Dublin Murders

Serien-Spezial von Carola Krauße-Reim (02.2021) / Titel-Motiv: © BBC / Fernsehjuwelen

Krimiserie mit einem Hauch Mystery

Die 8-teilige irisch-britische Krimiserie Dublin Murders basiert auf den ersten beiden Romanen Grabesgrün und Totengleich der „Mordkommission Dublin“-Reihe der irischen Schriftstellerin Tana French. Im Mittelpunkt stehen Detective Rob Reilly und seine Kollegin Cassie Maddox. Sie müssen zwei Fälle lösen, die sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führen - denn beide haben Geheimnisse in ihrer Vergangenheit, die sie jetzt einholen und denen sie sich stellen müssen ...

Zwei Bücher in einer Staffel

Drehbuchautorin Sarah Phelps hat gleich zwei Bücher der Bestsellerautorin Tana French in diese 1. Staffel gepackt. Wie es so oft bei Literaturverfilmungen der Fall ist, bleibt auch hier einiges auf der Strecke: Wer die Bücher kennt, bemerkt z.B. sofort, dass Rob nicht mehr Ryan heißt, sondern Reilly – warum auch immer. Doch das größte Manko ist die Zusammenlegung der zwei völlig unterschiedlichen Fälle zu einem. Herausgekommen ist zwar eine spannende Handlung, die auch einen Hauch Mystery mitbringt, aber durch die Trennung des Teams Reilly/Maddox mitten im Geschehen einen harten Schnitt erfährt, der sich auch auf die Handlung auswirkt.

Die Ermittlungen des ersten Falles geraten dadurch etwas ins Hintertreffen, da viel Zeit auf Maddox‘ Spezialaufgabe aufgewendet wird, die völlig getrennt vom Restgeschehen zu betrachten ist. Diese Mischung ist bedauerlich – denn die Handlung in Grabesgrün hätte genügend Stoff für eine Staffel hergegeben, die dann vielleicht nur 4 Episoden lang gewesen wäre, aber durch weitere 4 angeschlossene Episoden mit dem Geschehen aus Totengleich auch 8 Folgen erreicht hätte. So wären die ganz hervorragenden Literaturvorlagen besser umgesetzt und die Handlung in sich schlüssiger gewesen.

Der Wald von Knocknaree hat es in sich

2006: Auf einem keltischen Steinaltar im Wald von Knocknaree wird die Leiche der jungen Katy gefunden. Als die beiden Detectives der Dubliner Mordkommission zum Tatort gerufen werden, bekniet Cassie Maddox (Sarah Greene) ihren Kollegen und Freund Rob Reilly (Killian Scott), den Fall abzugeben, denn dieser Wald ist ein traumatischer Ort für ihn: 1985 sind hier drei Kinder verschwunden. Nur ein Junge ist wieder aufgetaucht, mit blutigen Füßen, zerrissenem T-Shirt und partieller Amnesie – Adam, oder besser Rob, der heutige Detective der Mordkommission. Doch Rob sieht im Fall Katy die Möglichkeit, eine Verbindung zum Verschwinden seiner Freunde herzustellen, um endlich zu erfahren, was damals geschah. Dumm ist nur, dass außer Cassie niemand weiß, wer er eigentlich ist und er sich so mit den Ermittlungen auf sehr dünnem Eis bewegt. Und auch Cassie wird von ihrer Vergangenheit als verdeckte Ermittlerin eingeholt: Eine junge Frau, die ihr wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht und den Namen ihres damaligen Alias trägt, wird tot aufgefunden. Cassie erklärt sich bereit, erneut in ihre Rolle als Lexi zu schlüpfen, um den Mörder der jungen Studentin zu überführen.

Darsteller überzeugen durchgehend

Die Handlung während der 8 Episoden ist nicht immer logisch und schlüssig, aber die Darsteller überzeugen - allen voran Killian Scott: Er zeigt einen Rob Reilly, der gezeichnet ist von dem Verschwinden seiner Freunde, dessen Familie darüber zerbrach und der alles riskiert, um die Wahrheit herauszufinden. Leider ist diese Figur manchmal überzeichnet, doch auch das kompensiert Scott durch gekonnt eingesetztes Spiel. Genauso Sarah Greene als Cassie Maddox: Sie verkörpert diese emotional angeschlagene Frau äußerst glaubhaft. Auch bei ihr hat ein Schicksalsschlag in der Kindheit Auswirkungen auf ihr ganzes bisheriges Leben. Die Leere und die Suche nach Bestätigung, Geborgenheit und Gerechtigkeit nimmt man Greene ab. Dass am Ende beide Figuren verlieren, ist dem unausgegorenen Drehbuch geschuldet, das einen völlig unglaubwürdigen Schluss bereithält - jedenfalls was die beiden Ermittler betrifft.

Nicht alle Stränge werden gelöst

Gleich mit dem Auffinden der Leiche im Wald von Knocknaree stellt sich die Spannung ein. Ein keltischer Altar, die Hinweise auf mysteriöses Gelächter und Adams damals merkwürdig zugerichtetes T-Shirt sowie seine blutdurchtränkten Schuhe, ohne dass er auch nur einen Kratzer an den Füßen hatte, generieren auch eine gehörige Portion Mystik. Doch manchmal entgleiten die Logik und die Verhaltensweisen der Beteiligten der Handlung: Rob reagiert sprunghaft und ist unberechenbar gewalttätig, was sich teilweise aus dem erlittenen Trauma ableiten lässt; wenn er aber einen wichtigen Zeugen von damals mundtot macht, hinkt die Logik doch etwas hinterher. Maddox lässt sich zu einer verdeckten Ermittlung überreden, die im Desaster endet, die aber eigentlich überhaupt nicht nötig war. Wenn dann auch noch der Chef für die verdeckten Ermittlungen, Frank (Tom Vaughan-Lawler), in einer leerstehenden Fabrikhalle hinter einer mysteriösen Stahltür residiert, wird das Ganze sehr unglaubwürdig. Die beiden Fälle werden natürlich gelöst, doch nicht jeder Handlungsstrang wird erklärt, was den Zuschauer frustriert zurücklässt. Die finalen Auswirkungen für Cassie und Rob sind schon gar nicht nachzuvollziehen und wohl nur dem gewollten Ende geschuldet.

Fazit

Dublin Murders ist spannend und mystisch, aber streckenweise auch unlogisch, was nur durch das ausgezeichnete Spiel der Darsteller einigermaßen kompensiert wird. Wer die Bücher nicht kennt, dürfte trotzdem 458 Minuten kaum getrübte Unterhaltung finden - alle anderen könnten sich etwas schwerer tun. Da es mittlerweile 6 Bände rund um die Dubliner Mordkommission gibt, ist eine Staffel 2 der Dublin Murders nicht auszuschließen. Bleibt zu hoffen, dass dann etwas mehr von den ausgezeichneten Büchern übrig bleibt.

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Cover und Fotos: © BBC / Fernsehjuwelen

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