Der Tod wirft lange Schatten

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Wien: Zsolnay, 2005, Seiten: 384, Originalsprache
  • Rom: Edizioni E/O, 2006, Titel: 'Le lunghe ombre della morte', Seiten: 333, Übersetzt: Valentina Tortelli
  • München: dtv, 2007, Originalsprache

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Peter Kümmel
Verwirrender zusammengebaut als notwendig

Buch-Rezension von Peter Kümmel Dez 2004

Durch die ersten hundert Seiten muß man sich förmlich hindurchquälen. Heinichen wirft dem Leser zunächst mal jede Menge verschiedener Handlungsstränge hin. Namen werden zu Beginn kaum genannt. Und irgendwann merkt man dann, dass der Autor nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch in den Zeiten wild hin und her springt. Dies dient jedoch nicht der Dramaturgie, sondern sorgt allenfalls für Verwirrung.

Ich möchte hier keinesfalls den Inhalt des Buches sortieren oder Zusammenhänge aufzeigen. Eine kurze Zusammenfassung ist auch gar nicht möglich, denn der rote Faden fehlt zugunsten kleinerer Stories, die das Geschehen realistischer machen, aber auch den Lesefluß hemmen. Wenn Heinichen mit dem Aufbau und der Schreibweise bezweckt hat, dass der Leser dem Werk ungeteilte Aufmerksamkeit zollt, so möchte ich das nicht verhindern.

Wie so mancher italienische Ermittler in Kriminalromanen hat auch Kommissar Proteo Laurenti eine Familie. Jedoch geht es da nicht ganz so harmonisch zu wie bei manch anderem Autor. Neben Ehefrau Laura hat Laurenti auch noch eine Geliebte, die sich jedoch ziemlich rar macht. Die beiden erwachsenen Töchter wechseln ihre Partner so schnell, dass Laurenti dem kaum folgen kann. Der Sohn, ein begnadeter Koch, hat mehr damit zu tun, die Bevölkerung Triests vom Verzehr von Fleisch fernzuhalten.

Zerrissen wie die Landschaft

Dann war da noch Mia, aus Australien angereist, um sich um ihr Erbe von der verstorbenen Tante zu kümmern. Außer einem Haus ist daraunter noch ein Lager, das Mia vollgestopft mit Waffen vorfindet. Um Mia werben zwei Männer: der undurchsichtige Notariatsgehilfe Calisto und Angelo, der Sohn von Mias Nachbarin. Dann wird eine männliche Leiche an der felsigen Küste entdeckt.

Der pensionierte Gerichtsmediziner Galvano, den Heinichen-erprobte Leser bereits kennen- und schätzen gelernt haben, tut sehr geheimnisvoll und kümmert sich um eine junge taubstumme Frau, die für eine brutale Drückerbande arbeitet.

Trotz fast durchweg positiver Kritiken konnte mich "Der Tod wirft lange Schatten" nicht sonderlich begeistern. Ganz im Gegensatz zu Heinichens früherem Roman "Die Toten vom Karst", in dem er die seine Leser in die gleiche felsige Landschaft um die italienische Hafenstadt Triest führt. Das Buch wirkt auf mich ebenso zerrissen wie der Karst selber, so daß Spannung immer nur kurzzeitig aufflackert.

Die Hauptfiguren entwickeln sich weiter

Die Atmosphäre ist wieder großartig eingefangen, die Charaktere gut herausgearbeitet. Heinichen hat sehr viel in seinen Roman hineingepackt. Polizei, Carabinieri und Geheimdienste verfolgen nicht immer die gleichen Interessen, und auch die Vergangenheit der geschichtsträchtigen Stadt spielt wieder eine große Rolle. Doch der Aufbau des Plots ist für mich leider verwirrender als es notwendig gewesen wäre.

Positiv hervorheben möchte ich die Entwicklung der Hauptfiguren. Anders als bei manch anderen Serienautoren tut sich da etwas. Proteo Laurenti wirkt dadurch, dass er nicht der große Sympathieträger ist, glaubhafter als die meisten Serienermittler. Heinichens Krimis wirken ebenso italienisch wie die Camilleris oder Leons: es wird gut und oft gegessen, doch nimmt das hier eher eine Nebenrolle ein. Nicht alles kann aufgeklärt werden, Korruption ist an der Tagesordnung und manches reicht weit in die Vergangenheit zurück.

Der Tod wirft lange Schatten

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Letzte Kommentare:
09.02.2016 20:06:05
trafik

Ich habe das Buch sehr gut gefunden.
Vorallem versteht Veit Heinichen es immer wieder, seine Hauppersonen so nett zu beschreiben, daß man meint diese zu kennen. Auch Triest wird fast zur zweiten Heimat, auch wenn man noch nie dort war.
Natürlich könnte die Handlung ein wenig spannender sein.
Thriller ist dieses Buch auf keinen Fall. Ich würde sagen ein klassischer italienischer Krimi.

29.06.2013 04:53:30
Anfangsverdacht

Liebe Mitlesende, verehrter Renzensent, so leicht laßt ihr euch verwirren, seit verwirrt und beklagt euch zugleich?
Dieser Roman ist in keinster Weise zerfleddert.
Auch weist er nicht zu viele Handlungsstränge auf.
Das ist wohl überlegt und komponiert. Empfehle dringend: denkt über eure Bedürfnisse nach.
Wo gibt eine solche Sekräterin?
Wo eine solche Darstellung einer Stummen?
Wo einen solchen pensionierten Gerichtsmediziner?
Und Mia ist ja nun auch wunderbar.
In diesem Roman ist körperliche Lust Thema.
Zusätzlich versteht der Autor es Zeitgesichte und Gesichte verständlich zu machen.
Diese Reihe gefällt mir weiterhin vorzüglich.

27.09.2007 19:48:57
ALEXANDER

Dieser Roman um Proteo Laurenti und Triest war der Erste den ich überhaupt von Veit Heinichen gelesen habe. Ich muß mich den Vorgängermeinungen, die den Roman ziemlich zerfasert durch die vielen Nebenhandlungen fanden, teilweise anschließen. Aber trotzdem fand ich die Geschichte(n) ziemlich gut und der Schauplatz Triest war sehr genau und lebensecht eingefangen. Das Buch macht neugierig auf Weitere aus der Reihe.

21.09.2007 16:02:58
Sigi

Weniger Handlungsstränge, die dafür aber prägnanter herausgearbeitet, wäre mehr gewesen. Hier verläuft sich vieles in Andeutungen, die unaufgelöst nicht unbedingt die Leselust erhöhen. Die Vorgänger waren deutlich lesenswerter!

11.09.2007 19:12:31
mo

Ich habe mir das Buch für den Sommerurlaub gekauft und wurde nicht enttäuscht. Das Thema ist zwar etwas weniger brisant und die Figur der "sorglosen" Australierin Mia nicht ganz nachvollziehbar, doch als Urlaubslektüre bestens geeignet. Ich liebe die stimmige Beschreibung von Triest und Umgebung und bin inzwischen ein großer Heinichen-Fan geworden.

15.08.2007 12:03:38
Ilka

Ich finde die Fälle von Laurenti großartig! Der Tod wirft lange Schatten hat mich jedoch sehr enttäuscht und ich musste mich ein wenig zwingen, es zu Ende zu lesen! Schade! Warte aber trotzdem gespannt auf den nächsten Fall

18.11.2006 09:43:53
geröllheimer

Ich schliesse mich der Kritik von Couchkrimi an.Die Handlung ist verwirrend und wenn man das Buch gelesen hat,stellt sich die Fage worum es nun eigentlich ging.War man beim Lesen nicht aufmerksam genug oder fehlt das nötige Gehirnschmalz um zu verstehen was sache war?

19.08.2006 14:32:56
Jake

Das Watren auf den nächsten Fall wird durch die nahezu fehlende Auflösung am Ende nicht gerade leichter. Spannung blieb trotzdem nicht aus, die Atmosphäre "Trieste" ist fantastisch.

27.06.2005 13:52:35
Falk

Leider hat mein altersgenosse zu viele und zu lange einführungen in die geschichte triests gemacht, die er am ende des buches auch nicht nur annähernd aufgelöst hat. so bleiben zuviele fragen offen am ende des buches.

29.03.2005 22:58:47
philipp

Ich bin ein großer Fan von Veit Heinichen. Es ist wirklich immer ein großes Vergnügen seine Bücher zu lesen. Es stimmt, dass man leider immer sehr lange auf einen neuen Fall warten muss!
Liebe Grüße aus Graz

27.02.2005 12:04:42
jutta

nachtrag_ kein nachschlag.....
....zu tante jolesch\'s krautfleckerln oder warum das neue buch vom heinichen für mich \'versalzen\' schmeckte.
nein, da hat er sich wirklich nicht viel mühe gegeben, mit der speis!
und \'forza Pina_non farti .......... da questo Proteo Anguinus istriano dal sud!!!!

jutta aus wien

24.01.2005 10:31:58
jutta

wie war das mit der tante jolesch??:
Die Romanfigur des österreichischen Humoristen war wegen Ihrer Krautfleckerln berühmt. Doch nie wollte sie das Rezept verraten. Als sie auf dem Totenbett lag, wurde sie von ihrer Nichte gefragt: "Verrate mir bitte eins: Warum mochten alle deine Krautfleckerln so sehr?" Die Tante lächelte: "Weil ich nie genug davon gemacht hab, mein Kind!"

....... hoffe, dass der herr veit noch lange nicht auf dem totenbett zu liegen kommt, aber das rezept stimmt!!
freu mich schon auf den kommenden bissen
jutta aus wien

20.01.2005 09:14:13
dirk.mueller

Ich muss Frau Fink recht geben! Die Wartezeit zwischen den Fällen ist viel zu lang. Aber vielleicht ein kleiner Tip an Frau Fink. Andrea Camilleri ist auch sensationell. Er bietet immerhin schon 7 Fälle mit Commissario Montalbano. Liest sich wie Veit Heinichen und spielt auf Sizilien!

Mit freundlichen Grüssen Herr Müller, Wien

09.01.2005 12:54:50
Ulrike Fink

"Veit Heinichen"-Lesen" ist immer größtes Vergnügen, größte Freude und eine ungeheuere Bereicherung. Leider muss man zwischen den einzelnen Romanen immer viel zu lange warten, vielleicht könnten Sie diese Beschwerde an Herrn Heinichen weiterleiten.

Es bedankt sich

Frau Fink, Kärnten