Die Braut im Schnee

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Jumbo, 2005, Seiten: 4, Übersetzt: Miroslav Nemec, Bemerkung: Regie: Franziska Paesch
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007, Seiten: 477, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Sabine Reiß
Frankfurt zum Zweiten

Buch-Rezension von Sabine Reiß Sep 2005

Krimi-Couch-Volltreffer November 2005

Frankfurt in der Gegenwart: eine Stadt, die in der Kriminalstatistik unseres Landes weit vorne liegt. Jan Seghers alias Matthias Altenburg schickt in seinem zweiten Krimi "Die Braut im Schnee" wieder den etwas kauzigen Mitarbeiter der Frankfurter Kriminalpolizei ins Gefecht, der so manchen Kritiker zu einem Vergleich mit Schwedens größtem Exportschlager Kurt Wallander inspirierte. Ob gerechtfertigt oder nicht, eines haben die beiden gemeinsam: Die Arbeit nimmt soviel Raum ein, dass das Privatleben ein wenig ins Hintertreffen gerät. So vergisst Robert Marthaler glatt, dass er seine Freundin Tereza, die nach drei Jahren aus Madrid zurückkehrt, vom Flughafen abholen wollte.

Der Fall einer toten Zahnärztin kommt ihm dazwischen, die auf eine schamlose Weise vor ihrem Haus quasi in Szene gesetzt wurde. Kampfspuren deuten darauf hin, dass ihr Mörder sie durch das ganze Haus gejagt hat, bevor er sie tötete. Die Suche nach dem Motiv im Leben von Gabriele Hasler verläuft zunächst ergebnislos, die Frau lebte scheinbar recht zurückgezogen und ihr Verlobter, der am Tag nach dem Mord angereist ist, hat ein Alibi.

Marthaler will über das Zahnmedizinische Institut der Uni eine Studienfreundin von ihr ausfindig machen, um mehr über sie zu erfahren. Mehrmals versucht er, Stefanie Wolfram in Darmstadt telefonisch zu erreichen und als in der Wohnung endlich jemand den Hörer abnimmt, hört er Schüsse am anderen Ende der Leitung. Sofort setzt er sich ins Auto und fährt zum Tatort. Es stellt sich jedoch heraus, dass das Opfer nicht die Gesuchte war. Sie hatte ihre Wohnung untervermietet und befindet sich zur Zeit auf einer Weltreise. Aber jemand scheint ihm extrem dicht auf den Fersen zu sein und Stefanie Wolfram scheint etwas zu wissen, was für die Lösung des Falles wichtig sein könnte.

Die Durchleuchtung von einschlägig bekannten Sexualstraftätern bringt den Kommissar und seine Truppe nicht voran, doch sein Chef ist anderer Meinung und hat seinen Verdächtigen schnell gefunden. Bei einer Pressekonferenz kommt es zum Eklat als Marthaler ihm öffentlich widerspricht mit der Konsequenz, dass er beurlaubt wird...

Hier stimmt alles

Ein großes Lob verdient der Autor für seine Darstellung von Robert Marthaler. Schon auf den ersten Seiten ist er einem sofort sympathisch, seine Figur wirkt lebensecht und nah und bei der Schilderung der Charakterzüge wird nicht übertrieben. Man muss den etwas eigensinnigen Typen einfach gern haben. So kann er z.B. dem Neuen Polizeipräsidium gar nichts abgewinnen und bringt seinen Chef dazu, ihn und seine Mitarbeiter als Außenposten in eine alte Villa auszuquartieren, bis die baulichen Missstände im Büro behoben sind.

Der Schreibstil ist, wie im ersten Krimi Ein allzuschönes Mädchen auch, prägnant und eindringlich. Die Sätze sind oft kurz, aber nicht zu kurz, und die Geschichte ist nicht nur gut erzählt, sondern auch sehr gut zu lesen. Wenn ein Buch das Prädikat atmosphärisch dicht verdient, dann gehört "Die Braut im Schnee" eindeutig dazu. Das Buch packt auf eine ruhige Art, anders als ein Thriller. Die Story ist spannend und hat ein überraschendes Ende. Zwar hat man irgendwann eine Vorahnung, doch Jan Seghers gelingt es, dem Leser noch ein Schnippchen zu schlagen.

Die Glaubwürdigkeit wird insgesamt noch durch die stimmige Schilderung von Frankfurt unterstrichen. Liegt es daran, dass ich Frankfurt kenne? Mag sein, aber umso besser vermag ich zu beurteilen, ob es passt. Und das tut es!

Es ist an der Zeit, Abbitte leisten, denn im Nachhinein empfinde ich meine Kritik am ersten Buch von Jan Seghers als etwas zu kleinlich. Die Auflösung hatte die ansonsten gute Beurteilung ein wenig getrübt, was jedoch nun fast vergessen ist: Das Buch hallt nach. Nicht der erste Eindruck zählt, sondern ob man sich nach einem Jahr noch daran erinnert und ob man positiv Gefühle damit verbindet.

Hier stimmt nun alles: Held, Stil, Story, Spannung, Ende. Ich bin mir sicher, ich werde mich auch noch in einem Jahr an dieses Buch erinnern und es mit Freude weiterempfehlen.

Die Braut im Schnee

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