Der Sinn des Todes

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer, 2017, Seiten: 496, Übersetzt: Doris Styron
  • London: Little, Brown, 2016, Titel: 'Out of bounds', Originalsprache

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Carola Krauße-Reim
Auch Altfälle können spannend sein

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jul 2021

Der vorliegende Taschenbuchausgabe erschien bereits 2017 als Hardcover, war damals der 4. Fall rund um Karen Pirie und der 30. Krimi von Val McDermid. Inzwischen hat die Autorin 2020 nachgelegt und lässt Pirie in „Das Grab im Moor“ abermals ermitteln. Vielschreiberin McDermid erweist sich abermals als Garantin für spannende Geschichten, auch wenn sie es dieses Mal etwas ruhiger angehen lässt.

Drei Fälle beschäftigen Karen

Ein 17-Jähriger verursacht einen schweren Unfall, bei dem seine Freunde sterben. Seine DNA bringt eine Verbindung zu einem zwanzig Jahre zurück liegenden Mordfall. Karen Pirie beginnt zu ermitteln und stößt auf Familiengeheimnisse, die manch einer lieber bewahren möchte. Gleichzeitig wird ein junger Mann erschossen aufgefunden. Der Tod wird als Selbstmord eingestuft, doch Karen hat Zweifel, denn die Mutter des Mannes starb bei einem Flugzeugabsturz, angeblich von der IRA durch eine Bombe herbeigeführt. Zwei Gewaltverbrechen in einer Familie – daran kann Karen nicht glauben. Sie stellt ungenehmigte Untersuchungen an und bringt sich damit wieder einmal in Schwierigkeiten.

Auch ruhig und bedächtig kann spannend sein

Hier finden keine Gemetzel statt oder ließen Ströme von Blut. McDermid verlässt sich ganz auf die Präsenz ihrer Protagonistin und der schottischen Städte und Landschaften, die sie wieder einmal gekonnt in Szene setzt. Ruhig und manchmal vielleicht etwas zu ausufernd lässt sie Karen in die Fälle eintauchen. Ganz langsam wird die Spannung aufgebaut, die dann in allen drei Fällen durch unvorhersehbare Wendungen geschürt wird. Immer tiefer gräbt sich die Ermittlerin, und damit auch der Leser, in die Abgründe der menschlichen Natur ein und fördert damit immer mehr Details zutage, die versteckte Verbindungen oder lange gehütete Geheimnisse offenbaren, die zum Schluss zur Aufklärung aller offenen Fragen führen. Dabei verzichtet McDermid auf einen knallenden Showdown und zeigt damit, dass auch die leisen Töne viel Atmosphäre und Intensität schaffen können. Allerdings hätte ich mir ein wenig mehr Konzentration auf den Fall der ermordeten jungen Frau vor 20 Jahren gewünscht, der doch relativ klanglos unterzugehen scheint in den Ermittlungen rund um Gabriel Abbot und den Flugzeugabsturz seiner Mutter und deren Freunden.

Karen hält sich tapfer

Mit Karen Pirie hat Val McDermid eine Person erschaffen, die nur schwer zu greifen ist. Im Beruf ist sie kompetent und anpackend, pfeift auf Hierarchien, geht geradlinig und, wenn es sein muss, respektlos in Richtung Ziel. Privat ist sie ein zutiefst verletzter Mensch. Der Tod ihres Lebensgefährten und beruflichen Partners lastet schwer auf ihr und lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Sie bewegt sich immer haarscharf am Rande des Zusammenbruchs und schafft trotzdem noch Mitgefühl für andere aufzubringen, die auch viel verloren haben und denen keiner zu helfen scheint. Damit schlägt McDermid die Brücke zum immer noch aktuellen Thema der Flüchtlinge und ihren täglichen Problemen. Karen Pirie ist der Mittelpunkt dieses Krimis. Ihre Person und ihre Art der Ermittlung sind das Gerüst für Spannung und die gut erzählte Geschichte. Ihr Gegenpol ist Mitarbeiter Jason. Er hat das Herz am rechten Fleck, ist aber nicht die hellste Kerze auf der Torte. Damit kommt sogar manchmal ein bisschen Humor in den Krimi. Dieses ungleiche Team hat bei mir einen großen Teil der Lesefreude ausgemacht und ihr Zusammenhalt gegenüber den arroganten und karriereorientierten Vorgesetzten erst recht.

Fazit

Ein ruhiger und dennoch spannender Krimi der Erfolgsautorin Val McDermid. Es ist nicht notwendig die vorhergehenden Bücher aus der Karen-Pirie-Reihe zu kennen um in das Geschehen einzutauchen, doch kann es sein, dass man zum Fan dieser ambivalenten Ermittlerin wird, die auch privat so manches wegstecken muss.

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