Ein letzter Drink

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • New York: Harcourt Brace, 1994, Titel: 'A drink before the war', Seiten: 267, Originalsprache
  • Berlin: Ullstein, 1999, Titel: 'Streng vertraulich', Seiten: 320, Übersetzt: Andrea Fischer
  • München: Ullstein, 2001, Titel: 'Streng vertraulich', Seiten: 316, Übersetzt: Andrea Fischer
  • Berlin: Ullstein, 2004, Titel: 'Streng vertraulich', Seiten: 316, Übersetzt: Andrea Fischer
  • Zürich: Diogenes, 2016, Seiten: 352, Übersetzt: Steffen Jacobs

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Michael Matzer
Für jeden Krimi-Fan sind Lehanes Bücher Pflicht

Buch-Rezension von Michael Matzer Mai 2003

Kenzie und Gennaro werden von zwei hochrangigen Bostoner Senatoren beauftragt, ihre verschwundene Putzfrau Jenna wiederzufinden, die vertrauliche Dokumente entwendet haben soll. Als Kenzie/Gennaro Jenna endlich bei deren Schwester auf dem Lande aufgestöbert haben, geht Kenzie mit Jenna zu einem Bankschließfach, woraufhin sie ihm einen Umschlag mit einem brisanten Foto übergibt: Es zeigt einen der obigen Senatoren mit einem schwarzen Straßenbandenführer namens Socia. Pikant: Der Senator will Straßenbanden verbieten; über den Gesetzesvorschlag soll in Kürze abgestimmt werden. Noch pikanter: Socia ist Jennas Ehemann. Und wie Jenna sagt, gibt es noch 22 weitere Bilder von diesem Treffen.

Wenige Sekunden später wird Jenna vor der Bank auf offener Straße mit einer Uzi-Maschinenpistole niedergemäht. Kenzie gelingt es, den Angreifer, einen von Socias "Soldaten", niederzuschießen. Doch nun ist natürlich jeder hinter dem Foto und dem Leben seines derzeitigen Besitzers her.

Zwischen den Fronten der Drogenbosse

Socia, einer der Drogenbosse der Bostoner Unterwelt, hat einen Gegenspieler, seinen Sohn Roland, der ihm den Krieg erklärt, als Jenna, Rolands Mutter, zu Grabe getragen wird. Damit er Socia schaden kann, will natürlich auch Roland an das Foto herankommen: Kenzie /Gennaro stehen genau zwischen den Fronten. Weil die Polizei sehr ungern einen Krieg in ihrer Stadt duldet, will sie natürlich auch das Foto, das zum Zankapfel geworden ist. Und die Senatoren sowieso.

Doch das Foto ist Kenzies Lebensversicherung. Erst versucht er, in mehreren nervenaufreibenden Aktionen seine nackte Haut zu retten. Sein psychopathischer Freund Bubba Rogowski, ein Beirut-geschädigter Ex-Marine, hilft ihm mit diverser Artillerie. Als Kenzie auch an die übrigen Fotos herankommt, packt ihn die kalte Wut: Purer Sprengstoff! Der Showdown lässt nicht lange auf sich warten...

Thema Rassismus

Der Originaltitel des Romans lautet "A drink before the war". Mit dem Krieg ist natürlich den stattfindende Bandenkrieg gemeint. Und den Drink nehmen Kenzie/Gennaro mit einem abgetakelten Polizisten namens Devine in einer Kneipe ein, der einzigen weißen in einem schwarzen Viertel. Natürlich kommt es dort zu einer recht hässlichen Szene mit den anderen Kneipenbesuchern.

Der Autor packt mit dem Thema "Rassismus" ein heißes Eisen an. Aber als sei das noch nicht genug, kritisiert er die korrupten Politiker einen nach dem anderen, wobei sich einer von denen als Pädophiler und Unterweltfreund herausstellt. Der Autor stellt sich jedoch nicht auf eine bestimmte Seite: sowohl Schwarze wie Weiße, Arbeiterklasse wie auch herrschende Klasse haben gleichermaßen Dreck am Stecken. Keiner kommt ungeschoren davon, nicht einmal Kenzie selbst. Und auch Gennaro, seine berufliche Partnerin, hat kein blütenreines Gewissen: Im Zorn bringt sie beinahe ihren gewalttätigen Ehemann Phil um.

Gedanken über den Niedergang der Stadt

Neben der actionreichen Handlung bleibt den abgehetzten Hauptfiguren noch genügend Zeit, sich über den Niedergang ihrer Stadt Gedanken zu machen. Im Grunde ist Boston noch wesentlich besser dran als etwa Washington, L.A. oder New York City, doch was seinen gesellschaftlichen Niedergang angeht, so ist auch dieser offenbar unabwendbar. Die wichtigsten Werte wie etwa Kinder- und Mutterliebe wurden bereits verraten, von Werten wie Schutz des Eigentums und des Lebens ganz abgesehen. Verlautbarungen von Politikern vergleicht der Autor mit Weihnachtsmärchen: Die Wähler wollen ja unbedingt daran glauben, um die deprimierende Realität, die das Märchen widerlegt, aushalten zu können.

Dieser Roman spielt auf keinen Empfängen oder Parties - Kenzie/Gennaro halten das für etwas unangebracht, wenn sie mitten in einem Straßenkrieg versuchen, ihre nackte haut zu retten. Schauplätze sind in der Regel das heiße Pflaster, ausgebrannte Straßenzüge, irgendwelche Kneipen, Polizeireviere usw. Nicht gerade Beverly Hills.

Und doch: Als Kenzie seine Auftraggeber trifft, so findet das Gespräch in einer feinen Hotel-Lobby statt, aber was dort geredet wird, möchte man nicht in einer Klatschkolumne lesen. Hier wird mit harten Bandagen gekämpft. Kaum wieder daheim, reißt sich Kenzie den elenden Anzug vom Leib und schlüpft in seine Jeans. Ist eben kein James Bond.

Waffenschein für geschliffenes Mundwerk

Ich musste beim Lesen mehrmals laut auflachen: Unsere beiden Helden lassen sich erstens von absolut gar nichts beeindrucken und führen zweitens ein geschliffenes Mundwerk, für das sie einen Waffenschein beantragen müssten. Selten so coole, harte Sprüche gelesen! Und das gilt auch für Miss Gennaro.

"Streng vertraulich" ist ein kleiner, aber feiner Hard-boiled-Krimi, der jedem Raymond Chandler oder Ross MacDonald Ehre gemacht hätte. (Stephen King brauchte diese Krimis angeblich zum Überleben - nun ja.) Für jeden Krimifan sind Lehanes Bücher Pflicht. Leute mit zartem Gemüt sollen sich das neueste Schneewittchenabenteuer besorgen.

Ein letzter Drink

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Letzte Kommentare:
07.02.2011 09:42:01
M.Reinsch

Zu Anfang wusste ich nicht, ob mir die Geschichte wirklich gefallen könnte. In erster Person geschrieben ist schon (für mich) immer etwas positives. Da ich Miky Spillane sehr gerne gelesen habe, war auch das "Hard-Boiled-Prived Eye" recht angenehm. Probleme bereitet mir eher, das Alles irgendwie überdimensioniert war - alles noch härter, noch schnöseligere Sprüche, noch mehr Machismo...
Die Story kam langsam ins rollen und mein Interesse stieg. Was zu Anfang für Verwirrung sorgte, klärte sich - und fand Gefallen.
Am Ende muss ich zugeben, es wird nicht der letzte Lehane gewesen sein, den ich lese.
Der ganze Roman ist eigendlich eine Anklageschrift von Weiß gegen Schwarz und Lehane lässt keinen seiner Protagonisten aus, um das immer wieder zu betonen.
Dazu kommt noch ein sehr abgewracktes Ermittlerteam, das aber immer wieder Sympathiepunkte sammelt.
Kurzum, hier ist "Hard-boiled" genau das was man erwartet - dunkel, schmutzig und laut!
85° - denn es gibt Besseres, aber auch sehr viel Schlechteres...
Micha

20.09.2010 22:18:48
Schrodo

Das Bostoner Detektivteam Patrick Kenzie und Angela Gennaro wird von zwei hochrangigen Senatoren beauftragt, ihre verschwundene schwarze Putzfrau samt streng vertraulicher Dokumente aufzutreiben. Scheinbar eine leichte Übung für das toughe Ermittlerpärchen. Doch dann wird die Putzfrau Jenna auf offener Straße erschossen, und die Dokumente entpuppen sich als kompromittierende Fotos, an denen sowohl Senator Paulson als auch der Boß der Bostoner Unterwelt ein berechtigtes Interesse haben. Patrick und Angie werden in den Strudel eines brutalen Bandenkrieges hineingezogen und müssen sich den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit stellen, um aus diesem Fall mit heiler Haut herauszukommen.
Etwas holperig ist das Erstlingswerk des Herrn Lehane schon. Den Plot ist nicht mehr als ein laues Lüftchen, die Handlung und vor allem die Spannung kommt erst recht spät auf Touren. Die Dialoge sind teilweise so witzig und cool, daß ich mehrmals richtig schmunzeln mußte. Ein hard-boiled Krimi, der aber auch eine erbarmungslose Betrachtung sozialer und rassistischer Mißstände in amerikanischen Städten ist. Lehane beleuchtet beide Seiten dieses Rassismus, bei der Gewalt als einzige Problemlösung erscheint. Es gibt Leichen ohne Ende, ein cooles Ermittlerpärchen, zynische Bullen, böse Buben so weit das Auge reicht, die buchstäblich auf alle schießen was sich bewegt.

31.03.2010 20:21:20
Addicted-to-read

Der erste Roman mit dem Dream-Team Gennaro und Kenzie! Und das meine ich so, wie ich es sage! Die beiden sind in ihrer Art zu ermitteln und zu recherchieren unschlagbar, nehmen niemals ein Blatt vor den Mund, können hart austeilen, müssen aber auch sehr gut einstecken können. Gleichzeitig zeigen sie aber auch eine Verletzlichkeit und Menschlichkeit, tiefe Freundschaft und Verunsicherung, wenn es um die Gefühle für den jeweils anderen geht. Sie kämpfen für die Schwächeren und Unterdrückten und haben immer einen lockeren, meist zynischen Spruch auf den Lippen. Habe selten so knochenharte und vor Wortwitz sprühende Dialoge gelesen!
Die Geschichte, welche in einer klaren und ungekünstelten Sprache erzählt wird, reißt einen sofort mit, baut sich schnell und spannend auf und endet nach vielen Leichen und Gewalttaten in einem furiosen Finale. Ein Buch, welches mich sofort überzeugt hat und ich gerne mit 90° bewerte!

12.09.2009 10:39:48
Frank

Anmerkung:
Nun habe ich auch die Kritik des Herrn Matzer gelesen. Eine gute Entscheidung dies nicht VOR der Lektüre gemacht zu haben. Dann kann man sich den Roman nämlich auch ebenso gut sparen, da dort wesentliches bereits vorweg genommen wird. Mag sein dass eine Rezension und die darin enthaltenen Informationen ein schmaler Grat sein können - hier wurde eifrig daneben getreten.
Um ein Beispiel zu nennen. Was auf den Bildern in Gänze zu sehen ist, ist wesentlich für den ganzen Plot und wird im Buch erst spät enthült - Herr Matzer hingegen hat kein Problem damit, dies in seiner Kritik dem potentiellen "IchwilldasauchnochlesenPublikum" aufs Auge zu drücken.
Schade.

12.09.2009 10:28:05
Frank

Der Auftakt der Kenzie/Gennaro Reihe.
Lehane greift hier den tief verwurzelten Rassenhass auf, allerdings schildert er dies nicht wie so häufig nur aus einer Richtung. Hier hasst jeder jeden - in diesem Teil des Landes (der Roman spielt in Boston) wird Hass von Generation zu Generation weitergegeben. Er zeigt die Perspektivlosigkeit der Kinder und Jugendlichen auf, macht dort keine Unterschiede zwischen weißer und schwarzer Haut. Das ganze wird dann noch abgerundet durch politische Intrigen und Korruption - man kann wirklich nicht von einem "fröhlichen" Roman sprechen.
Dabei sind auch die beiden Hauptprotagonisten samt ihrem psychotischen Freund und Beschützer "Bubba" alles andere als eindimensionale Figuren. Dadurch ergibt sich am Ende eine hochinteressante Frage, die der/die Leser/in für sich selbst beantworten muss.
In einer klaren, schnörkellosen Sprache erzählt, ist das perfekte Krimiunterhaltung. Die im übrigen zum Teil sehr blutig gestaltet wird.
95%

23.01.2009 12:56:09
koepper

„Streng vertraulich“ ist mein erstes Buch von Dennis Lehane. Sicher nicht mein Letztes. Lehane hat seinen Plot in einer kaputten Welt angesiedelt. In Bosten gerät der Privatdetektiv Kenzie und seine Partnerin Gennaro zwischen die Fronten eines erbarmungsloses Bandenkrieges, in den 15 jährige Kinder involviert sind. Lehane zeichnet ein düsteres, deprimierenden Bild der Straßengangs in Boston. Kinder, die keine Zukunft haben, die in ihrer Hoffnungslosigkeit, ihrer Perspektivlosigkeit gefangen sind. Ihr armseliges Leben besteht aus Gewalt.
Der Autor beschreibt den Rassenhass, er beschreibt die Welt der korrupten Politik. Dies gelingt ihm eindringlich. Auch Kenzie und Gennaro sowie die Polizisten, alle sind nicht ganz sauber , auch ihnen geht ab und an das ab, was wir „political correctness“ nennen. Das macht die Detektive jedoch symphatisch. Manchmal erscheinen sie mir etwas zu furchtlos, sie befinden sich ständig in hochgradige Lebensgefahr.
Die Geschichte ist düster, spannend, actionreich und sie ist vor allem gut erzählt.
Lehane kann mit der Sprache umgehen. Die Dialoge sind z.T. tatsächlich witzig, obwohl die ganze Geschichte eine traurige ist. Lehane hat die Portion Zynismus, die mir gefällt. Auch die Rückblenden in Kenzies traumatisierende Kindheit und die Betrachtung zu Gennaros unglückliche Ehe, sind weder langweilig noch überflüssig, sondern runden die Story ab.
Ein tolles Buch, ich kann es ohne Einschränkungen empfehlen.

05.09.2008 09:51:05
Taennsche

ein flüssiger Lesespaß, auch für "Softies" wie mich geeignet. Die vereinzelten Folterbeschreibungen musste ich allerdings überblättern, ansonsten sind Gennaro und Kenzie natürlich ein dreamteam, das Lust auf Fortsetzung(en) macht! Sehr kleiner Wermutstropfen ist nur das gängige Klischee vom guten Einzel(Zwei-)kämpfer, der/die absolut integer durch die böse weite Welt geht/gehen...

29.06.2008 16:09:39
heinrich

In wild-east USA (=Boston) herrscht das Gesetz der Straße. Patrick Kenzie und Angela Gennaro, zwei Privatdetektive, die gerne coole Typen wären, werden in einen Bandenkrieg verwickelt, als sie für einen skrupellosen Politiker brisante Unterlagen wiederfinden sollen, die auch für die Bandenführer von existenzieller Bedeutung sind. Angela und Patrick haben große Knarren und einen durchgeknallten Hilfswilligen, mit denen sie alle Probleme meistern. Die Bostoner Polizei besetzt die Statistenrollen, ihre Tätigkeit beschränkt sich weitgehend darauf, auf den Sieg der einen oder anderen Bande zu wetten.
Der Roman ist flüssig geschrieben, witzig und zynisch. Wenn man eventuelle Erwartungen über Bord wirft, er handle von moralisch einwandfreien Ermittlern, die sich dem Recht und Gesetz verbunden fühlen, wird man von Lehane bestens bedient. Nur an wenigen Stellen schreibt er etwas oberlehrerhaft, wenn er Kenzie beispielsweise über die Ursachen großstädtischer Gewalt referieren lässt.
Den Vergleich Herrn Matzers von „streng vertraulich“ mit Romanen von Chandler oder Ross MacDonald finde ich unpassend. Weder zeitlich noch örtlich gibt es größere Gemeinsamkeiten, allenfalls in der Unbestechlichkeit der Charaktere. Aber da kann man auch tausend andere Autoren heranziehen... . 80 °

21.05.2008 20:48:57
LadyB

Was für ein Buch! Ich habe selten eine dermaßen große Ansammlung von Leichen und gewalttätigen Ausseinandersetzungen zwischen zwei Buchrücken erlebt. Und doch ist das Ganze im Plot großartig verbunden und zu jeder Zeit nachvollziehbar. Lehane macht es sich und seinen Lesern nicht einfach: Stellung zu beziehen erfordert Mut und schönfärberische Hilfestellung ist hier nicht zu erwarten.
Ist sicher nicht das letzte Buch von diesem Autor.

07.04.2008 20:54:00
Sawyer

Ich kann mich den überschwänglichen Kritiken nicht anschließen. Ein gutes Buch mit ein wenig Humor und ein bißchen Spannung. Bis zur Mitte des Buches verliert sich Lehane in Details und wendet selbst in den wenigen spannenden Szenen mehr Zeit dafür auf die Personen und Umgebung zu beschreiben, als die Handlung fortzutreiben oder zu schildern. Zugegeben sind die Charaktere liebenswert. Ich halte es aber für überflüssig bei jeder Gelegenheit daraufhinzuweisen, wie gut Angela aussieht und wer, was getrunken hat oder gerade trinkt.
Fazit: Nette Unterhaltung, mehr aber auch nicht.

14.03.2008 13:46:21
Stefan83

Zugegeben: Überschwängliche Kritiken und Lobpreisungen in höchsten Tönen machen mich grundsätzlich skeptisch und tragen meist dazu bei, dass ein Buch eher etwas länger in meinem Schrank verweilt, bevor ich es mir schließlich zu Gemüte führe. Und nicht selten stellt sich dann meine anfängliche Skepsis auch als begründet heraus. Nicht so bei Dennis Lehanes Erstlingswerk „Streng vertraulich!“, dem Auftakt zur Reihe mit dem Detektivduo Patrick Kenzie und Angela Gennaro. Selten, ja wirklich sehr sehr selten, hat mich ein Debütroman von Seite eins an so sehr begeistert wie dieser. Handlungsort der Story ist Boston. Detektiv Kenzie und seine Partnerin Angela Gennaro werden von einem Senator samt Abgeordneten angeheuert, um ein paar verloren gegangene Dokumente wiederzubeschaffen. Die dunkelhäutige Putzfrau Jenna wird verdächtig diese gestohlen zu haben, weshalb sich das Duo gleich an ihre Fersen heftet. Die Frau ist schnell gefunden, doch wird sie noch bei der Übergabe des Umschlags von einer Uzi-Salve ins Jenseits geschickt. Schon bevor sich der Qualm der Schießerei gelegt hat, wird Kenzie klar, das er von nun an um sein Leben fürchten muss. Der Umschlag enthält ein einziges Foto, welches einen der auftraggebenden Senatoren gemeinsam mit dem schwarzen Bandenchef Socia zeigt. Und letzterer ist nicht der Einzige, der dieses belastende Beweisstück unbedingt in die Finger bekommen will. Klingt spannend? Ja, ist es auch, und wie. Wer sich bis hierhin krampfhaft geweigert hat, von der Story in den Bann gezogen zu werden, hat nun keine Wahl mehr. Der Plot gleicht von jetzt an einer Achterbahnfahrt. Da sind zum einen die Dialoge: Was Lehane an Wortwitz in den Dialogen abfackeln lässt, hat mich schlichtweg vom Hocker gehauen. Die beiden Helden geben sich auch im dichtesten Kugelhagel unbeeindruckt und führen ein Mundwerk, das einfach nur tierisch Spaß macht. Selten hab ich so herzhaft gelacht, um im nächsten Moment von der Tiefe der Charaktere sprachlos gemacht zu werden, denn auch diese hat Lehane hervorragend gezeichnet. Kenzie als knallharter Detektiv, der gewisse Parallelen zu Sam Spade aufweist, und mit dem heldenhaften Feuerwehrmann-Erbe seines verstorbenen, diktatorischen Vaters kämpft. Und an seiner Seite Angela Gennaro. Knallharte, toughe Partnerin, die zu Hause ihren eigenen Kampf mit dem gewalttätigen Ehemann austrägt. Dazu kommt ein Plot, der spannend wie actionreich, temporeich wie tiefgründig ist. Lehane legt den Finger in mehrere Wunden und thematisiert in seinem Buch unter anderem Rassismus und Pädophilie, ohne dabei irgendeiner Weise belehrend daher zu kommen. Die bildreiche Sprache, welche den Leser den Dreck beinahe riechen, die vorbeizischen Kugeln fast hören lässt, rundet das Bild ab. Insgesamt ist „Streng vertraulich!“ ein überragendes, fesselndes Debüt in bester Tradition von Ellroy und Hammett, das von Anfang bis Ende lückenlos unterhält. Ein Buch wie ein Ziegelstein ins Gesicht. Hart, kantig und umwerfend. Seit langem das Beste was ich im Hard-Boiled-Genre lesen durfte. Die nachfolgenden Bände der Reihe sind so gut wie gekauft.

13.01.2008 15:08:46
bubble70124

Herrlich, es hat mich schon lange kein Buch mehr so unterhalten, wie dieses. Ich habe mich köstlich amüsiert über das herrlich erfrischende Ermittlerpaar. Die Dialoge einfach unschlagbar. Die Verfolgungsjagd im Auto habe ich extrem miterlebt - ich glaube ich saß auf dem Rücksitz. Dennis Lehane schafft es wirklich trotz einer eher unspektakulären Anfangsstory - verschwundene Unterlagen wiederzufinden - den Leser in eine Welt eintauchen und mitleben zu lassen.

13.01.2008 02:30:09
Rolf.P

Ein fesselnder Roman, sehr gut beschriebene Charaktere und viel Action.

Besonders gut gefällt mir, dass die Protagonisten so herrlich zynisch und ironisch sind und dabei immer menschlich bleiben. Ich habe selten beim Lesen eines Buches so herzhaft und oft gelacht.

Lehane gehört für mich zur U.S. Spitzenliga der "Hardboiled" Krimiautoren!

03.01.2008 19:46:10
Sonny

Rasant, actionreich, gute Prise Humor und Gesellschatskritik. Was will man mehr? Hab lange kein Buch mehr in zwei Tagen geschafft, aber dieses konnte ich kaum aus der Hand legen. Die Folgebände sind vorbestellt und gleich morgen geht es weiter mit diesem sympathischen Duo.

01.08.2007 02:22:25
sundary

Kein typischer Krimi, eher ein Detektivroman… Es wird kein Mörder gesucht, das Ermittlerduo wird beauftragt Unterlagen wieder zu finden, stößt dabei auf Bandenkrieg und Politiker mit dubioser Vergangenheit. Am Anfang habe ich mich auch recht schwer getan mit diesem Buch, war doch ein wenig enttäuscht, aber je mehr Seiten, desto sympathischer wurde mir das Duo, bestehend ans Angela Gennaro und Patrick Kenzie.
Die folgenden Bücher werde ich nach und nach lesen... Figuren entwickeln sich ja bekanntlich weiter

03.07.2007 18:48:31
Luca

Wieder ein perfekter Krimi um Patrick Kenzie und Angela Gennaro.
Viel Action,coole sprüche und sehr viel spannung.
Die KC hat volkommen recht:Für jeden krimi Fan sind Lehanes Bücher flicht.

L.G.Luca

P.S.Der beste varackter nach Kenzie und Ange,ist BUBBA

08.05.2007 00:16:33
Gnaegi Beatrice

Toll, dass es soviele begeisterte Lehane Anhänger gibt. Ich habe seine Bücher alle gelesen und das mehrmals. Wenn man kann, sollte man sie in der Originalfassung, English, lesen, da sonst bei der Uebersetzung viel verloren geht.
Was schade ist.
Mystic River ist ja von Clint Eastwood verfilmt worden, mit einem ausgezeichneten Sean Penn als Jimmy.
Seine Themen sind oft von schrecklicher Brutalität aber sein Held Patrick schafft es, bis jetzt noch, sich seine Sensibilität zu bewahren. Tatsächlich sind auch Lehanes Beschreibung über seine Gefühlswelt und seine Liebesbeziehung oft so schön, that it blows a hole in my chest. Lehanes grosse Kunst ist, dass man beim Lesen seiner Bücher sich sozusagen als Familienmitglied fühlt. Ich habe immer den Eindruck dazuzugehören und wenn ich dann auf der letzten Seite angekommen bin, bleibt da eine grosse Lücke und eine gewisse Trauer.
Wer weiss, vielleicht schenkt er uns bald wieder einen neuen Kenzie/Gennaro Roman und wir sind von neuem wieder glücklich. Schön wäre auch wenn sich ein mutiger Produzent fände, der einige seiner Bücher verfilmte.
In einem Interview hat Lehane gesagt, dass er nach seinem unablässigen Schreiben die letzten Jahre, jetzt unbedingt eine Ruhepause benötigt und die gönnen wir ihm von Herzen. Ich weiss nicht ob man an Lehane direkt schreiben kann. Ich würde ihm so gerne sagen, wie viel mir seine Bücher bedeuten. Weiss jemand eine Adresse?

Am besten Gefallen hat mir "prayers for rain". Das war ein grosser Wurf. Grenzt geradezu an Genialität einen solchen Plot zu erfinden, der bis zum Ende hält was er verspricht.

Beatrice

13.05.2006 14:56:36
Natascha

Ich finde die Kenzie/ Gennaro Reihe einfach phantastisch! Dennis Lehane schreibt alles so locker und spannend zugleich, dass es mir schwergefallen ist auch nur mal für fünf Minuten das Lesen aufzuhören.
Ich las die fünf Bücher der Reihe inerhalb einer Woche, und bin richtig entäuscht dass es nicht mehr Bücher von Patrick un Angie gibt!!!
Was mir ganz besonders gefällt ist dass er in der ich-Form geschrieen ist.

Lehane ist für mich einer der aller größten Autoren, ich bitte sie schreiben sie noch mehr abenteuer von Pat & Co.

02.03.2006 09:16:36
Marcel

Ich habe die Kenzie/Gennaro-Reihe nun fast durch, und habe mich dabei nicht an die chronologische Reihenfolge gehalten.
Ich finde es nicht schlimm, denn jeder Roman erzählt an sich (mit wenigen Ausnahmen (z. Bsp. Thema Phil)) eine ganz eigene faszinierende Geschichte.
Man merkt als "erfahrener" Lehane-Leser, dass es sich hier um das Erstlingswerk handelt, denn der Anfang des Buches liest sich noch etwas holperig. Mit jeder Seite nimmt jedoch die frische, unterhaltende, spannende und faszinierend-typische Lehane-Erzählung Profil an.

Fazit: tolle Story, tolle Charaktere und ein unvergleichbarer Erzählstil => ein Top-Start in eine der wohl besten Krimi-Reihen die es gibt.

17.01.2006 19:39:17
b.neumann

Nach "Absender unbekannt" und "Kein Kinderspiel" die ernüchternde Einsicht, dass man Lehane chrologisch lesen sollte, um den Handlungs- und Beziehungsaufbau nicht ständig intuitiv erahnen zu müssen.
Bei seinem Erstling (im zarten Alter von 28 Jahren!!!) keimte auch bei mir der Verdacht auf, dass D.L. anfangs gar nicht bestrebt war, einen Krimi zu schreiben: vielfältigste Detaileinwürfe und prima Informationen über die 80er Jahre (nostalgische Musikkassetten und eben solche Modeanspielungen), brillante Komik ohne zwingenden Thrill schaffen schöne, plastische Bilder, die dann aber ziemlich unverhofft in eine erschreckende Brutalität kulminieren.
Lehane, Jahre davor in vielen Gelegenheitsjobs, aber auch als Sozialarbeiter in der Betreuung sexuell mißbrauchter Kinder tätig, schöpft hier offensichtlich aus dem Vollen: seiner Lebenserfahrung und Begegnungen der besonderen Art. Der häufig belehrend erhobene sozialpolitische Zeigefinger erinnert an Mankell, Stil, Handlung und Sprache wohl eher an Pulp-Noir Klassiker.
Auch das sollte Erwähnung finden: Neben zahlreichen (aber nicht unmittelbar störenden) Druckfehlern ist der BdM-Vergleich auf S.98 eine schlimme Entgleisung, eine Recherche bei E. Mann oder ein aufmerksamer Lektor wären hilfreich gewesen.

FAZIT:
ein heftiges Buch mit einem coolen, eingespielten und somit blind verlässlichem Detectiv-Team, das schnell im Kopf und mit der Zunge sowie mutig (mit Hang zur lebensmüden Tollkühnheit!) ist.

Und: Vorsicht vor Socia, dem ekligsten Widerling, dem ich in der Literatur je begegnen mußte!!!
Unterbewusst immer daran denken: Alles ist nur ein Buch, die Phantasie eines Autors. Das Leben ist anders, meistens (Auch im finsteren Boston).

P.S.: >>>> schwächer als "Absender unbekannt", aber lesenswerte 89 GRAD.

31.05.2005 13:20:42
Helga

Dieses Buch war zu Beginn für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Es werden pausenlos nur Sprüche geklopft, die mir fast schon zu viel waren und ich vermisste eigentlich das Kriminalistische.

Ungefähr nach dem ersten Drittel des Buches habe ich mich dann aber eingelesen und es hat mir ausgezeichnet gefallen und auch das Detektiv-Duo sowie die Nebenpersonen sind mir sehr vertraut geworden und ans Herz gewachsen. Ich werde auf jeden Fall die Serie weiter lesen.

Der Schreibstil hat mich wahnsinnig stark an Andrew Vachss erinnert und wenn ich den Autor nicht gewusst hätte, hätte ich geschworen, dieser Roman ist von ihm.

01.05.2005 08:44:11
O´Shannon

Wow! Schon am Anfang merkte ich den ironischen Witz der Charaktere, der mir sehr gefiel und mich das ein oder andere Mal schmunzeln ließ. Sehr gutes Buch und nie langweilig. Sehr empfehlenswert. Der zweite Teil ist für mich Pflicht. Es ist zwar mein erster Lehane, aber ich bitte Sie Herr Eastwood, nach Mystic River sollten sie sich bitte diesen Stoff zur Brust nehmen und ins Kino schicken. Eine Rolle könnte ich schon besetzen. Nach Training Day sollte Denzel mal wieder etwas Böses spielen.

Socia = Denzel Washington

28.03.2005 13:22:01
Rolf Flückiger

Mystic River (Spur der Wölfe) hat mich total begeistert. Aufgrund gewisser Kritiken war ich über die detailliert beschriebene, teils extrem Brutaliät (Auge) skeptisch. Deshalb das Thema Lehane auch im Forum behandelt. Mein Eindruck nach der Lektüre des 1. Kenzie/Gennaro ist zwiespältig. Unterhaltsam, nach zähem Beginn spannend, mit Humor aber die in einem Beispiel extrem geschmacklose Brutalität, das finde ich sehr viel überzogener, eigentlich sogar abstossender als ein Die Hard Streifen mit Bruce Willis. Shutter Island werde ich wohl lesen, aber die anderen Werke dieser Reihe wohl kaum ...

05.01.2005 08:25:54
Pascal

So, der 1. Buch der Kenzie/Gennaro-Reihe war das 5. der Reihe, das ich gelesen habe. Da ich die anderen Bücher nicht bewertet habe, nun meine Dankesrede:

Alle sind schlichtweg grandios. Sicher, literarisch sind sie nicht bahnbrechend, aber der Witz der Dialoge, die sympathischen Protagonisten (Bubba I love you), die spannenden Geschichten ohne Umwege sind schlichtweg gigantisch. Kenzie und Gennaro sind dabei so menschlich, dass es mir schwer fällt, sie als fiktiv anzusehen. Es gibt wenige Bücher die so fesseln und mich trotzdem immer wieder zum lachen bringen.
Wie gerne würde ich mit Pat (ich denke ich dürfte ihn auch so nennen) und Angie ein Bier trinken.

Lehane ist für mich einer der grössten Autoren. Vielen Dank und schreiben Sie bitte noch mehr Abenteuer der beiden.

23.09.2004 13:06:55
Dirk

Dieser Erstling hat es in sich. Lest Lehane im Original, sonst verpasst Ihr den grandiosen Stil der Storys. Wer glaubt, dieses Buch ist richtig gut, soll die weiteren jüngeren Romane Lehanes erst noch lesen. Warum bisher nur Mystic River verfilmt wurde, bleibt mir ein Rätsel.

07.05.2004 14:32:37
William

Ich mag diesen Stil, direkt und klar. Diese und andere Geschichten von Lehane sind nachvollziehbar, wenn gleich er Patrick und Angela mit guten Freunden ausgestattet hat die ihnen in allen (beschiessenen) Lagen helfen können. Interessant auch wie man reagiert wenn anschliessend eine ganz andere Art von Büchern gelesen wird, z.bsp Peter Robinson, Karin Fossum oder gar A. Christie. Alles machtSpass, aber in einer ganz anderen Richtungungen. (und trotzallem noch etwas vom Plot abhängig)

14.05.2003 11:44:27
SilkeS.

Erster der Kenzie/Gennaro-Reihe, der mich auf Anhieb gepackt hat.
Er ist wie sehr wenig andere Krimis in Ich-Form geschrieben, aus Sicht von Patrick Kenzie.
Sehr sympatisch rübergebrachte Chraktere, die sich durchs Arbeitsleben schlagen, schießen und schleppen.
Recht amüsant und spannend geschrieben!