Der Fengshui-Detektiv

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Hongkong: Chameleon Press, 2000, Titel: 'The Feng Shui Detective', Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2003, Seiten: 256, Übersetzt: Ursula Ballin
  • New York: Thomas Dunne Books, 2004, Seiten: 279, Originalsprache
  • Hamburg: Jumbo, 2007, Seiten: 4, Übersetzt: Bernd Stephan, Inga Reuters & Robert Missler

Couch-Wertung:

82°
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Lars Schafft
Ungewohnt, exotisch, bunt und scharf

Buch-Rezension von Lars Schafft Sep 2003

Krimi-Couch-Volltreffer September 2003

Fengshui ist Hokuspokus. Widerspricht jeglichem rationalen (westlichen) Denken. Wie sollte ein Vertreter dieser Kunst schon knifflige Rätsel und Verbrechen durch reine Logik lösen können? Und schauen Sie sich nur den Autor an - Krimis soll dieser schrille Clown schreiben? Solche, die auch noch in Südostasien spielen?

Lassen Sie sich nicht durch diese Vorurteile aufs Glatteis führen. Es sei denn, Sie finden einen besseren Zeitvertreib als die ersten neun, amüsant wie intelligenten Fälle des Fengshui-Detektivs C.F. Wong - und das wird Ihnen schwer fallen!

Der chinesische Fengshui-Experte ist ein Meister seines Fachs

C.F. Wong, im Stadtstaat Singapur ansässiger Chinese ist ein Meister seines Fachs. In Fengshui macht ihm so leicht keiner etwas vor. So gut ist er, dass er von der reinen Beurteilung von Räumen, Gebäuden und Parks nach fernöstlichen Regeln leben kann. Ganz so rosig geht es seinem Mini-Unternehmen nun dann doch nicht, als dass er umhinkommt, die 17-jährige Australierin Jo(yce) McQuinnie als Praktikantin einzustellen. Vitamin B ist auch im fernen Asien kein Fremdwort. Allem Anschein nach hat der weise Chinese sich damit aber keinen Gefallen getan.

 

"Ich dann also: 'Na, wie soll ich subito zu ´ner Fäng-schuh-i-Fachfrau werden oder was?' Mein Papi dann: 'Mein Kumpel Mr. Pun hat da ´nen echten Fäng-schu-i-Meister an der Hand, bei dem kannst du drei Monate jobben.' Ich dann wieder: 'Boh ey!'"

Wong machte große Augen.

 

Der Autor der "Gesammelten Sprüche östlicher Weisheit" bekommt ein Küken ins Nest gesetzt. Und ein schrecklich buntes, das dazu noch "redete wie ein Wasserfall - doch in welcher Sprache nur?" Zugegeben: Die beiden geben ein merkwürdiges Paar ab. Der eher wortkarge, bedächtige, ruhige kleine Chinese und auf der anderen Seite das aufgedrehte Riesen-Giirlie von down under, gegen das jeder MTV-Videojockey antiquiert wirkt eine Schwarz-Weiß-Miss-Marple in einem grellen Comic. C.F. Wong und Jo McQuinnie sind mit Sicherheit das am besten unterhaltendste Detektiv-Duo seit Holmes und Watson.

Das am besten unterhaltendste Detektiv-Duo seit Holmes und Watson

Tatsächlich ist dieser Vergleich gar nicht mal so weit hergeholt. Leider wird die Nähe des Fengshui-Meisters zum großen Meisterdetektiv in der deutschen Betitelung der Geschichten nicht gar so deutlich wie im englischsprachigen Original, wo die erste Story doch glatt "Scarlet in a study" heißt - Holmes´ erster Auftritt war in "A Study in Scarlet" (Eine Studie in Scharlachrot). Dieser Nury Vittachi ist eben ein Schelm, der sich an dem Buffet klassischer Krimis reichlich bedient und mit diesen Zutaten ein typisch asiatisches Gericht zubereitet: ungewohnt, exotisch, bunt und scharf.

Ob in der indischen Hauptstadt Delhi, in Hong Kong, im malaysischen Dschungel oder in der Redaktion eines Singapurer In-Magazins - Wong und Jo klären die ungewöhnlichsten Fälle an den ungewöhnlichsten Orten. Mal geht es um lupenreinen Immobilienbetrug, mal um das Ableben zweier Zoo-Besitzer durch - ausgerechnet - die eigenen Löwen. Was nur zu sehr nach einem gut bezahlten Auftrag für den Fengshui-Experten nebst Praktikantin aussieht, entpuppt sich bald als harte und meist auch gar nicht mal so ungefährliche Nuss. Und für beide Seiten durchaus überraschend: Der Clash of Cultures, das Aufeinanderprallen asiatischer und westlicher Mentalität jeweils in Reinstform, erweist sich sowohl für die junge Australierin, die viel zu sehen, hören und zu lernen bekommt, als auch für den introvertierten C.F. Wong als gewinnbringend. Nebenbei bemerkt: auch für den Leser. Die Missverständnisse der ungleichen Partner sind urkomisch und nicht nur dann, wenn Wong versucht, von Joyce aufgeschnappte Redewendungen anzuwenden ("Handtuch zerschmissen").

Urkomische Missverständnisse zwischen Wong und Joyce

Schliddern der Fengshui-Meister und seine Schülerin schließlich mal nicht von selbst in einen Fall, gibt es immer noch die "Mystiker", die die beiden auf Trapp halten. Die Mystiker, zu denen neben Wong ein Astrologe, eine Wahrsagerin und auch ein Polizist gehören, bilden eine Art illustren Stammtisch, bei dem sie gerne die neusten Fälle von Superintendent Tan besprechen. C.F. Wong beweist sich an dieser Stelle ganz im Stile eines Dr. Gideon Fell (siehe John Dickson Carr) als brillanter Kriminalist, der nichtmals am Tatort gewesen sein muss, um die Lösung seinem verdutzten Publikum zu präsentieren.

Neun abwechslungreiche Geschichten, eine interessanter als die andere, zusammengefasst zum ersten Buch über den Fengshui-Detektiv, sind erfreulicherweise wieder ein Grund, dem Unionsverlag für seine metro-Reihe zu gratulieren. Mit der Entdeckung Nury Vittachis für den deutschsprachigen Krimimarkt unterstreicht Herausgeber Thomas Wörtche eindrucksvoll, warum die metro-Romane zum innovativsten gehören, was derzeit in den Regalen auf den Leser wartet. Horizonterweiterung gepaart mit blendender Krimi-Unterhaltung - wir freuen uns auf auf weitere Fälle von C.F. Wong und Jo McQuinnie!

Der Fengshui-Detektiv

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