Thirteen

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2022
  • 22

- Eddie Flynn 4

- Übersetzung: Jörn Ingwersen

- Originaltitel: "Thirteen"

- Taschenbuch

- 544 Seiten

Thirteen
Thirteen
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Thomas Gisbertz
90°1001

Krimi-Couch Rezension vonJan 2022

Spektakulärer Justizthriller um Schein und Sein

Der New Yorker Strafverteidiger Eddie Flynn wird überraschender Weise ins Team des Staranwalts Rudy Carp geholt. Er soll mithelfen, Robert „Bobby“ Solomon, Kino-Star und Liebling von ganz Hollywood, vor Gericht zu vertreten. Dabei zählen Eddies Klienten normalerweise nicht zu den Reichen und Schönen. Solomon wird beschuldigt, seine Frau und deren Liebhaber, einen Bodyguard des Schauspielers, ermordet zu haben. Obwohl alle Beweise gegen ihn sprechen, vertraut Flynn seinem Mandanten, weil er von dessen Unschuld überzeugt ist - eine Grundvoraussetzung für den Anwalt. Der Fall scheint aussichtslos, bis Eddie erkennt: Bobbys Schuldspruch ist Teil eines perfiden Plans. Um diesen umzusetzen, hat sich ein eiskalter Serienmörder unter die Geschworenen gemischt …

Katz-und-Maus-Spiel

Das Angebot der Kanzlei ist für Eddie Flynn zu verlockend: 200.000 US-Dollars, ein Zwei-Jahres-Vertrag als freier Mitarbeiter und anschließend eine Juniorpartnerschaft bei „Carp Law“. Eddie sieht darin die Chance, seine Frau Christine, die mit der gemeinsamen Tochter getrennt von ihm lebt, zurückzugewinnen. Flynn weiß, dass er vielleicht als Bauernopfer herhalten muss, wenn der Verlauf der Handlung für Solomon ungünstig verläuft. Aber er ist bereit, das Risiko einzugehen, auch weil er von der Unschuld des Filmstars überzeugt ist. Gemeinsam mit der Ex-FBI-Agentin Harper macht er sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Gleich am ersten Verhandlungstag überschlagen sich dann die Ereignisse vor Gericht. Plötzlich muss Flynn seinen Mandanten alleine vertreten. Während der Anwalt alles versucht, die Jury von der Unschuld Solomons zu überzeugen, müssen Flynn und Harper erkennen, dass der wahre Täter ein hochintelligenter Serienkiller ist, der sich unter den Geschworenen befindet - und sein Werk noch nicht vollendet hat.

Ehemaliger Anwalt als Autor

Autor Steve Cavanagh wuchs in Belfast auf und zog mit 18 Jahren nach Dublin, wo er Jura studierte. Er arbeitete als Tellerwäscher, Türsteher, für einen Sicherheitsdienst und als Call-Center-Agent, bevor er einen Job bei einer großen Anwaltskanzlei in Belfast annahm. In seiner irischen Heimat machte sich Steve Cavanagh als erfolgreicher Bürgerrechtsanwalt einen Namen und war in zahlreiche prominente Fälle involviert. Mittlerweile konzentriert er sich auf seine Arbeit als Autor.

Seine Thrillerserie um den Anwalt Eddie Flynn umfasst mittlerweile sechs Bände. Die ersten beiden Teile der Reihe („Zu wenig Zeit zu sterben“, „Gegen alle Regeln“) erschienen hierzulande 2015/2016 bei Blanvalet. Während der dritte Band „The Liar“ (2017) nicht ins Deutsche übersetzt wurde, veröffentlicht nun der Goldmann-Verlag mit dem vierten Band „Thirteen“ die spektakuläre Fortsetzung. Der fünfte Teil „Fifty-fifty“ erschien 2020 im englischen Orion Books-Verlag, der auch bereits den sechsten Band „The Devil‘s Advocate“ im letzten Jahr publizierte. Zudem schrieb Cavanagh den Psychothriller „Twisted“ (2019) sowie einen Roman zur Vorgeschichte der Eddie-Flynn-Reihe („The Cross“, 2015).

Fesselnder Plot

Die Reihe um den Anwalt Eddie Flynn, einen ehemaligen Trickbetrüger, der nun als Strafverteidiger in New York arbeitet, ist in Deutschland vermutlich bisher nur den wenigsten bekannt. Dies sollte sich mit dem aktuellen Band aber gewiss bald ändern. Steve Cavanagh gelingt mit „Thirteen“ ein Meisterwerk des Thrillergenres. Die geniale Idee, einen Killer als Teil der Jury zu wählen, der „seinen“ Prozess live verfolgt, wird exzellent umgesetzt. Der Roman packt den Leser von der ersten Seite an. In grandioser Weise verknüpft Cavanagh zwei verschiedene Erzählperspektiven: die des Anwalts und die des Serienkillers. Dessen Skrupellosigkeit, Perfektion und sein teuflisches Vorgehen sind die Triebfeder der Spannung und lassen den Leser den Roman nicht mehr aus der Hand legen.

Suche nach einem Phantom

Der brutale Killer Joshua Kane treibt bereits seit Jahren sein Unwesen, ohne dass er auch nur ansatzweise ins Visier der Ermittler geraten wäre. Er ist manipulativ, mit einem narzisstischen Charakter sowie sozio- und psychopathischen Zügen. Darüber hinaus verfügt er über exzellente forensische Kenntnisse und eine angeborene Schmerzunempfindlichkeit. Was den hochintelligenten und skrupellosen Killer zusätzlich so gefährlich macht, ist der Umstand, dass er es meisterhaft versteht, in andere Rollen zu schlüpfen. So wissen weder die Ermittler noch der Leser, welche Person in der Jury tatsächlich der gesuchte Killer ist.

Anwalt der Gerechtigkeit

Kanes Widersacher Eddie Flynn ist ein cleverer Anwalt, der notfalls auch die Regeln bricht, um seinen Klienten zu helfen. Darüber hinaus ist er auch ein intelligenter Tatortanalytiker, der die Ungereimtheiten im Doppelmord scharfsinnig erkennt.

Ihm zur Seite steht mit der Ex-FBI-Agentin Harper eine taffe und äußerst clevere Ermittlerin, die zusammen mit einem ehemaligen Kollegen eine kleine Security-Firma gegründet hat. Der Anwalt vertraut auf ihren Instinkt und ihre Fähigkeiten, die er selber vor einiger Zeit am eigenen Leib kennenlernen durfte.

Nichts ist, wie es scheint

Steve Cavanagh gelingt ein hochspannender Thriller. Auch wenn man im Laufe der Handlung mehr und mehr über den Killer und sein Motiv erfährt, bleibt Kane bis zum Schluss ein Phantom. Der Autor verbindet eindrucksvoll seine beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen als Anwalt vor Gericht mit einer packenden Story, die den Leser bis zum Schluss fesselt. Es gelingt Cavanagh sogar, die Spannung und das Erzähltempo am Ende noch zu steigern. Ein brillanter Thriller, der beweist, dass Anwälte auch herausragende Autoren sein können.

Fazit:

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und der Goldmann-Verlag präsentiert bereits jetzt mit „Thirteen“ einen heißen Kandidaten auf den Thriller des Jahres. Ein Roman, der in jederlei Hinsicht überzeugt. Ein Thriller, der so hervorragend geschrieben ist, dass jede Verfilmung nur enttäuschen kann. Ein „teuflisch“ genialer Roman, der Steve Cavanagh auch hierzulande berühmt machen wird.

Thirteen

Steve Cavanagh, Goldmann

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