anregen.

Warum erzähle ich euch das? Aus Hochachtung vor diesem Buch, und weil ich euch diese Eindrücke als Empfehlung nicht vorenthalten will.

Chapeau Mister Lehane!

P.S.: dass Lehane nicht unbedingt ein Freund Hollywood-liker Happy-Ends ist, damit muss man (und ich) mich wohl abfinden...aber nur deshalb funktionieren seine Bücher so nachhaltig!

06.10.2005 12:23:34
Marcel

Ein Dank an die Allgemeinheit, denn ohne die hiesige Bewertung wäre ich sonst wohl nie auf diese Literathur-Perle aufmerksam geworden.
Der Autor, der uns auch schon die Vorlage von einem der besten Filme aller Zeiten lieferte (Mystic River), liefert hier ein wahres Meisterwerk ab:
Blendender Erzählstil, tolle Charactere und eine Story, die so schockierend real ist, dass es jedem Menschen mit Gefühl die Tränen vor Enttäuschung und Wut in die Augen treiben muss.

Lehane öffnet die Augen für die dunkle Ironie, dass oftmals das schützende Gesetzt nicht eine Lösung sondern ein Balast ist, das das Gute zerstört und das Böse schützt.

Ganz große Litheratur mit Dramatik, Tiefgang und Wendungen, die einem schwer im Magen liegen bleiben.

Fazit: Die öffentliche Kritik meint, eines der 10 besten Bücher des Jahres. Ich bin mir sicher...eines der 10 besten Bücher überhaupt.

01.03.2005 01:53:15
Erik Tittel

"Kein Kinderspiel" ist ein großartig geschriebenes Buch von Dennis Lehane. Die Charaktere sind vielschichtig, interessant und witzig, obwohl die Stimmung eher düster daher kommt. Am Anfang wird die Spannung ganz langsam aufgebaut, aber spätestens nach 200 Seiten wird man in die Handlung hineingezogen. Das Ende ist besonders spannend, fand ich. Im Großen und Ganzen eine Lektüre zum Weiterempfehlen. Kein amerikanischer Krimiautor kann zur Zeit wohl besser von menschlichen Abgründen und Kriminalfällen erzählen als der Bostoner Autor Dennis Lehane. Wer noch nicht aufgeklärt ist, dem empfehle ich ebenso "Regenzauber", "Mystic River", "Absender unbekannt" und "In tiefer Trauer".

19.02.2005 16:20:01
Yvonne Schwwarz

Dennis Lehane gilt immer noch nur als "Geheimtipp", das ist wirklich schade, denn seine Bücher gehören zu den Besten, die ich je gelesen habe. Von Anfang an ist dieses Buch spannend und über den Schluss und Patricks Entscheidung muß man lange nachdenken. Ich habe alle Bücher von ihm schon ein paar Mal gelesen und bin jedes Mal begeistert.

09.02.2005 08:55:15
Marie-Luise Griese

" Kein Kinderspiel " entfaltet einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Brutal und ehrlich zog mich der Plot in die Geschichte hinein und zum Schluß stand ich vor der Frage, wie hätte ich entschieden. Ohne moralischen Zeigefinger wird die Geschichte erzählt und sie macht Angst und die Gewissheit, daß alles genauso passieren kann. Durch den Film Mystic River bin ich auf Dennis Lehane gestossen und bin von seinen Bücher begeistert. Gnadenlos grandios !!

21.01.2005 09:46:25
Kurt W. John

Hebe das Buch nach fast 5 Jahren zum 2. Mal gelesen.
Der Plot ist gnadenlos gut, die Typen sind phantastisch beschrieben, die Wendungen sind ebenso unvorhersehbar
wie nervenaufreibend! Vom vielversprechenden Anfang bis zum bitteren (??) Ende atemberaubend!
Meine Meinung hat sich bestätigt: das ist (wenn man das bei Lehane überhaupt sagen kann) das Beste!!