Heldenfabrik

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Carl´s books, 2014, Seiten: 448, Originalsprache

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Andreas Kurth
Ein ermittelnder Philosoph im Söldner-Krieg

Buch-Rezension von Andreas Kurth Dez 2014

Die Berlin-Brandenburger Chemie AG (BBC) ist ein Global Player mit einer breiten Produktpalette. Als der Vorstand eine seiner Routine-Sitzungen hat, dringt ein Killerkommando in den Sitz der Firmenzentrale ein, tötet den Pförtner und sieben der neun Vorstandsmitglieder – zwei weitere Top-Manager sind nicht anwesend. Die Leichen werden in der Spree zu einem Kranz zusammen gebunden, und haben eine Aktenmappe mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke dabei. Der brisante Fall von internationaler Tragweite Fall wird dem frisch aus Hamburg in die Hauptstadt gewechselten Kommissar Eugen de Bodt übertragen. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Silvia Salinger und Ali Yussuf tappt der Ermittler zunächst völlig im Dunkeln. Doch dann wird es dynamisch. Ein weiteres Vorstandsmitglied der BBC wird in seinem Wohnzimmer durch eine Bombe getötet – und auf Weisung aus dem Kanzleramt schaltet sich der Verfassungsschutz ein – völlig illegal und Undercover. De Bodt merkt schnell, dass man im Polizeipräsidium und in Regierungskreisen offenbar nicht möchte, dass er mit seinem Team den Kriminalfall tatsächlich löst. Doch de Bodt ist ein hartnäckiger Wadenbeißer und lässt sich weder einschüchtern noch irgendwie stoppen.

Doppel-Plot heizt die Spannung mächtig an

Nach seiner ebenso spannenden wie gut recherchierten Trilogie um die drei Freunde aus der links-alternativen Okerstraßen-Wohngemeinschaft hat Christian von Ditfurth jetzt einen rasanten Thriller vorgelegt, der es wirklich in sich hat. Neben der eigentlichen Geschichte, die schon spannend genug ist, trägt zur Faszination des Buches auch der zweite Plot bei, der in die Haupthandlung eingebettet ist. Der Chef des Killer-Kommandos will die von ihm angeheuerten Söldner durch andere Mörder aus dem Weg schaffen lassen. Doch einer entkommt, hinterlässt weitere Leichen – und wird fortan nicht nur von der Verbrecher-Truppe, sondern auch von der Polizei gejagt. Christian von Ditfurth nutzt diesen Doppelplot überaus geschickt, um durch schnelles Umschalten die Spannung immer weiter anzuheizen. Während sich die Berliner Ermittler um den mit philosophischen Zitaten glänzenden Eugen de Bodt mit ihren Vorgesetzten und dem Geheimdienst herumquälen müssen, ohne wirklich weiter zu kommen, zieht André – so der Name des entkommenen Söldners – eine blutige Spur hinter sich her.

Eine ganz spezielle Polizisten-Truppe

Eugen de Bodt ist ein ganz spezieller Ermittler. In seiner Studienzeit in Hamburg hat er zeitweise einer linksradikalen Studentenorganisation angehört, was ihm der Verfassungsschutz durch gezielte Indiskretionen auch anhängen möchte. Der Kommissar zeigt sich davon jedoch unbeeindruckt, und selbst als er in eine andere Mordkommission versetzt wird, macht er unbeeindruckt davon heimlich weiter mit seinen Ermittlungen. Dabei helfen ihm Salinger und Yussuf, die schon nach wenigen Tagen eine bemerkenswerte Loyalität zu ihrem neuen Chef entwickelt haben. Das ungewöhnliche Polizei-Trio ist sehr gelungen gestaltet, alle drei Ermittler sind von anderen Eigenschaften geprägt, die sich jedoch gut ergänzen. Die Protagonisten wirken authentisch, und ihre Dialoge sind scharfsinnig und unterhaltsam. Dabei sticht natürlich de Bodt mit seinen lateinischen Zitaten und philosophischen Weisheiten besonders hervor, aber auch Salinger und Yussuf wissen auf ihre Weise zu glänzen. Christian von Ditfurth hat hier eine ganz spezielle Polizisten-Truppe kreiert, auf deren weiteren Episoden ich mich schon jetzt freue.

Mischung aus Kriminalroman und Polit-Thriller

Der Plot ist derart raffiniert gestaltet, dass man im Grunde von einer Mischung aus Kriminalroman und Polit-Thriller sprechen muss. Und es ist mal wieder so, dass man sich gar nicht vorstellen möchte, wie viel von dieser Geschichte tatsächlich real sein könnte. Eine Szene ehemaliger Söldner, die sich auch für Inlandsaufträge anheuern lassen, kann ich mir mehr als gut vorstellen. Was da noch an Unglaublichem drin ist, bleibt hier ungeschrieben, um nicht zu viel zu verraten. Aber es ist absolut lesenswert, nicht nur wegen der enormen Spannung. Plot und Protagonisten sind gleichermaßen gelungen, was nicht nur für die Ermittler, sondern auch für die Bösewichter gilt. Lese-Kino der feineren Art, von dem ich mir auch mal eine Film-Version wünsche.

Heldenfabrik

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Letzte Kommentare:
26.08.2017 20:48:48
Edith Sprunck

Zu Recht wird dieser Thriller von der KC als "Treffer" gekennzeichnet. Mehr als in obiger Rezension sollte vom Inhalt auch nicht verraten werden. Der Thriller ist jedenfalls immens spannend geschrieben, einfach genial, raffiniert und politisch. Der Autor demonstriert, wie staatliche Organe sich aus unterschiedlichen Gründen gegenseitig behindern können. So werden Katastrophen "streng geheim" selbst zurechtgeschneidert. Zum Heulen und, mit ausreichend Galgenhumor, hie und da auch zum Lachen. Ich freue mich jedenfalls sehr auf "Zwei Sekunden" mit Hauptkommissar Eugen de Bodt.

13.03.2016 16:32:52
Jose la mouche

Knappe Sprache. Kurze Sätze. Spannende Handlung. Eigentlich alles, was einen Krimi auszeichnet. Natürlich Sex and Krime darf nicht fehlen. Milieu Deutschland, Berlin, Köln, Hamburg, Lübeck. Wenige deutsche Autoren. die so schreiben.
Nur mit Vorurteil habe ich mir einen deutschen Krimi Autor vorgenommen. Ich bin angenehm überrascht.

02.05.2015 14:41:55
Bernd Hellmich

Bin ein Neuer Leser von Christian von Ditfurth Krimis. Kann "Heldenfabrik" mit dieser de Bodt-Ermittlertruppe an andere Krimifans nur weiterempfehlen und muss sagen, dieser Krimi war von Anfang bis Ende nicht nur mehr als spannend, sondern in seiner Machart sehr anders in der bisherigen Krimilandschaft und man wünscht sich mehr davon!!!Wann erscheint der nächste Krimi mit diesem Ermittlertrio???
Kann es kaum erwarten.

12.01.2015 20:45:39
Catrin

Wer die Stachelmann-Bücher gelesen hat wird in der" Heldenfabrik" auf einen ganz anderen Kommissar stoßen. Einen der weiß was er will, auch mal alles aufs Spiel setzt und sich vor allem keinem Vorgesetzten beugt. Die Geschichte beginnt rasant und nimmt bis zum Ende immer mehr Fahrt auf. Für mich war es genau der richtige Krimi für ein langes verregnetes Wochenende.