Shanghai-Dinner. Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Crows Nest: Allen & Unwin, 2006, Titel: 'The Shanghai Union of Industrial Mystics', Seiten: 329, Originalsprache
  • Hamburg: Jumbo, 2007, Seiten: 3, Übersetzt: Bernd Stephan
  • Zürich: Unionsverlag, 2008, Seiten: 320, Übersetzt: Ursula Ballin

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Thomas Kürten
C.F. Wong und die aberwitzige Jagd nach dem weißen Elefanten

Buch-Rezension von Thomas Kürten Dez 2006

Wer hätte schon vor ein paar Jahren gedacht, dass man mit einem Feng Shui Berater haarsträubende Abenteuer erleben und Verbrechen wie am Fließband aufklären kann? Dem mutigen Schweizer Unionsverlag und seiner metro-Reihe ist es zu verdanken, dass inzwischen der vierte Roman um dem Geomanten C.F. Wong und seine flippige Teenie-Assistentin Joyce McQuinnie auf Deutsch erschienen ist. Und eines muss man dem Autor Nuri Vittachi lassen: der Wiedererkennungswert seiner beiden Protagonisten ist immens.

Zwei Bände mit Kurzgeschichten liegen vor, mit Der Feng Shui Detektiv und der Geistheiler aber auch bereits ein Abenteuer in Romanlänge. Shanghai Dinner ist ebenfalls auf Romanlänge ausgelegt und kann spielend wieder mit denselben Attributen belegt werden, die auch schon die Vorgänger so treffend beschrieben: Exotisch, ungewohnt, witz- und temporeich, bunt und scharf, voller Kontraste. Aber leider fehlt es Shanghai Dinner auch ein wenig an einer der wichtigsten Zutaten. Vittachi hat diesmal einen sehr hohen Wert auf Action und Tempo gelegt. Gutes Feng Shui ist diesmal leider nicht der Schlüssel zur Rettung der Welt.

Was niemals geschah, weil es nicht geschehen durfte

Wong und Joyce sind nach Shanghai gereist, um eine neue Filiale der Feng Shui Agentur zu eröffnen und um den Ortsverband der Berufsmystiker ins Leben zu berufen. Doch alles läuft irgendwie schief: Zuerst entkommen Wong und Joyce nur um Haaresbreite der Abrissbirne, die ihr frisch bezogenes Büro in Schutt und Asche legt, dann hat Joyce für das vegetarische Bistro, in dem sie seit kürzestem arbeitet, eine Sauce gekauft, in der Anchovis verarbeitet wurden. Igitt, höchst verwerflich, wenn der für den Abend angemeldete Kunde ausgerechnet strengst-radikaler Veganer mit Namen Vega ist. Aber das sind nur die ersten einer ganzen Reihe von Katastrophen. Die kleine Tochter der Köchin wird entführt, weswegen Joyce das Menü ausliefern muss. Zugleich erfährt sie, dass Vega einen Überfall auf genau das Restaurant plant, indem Wong zu Abend isst. Sie will ihn noch warnen, kommt jedoch zu spät.

Bei ihren Entführern hören Joyce und Wong, dass Vega noch viel größere Pläne hat, nämlich in nur wenigen Stunden einen Bombenanschlag auf die Staatsoberhäupter der Volksrepublik China und der USA, die sich gerade in Shanghai treffen. Klare Sache, so ein Bombenanschlag hat ganz schlechtes Feng Shui und muss unbedingt verhindert werden.

Witz, Tücke und fernöstliche Weisheit

Sollten die Abenteuer des Feng Shui Detektivs jemals in bewegte Bilder umgesetzt werden, so dürfte sich als Medium der Zeichentrickfilm am besten eignen. Alle auftretenden Figuren sind auf eine sehr liebevolle Art überzeichnet und könnten ohne weiteres auch Helden eines Mangas werden. Aus dem Aufeinanderprallen von Kulturen zieht der Autor ein ums andere mal seine unverwechselbare Situationskomik. Lost in Translation? Auf jeden Fall. Und es gilt für beide Seiten: Sowohl für die forsche und unbedachte Joyce, die in jugendlicher Leichtigkeit den asiatischen Kontinent unsicher macht, aber auch für C.F. Wong, der ein ums andere mal den jugendlichen Slang seiner Assistentin nicht versteht. Allerdings sind diese Szenen in Shanghai Dinner leider deutlich seltener geworden als in den Vorgängern.

Und leider fehlt es eben auch am Einsatz der asiatischen Lehren. Zwar sammelt Wong weiter tapfer seine "Sprüche östlicher Weisheit", aber unmittelbaren Eingang auf die Handlung finden diese nicht. Die stärkste Sequenz des Buches ist sicherlich die Suche nach dem entführten Mädchen, deren Spur der indische Vastu-Meister Dilip Sinha anhand der Wahrnehmungen eines Kindermädchens rückverfolgen kann. Feng Shui jedoch spielt schlichtweg keine Rolle in den Abenteuern des Geomanten in Shanghai. Shanghai Dinner ist ein mit spürbarem Spaß geschriebener Roman. Soviel Spaß, dass er den Leser ein ums andere mal mit einem Kung-Fu-Tritt ganz unvermittelt anspringt und überwältigt. Der Komik-Faktor wird also auch bei Shanghai-Dinner wieder voll ausgekostet. Der Zauber der vorangegangenen drei Romane setzt sich jedoch nicht fort. Wer mit Shanghai Dinner seine erste Bekanntschaft mit C.F. Wong schließt, wird sich fragen warum ausgerechnet ein Feng Shui Berater in der Hauptrolle ist und nicht etwa ein Hundefrisör oder ein Reiseleiter.

Shanghai-Dinner. Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt

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