Tatjana

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Bertelsmann, 2013, Seiten: 320, Übersetzt: Susanne Aeckerle
  • München: btb, 2015, Seiten: 313

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Jörg Kijanski
Der legendäre Arkadi Renko ermittelt noch immer

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2013

Der Mafiaboss Grischa Grigorenko wurde erschossen und soll nun zu seiner letzten Ruhe beigesetzt werden. Doch Sonderermittler Arkadi Renko und sein Partner Viktor Orlow werden Zeugen eines kleinen Zwischenfalls als ein Demonstrationszug sich dem Friedhof nähert. Unter den Demonstranten erkennt Renko seine Nachbarin Anja, die gemeinsam mit Journalisten und Intelektuellen für die Aufklärung des Todes von Tatjana Petrowna kämpft. Tatjana stürzte aus dem sechsten Stock ihres Wohnhauses in den Tod; ein Fall, der sogleich von der Polizei als Selbstmord zu den Akten gelegt wird. Doch Tatjana war eine gefürchtete Journalistin und so gibt es eine Reihe von dubiosen Persönlichkeiten aus dem Moskauer Mafiamilieu, die sie nur allzu  gerne tot sehen.

Renko, der zurzeit keinen Fall bearbeitet und eigentlich krankgeschrieben ist, ermittelt auf eigene Faust und stößt dabei auf ein dubioses Tagebuch eines Dolmetschers, welches mit unzähligen Hieroglyphen versehen ist, die für einen Außenstehenden keinen Sinn ergeben. Angeblich ist dieses Notizbuch aber der Schlüssel zur letzten großen Story von Tatjana, die sie ins weit entfernte Kaliningrad führte, wo der besagte Dolmetscher am Strand erschossen wurde. Renko stürzt sich mehr und mehr in den Fall, denn die zeitlich sehr nahe beisammen liegenden Todesfälle kommen ihm höchst seltsam vor. Als er schließlich einen Zusammenhang erahnt, gerät der eigenwillige Ermittler selbst zur Zielscheibe ...

 

"Stimmt es, dass Sie keine Waffe tragen? Aus welchem Grund?"
"Ich bin faul."
"Nein, mal ehrlich."
"Na ja, als ich eine trug, habe ich sie nur selten benutzt. Und sie macht einen dumm. Man hört auf, über Alternativen nachzudenken. Die Waffe will keine Alternativen."
"Aber sie wurden angeschossen.
"Das ist der Nachteil."

 

Bereits in Treue Genossen (Band 5 der Arkadi-Renko-Reihe) galt es einen vermeintlichen Selbstmord nach einem Sturz aus dem zehnten Stockwerk aufzuklären. Nun also ein angeblicher Sprung aus dem sechsten Stockwerk, aber wir wollen uns  nicht in Kleinigkeiten verlieren. Chefinspektor Arkadi Renko, der schon 1981 in Gorki Park ermittelte und damit seinen Erfinder Martin Cruz Smith weltberühmt machte, ermittelt also immer noch. Neuerdings jedoch mit einer Kugel im Kopf, die er Schenjas Vater zu verdanken hat, welcher den Mordversuch seinerseits nicht überlebte. Renko nahm sich des zurückhaltenden Schenja an, was  sich im vorliegenden Fall als großer Glücksgriff erweist, denn ausgerechnet das siebzehnjährige Schachgenie vermag es, die seltsamen Notizen des ermordeten Dolmetschers ansatzweise zu entschlüsseln. So empfiehlt es sich, wie nahezu bei allen Serien, die Reihenfolge der Romane zu beachten, um das Privatleben des Protagonisten "korrekt" zu erleben.

Ein wildes Gemisch aus Korruption und Einschüchterung. Da hilft nur galliger Humor.

Arkadi Renko, Sonderermittler der Moskauer Staatsanwaltschaft, gehört nicht zu den korrupten Polizisten und Staatsdienern, denen es im vorliegenden Fall zu verdanken ist, dass die Leiche der toten Tatjana unauffindbar ist. Die Arbeitsmethoden oder besser das Unterlassen derselben, ist nur ein Thema, dem sich der Autor widmet.

 

"Sie wurde von ihrer Schwester identifiziert, ihrer einzigen Verwandten. Die hat das verlangt."
"Ihre Schwester war hier in Moskau?"
"Nein. Ihr ging es nicht gut genug, um von Kaliningrad hierher zu reisen, also hat sie die Identifizierung von zu Hause per Telefon vorgenommen."
"Mit einem Handy? Wir sind hier in einem Tunnel, und es gibt keinen Empfang."
"Wir haben ein Foto gemacht, sind auf die Straße gegangen und haben es gesendet."
"Wer hat das Foto gemacht?"
"Irgendjemand."
"Wurde es aufgehoben?
"Leider nicht."
"Zähne?"
"Du könntest welche pulverisiert am Boden der Schachtel finden."
"Genug für DNA?"
"Nicht nach der Einäscherung."

 

Der Umgang der Staatsorgane gegenüber der freien Presse ist ein weiterer Schwerpunkt. Dazu wird die Stadt Kaliningrad (das frühere Königsberg) als zweiter Handlungsort eindringlich vorgestellt. Bezüglich Spannung und Handlung (Logik) mag es bessere Werke geben, aber wer sich für das Innenleben der "lupenreinen Demokratie" in Russland interessiert, kommt an Martin Cruz Smith nur schwerlich vorbei. Dabei wird der Handlungsbogen vom Bernsteinkrieg bis zum Untergang des Atom-U-Bootes "Kursk" im Jahr 2000 gesponnen. Letztlich geprägt wird das Buch aber von seiner ebenso kauzigen wie unerschütterlichen Hauptfigur und dessen trockenen Humor. Wunderbar sind vor allem die Dialoge mit seinem Partner Orlow.

 

"Es geht darum, dass wir nicht gewinnen können. Wir laufen uns nur tot. Ich hätte einen netten Tag im Bett verbringen können, vollkommen hinüber und sturzbesoffen."

 

Tatjana

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Letzte Kommentare:
11.04.2015 19:11:03
mikes

Ja, Arkadi Renko ermittelt noch immer. Wie alle großen Detektive der Weltliteratur ist er ein Dickkopf und außerdem ein hoffnungsloser Romantiker. Ich kann dem Rezensenten nur Recht geben: Das Buch ist vielleicht nicht das logischste, das je geschrieben wurde, aber es ist voller Atmosphäre und man wundert sich immer wieder, wie ein Amerikaner die Stimmung in Russland, die sich in den Zeiten seit Gorki-Park ja mehrfach radikal verändert hat, so gut einfangen kann (oder bedient er nur unser aller Vorurteile und die Atmosphäre fühlt sich deshalb so "autentisch" an? Auch möglich ...) Die Story macht den Eindruck, als sei sie vom Tod der Journalistin Politkowskaja inspiriert worden. Und sie wurde durch den Tod von Nemzow wieder einmal von der Realität überholt. Jedenfalls dem durchschnittlichen Nachrichtenkonsumenten, wie ich einer bin, scheint die Grundströmung des Romans durchaus glaubhaft: Das Böse geht hier vielleicht nicht direkt von Staat aus, für den Renko ja schließlich immer noch arbeitet, aber er - der Staat und seine Organe - mischt doch kräftig mit.
Überzeugend ist vor allem der lakonische Humor und die teilweise hart an`s Absurde grenzenden Figuren und Dialoge. Lesenswert. 90“