Lars Menz

Der gebürtige Bremer Lars Menz legt aktuell mit „Der gute Sohn“ seinen zweiten Kriminalroman bei Ullstein vor. Sein Krimidebüt „Die Schanze“, das Anfang 2025 erschien, ist derzeit für den Viktor-Crime-Award nominiert. Krimi-Couch-Redakteur Thomas Gisbertz sprach mit dem Autor über das Besondere seiner Romane, die Eigenart seiner Figuren und die Entwicklung seiner Arbeit.

... ich mag es, an einem Ort zu bleiben und mich auf dessen besondere Atmosphäre und seine Akteure zu konzentrieren.

Krimi-Couch:
Herr Menz, gleich Ihr erster Kriminalroman „Die Schanze“ wurde für den Viktor-Crime-Award 2026 nominiert. Wie fühlt sich das an? 

Lars Menz:
Das fühlt sich natürlich fantastisch an und ich kann es kaum fassen, dass Sebastian Fitzek, der ja den Preis auslobt, jetzt meinen Namen kennt. Bei der Lesung aller drei Nominierten im Oktober in Unna hat er uns eine Videobotschaft geschickt. Das war schon eine große Ehre. 

Krimi-Couch:
In Ihren beiden Kriminalromanen „Die Schanze“ und „Der gute Sohn“ spielen Dorfgemeinschaften und isolierte Settings eine große Rolle. Was fasziniert Sie daran, Charaktere auf engem Raum aufeinanderprallen zu lassen?

Lars Menz:
Genau das, der enge Raum, der klaustrophobisch ist und Spannung erzeugt, eben auch weil die Figuren nicht fliehen können. Die kleinen Gemeinschaften, in denen jeder jeden kennt, sind zwischenmenschlich sehr interessant, irgendwie haben fast alle Dreck am Stecken, jede oder jeder könnte der Täter sein. Ich bin nicht der Typ für den weltumspannenden Spionageroman, ich mag es, an einem Ort zu bleiben und mich auf dessen besondere Atmosphäre und seine Akteure zu konzentrieren. 

Krimi-Couch:
Ihre Hauptfigur Liv Beck aus ihrem aktuellen Roman ist durch einen traumatischen Einsatz vorbelastet und sucht auf der Insel eigentlich Ruhe. Warum war es Ihnen wichtig, eine Ermittlerin ins Rennen zu schicken, die selbst psychisch angeschlagen und verletzlich ist? 

Lars Menz:
Die Ermittlerin, die abgeklärt an einem Tatort erscheint, interessiert mich nicht so sehr. Ich möchte Figuren schaffen, mit denen die Lesenden mitfühlen und mitleiden können. Statt der eigentlichen Polizeiarbeit, die ich als Nicht-Polizist nie wirklich richtig darstellen könnte, finde ich die persönlichen Geschichten spannender. Die habe ich auch bei der Schanze schon ins Zentrum gestellt. 

Krimi-Couch:
Die zweite Hauptfigur ist mit Fink ein verzweifelter Vater, der nicht wahrhaben möchte, dass sein Sohn ertrunken ist. Er kämpft wie Liv gegen die Vergangenheit und die Wahrheit an, die er nicht akzeptieren will. Ist es das, was beide Figuren verbindet und dazu beiträgt, dass sie einander näherkommen? 

Lars Menz:
Ja, beide kämpfen mit ihren Dämonen, mit dem Unterschied, dass Fink noch Hoffnung hat, während Liv ihre Geschichte ja bereits kennt, von der dann auch die Lesenden nach und nach erfahren. Sie kann sich aufgrund ihrer Erlebnisse gut in Fink hineinversetzen. Die Verluste, die beide erlitten haben, machen sie einander als Personen verständlich. Und so können sie sich gegenseitig helfen und auch Halt geben.

Krimi-Couch:
Man bekommt beim Lesen das Gefühl, dass die Figuren stärker im Mittelpunkt stehen als das Verbrechen. Dies erscheint eher als Katalysator der Handlung, der alles in Gang setzt. Sie scheinen stärker an der Entwicklung der Figuren interessiert.

Lars Menz:
Das Verbrechen kann doch immer nur ein Auslöser für die Geschichte sein, wäre es anders, stände die Gewalt im Mittelpunkt und das wiederum fände ich nicht so schön. Wir wollen doch als Lesende den Figuren folgen, ihre Geschichte verstehen und nur am Rand dem Verbrechen nahekommen. In den Personen erkennt man immer das Gute, was das Verbrechen überwiegt – selbst beim Bösen in dieser Geschichte. 

Krimi-Couch:
Als Autor wird man sein Schreiben sicherlich ständig hinterfragen. Wenn Sie ihre beiden Kriminalromane gegenüberstellen: Was haben Sie im Vergleich zur „Schanze“ bei der Planung und Umsetzung des Romans diesmal anders gemacht?

Lars Menz:
Ich habe mehr umgeschrieben, neu formuliert und auch viele Seiten, Handlungsstränge oder Szenen ganz gestrichen, um mich so dem roten Faden der Story immer mehr zu nähern. Vielleicht typisch für den zweiten Roman, bei dem der Druck, auch der Zeitdruck, ein ganz anderer ist, während man beim Debüt noch ungestört und unbeschwert sowie zunächst ganz für sich schreibt. 

Krimi-Couch: 
Sie scheinen ohne das Schreiben nicht leben zu können. Auch beruflich dreht sich als stellvertretender Pressesprecher bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen sicherlich alles darum. Inwiefern hat Ihnen die Erfahrung als Journalist als Schriftsteller geholfen?

Lars Menz:
Schreiben ist ja zu großen Teilen Handwerk. Mein journalistisches Arbeiten legt somit die Grundlage für das literarische Schreiben, oder ergänzt es zumindest sehr gut. Bei der täglichen Arbeit im Büro kommt es auf Genauigkeit und darauf an, recht komplizierte Sachverhalte für die Öffentlichkeit verständlich zu machen. Im Krimi versuche ich ebenfalls, auf den Punkt zu kommen. 

Krimi-Couch:
Wenn Sie – natürlich in Absprache mit Ihrer Frau - ein Wochenende mit einer Ihrer Protagonistinnen, Ellen Roth („Die Schanze“) oder Liv Beck, verbringen dürften, für wen würden Sie sich entscheiden?

Lars Menz:
Sie haben ja eben schon verraten, dass ich für die Kassenärztliche Vereinigung arbeite, also für die Vertretung der niedergelassenen Ärzteschaft. Insofern muss ich mich natürlich schon aus beruflichen Gründen für die Ärztin Ellen Roth aus der Schanze entscheiden. Aber im Ernst, schwierige Frage. Ich kenne ja beide gut und könnte mir auch ein gemeinsames Abendessen mit Ellen, Liv und meiner Frau vorstellen. 

Das Interview führte Thomas Gisbertz im Oktober 2026.
Foto: © Andrea Seifert

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