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Michael Drewniok
Krankenhaus als Todesfalle

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2019

Der forensische Mediziner David Hunter wird gern von der Kriminalpolizei zu Rate gezogen, wenn diese auf Leichen stößt, die schon sehr lange an Orten liegen, die der Erhaltung des Körpers wenig zuträglich sind. Dann ist es sein Job, aus einem Bündel Verwesung und Knochen herauszulesen, wer hier warum zu Tode gekommen ist.

Aktuell wird Hunter in das alte, schon seit Jahren leerstehende Krankenhaus St. Jude’s im Norden Londons gerufen. Der verfallende Bau sollte endlich abgerissen werden, als auf dem Dachboden die mumifizierte Leiche einer Frau gefunden wurde. Da in der aufgerissenen Bauchhöhle die winzigen Knochen eines ungeborenen Kindes zu sehen sind, sollen Hunter und ein weiterer Arzt den Körper vor Ort untersuchen. Dabei bricht der Boden ein, und der unglückliche Kollege stürzt in einen sorgfältig zugemauerten Raum, der zwei weitere Leichen enthält: Ein Mann und eine Frau wurden grausam gefoltert und schließlich zum Sterben zurückgelassen.

Die Medien stürzen sich auf den Fall, der zum Politikum wird, weil das St. Jude’s zu einem Symbol für Profitgier und Immobilienschacher wurde sowie seltene Fledermäuse beherbergt. Auch Hunter gerät unter Druck. Außerdem würde ihn ein privates Forensik-Team gern verdrängen. Um des Falles willen bleibt er dabei, zumal eine gründliche Durchsuchung der Ruine weitere menschliche Überreste zutage fördert.

Ermittlungsfehler werden begannen, und der Stress fördert Irrtümer. Hunter wird wider Willen in den Strudel gerissen. Ihn faszinieren mysteriöse Spuren auf den Knochen der Leichen. Sie legen einen Zusammenhang zwischen den Morden nahe, erbringen aber keine direkten Spuren. Deshalb geht Hunter völlig ahnungslos dem keineswegs fernen Täter in die Falle …

Das gefürchtete, schmutzige (halbe) Dutzend

Handwerk, Inspiration und die richtige Nische: Simon Beckett hat es geschafft. Er konnte sich dort verankern, wo sein Publikum sitzt - und das so fest, dass er nicht fürchten muss, ins Abseits getrieben zu werden: Jene Wogen, die auch durch die Krimi-Szene wirbeln, spülen einen Autor günstigenfalls dorthin, wo ihn die Leser - eine notorisch wankelmütige Gruppe - sehen und ins Herz schließen. Wenn besagter Anker nicht hält, kann es jedoch schnell vorbei sein mit der Popularität (und den Einkünften), die man mit einer Krimi-Serie erzielen kann.

Doch Beckett hat (auch hierzulande) seine Fans gefunden. Er kann es sich deshalb leisten, nicht jedes Jahr einen neuen Hunter-Krimi zu liefern, sondern sich Zeit zu lassen bzw. serienunabhängige Bücher zu schreiben. Die finden nicht so viele Anhänger, werden aber hingenommen, so lange Hunter irgendwann doch wiederkehrt.

Für einen Schriftsteller ist das eine Win/Win-Situation: Er ist nicht an eine Figur gefesselt und kann ihren neuerlichen Einsatz hinausschieben, bis sich eine passende, gern geschriebene und deshalb lesenswerte Story ergibt. „Die ewigen Toten“ wird auf diese Weise zu einem Kriminalroman, der zwar dem Genre keine frischen Impulse gibt, aber - ein adäquater Ersatz - über die gesamte Distanz Lese-Spaß garantiert.

Gruseln mit (wissenschaftlichem) Niveau

Der Ton macht die Musik. In diesem Fall ist es das ehemalige Krankenhaus St. Jude’s, das der Geschichte einen würdigen Rahmen gibt. Schon wenn sie in vollem Betrieb sind, üben Krankenhäuser keine besondere Anziehungskraft aus. Man landet dort, wenn und weil man krank ist, und flieht so rasch wie möglich, sobald dies abgestellt wurde. Vor Ort fürchtet man sich, muss Schmerzen ertragen und medizinisch bedingte Unerfreulichkeiten über sich ergehen lassen. Hinzu kommt das Wissen, dass nicht wenige Patienten das Krankenhaus liegend und still über einen unauffälligen Seitenausgang verlassen, weil die Heilung ausblieb.

Ein aufgegebenes Krankenhaus ist erst recht prädestiniert als Ort des Schreckens. Schier endlose, mehr oder weniger leergeräumte, feuchte, düstere, verfallende Räume, Gänge und vor allem Kellergewölbe sind die ideale Brutstätte für Geister, aber auch ein Schlupfwinkel für irdische Umtriebe, deren Verursachern wir keineswegs begegnen möchten. Autor Beckett holt alles aus dieser Vorlage heraus. Obwohl es im St. Jude’s nicht spukt, stellt er die Unheimlichkeit des Ortes detailfroh und überzeugend heraus. Dies wird unterstützt durch die über viele Seiten aufrechterhaltene Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Leichen aus schmutzigen Winkeln gezogen werden. Falsche Wände, bauplanfremde Innengestaltung, unheilverkündende Schutthaufen: St. Jude’s ist ein Labyrinth, und hinter jeder Ecke könnte eine böse Überraschung warten - eine Vorlage, die sich Beckett nicht entgehen lässt.

Was letztlich mausetot ans Tageslicht kommt, erfreut die nicht vor Ort von Gestank und Einsturzgefahr bedrängten Leser durch jene malerische Scheußlichkeit, die dank etlicher „CSI“-Serien (plus zwölf Staffeln „Bones“) zum Unterhaltungsfaktor geworden ist. Eine frische Leiche ist heutzutage langweilig. Sie sollte ordentlich angegammelt sein, was möglichst einzelheitenstark zu schildern ist.

Sensibler Mann mit stählerner Nase

Das schmierige Puzzle setzt Dr. David Hunter sauber abgekochte zu einem menschenähnlichen Gebilde zusammen. Dabei erspäht sein Kennerauge allerlei Spuren, die auf Mordumstände hinweisen, die der Polizei ansonsten entgangen wären. Weil solche forensischen Untersuchungen zeitaufwändig sind und im Krimi stets die Zeit drängt, springt dadurch ein dramaturgisches Element heraus, das Beckett intensiv einsetzt.

Sobald Hunter die Leichenkammer verlässt, beginnt der ebenfalls krimitypische Kampf mit einem Alltag, der durch Bürokratismus, Intrigen und Mediengeilheit geprägt wird. Auch damit füllt Beckett viele Seiten, doch er kann diese Konflikte plausibel ins Geschehen einfügen. Weniger glücklich wirken seine Bemühungen, Hunter ein ‚interessantes‘ Privatleben zu kreieren. Auf solche Zwischenmenschlichkeit darf ein Krimi-Schriftsteller heute keinesfalls verzichten, auch wenn ihm die Lust oder das entsprechende Darstellungstalent fehlen. Beckett dürfte sich diesbezüglich im Mittelfeld bewegen; jedenfalls wirkt die On/Off-Beziehung zwischen Hunter und seiner Biologen-Freundin recht aufgesetzt = überflüssig.

Besser gelöst ist die endgültige Konfrontation zwischen Hunter und einer irren Serienmörderin, die ihn schon einmal fast umgebracht hat und nun stalkt, um in einer finalen Coda, die mit dem eigentlichen Plot nichts zu tun hat, messerschwingend aus den Büschen zu springen. Überzeugend ist das nicht - aber immerhin spannend; eine Feststellung, die man während der Lektüre mehrfach macht. Freilich gibt es mehr als genug Autoren, die deutlich skrupelloser als Beckett sind, wenn es darum geht, das Publikum zu fangen und zu fesseln. „Die ewigen Toten“ - der Originaltitel ist übrigens keineswegs geistreicher - bietet modernen Krimi-Mainstream der britischen Schule und leistet dabei gute Arbeit. Vielleicht wünscht man sich mehr, doch viel öfter bekommt man deutlich weniger, weshalb man sich auf eine Fortsetzung der Reihe freuen kann.

Fazit:

Auch Fall Nr. 6 zeigt Dr. David Hunter fachlich auf der Höhe, während beruflich und privat Gewitterwolken über seinem Haupt kreisen. Daraus formt Autor Beckett einen modernen englischen Kriminalroman, dessen Plot sich angenehm unerwartet auflöst, während die Seifenoper-Elemente sich im Rahmen des Erträglichen halten: gediegenes Handwerk.

Die ewigen Toten

Die ewigen Toten

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Letzte Kommentare:
11.06.2019 13:18:10
Alex76

Sicherlich nicht der spannendste Hunter-Roman. Zumal ich schon in der Mitte des Buches eine Vorahnung hatte, die sich am Ende bestätigte. Also wer hier alle Personen studiert, dürfte die Auflösung nicht überraschen. Trotzdem gut und sehr detailliert geschrieben. Ich habe das Buch in 4 Tagen komplett durchgelesen. Und mich sehr gefreut, dass vertraute Personen aus den vorherigen Büchern wieder auftauchten. Das Finale ist furios! Bin sehr auf den nächsten Hunter gespannt!

01.05.2019 15:01:27
Dihler

Ich habe alle Bücher der Dr. Hunter-Reihe gelesen und für mich ist dies das langweiligste Buch von allen - insgesamt nicht schlecht, aber die Erwartungen sind nun mal sehr hoch. Ich fand die ersten drei Bücher sensationell, das vierte noch sehr gut, doch seit dem 5. Titel leben die Romane nur noch von ihrer interessant geschilderten Stimmung, doch an Spannung und dem gewissen Etwas mangelt es den neuesten Ausgaben leider. Ich warte trotzdem bereits auf die nächste Geschichte und hoffe, sie packt mich wieder wie die ersten Ausgaben.

28.04.2019 20:11:35
Lena

Ich kann nicht verstehen, warum alle Kommentare so negativ sind. Ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen und fand es klasse. Spannende Geschichte, unerwartete Auflösung, fachlich so wie wir Dr. Hunter kennen. Ich mag die zahlreichen Erklärungen rund um die gefundenen Überreste. Ich muss zugeben, dass einige Bücher von Simon Beckett spannender waren, aber dieses hat so schlechte Rezensionen wirklich nicht verdient!

05.04.2019 18:17:35
Pema

Kann nur zustimmen: Der mit deutlichem Abstand schwächste "Dr. Hunter", nicht nur langatmig mit ständigen Wiederholungen beim Gang durchs Krankenhaus sondern auch ohne jeden Spannungsaufbau.

02.04.2019 14:26:01
Else

Bisher waren die Bücher immer spannend, aber dieses ist wirklich langweilig - man kämpft sich durch das Buch...hoffentlich ist das nächste besser...

25.03.2019 09:58:40
Fussl

Habe alle Bücher der Hunter-Serie gelesen.
Für mich der mit Abstand schwächste Teil - langatmig, spannungsarm und teilweise sehr konstruiert - schade!

15.03.2019 13:20:38
AG-FR

15.03.2019
Leider muss ich sagen, das dieses Buch mich total enttäuscht hat. Dr. Hunter hat schon so oft mit der Polizei zusammengearbeitet, aber hier ist es unerträglich naiv und blind. Ich habe Seiten einfach überlesen, weil manche Passagen einfach lahm waren. Hab schon BESSERES von ihm gelesen - SCHADE.

14.03.2019 20:58:04
Melda1707

Die Grundidee mit dem Fall im alten Krankenhaus war stark, die Umsetzung und Auflösung leider über weite Strecken enttäuschend.

Obwohl Hunter bereits in einigen Fällen mit der Polizei zusammengearbeitet hatte, ist sein Verhalten phasenweise von einer nahezu lächerlichen Naivität geprägt - und somit für mich als Leser kaum noch zu ertragen.

Für mich unter dem Strich eine Enttäuschung.