Partitur des Todes

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Jumbo, 2008, Seiten: 4, Übersetzt: Nemec, Miroslav
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009, Seiten: 475, Originalsprache

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Sabine Reiß
Fall Nummer drei für Marthaler

Buch-Rezension von Sabine Reiß Dez 2007

Die Geschichte beginnt in Paris. Der ehemalige Varieté-Besitzer Georges Hofmann offenbart in einem Interview im Fernsehsender arte einen Teil seiner Vergangenheit, den er die ganzen Jahre tief in seiner Erinnerung vergraben hatte. Er wurde als Jude in Frankfurt geboren. Es ist das Jahr 1941, seine Eltern ahnten anscheinend, dass ihre Deportation kurv bevor stand und schickten ihren Sohn zu Nachbarn, Georg kam nach Frankreich und sah seine Eltern nie wieder. Nach Ausstrahlung der Sendung erreicht den Sender eine mysteriöse Nachricht. Eine Dame meldete sich, die einen Brief für den alten Herrn aufbewahrt hat. Valerie, die Journalisten, die das Interview führte, wittert eine tolle Fortsetzungsstory und begleitet Georg zur Briefübergabe. Absender der Papiere ist sein Vater, als Ort des Schreibens ist Auschwitz angegeben, im Briefumschlag ist eine bisher unveröffentlichte Partitur von Jacques Offenbach - eine Sensation.

Monsieur Hofmann ist nicht zu überzeugen, mit Valerie nach Frankfurt zu fahren, um dort mit einigen Interessenten zu verhandeln, doch er willigt schließlich ein, dass sie alleine nach Deutschland aufbricht. Kurz nach ihrer Ankunft werden auf einem Restaurantschiff am Main fünf Personen grausam ermordet, der Restaurantbesitzer kann sich retten, liegt jedoch im Koma und kann nicht vernommen werden. Hauptkommissar Robert Marthaler und sein Team stehen vor einem Rätsel. Nach zähen Ermittlungen erhalten die Polizisten die Information, dass Valerie ebenfalls auf dem Schiff war, doch sie ist verschwunden.

Robert Marthaler hat in diesem Buch seinen dritten Auftritt. Mittlerweile hat man sich mit dieser Figur vertraut gemacht, sie gewinnt immer mehr an Kontur. Doch auch wer die beiden Vorgängerbände nicht gelesen hat, freundet sich schnell mit dem einzelgängerischen Polizisten aus Frankfurt an. Einen Vergleich mit Mankells Wallander, der nur allzu gerne von der Presse herangezogen wird, muss Marthaler respektive Jan Seghers eigentlich nicht antreten. Der Protagonist ist ein eigenständiger Typ, sympathisch, wenn auch in zwischenmenschlichen Dingen zuweilen etwas unbeholfen, was die Beziehung zu seiner tschechischen Freundin Tereza offenbart. Auch alle anderen Figuren aus seinem Team, mit Ausnahme der neuen Chefin, sind realistisch und nachvollziehbar gezeichnet.

Jan Seghers Auseinandersetzung mit der Naziherrschaft in Deutschland erscheint etwas weniger intensiv als es zum Beispiel in Krystyna Kuhns Roman Wintermörder, der ebenfalls zum großen Teil in Frankfurt spielt. Obwohl in Partitur des Todes im Grunde genommen viel Bezug auf die Zeit im Konzentrationslager Auschwitz genommen wird, trifft die Geschichte eigentlich erst am Ende den Nerv, dafür stehen vorher die Ermittlungen der Polizei zu sehr im Vordergrund. Eine Tatsache, die man neutral bewerten sollte, es sei denn, der Autor habe etwas anderes beabsichtigt. Als eine Art Nebenhandlung gibt sie der Geschichte dennoch einen Nachhall, der nach dem Zuklappen des Buches eigentlich mehr wirkt, als während der Lektüre. Ob die Auflösung realistisch ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Nicht nur Leser aus Rhein-Main können sich an den Beschreibungen der Schauplätze erfreuen. Der Autor findet dabei genau den richtigen Mittelweg, um Detailtreue zu garantieren und andererseits nicht zu einem einfach Regio-Krimi zu verkommen. Wie bisher auch sprachlich ausgefeilt, nie übertrieben und sehr gut lesbar bietet Jan Seghers mit seinem dritten Krimi gute Unterhaltung auf hohem Niveau, wenn auch nicht ganz ohne Kritikpunkte. Ein kritischer Rezensent findet fast immer ein kleines Haar in der Suppe, so wie hier, dass die Story an manchen Punkten etwas schneller vorangetrieben werden könnte. Dennoch gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für die Fortsetzung der Serie um den Frankfurter Hauptkommissar Robert Marthaler, von dem man in dieser Qualität auf jeden Fall mehr lesen möchte.

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