Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Hongkong: Chameleon Press, 2002, Titel: 'The Feng Shui Detective Goes South', Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2004, Seiten: 256, Übersetzt: Ursula Ballin
  • Hamburg: Jumbo, 2007, Seiten: 3, Übersetzt: Bernd Stephan

Couch-Wertung:

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Thomas Kürten
Das Sonderbarste und Schrillste, was gegenwärtig eine Schnüfflernase besitzt

Buch-Rezension von Thomas Kürten Dez 2003

Wie kann ein so langweiliger Beruf wie der eines Fengshui-Beraters (gehässig gesprochen ein esoterisch angehauchter Innenarchitekt) in einen unterhaltsamen Krimi passen? Nury Vittachi hat mit dem ersten Buch über seinen Fengshui-Detektiv nicht nur bewiesen, dass das geht, er hat auch ein äußerst ungewöhnliches, um nicht zu sagen schrilles Ermittlerpärchen auf diverse Abenteuer geschickt. Mit dem hier vorliegenden Roman vom Fengshui-Detektiv und dem Geistheiler tritt er den Beweis an, dass C.F. Wong und Joyce McQuinnie nicht nur für Kurzgeschichten, sondern auch für ganze Romane taugen.

Während Wong, der nur knapp einem Brandanschlag entging, zusehends von seiner 17-jährigen Praktikantin aus Australien genervt ist, kommt die Nachricht von der Entführung einer Freundin von Joyce ihm gerade recht. Sie kann ein wenig ermitteln und er sich um einen reichen Kunden kümmern, in dessen Zahnarztpraxis ein Geist umhergeht. Unterdessen werden Wongs Mystikerfreunde Madame Xu und Dilip Sinha von einem malaysischen Geistheiler aufgesucht, der ihnen die Daten eines Mädchens unter die Nase legt, das bald sterben muss. Die beiden Wahrsager bestätigen unabhängig voneinander die ungünstige Konstellation für das Mädchen am nahenden Freitag.

Joyce’ Suche nach der verschwundenen Freundin wird auch von Maddy Tsai bemerkt, die erst kürzlich nach Singapur gekommen ist und Angst vor ihrem Freund hat, weil er offenbar erst neulich hohe Lebensversicherungen auf sie abgeschlossen hat. Und kaum haben Wong und Joyce die eine Entführte wieder gefunden, verschwindet Maddy auf mysteriöse Weise. Die Aussicht, dass ihr Vater einer der reichsten Männer Hong Kongs ist, bewegt Wong, für sich selbst und seine Praktikantin Tickets nach Australien zu kaufen. Da ist am Freitag ganz schlechtes Fengshui zu erwarten...

Nicht nur zwei Welten treffen aufeinander.

Witzig und durchgedreht, zwei Attribute, die nicht nur das Bild des Autors, sondern auch seine Geschichten vom Fengshui-Detektiv treffend bezeichnen. Im kulturellen "Melting Pot" Singapur treffen nicht nur verschiedene Lebenseinstellungen und Weisheiten aufeinander, auch den Konflikt zwischen Generationen und Sprachen stellt Vittachi dar. Eine äußerst wichtige Rolle für den Roman spielt daher eine überzeugende Übersetzung. Der jugendliche Slang und das gebrochene Englisch eines Asiaten prallen aufeinander und Missverständnisse sind an der Tagesordnung. Dies in verständliches und lesbares Deutsch zu transferieren, muss eine große Herausforderung sein und ist Ursula Ballin hervorragend gelungen.

Der Gegensatz zwischen McQuinnie und ihrem Chef könnte größer nicht sein. Sie eine verwöhnte Göre, die jeden Abend zum abzappeln in die Disco (Dan T.’s Inferno) geht, mit Fengshui nichts am Hut hat und bei C.F. Wong nur so gerne arbeitet, weil immer wieder spannende Sachen passieren. Er hingegen ein ruhiger Geschäftsmann, der neben der zahlreichen positiven wie negativen Chis (Energieströme), die durch die Räume strömen, immer besonders seinen Profit im Auge halten muss. Sympathiepunkte sammelt der alte Chinese jedoch durch die vielen fernöstlichen Weisheiten, die über den Roman verteilt sind und die C.F. Wong sammelt, um ein englischsprachiges Buch herausgeben zu können. Natürlich auch, um damit viel Geld zu verdienen.

Helden wider Willen?

Schon die Kurzgeschichten im ersten Buch hatten meine Erinnerung an irgendetwas geweckt. Bei der widerwilligen Gangsterjagd durch Singapur und Sydney fiel mir auch ein, woran ich unweigerlich denken musste: Janet Evanovich und ihre Kautionsdetektivin Stephanie Plum. Amateurdetektive, die eigentlich gar keine Superhelden sein wollen, aber nicht anders können als der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Sie stolpern mehr durch ihre Fälle, als dass sie sie souverän lösen. Dabei sind Wong und Joyce aber beileibe keine Kopie. Sie fahren keine Autos zu Schrott und Liebesduselei hat hier auch keinen Platz. Ihre Komik beziehen sie aus dem Kulturkonflikt und den übersinnlich geschminkten Kräften der Mystiker, die in Wahrheit gar keine derartigen Talente besitzen. Neben einem wirklich kniffligen Fall wird man auf bald jeder Seite mit einer komischen Begebenheit unterhalten. Somit sind der Geomant und seine Praktikantin das Sonderbarste und Schrillste, was gegenwärtig eine Schnüfflernase besitzt.

Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler

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