Zwei Sekunden

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • München: carl's books, 2016, Seiten: 464, Originalsprache

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Andreas Kurth
Wenn Mutti und der Zar mal in Ruhe plauschen wollen

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jul 2016

Eine gepanzerte Fahrzeugkolonne ist auf dem Weg vom Flughafen Tegel ins Berliner Regierungsviertel. Als eine Explosion die Luft zerreisst, wird ein Begleitfahrzeug zerstört, die vier Insassen getötet. Die Kanzlerin und der Präsident der russischen Föderation entgehen nur um zwei Sekunden dem sicheren Tod - sonst hätte es ihren Wagen erwischt. Polizei und Geheimdienste sind entsetzt, es wird eine Ermittlungsgruppe gegründet. Zur Überraschung der Beteiligten bekommt auch der eigenwillige LKA-Kommissar Eugen de Bodt den Auftrag, sich um diesen ungewöhnlichen Fall zu kümmern - was den meisten seiner Kollegen überhaupt nicht schmeckt.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, auch de Bodt und sein Team tappen im Dunkeln. Dann überschlagen sich die Ereignisse, der Kanzleramtsminister und weitere Beamte der oberste Ebene werden getötet. Der erfahren Kommissar beginnt zu ahnen, dass weder Kanzlerin noch russischer Präsident das eigentliche Ziel des Anschlags waren. Es muss weitere gefährdete Personen geben - und die Nachforschungen werden immer schwieriger und gefährlicher.

Killer ziehen eine blutige Schneise durch die Regierungsmannschaft

Christian von Ditfurth ist Historiker und Politikwissenschaftler. Dadurch ist er geradezu prädestiniert für das Schreiben von zeitgeschichtlichen Büchern, aber auch von politisch geprägten Kriminalromane. Sein aktuelles Werk ist durchaus in die Kategorie Polit-Thriller einzuordnen - schließlich ziehen hier Killer eine blutige Schneise durch die Regierungsmannschaft im Bundeskanzleramt. Eugen de Bodt darf bereits einen zweiten Fall bearbeiten, der erste war in der Welt der Wirtschaft angesiedelt, jetzt geht es um Politik - aber auch um wirtschaftliche Interessen.

Der ebenso eigenwillige wie für seine Vorgesetzten unbequeme Kommissar genießt im Berliner Landeskriminalamt eine Art Sonderstatus. De Bodt denkt und handelt - nach den Kategorien seiner Kollegen - völlig unorthodox. Seine dadurch errungenen Ermittlungserfolge werden ihm geneidet, was er durch seine sprichwörtliche Arroganz an sich abprallen lässt.

Der "schwarze Peter" für Misserfolge wird hin und her geschoben

Hegel ist de Bodts Lieblingsphilosoph, und er sprudelt nur so von Zitaten großer Denker, vor allem von Hegel. Seine Mitarbeiter Salinger und Yussuf halten große Stücke auf ihn und gehen mit ihrem Chef durch Dick und Dünn. De Bodts Ermittlungserfolge haben ihm bei der Kanzlerin einen guten Ruf verschafft, und so geniesst er auch in diesem Fall einen Sonderstatus. In der Realität dürfte es das kaum geben, aber für den Plot in diesem Thriller ist diese Konstellation unabdingbar.

Denn die Ermittlergruppe, die so genannte Taskforce, ist eher eine Ansammlung trauriger Helden. Ausgediente GSG-9-Kämpfer, Schlauberger und jede Menge durchschnittliche Kriminalisten. Es wird viel über vermeintliche Ermittlungsergebnisse und das weitere Vorgehen geredet, und der "schwarze Peter" für Misserfolge wird hin und her geschoben. Dem Trio um de Bodt hinkt die Taskforce jedenfalls ständig hinterher.

Der Deutsche und der Russe zeigen großen Respekt füreinander

Für Blut und Chaos sorgt die russische Geheimdienst-Truppe, die den vermeintlichen Anschlag auf ihren Präsidenten nicht auf sich sitzen lassen will. Man belauert sich gegenseitig, hat ebenfalls kaum brauchbare Erkenntnisse und jagt vermeintliche Maulwürfe und scheinbare Drahtzieher. Konstantin Merkow, Chef der Leibwache des Präsidenten, ist die wichtigste Nebenfigur des Romans. Er ist ein kühl kalkulierender Stratege, der stets die Interessen Russlands im Blick hat.

Merkow wird in die deutsche Taskforce delegiert, und merkt schon bald, dass nur de Bodt mit seiner Gruppe brauchbare Ermittlungsergebnisse vorzuweisen hat. Der Deutsche und der Russe sich ziemlich ähnlich gestrickt, und zeigen großen Respekt füreinander.

De Bodt hat am Ende natürlich die Nase vorn, was den Leser nicht wirklich überrascht. Aber bis dahin ist es ein ebenso langer wie kurzweiliger Weg voller Action, falscher Fährten und lesenswerter Dialoge. Der Autor hat etliche, köstlich zu lesende Episoden eingebaut, beispielsweise eine Verfolgungsjagd, bei der Yussuf und Salinger auf ziemlich originelle Weise die Russen abhängen. Insgesamt ein überaus spannender und kurzweiliger Thriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient.

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