Underground

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • New York: Delaacorte, 2009, Titel: 'Gone tomorrow', Seiten: 421, Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Frank Schaff

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Michael Drewniok
Nichts ist mehr so (gut oder böse) wie früher

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jun 2012

Auf seinem unendlichen und ziellosen Streifzug durch die USA ist Jack Reacher, ehemaliger Militärpolizist, aktuell in New York City. Als er in der U-Bahn sitzt, fällt ihm eine Frau auf, die alle Profilanforderungen einer Selbstmord-Attentäterin erfüllt. Reacher will sie aufhalten, doch in der Tasche von Susan Mark ist keine Bombe, sondern eine Pistole, mit der sie sich in den Kopf schießt.

Reacher fühlt sich für diesen Selbstmord mitverantwortlich. Außerdem wird er provoziert: Da Susan Marks eine Zivilangestellte des Pentagons war, nehmen ihn arrogante Bundesagenten in die Mangel; sie wollen feststellen, ob Marks, die geheime Dateien aus dem Verteidigungsministerium kopiert hat und deshalb unter Beobachtung stand, ihm eine Abschiedsbotschaft oder gar eine Kopie zukommen ließ. Wenig später stellen vier private aber ebenfalls unfreundliche Sicherheitsleute im Auftrag eines unbekannten Auftraggebers ähnliche Fragen.

Statt die Sache auf sich beruhen zu lassen, wird Reachers Neugier geweckt. Einige unvorsichtige Bemerkungen haben ihn auf die Spur des ehemaligen Elitesoldaten John Sanson gebracht, der nun im Kongress sitzt und sich um einen Senatoren-Posten bewirbt. Reacher nutzt seine Kenntnisse über den militärischen Verwaltungsapparat und findet heraus, dass Sanson vor beinahe drei Jahrzehnten an einer Geheimmission in Afghanistan teilnahm, die aus heutiger Sicht politisch absolut unkorrekt war.

Der Auftraggeber der Sicherheitsleute (s. o.) offenbart sich: Die ehemalige sowjetische Politkommissarin Swetlana Hoth und ihre Tochter Lila suchen nach einem US-Soldaten, der einst der Mutter das Leben gerettet hat. Für Reacher klingt dies allzu fantastisch. Er ermittelt weiter – und erregt den Zorn der US-Heimatschutzbehörde, die ihn als ´Staatsfeind´ verschwinden lassen will. Aber Reacher lässt nicht locker. Er ist einer Verschwörung auf der Spur, die zu Al-Qaida führt, wo man diese Verbindung um wirklich jeden Preis gekappt sehen will …

Hässliche neue Welt

Seit 1997 ist Jack Reacher unterwegs. Er hat sich aus einem System ausgeklinkt, das keine Verwendung mehr für ihn und sein besonderes Talent hatte: Reacher ist ein ausgezeichneter Ermittler, der Indizien sichern, erkennen und miteinander verknüpfen kann. Schon während er noch seinen Dienst als Militärpolizist leistete, erregte er den Widerwillen besagten Systems, weil ihm Ergebnisse über die Vorschriften gingen.

Als Privatmann hat Reacher seinen Job nur offiziell aufgegeben. Nach eigener Auskunft reist er durch die Vereinigten Staaten, um sich das Land anzuschauen. Tatsächlich ist er jedoch nicht "heute hier, morgen dort" – "here today, gone tomorrow", wie es der Originaltitel andeutet. Stattdessen wartet er auf Kriminalfälle, die einen klugen Kopf über starken Schultern erfordern. Reacher schaut nicht weg, sondern mischt sich ein, wenn er Zeuge von Verstößen wird, der sich – in dieser Reihenfolge – gegen das Menschenrecht, seinen Ehrenkodex und das Gesetz richtet, wie er es definiert.

Damit exponiert sich Reacher nicht nur gegen ohnehin kriminelle Zeitgenossen, sondern auch gegen die etablierten Vertreter von Recht und Ordnung. Hier stellt Autor Lee Child seit einiger Zeit eine unheilvolle Veränderung fest, die er an einem Datum festmachen kann: Die Ereignisse des 11.09.2001 bzw. "Nine-Eleven" brachten nicht nur den Terrorismus ganz großen Stils in die USA, sondern führten auch zu einer ´legalen´ Aufweichung der Menschenrechte. Der "patriot act" gestattet Geheimdiensten und Bundesbehörden einen vom Gesetz normalerweise so nicht gestatteten Zugriff auf verdächtige Personen: Sie KÖNNTEN Terroristen sein bzw. mit Terroristen zusammenarbeiten und dürfen deshalb nicht nur aus dem Verkehr gezogen, sondern auch einem ´verschärften´ Verhör unterworfen werden.

Die neue Dimension des Terrors

Als Ergebnis sieht Child zwei gleichermaßen gefährliche Phänomene: Auf der einen Seite ist der globale Terror weiterhin akut, während auf der anderen Seite entfesselte Terrorjäger Gesetz und Menschenrechte aushebeln können, dies auch tun und weitere Privilegien fordern. Deshalb kämpft Reacher nicht nur gegen al-Qaida, sondern auch gegen jene, die auf seiner Seite stehen müssten.

Natürlich ist Reacher ein Vigilant, dessen Gerechtigkeitstrip selbst gegen fixiertes Recht verstößt. Da er der Held einer Serie unterhaltender Thriller ist, kann ihm das nicht vorgeworfen werden. Child nutzt jedoch die Chance, auf die moralische Schieflage hinzuweisen, in welche US-Politik und -Justiz geraten sind, indem er die Folgen in seine Geschichte einfließen lässt. Das Ergebnis ist mindestens so beängstigend wie der simple Kampf gegen eine Horde messerschwingender Meuchelmörder: Der Staat führt Krieg gegen seine eigenen Bürger. Sie werden in Underground von den Polizeibeamten Jacob Mark und Theresa Lee verkörpert, die anders als Reacher nach den Regeln spielen und trotzdem in die Mühlen einer außerhalb geregelter Kontrollen agierenden ´Schutzbehörde´ geraten.

Das Prädikat "politisch korrekt" kann Underground also nicht für sich beanspruchen – dies auch deshalb, weil Child über Reacher Farbe bekennt: Die Schuld für die beschriebene Barbarisierung liegt für ihn letztlich bei den Strippenziehern des Terrors, hier also al-Qaida. Letztlich verhält sich Reacher wie eine Kampfdrohne ohne Fernsteuerung: Im großen Finale rottet er die Terroristenbrut aus, weil nur dies gerechte Strafe, Warnung und Verhütung künftigen Unheils gewährleistet.

Spannungsschraube mit vielen Windungen

Bis es soweit ist, wird der Leser auf manche falsche Spur geführt. Ausgewiesene Twist-Spezialisten wie Jeffery Deaver müssten angesichts der Leichtigkeit, mit der Child nicht einmal oder zweimal, sondern immer wieder die Handlungsachse in andere Richtungen biegt, eigentlich vor Scham in den Boden versinken. Underground bietet keineswegs ´nur´ Action der glaubwürdigen Art, sondern kann auch als Rätsel-Krimi bestehen. Worum es in dieser Geschichte geht, bleibt nach dem Willen des Verfassers bis zuletzt offen. Der Leser nimmt es mit der gewünschten Reaktion – fieberhafte Neugier – wahr und lässt sich gern von Childs an der Nase herumführen (auch wenn es heißt, zügig den Anschluss zu halten, um das Riechorgan vor aus Rasanz geborenen Dehnstreifen zu bewahren).

Die Action der Reacher-Romane ist eine Lektion in Sachen erwartungsvoller Spannung. Vorzugsweise gerät unser Held dort in die Bredouille, wo das Gelände übersichtlich oder sogar leer wirkt: eine U-Bahnstation, eine Nebenstraße, ein Kellerraum. Sorgfältig listet Child auf, was sich dort befindet und aus welchem Material es besteht. Solche Informationen sind wichtig, denn es verschärft die Frage, wie sich Reacher aus dieser hoffnungslosen Situation herauswinden wird.

Es gelingt ihm, weil er ein Profi ist, der anders als der Normalbürger die Möglichkeiten erkennt, die ein simples Stück Holz, ein Sack voller Müll oder ein Gummischuh bergen. Reacher beobachtet, ordnet ein, zieht Schlüsse, trifft Entscheidungen, kalkuliert Probleme ein. Die Konsequenz, mit der Child die in Worte fasst, mildert angenehm das Klischee von Reacher, dem Supermann, der zwar zeitweilig aufgehalten aber nie ausgeschaltet werden kann. Stattdessen ist der Leser bereit zu glauben, dass Reachers Fähigkeiten auf guter Ausbildung, Intelligenz und Wachsamkeit beruhen.

Tatsächlich ist dies eine (Selbst-) Täuschung. Ein Einzelkämpfer wie Reacher ist eine Wunsch- (bzw. Albtraum) Gestalt. Hin und wieder wird deutlich, dass sich die Bewohner seiner Welt wie auf Schienen bewegen. Er kann ihre Handlungen ein wenig zu deutlich und zuverlässig vorausahnen – das Privileg des Serienhelden, der für seine spannenden Taten mehr geliebt wird als für die Wahrung der Realität, die bekanntlich stets für böse Überraschungen gut ist. Lee Child hält in seinem 13. Reacher-Abenteuer die Zügel (wieder) fest in der Hand. Durchhänger, Seifenoper-Einschübe oder Tritte auf die Handlungsbremse gibt es nicht, was sich kurz & bündig so zusammenfassen lässt: Reacher bürgt weiterhin für Lektüre-Spaß.

Underground

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Letzte Kommentare:
26.05.2015 18:52:42
SchmökerKing

Spitzenplatz in der Reihe für mich, neben...
Nach der Anfangssequenz war ich wie gebannt und konnte das Buch nicht mehr weglegen, was für eine Story, verwinkelt, brutal, und immer in dem Wissen, dass Reacher es noch mehr drauf hat als alle Bösen und es schon richten wird, alles vor der famosen Kulisse von New York, wer schon mal da war, kann einen Film sehen, wenn er das Buch liest, ganz grosses Kino, hoffe, das wird mal verfilmt, aber bitte nicht mit Tom Cruise dieses mal.

11.03.2015 17:29:47
M.Reinsch

Als Jack Reacher in einem New Yorker U-Bahnabteil, einer vermeintlichen Selbstmordattentäterin Ihre Aufgabe aus zu reden versucht, erschießt Sie sich selbst! Als sich bei der Zeugenbefragung herausstellt, dass einer der Mitreisenden verschwunden ist, wittert Reacher mehr hinter dem Selbstmord und beginnt zu ermitteln…
Lee Child hat hier wieder zu seinen „Anfängen“ gefunden! Jack Reacher als einsamer Tramp, der unvermittelt in ein Problemfall gestoßen wird und aus selbstgewählten Aspekten eine Ermittlung aufnimmt. Zwar kommt die Action nicht zu kurz, aber man hat wieder den alten „deduktiven“ Reacher, das wandelnde Lexikon, welches dem Leser ein enormes Wissen vermittelt (und das alles im Laufe des Falles). Das liebte ich schon an den „älteren“ Romanen von Lee Child, das es nicht nur hieß „Er feuerte eine Pistole ab…“ – nein hier bekommt sogar der Waffenfreund noch neue Hintergrundinformationen zu der verwendeten Pistole! Da Child aber nicht bei Waffen Schluss macht, ist das Buch wieder eine geballte Ladung an Wissenswertem, aufbauend auf den Informationen, die den Leser nicht nur einmal in die falsche Richtung führen und sich am Ende in einem geballten Finale vereinen! Jack Reacher zeigt sich endlich auch wieder einmal als „Antiheld“, der Fehler begeht und sogar vor Mord nicht zurück schreckt! Für mich als „Sahnehäubchen“ ist die ganze Geschichte auch noch in der Ersten Person geschrieben und dadurch noch lesenswerter.
Fazit: Wer Jack Reacher von Beginn an gelesen hat, kann sich hier auf einen der ganz großen Romane freuen! Wer quereinsteigt, bekommt einen klasse, harten und doch sehr menschlichen Helden in einer aberwitzigen Story geboten, die man lesen muss!
96°

14.02.2014 20:53:06
meier13

Klassische Einleitung:"Ich kenne alle Jack Reacher Romane etc. etc., aber dieser.".

UNDERGROUND ist für mich einfach Spannungsliteratur auf höchstem Niveau. Ich will nicht hinterfragen, warum Reacher scheinbar nicht altert, warum er aus der auswegslosesten Situation noch herauskommt etc. - ich will gut, im Idealfall sehr gut, unterhalten werden. Lee Child ist eine Klasse für sich; mal etwas schwächer, mal grandios, aber niemals langweilig und mit Dialogen und Beschreibungen, die manch ein Autor niemals hinbekommt. Kaufen - lesen - genießen, that's it.

20.09.2013 17:37:22
Klaus Christ

Nur der Vollständigkeit halber: Seit 10/2013 bin ich registriertes KrCo-Mitglied. Das ändert natürlich nix an meiner unten stehenden UNDERGROUND-Rezension - aber andere KrCo-Mitglieder können diese vielleicht nun besser einschätzen.

Vorab: Ich bin LC- bzw. JR-Fan, habe alle in D erschienenen Thriller gelesen und finde alle gut bis sehr gut. UNDERGROUND ist der beste! Die Anfangsszene, deren Schluss leider in Herrn Drewinoks Rezension verraten wird, ist derartig gut/spannend, sowas habe ich schon lange nicht mehr - wenn überhaupt schon mal - gelesen. Und es geht Klasse weiter. Spannung bis zum Showdown, wo sie dann alle - wie gewohnt - ihr wohl verdientes Fett abkriegen.
Dass JR eine - m.E. äußerst clever konstruierte - Kunstfigur ist, bei der wohl ernsthaft kaum Anpruch auf Realität gestellt werden kann... na und? JR ist jedenfalls immer wieder erfrischend und beleidigt NIE meine Intelligenz... Und er hat sich weiterentwickelt, ist älter, bedächtiger geworden, macht Fehler, auch gefährliche: Er sollte doch etwas sparsamer mit seiner Munition umgehen, aber so sind sie halt, die arroganten Amis ;-).
Schade, dass der deutsche Verlag so langsam mit den Neuveröffentlichungen ist ... muss man sie eben als historische Romane lesen. Deshalb sind sie aber keineswegs schlecht sondern immer noch absolut lesenswert.

21.03.2013 16:33:45
carrie 33

VON OUTLAW DEM VORGÄNGER WAR ICH ENTTÄUSCHT---UND GING NICHT MIT ALLZU GROSSEN ERWARTUNGEN JETZT AN DIESES BUCH:

LEST OBEN VON KRIMI-COUCH AUTOR
MICHAEL DREWNIOK DEN BERICHT---BESSER KANN EIN BUCH NICHT BESCHRIEBEN WERDEN:

SPANNUNG BIST ZUM ENDE
5 VON 5 STERNEN
ABSOLUT EMPHELENSWERT
FÜR MICH VON ALL DEN BÜCHERN VON LEE CHILD UND SEINEM HELDEN JACK REACHER DAS BESTE:

05.02.2013 20:38:20
Desperaux

Ich habe alle Jack Reacher Romane gelesen aber Unterground war m. M. der bisher schlechteste. Schon Outlaw war eine Wiederholung bekannter Szenarien, aber die Story von Underground ist einfach dünn, die Charaktäre relativ schwach und der Al-Qaida Hintergrund oberflächlich. Reacher nietet die Bösewichte der Reihe nach um, die Obrigkeit legt ihm die üblichen Steine in den Weg, also nichts neues.

19.11.2012 19:25:29
Anja S.

Ja, natürlich, Reacher ist mit jeder Menge übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet (am meisten haben mich seine Kenntnisse in forensischer Pathologie beeindruckt, wo er aus einem Haufen Knochen ein ganzes Schicksal auferstehen lassen kann, so was kann sonst nur Kay Scarpetta...), und die nahezu unvermeidliche Sexszene kommt auch hier vor (und ist so peinlich wie immer), aber gerade dieses Buch liefert einige Stunden blendende Unterhaltung!
Gerade der Anfang mit der Selsbtmordattentäterin ist superspannend.
Also, mir hat gefallen, sehr sogar

22.09.2012 01:38:31
Nomadenseele

Der typische Jack Reacher – Roman geht so: Reacher kommt in die Stadt und gerät fast umgehend in Schwierigkeiten, oft wegen Landstreicherei. Und weil er sich dies nicht gefallen lassen kann, gerät er in mysteriöse Geschichten…

*Underground* macht alles anders und vor allem alles schlechter. Nicht nur dass er sich zu Beginn der Geschichte bereits in New York befindet, nein, gegen Ende der Geschichte kommt heraus, dass er die Stadt so gut kennt, dass er die richtigen Hotels herausfiltern kann, was weder dem FBI noch irgendwelchen Spezialeinheiten gelingt. Auch ist er als einzige Person in der Lage, die Position eines bestimmten Gegenstandes zu bestimmen, wozu die anderen Personen nicht in der Lage sind. Auch hier wird ein Bruch zu den vorigen Büchern deutlich, denn Reacher war nie ein intellektueller Überflieger – er war ein ehemaliger Militärpolizist, der sicherlich nicht auf den Kopf gefallen ist, sich aber vieles durch Beobachtung erschloss. Nun schmeißt er mit Buchtiteln um sich (wobei der Übersetzer für *Tapfere neue Welt* anstatt dem gängigen *Brave New World* zu rügen ist) und listet mal eben die Nachbarländer Afghanistans im Uhrzeigersinn auf.

Auch auf körperlicher Ebene hat er gewaltig zugelegt und erreicht Superhelden-Niveau. Jack Reacher ist in den vorigen Büchern als Zweimeter – Mann bestehend aus Muskeln und Sehnen beschrieben worden und hat sich als Tramp sicherlich eine gewisse Zähigkeit erworben. Aber jetzt mäht er ganze Häuser im Alleingang nieder, flieht aus schwer bewachter Gefangenschaft und auch zwei Leute mit Totschlägern sind für ihn kaum ein Problem. Das ist kein Mensch, das ist eine Comicfigur.

Damit komme ich zu Punkt 3 meiner Kritik: Das englischsprachige Buch war bei Erscheinen 2009 sicherlich politisch aktuell, die deutsche Ausgabe kommt deutlich zu spät. Gewisse Leute sind gestorben, einige Themen nicht mehr aktuell. Überhaupt waren Jack Reacher nie politisch, erst mit *Outlaw* kam die Tagespolitik in Reachers Leben an und veränderte die Romane grundlegend. Es wird in ein paar Jahren noch möglich sein, Bücher wie *In letzter Sekunde* *Die Abschussliste* *Größerwahn* oder *Sniper* zu lesen und als spannend zu befinden. *Outlaw* oder auch *Underground* sind bereits beim Erscheinen der deutschen Ausgabe hoffnungslos veraltet. Ich befürchte für die, auf Englisch bereits veröffentlichten Romane, dass Lee Child auch dort der Versuchung nicht widerstehen konnte, *Anspruch* in die Jack-Reacher-Romane zu bringen. Er sollte den alten Haudegen lieber in Würde sterben lassen.

Zudem fand sich auf Seite 35 ein – für die Handlung unwesentlicher – Fehler: Das Neue Testament wurde nicht auf Hebräisch geschrieben, sondern auf Altgriechisch.

Fazit:
Als normaler Thriller schlecht, für einen Jack Reacher-Roman eine Katastrophe.

14.09.2012 18:53:32
Banon

Wie ist das? Liest man einen Jack Reacher, kennt man alle? Ich habe gerade kurz hintereinander den 1.Band der Reihe ("Größenwahn") und den zuletzt auf deutsch erschienenen 13.Fall ("Underground") gelesen. Beide waren gut und boten das, was ich mir so erwartet hatte. Einfach spannende Unterhaltung zum Weglesen, etwa so wie einen Blockbluster-Actionthriller.

Tatsächlich frage ich mich nach dieser umklammernden Lektüre, ob es sich lohnt, die zwischenliegenden Bände zu lesen. Reacher scheint sich nicht weiter zu entwickeln, ganz im Gegensatz zu seiner Umwelt. Denk- und Verhaltensmuster sind ebenso konstant, wie das Schema der Bücher. Der einsame Reisende,der zufällig in eine außergewöhnliche Situation gerät, die voller krimineller Energie steckt. Später hilft eine örtliche Polizistin, gerne auch außerhalb ihrer beruflichen Pflichten.

"Underground" spielt in New York. Wer Lust hat nimmt einen Stadtplan zur Lektüre. Zumindestens Manhattan wird emsig bereist, vorzugsweise mit der Metro. Reacher wird von allen Seiten verfolgt und will doch nur das eine: Seinen Schuldkomplex abbauen. Durch sein Eingreifen bei einer nächtlichen Metrofahrt, erschießt sich eine Frau, die ihm zuvor verdächtig erschien.

Etwas altmodisch ist sein Umgang mit neuer Technik, obwohl er sie relativ schnell zu nutzen weiß. Aber ist der Mann auch älter geworden? Keine Anzeichen oder Hinweise zu erkennen! Bei mir entsteht der Eindruck, bei Jack Reacher handelt es sich eventuell um eine Maschine, einen Roboter oder soetwas in der Art?

Wie bereits erwähnt: Unterhalten hat mich das alles sehr wohl. Nur scheint mir die Reihe etwas starr gehalten und Reacher als Person in der Zeitfalle festzustecken.