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Andreas Kurth
Rasanter Thriller um Kanuten, Killer und gierige Zocker

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2020

Seit etlichen Jahren bereitet sich Hannes Niehaus auf den Höhepunkt und Abschluss seiner Karriere als Leistungssportler vor. Er wird bei den olympischen Spielen in Kopenhagen im Kanu startet - rechnet sich aber allenfalls eine Finalteilnahme aus. Von einer Medaille wagt der Polizeibeamte und versierte Mordermittler kaum zu träumen.

Aber während er noch auf dem Weg nach Dänemark ist, legt sich bereits ein dunkler Schatten über die Olympiade.

Das erste Kapitel des Buchs endet mit dem Suizid eines italienischen Volleyball-Spielers, und dann springt die Handlung nach Singapur, wo dem Kopf eines asiatischen Wett-Syndikats von den Schwierigkeiten in Italien berichtet wird. Dem Leser wird schnell der Gegensatz zwischen der idealistischen Weltsicht des deutschen Olympioniken und den brutalen Machenschaften des organisierten Verbrechens deutlich. Die langen Krakenarme der Wettmafia reichen vom Hauptquartier in Singapur über Italien und den Balkan bis nach Dänemark, wo es einen Generalangriff auf die Olympiade geben soll.

Mit manipulierten Wetten soll bei diesem Großereignis auch in sonst eher uninteressanten Sportarten unglaublich viel Geld verdient, aber auch illegales Geld gewaschen werden. Es gibt mehrere Ebenen der Organisation, die nur über Chatrooms im Darknet miteinander kommunizieren. Es werden zahlreiche Sportler angeworben, aber nicht alle wollen da mitmachen. Und wenn dann einem Sportler plötzlich doch Gewissensbisse kommen, und er sich an die Polizei seines Heimatlandes wendet, kann er nie wissen, ob sein Verrat nicht ganz schnell bei der Wettmafia bekannt wird.

Milan vergeudete keine Zeit. Mit wenigen Sätzen erklärte er grob, worum es ging. Zunächst wurde er nicht unterbrochen, erst als er Ivko erwähnte, kam als Reaktion ein schnalzendes Geräusch.
“Ivko Anicic? Hattest Du auch Kontakt zu seinem Bruder?”
“Ja, Branko heißt er. Eigentlich hatte ich nur mit ihm zu tun, keine Ahnung, warum sich jetzt Ivko einschaltet.”
“Könnte daran liegen, dass Branko tot ist.”
Milan glaubte, sich verhört zu haben. “Branko ist….tot? Das kann nicht…. Ich habe doch gestern noch mit ihm telefoniert!”
“Wann genau?”
“Mittags. Gegen eins. Eigentlich wollte er mich treffen, aber ich bin erst heute früh in Kopenhagen gelandet.”
“Am Abend wurde ihm die Kehle durchgeschnitten. Die dänische Polizei hat uns heute informiert.”

Hannes Niehaus will eigentlich die Olympiade als absoluten Höhepunkt seiner Sportlerkarriere genießen. Damit ist es jedoch schnell vorbei, als sich ihm sein ungeliebter Konkurrent, der deutsche Kanute Ralf, offenbart. Er ist seit längerer Zeit fest in der Hand der Wettmafia, wurde mit Dopingmitteln versorgt, hält jetzt jedoch dem Druck nicht mehr stand. Durch seinen schwedischen Kollegen Sören, den Hannes von einem früheren Kriminalfall kennt, bekommt er Kontakt zur dänischen Polizei und zu Europol. Gegen seinen Willen wird er nun in die weitreichenden Ermittlungen hineingezogen, bei denen es um Mord, Wettbetrug und terroristische Bedrohungen geht.

Die kriminalistischen Fragen bleiben stets im Vordergrund

Hendrik Falkenberg hat hier einen Plot erdacht, der es wirklich in sich hat. Durch die ständigen Perpektiv-Wechsel und die vielen Personen - da wäre eine Namensliste wirklich hilfreich gewesen - wird schnell große Spannung aufgebaut, die Geschichte entwickelt einen unglaublichen Sog. Man merkt, dass der Autor aus dem Bereich Sportmanagement kommt, er nutzt in diesem Roman offensichtlich viel Insider-Wissen. Gleichzeitig widersteht er der Versuchung, die sportlichen Aspekte zu sehr in den Vordergrund zu rücken, die kriminalistischen Fragen bleiben stets im Vordergrund und bilden ganz klar den roten Faden.

Wettbetrug ist ein unglaublich weites Feld, im Grunde ein kriminelles Universum, das den gesamten Globus umspannt. Fußball steht dabei häufig im Mittelpunkt. Man denke nur an die beiden Bücher zu Football Leaks, die für viel Aufsehen gesorgt haben. Darin geht es nicht nur um Steuerhinterziehung in großem Stil, sondern auch um Wettbetrug mit verschobenen und sogar ausgedachten Spielen. Wer sich Hintergründe zum Meta-Thema von “Die Zeit der Spiele” anlesen möchte, wird dort ausgiebig fündig werden.

Ziemlich realistisch schildert Hendrik Falkenberg die umfangreichen Ablenkungsmaßnahmen der Wettbetrüger, die damit die Polizei von ihrem eigentlichen illegalen Geschäftsfeld ablenken wollen. Als die Ermittler auf den unteren Ebenen zuschlagen und etliche Sportler und Verbrecher festnehmen, lassen die Drahtzieher im fernen Singapur ein lange vorbereitetes Programm anlaufen, um alle Spuren nach Asien zu verwischen - es werden etliche Auftragsmörder in Marsch gesetzt.

Kim Koh trat dicht an ihn heran. “Verhindere vor allem, dass man sich bis zu mir durchhangelt! Das hat oberste Priorität! Die Terroristen sind verhaftet worden und auch schon Leute aus unserem Netzwerk.”
“Alles ahnungslose Frontsoldaten.”
Hart umklammerten zwei Hände Han Chens Handgelenke. “Umso mehr wird man versuchen, bis zu uns vorzudringen. Wir reden nicht mehr nur von ein paar Polizisten, die einen Wettbetrug aufdecken wollen. Dafür hätten unsere Sicherheitsvorkehrungen ausgereicht. Nein, man wird sich Ebene für Ebene vorarbeiten. Und wenn es Wochen dauert. Ein Rückzug reicht nicht.”
“Dann….”, resigniert atmete Han Chen, “... aktivieren wir Kana-Kitai. Wir schneiden alle Äste ab.”
“Erledige das! Sofort! Wir kommen schon jetzt nicht mehr an alle Äste dran. Es sei denn … wir sprengen ein dänisches Gefängnis in die Luft.”

Mancher Leser wird daran zweifeln, dass die Geschichte nahe an der Realität ist. Ob es einen Großangriff der Wettmafia auf olympische Spiele gegeben hat, ist mir nicht bekannt. Aber dass sich asiatische Verbrecher-Syndikate mit kriminellen Banden vom Balkan oder Familien von Cosa Nostra, Camorra oder ‘Ndrangheta verbünden, oder diese mit speziellen Aufgaben betrauen, ist kaum aus der Luft gegriffen. Hierzu gibt es einschlägige Literatur. Ob dann allerdings auch noch russische Killer oder islamistische Terror-Gruppen engagiert werden, mag etwas zweifelhaft sein. Hier hat Hendrik Falkenberg tief in die Fabulier-Kiste gegriffen. Aber da halte ich es mit meinem gewohnten Grundsatz: Solange ich gut unterhalten werden, darf der Autor ruhig seine dichterische Freiheit nutzen. Sachbücher zum Thema haben andere geschrieben.

Fazit:

Bei diesem wirklich spannenden Thriller ist der Plot die Hauptfigur, um es mal ungewöhnlich auszudrücken. Im zehnten Band um den Polizisten und Hochleistungssportler Hannes Niehaus stehen nicht der Ermittler und seine Kollegen von der Polizei im Blickpunkt, sondern die überaus rasante Geschichte. Ab einem bestimmten Punkt mochte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Es passierte so viel, und ich wollte unbedingt wissen, wie es mit diesem und jenem Handlungsstrang weitergeht. Ein Thriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient - auch wenn auf der Titelseite nur Krimi draufsteht. Sprachlich vielleicht nicht so ausgefeilt, wie man es sich erhofft als anspruchsvoller Leser, aber das war mir egal, denn ich habe mich hervorragend unterhalten gefühlt.

Die Zeit der Spiele

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