Knochenhaus

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: Quercus, 2010, Titel: 'The Janus stone', Seiten: 327, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2012, Seiten: 352, Übersetzt: Tanja Handels

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Jörg Kijanski
Deutliches Potential nach oben

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2012

Der Bauunternehmer Edward Spens möchte in der Woolmarket Street in Norwich ein großes Wohnhaus mit 75 Luxusappartements errichten und drängt auf die Einhaltung des Zeitplans. Folglich ist er nicht gerade begeistert als bei erforderlichen Ausschachtungsarbeiten das Skelett eines Kindes gefunden wird. Die forensische Archäologin Ruth Galloway nimmt sich den menschlichen Überresten an, doch ist die Situation recht undurchsichtig. Auf dem Gelände stand früher das "Kinderheim zum Heiligsten Herzen", aus dem vor über vierzig Jahren zwei Kinder, Elisabeth und Martin Black, bis heute spurlos verschwanden. Vom geschätzten Alter des Kinderskeletts könnte es sich um Elisabeth handeln, aber auch Annabelle Spens, die Schwester von Edwards Vater verstarb früh in dem fraglichen Alter. Sollte sie womöglich nicht auf dem Friedhof, sondern hier unter einer Türschwelle beigesetzt worden sein?

In der Römerzeit opferten die Menschen für Janus, den Gott der Schwellen, in dem sie Leichen unter Türschwellen begruben. Dies sollte nicht zuletzt deren Wohnräume sichern. Lange bevor hier ein Waisenhaus entstand diente das Grundstück in der Woolmarket Street als römischer Friedhof. Ist die Leiche gar eine rituelle Opfergabe aus alter Zeit? Und wo um alles in der Welt ist der Kopf des Skeletts? DCI Harry Nelson hat alle Hände voll zu tun, die zahlreichen Möglichkeiten durchzuspielen. Dabei wäre die Arbeit für den verheirateten Familienvater vermutlich um einiges einfacher, würde er nicht erneut Nachwuchs erwarten – von Ruth Galloway…

Knochenhaus ist der zweite Teil der Nelson-Galloway-Reihe, die mit Totenpfad einen eher verhaltenen Start nahm. So kam Krimi-Couch-Rezensentin Ines Dietzsch damals zu dem ernüchternden Fazit: "Auf den Nachfolgeband, sollte er denn übersetzt werden, braucht man nicht gespannt zu warten." Und nun, hat sich das Warten am Ende doch gelohnt? Als Beamter oder Jurist würde man antworten: "Es kommt darauf an."

Wie bei einer Serie üblich begegnen einem erneut viele Figuren, die man aus der ersten Folge bereits kennt. Hat der Debütroman gefallen, so will man wissen wie es weitergeht und in diesem Fall bietet Knochenhaus einiges. Schließlich entdeckt Ruth Galloway, das sie in besonderen Umständen ist und das, obwohl es in den letzten Monaten nur ein (noch dazu einmaliges) sexuelles Abenteuer gab. Ausgerechnet mit DCI Harry Nelson, dem glücklich verheirateten zweifachen Familienvater. So zieht sich dann die Schwangerschaft auch wie ein roter Faden durch den Plot und es scheint zunehmend nur noch um die Fragen zu gehen, wann wer was erfährt und ob selbst die gehörnte Ehefrau noch in den zweifelhaften Genuss dieser Erkenntnis kommt. Bei all dem seitenlangen Befassen mit den Folgen der Schwangerschaft (Wie mag das Baby nur heißen? Wird es ein Junge oder ein Mädchen? Usw.), wird die Suche nach einem vermeintlichen Mörder fast zur Nebensache und genau hier liegt der Schwachpunkt von Knochenhaus. Man möchte doch - zumal in einem Kriminalroman - vornehmlich einen spannenden Krimi lesen und nicht "minutiös" eine Schwangerschaft und deren Begleiterscheinungen verfolgen.

Betrachtet man allein den Krimiplot – und darum geht es primär auf der Krimi-Couch – so ist Knochenhaus durchaus eine lesenswerte Geschichte, vor allem wenn man sich für Geschichte sowie für Mythen und Legenden diverser Gottheiten interessiert. Dies ist interessant und mitunter packend geschrieben und selbst die Auflösung des Plots wird zunehmend ansprechender. Ja, der eigentliche Krimiplot ist gar nicht so schlecht, im Gegenteil, nur das ständige Abdriften in Richtung "Frauenroman" (ja, das kostet ins Phrasenschwein) führt dann doch zu einem ordentlichen Punktabzug, der nicht zuletzt seine Begründung in dem mitunter recht einfachen Schreibstil der Autorin findet. Fazit: Gute Ansätze mit viel Potential nach oben. Der nächste Band sollte entscheiden, wohin die Reise geht.

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