Fiona - Unten im Dunkeln

Erschienen: Januar 2019

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2015, Titel: 'This thing of darkness', Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2019, Seiten: 576, Übersetzt: Kristof Kurz

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Thomas Gisbertz
Eine mehr als außergewöhnliche Ermittlerin

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2019

Nach ihrem letzten großen Fall läuft es für Fiona Griffiths nicht gut: Sie hat die Verlobung mit Dave Brydon aufgelöst und interessante Verbrechen gab es auch nicht. Fiona nervt DCI Jackson, ihren Vorgesetzten beim Dezernat für Schwerverbrechen, solange, bis sie wenigstens eine Reihe ungeklärter Fälle auf den Tisch gelegt bekommt. Dabei sollte sie eigentlich für ihre Prüfung zum Detective Sergeant lernen. Gleich zwei Fälle erregen Fionas Aufmerksamkeit.

Zum einen ist ein Wachmann in einer regnerischen Nacht von einer Klippe gefallen. War es tatsächlich nur ein Unfall - oder steckt mehr dahinter? Beim zweiten Fall geht um einen seltsamen Einbruch. Wie konnte man in ein acht Meter hoch gelegenes Fenster einsteigen, ohne dabei Spuren zu hinterlassen? Je mehr sich Fiona auf ihre unkonventionelle Art mit den Vorfällen beschäftigt, desto mehr spürt sie, dass die Fälle sogar zusammengehören könnten.

Fiona wittert eine Spur

Während ihrer Recherche stößt sie auf den Tod eines Ingenieurs, der erhängt in seiner Wohnung gefunden wurde. Ist es Zufall, dass der scheinbar verunglückte Wachmann und der Ingenieur beide für das Unternehmen Atlantic Cables gearbeitet haben? Die Firma will ein neues, ultraschnelles Atlantikkabel verlegen, um Marktführer bei der Datenübermittlung von Großbritannien nach Amerika zu werden. Der Technologiemarkt ist hart umkämpft, schließlich birgt der Vorsprung bereits von Millisekunden beim Ankommen der eigenen Daten vor denen der Konkurrenz erhebliche finanzielle Vorteile. Die Hintermänner schrecken auch vor Mord nicht zurück. Fiona entkommt nur knapp dem Tod und wird vom Fall abgezogen. Doch lässt sich die eigenwillige Ermittlerin nicht an ihren Schreibtisch verbannen. Wer denkt, dass Fiona so schnell aufgibt, hat sich getäuscht.

Ein zu wenig beachteter Autor

Harry Bingham ist gebürtiger Londoner. Er studierte in Oxford Politik und Wirtschaft, beschäftigte sich danach mit dem ökonomischen Wiederaufbau Osteuropas und brach schließlich eine Karriere bei der Bank J. P. Morgan ab, um Bücher zu schreiben. Seine Thriller um die einzigartige Fiona Griffiths aus Cardiff erregten international Begeisterung und wurden in Großbritannien Vorlage einer Fernsehserie. Der Rowohlt Verlag legt die Reihe um Fiona – die erstmalig 2012 im Blanvalet Verlag erschien – seit 2018 neu auf. „Unten im Dunkeln“ ist der vierte Band. Mit „Wo die Toten wohnen“ erschien im März dieses Jahres bereits der fünfte Fall der jungen Ermittlerin.
Wer die Krimis liest, wird schnell merken, warum es zwingend notwendig war, diesen Autor mit seiner Fiona-Reihe neu zu entdecken. Die deutsche Krimiwelt hätte etwas verpasst.

Erkrankung prägt Leben der Ermittlerin

Die Figur der Fiona ist aus vielerlei Hinsicht anders und außergewöhnlich. Die zierliche Waliserin (1,60 Meter, 50 kg), die in Cardiff als Detective Constable arbeitet, leidet seit ihrer Pubertät am Cotard-Syndrom. Diese Krankheit spielte zuletzt auch in Sandrone Dazieris Thriller „Schwarzer Engel“ (italienische Originalausgabe 2017) eine wichtige Rolle. Allerdings erscheint Harry Binghams Reihe um die walisische Ermittlerin bereits seit 2012 im Englischen. Zu den wichtigsten Symptomen dieser seltenen Krankheit zählen Wahnvorstellungen und Depressionen, die zu einer extremen Form der Depersonalisierung – bis hin zum Gefühl, zu verfaulen oder gar bereits tot zu sein – führen.

Arbeit als Therapieersatz

Zwei Jahre fehlen in Fionas Lebenslauf. Zwei Jahre, die sie größtenteils in einer psychiatrischen Einrichtung verbracht hat. Fiona mag Regeln, strukturierte Abläufe, klare Befehlsketten, weil sie ihr Sicherheit geben, Orientierung, Halt. Mit Gefühlen kommt sie nicht gut klar. Fiona braucht Arbeit und Ablenkung, um ihr Leben unter Kontrolle zu halten. „Polizeiarbeit ist das Einzige, das ich richtig gut kann. Ein ganz normales Leben zu führen finde ich viel schwieriger“, sagt sie über sich selber.

Wen wundert es da, dass sie sogar unter der sinkenden Verbrechensrate in Cardiff leidet. Immer wieder fügt sich Fiona Schmerzen zu, wenn sie sich fern von der beruflichen Ablenkung zu sehr in ihrem langweiligen und spannungsarmen Alltag verliert und sich wieder selber spüren muss, um zu realisieren, dass sie noch lebt. Fragen wie „Ob ich meine Hand mit dem Tacker am Tisch befestigen kann?“ gehen ihr ständig durch den Kopf, während sie einen Kollegen in der Asservatenkammer vertreten muss. Genauso wie der innere Drang: „Um vier stelle ich fest, dass ich Schmerz verspüre, wenn ich mit der linken Ferse fest auf meine rechte Zehe trete. Obwohl mir schummrig ist, drücke ich mit aller Kraft, bis mein Bein müde wird.“

Eine ganz spezielle Protagonistin

Fiona erledigt ihre Arbeit nicht immer professionell, ist mit ihren Gedanken oft ganz woanders, geht ihren Kollegen schon einmal grundlos auf die Nerven, ermittelt auf eigene Faust, ignoriert Befehle oder flucht. Bedingt durch ihre Erkrankung hat sie auch ein anderes Verhältnis zu Toten. Bildschirmschoner mit Fotos der entstellten Leichen aktueller Fälle oder das Aufhängen von Leichenfotos ihrer bisherigen Fälle in ihrem Büro sind für sie nicht nur normal sondern wichtig. Vielleicht ist sie gerade deswegen aber auch eine so hervorragende Polizisten. Weil sie den Toten eine Nähe einräumt und zugesteht, die ihr bei Menschen nicht möglich ist. Über die Trennung von ihrem Ex-Verlobten sagt sie: „Es war verrückt, Schluss zu machen, und gleichzeitig bedauere ich es keine Sekunde.“

Die walisische Ermittlerin ist eine sehr akribische Polizistin, die es auch versteht durch genaues Arbeiten ihre Vorgesetzen zu beeindrucken. Diese schätzen Fiona trotz ihrer Andersartigkeit sehr. Dass sie für den Test zur Beförderung im Polizeidienst nicht lernt und dennoch überragend abschließt, spricht für sich. Dass sie dabei heimlich und mit voller Absicht alle Fragen zum Thema Verkehrssicherheit falsch beantwortet, um niemals als Verkehrspolizisten arbeiten zu müssen, ist typisch für Fiona.

Schreibstil mit fulminater Wucht

Nicht zuletzt dank Binghams wunderbarem Erzählstil ist es einfach nur eine große Freude, dieses Buch zu lesen. Es gelingt ihm, die Figur der Fiona in den Mittelpunkt zu stellen, ohne von der Handlung abzulenken. Im Gegenteil: Fionas Leben ist unabdingbarer Teil der Handlung. Man leidet mit ihr, hofft mit ihr und freut sich mit ihr. Ständig lernt man sie aber auch neu kennen.
Bingham stellt sie in all ihrer Verletzlichkeit dar und schildert dann urplötzlich ungewöhnliche Momente, die einen laut lachen lassen – und das unzählige Male im Verlauf des Romans. Man begleitet Fiona wie eine alte Freundin durch diesen Fall. Der Autor stellt eine unfassbare Nähe zur Hauptfigur dar, ohne von der eigentlichen Kriminalgeschichte abzulenken.

Fazit:

Wer denkt, dass er schon alle Arten von Ermittlern kennt, sollte die Fiona-Reihe lesen. Er wird überrascht sein, dass ihm eine solche Figur in der weltweiten Krimilandschaft noch nicht begegnet ist. Auch wenn sie in macherlei Hinsicht Lisbeth Salander aus der Milenium-Trilogie von Stieg Larsson nicht unähnlich ist, schafft Bingham einen Charakter, der in seinem Habitus sicherlich einzigartig ist: unkonventionell, aufsehenerregend, bemerkenswert, außergewöhnlich – einfach alternativlos. Es fällt schwer zu verstehen, dass diese Reihe in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

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