Schattenstill

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 2011, Titel: 'Broken Harbour', Seiten: 496, Originalsprache
  • Berlin: Argon, 2012, Übersetzt: Uve Teschner

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Brigitte Grahl
Psychologischer Krimi mit philosophischem Tiefgang

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Jan 2012

Tana French beweist mit ihrem vierten Krimi Schattenstill einmal mehr, dass sie zu den Besten des Genres gehört. Auf sprachlich hohem Niveau schreibt sie erstklassige psychologische Dramen und spannende Kriminalfälle. Dabei sind ihre Plots immer logisch, glaubhaft und spannend konstruiert. Die Bücher drehen sich nicht nur um die Ermittlung des Täters und die Person des Ermittlers, sondern streifen immer auch philosophische Themen. In Grabesgrün ging es um Freundschaft und Erinnerung, in Totengleich um Identität, in Sterbenskalt um Familienbande. In Schattenstill steht hinter dem Mordfall auch die Frage nach der Grenze zwischen Gut und Böse, Ordnung und Chaos.

 Der Fall: Familiendrama oder Opfer von Kriminellen?

Mike "Rocky" Kennedy ist ein erfahrener Ermittler des Dubliner Morddezernats. Er bildet sich viel auf seinen Erfolg ein, seine Kollegen halten ihn für arrogant, seine wechselnden Assistenten belehrt er gerne. Sein neuester Fall ist publicityträchtig und ganz nach seinem Geschmack: Ein Vater und zwei Kinder sind ermordet worden. Nur die Ehefrau überlebt schwer verletzt und kann sich an nichts erinnern. Der Fall gibt Kennedy und seinem neuen Assistenten Richie Rätsel auf: Das Familienhaus ist von innen abgeschlossen, in den Wänden klaffen große Löcher, überall sind Babyphones und Kameras installiert. Kennedy glaubt schon bald zu wissen, wer der Täter ist. Richie, für dessen Scharfsinn er zunehmend Respekt empfindet, ist allerdings anderer Meinung.

Der Ermittler: Mit Ordnung das Chaos und das Böse in Schach halten

 

Ich bin verflucht gut in meinem Job. [...] Ich habe schon alles erlebt: tote Babys, Ertrunkene, Lustmorde und einen von einer Schrotflinte weggepusteten Kopf mit haufenweise Gehirnmasse an den Wänden, und ich kann trotzdem prima schlafen, solange die Arbeit gemacht wird. Irgendwer muss sie schließlich machen. Wenn ich derjenige bin, dann wird sie wenigstens richtig gemacht.

 

So selbstzufrieden stellt sich der Erzähler in Tana French vierten Roman Schattenstill vor. Mike "Rocky" Kennedy ist dem Leser schon als Nebenfigur des vorhergehenden Krimi Sterbenskalt begegnet, wo er von der Hauptfigur als aufgeblasen und mediengeil beschrieben wurde. Aber je besser der Leser ihn kennenlernt, desto mehr versteht er Kennedys Verhalten als Selbstschutz. Hinter der Fassade des korrekten, selbstbewussten und knallharten Polizisten steckt ein Mensch, der sich vor dem Chaos von Gefühlen und Irrationalität mit Regeln schützt.

 

Wenn du in einem Beruf gut bist, und das bin ich, dann führt dich jeder Schritt in einem Mordfall in eine Richtung: zur Wiederherstellung der Ordnung […]. Dieser Fall war anders, er lief in die andere Richtung. [...] Jeder Schritt spülte uns tiefer in finsteres Chaos [...].

 

Viel Raum für die Figuren

Wie immer bei Tana French, gerät der Ermittler an einen Fall, an dem sich Privates und Berufliches kreuzen. Alte Wunden werden aufgerissen, (Familien-)geheimnisse aufgewühlt. Tana Frenchs Ermittler werden durch ihre emotionale Betroffenheit entscheidend in ihrer Wahrnehmung beeinflusst, folgen falschen Spuren, machen fatale Fehler. Das ist die große Kunst der Autorin, dass sie aufzeigt, wie sehr nicht nur Tat, Täter und Opfer durch die psychische Verfassung der Beteiligten verzahnt sind, sondern auch Ermittler, Ermittlung und Aufklärung. Dazu bedarf es vieler Seiten. Frenchs Bücher sind von epischer Länge. Schattenstill ist ganze 730 Seiten dick. Die Entwicklung ihrer Figuren nimmt mindestens so viel Raum ein wie die Aufklärung des Mordfalles. Für Fans von temporeicher Action dürften Tana Frenchs Krimis keine befriedigende Lektüre sein. Dabei besitzen ihre Bücher alle Zutaten eines guten Krimis: Spannungsmomente, falsche Spuren, überraschende Wendungen. Aber darüber hinaus auch komplexe, glaubhafte Charaktere, lebendige Dialoge, Atmosphäre und lyrische Momente.

Der Schauplatz: Äußeres Abbild der inneren Verfassung

Zur Authentizität tragen trägt auch die soziale und ökonomische Geschichte Irlands bei, die die Autorin geschickt einfließen lässt. Obwohl Tana Frenchs Bücher immer in Dublin spielen, ist der Schauplatz doch so unterschiedlich wie der Ermittler. In Sterbenskalt spielte die Handlung in den "Liberties", ein altes, gewachsenes Viertel mit (zu) starken zwischenmenschlichen Bindungen. Broken Habour (zerbrochener Hafen) ist eine halbfertige, geisterhafte Neubausiedlung ohne Gemeinschaftswesen. Der Schauplatz ist Sinnbild für die innere Verfassung des Helden. Kennedy ist ebenso einsam wie die Opfer und Täter, mit denen er es zu tun bekommt. Wie sie glaubt er.

 

Die Guten haben etwas, das ihnen Halt gibt, wenn die Lage schwierig wird. Sie haben Arbeit, Familie, Verantwortung. Sie haben Regeln, an die sie sich ihr ganzes Leben lang gehalten haben. Jeden Tag hält es Menschen davon ab, die Grenze zu überschreiten.

 

Sein Fall wird ihn eines Besseren belehren. Am Ende des Buches ist Kennedy zu einem Polizisten geworden, den er früher verachtet hätte.

Broken Harbour steht auch für die geplatzten Träume einer ganzen Generation. Ihnen wurde ein gutes Leben versprochen, wenn sie sich an die Regeln halten und ihre Pflicht erfüllen. Statt dafür belohnt zu werden, werden sie vom Schicksal "beschissen". Kennedy ergeht es ebenso wie den Opfern: er muss bitter erfahren, dass das Böse und der Wahnsinn nicht eine Frage von Ursache und Wirkung sind und dass das Schicksal ungerecht ist, weil es keinen Regeln folgt. Ein winziger Zufall kann zu fatalen Folgen führen und danach wird das Leben nie mehr so sein, wie es mal war.

Schattenstill

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Letzte Kommentare:
08.07.2019 15:17:41
Virtuality

Puuh... die bisherigen Tana French Bücher dieser Reihe habe ich VERSCHLUNGEN! An diesem "Brocken" hab ich mich fast VERSCHLUCKT. Die Story an sich ist clever, die Charaktere wie immer gut aufgebaut und man blickt mehr als nur einmal in den dunklen Abgrund der menschlichen Psyche. "Das Tier" hat mich wirklich gefesselt und sprachlos zurück gelassen. Schade: das Buch/Hörbuch ist definitiv zu lange und die nicht enden wollenden Dialoge drehen sich oft ewig im Kreis, das hätte an manchen Stellen etwas flotter gehen können. Trotzdem: Habe durchgehalten und werde auch den nächsten Band lesen/hören...

07.04.2019 11:21:04
HellTraveller

Typisch Tana F.. Sie verfängt sie in "privaten Problemen des Ermittlers" , leider geht hierdurch die Spannung verloren und das Tempo ist raus. Hatte auch das Gefühl sie füllt nur die Seiten. Ansonsten finden ich den Roman deutlich besser das "Geheimer Ort"! ICH hatte mich beim tippen auf den Mörder in eine absolut andere Richtung orientiert , war dann am Ende von der Wendung doch überrascht. Konnte die letzten 300 S. nicht mehr aus der Hand legen.

13.11.2018 23:59:22
Liffey Malone

Das Hörbuch in englischer Sprache hingegen kann bestens empfohlen werden. Warum?Dort sprechen gleich mehre Präsentanten die verschiedenen irischen Facetten des Dubliner Englisch. Zahlreiche Dialoge geben das gesprochene irische Englisch in seiner charmanten Vielfalt gut wieder. Man kann viel für die Alltagskommunikation lernen. Am besten jedoch sind die Redewendungen, mit denen sich die Charaktere selbst unverwechselbar machen. Darüber hinaus ist im Roman wie im Hörbuch psychologische Erkenntnis hervorragend platziert. Eine tiefsinnige, stets aktuelle Analyse der Gesellschaft. Ferner fängt Tana French sehr gut das gespaltene Flair der Stadt Dublin ein: die Tristesse der verlassenen Vorstädte im Gegensatz zur bewährten Mitte. Die Mitte, die im Leben kämpft, die sich nicht den Irren und Wirrungen der Zeit aufgibt.

03.01.2018 20:05:51
Manfred Kern

Ich habe mitten im Kapitel 6 vor lauter Langeweile entnervt aufgegeben. Der Hörbuchsprecher labert und labert eintönig und einschläfernd vor sich hin und gefühlt tut sich absolut nix und es wird keinerlei Spannung aufgebaut.
Nach dem tollen Hörbuch "Geheimer Ort" ist dieser Roman eine herbe Enttäuschung.

20.04.2017 09:16:13
Purzel2204

Es war das erste Buch dieser Autorin, welches ich gelesen habe und war seitenweise stark enttäuscht. Die Geschichte ist sehr langatmig und man weiß sehr lange nicht, wo die Reise hingeht. Das Ende war dann eine Erlösung, wenn auch sehr abwegig und mit vielen Widersprüchen, welche sich im Laufe des Buches ergeben haben. Ich kann es leider nicht weiterempfehlen.

08.04.2016 14:55:14
Carolina

Dies ist das erste Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe. Ich kann mich nur den vorhergehenden Kritiken anschließen: es ist ein sehr gutes Buch nur viel zu lang, 200 Seiten hätten ohne Qualitätsverlust gestrich w erden können. Dieses viel zu dicke Taschenbuch hat meinen Händen nicht gut getan, das stundenlange Halten hat mir Beschwerden verursacht.

Der Stil der Autorin hat mich an die phantastischen Bücher von Barbara Vine erinnert. Nur hat Ruth Rendell denPlot besser im Griff und nicht so ausufernd geschrieben.

Ich werde mir die anderen Bücher bei ebay besorgen.

29.11.2015 12:11:14
Frank Buschmann

Genau wie "Sterbenskalt" ist auch dies viel eher Familiendrama denn Krimi. Aber was für eins! Wieder entwickelt Tana French einen faszinierenden, dunklen Sog, der auch ohne Spektakel und Effekthascherei auskommt, der allein aus dem brillant geschilderten Personengeflecht entsteht. Und wieder stellt sie einen Ich-Erzähler vor, dessen anfänglich forsche und eher unsympathische Selbstsicherheit zunehmend bröckelt, der ähnlich tief verstrickt ist wie Frank Mackey aus "Sterbenskalt". Es gibt hier sehr lange Dialogszenen, die spannender sind als fast alles, was ich je im Krimisektor gelesen habe. Ganz große Kunst!

02.01.2014 09:42:40
Schneeglöckchen

Die Geschichte, die Tana French hier ungeheuer eindringlich erzählt, ist im Grunde unglaublich und äußerst traurig. So manches Mal möchte man den Protagonisten zurufen:
Es geht auch anders, denkt anders, es gibt Lösungen. Aber es geht unaufhaltsam auf die Katastrophe zu.Das alles schildert Tana French mit großer Intensität und bildhaft, daß man sich mittendrin vor Ort glaubt. Das kenne ich aus "Sterbenskalt", dem ersten Roman, den ich von ihr gelesen habe, und der mich total begeistert hat.
Auch dieser Roman "Schattenstill" beginnt sehr gut und vielversprechend - so, wie ich es erwartet hatte.
Während des Lesens stellte ich dann jedoch fest, daß, im Vergleich zu "Sterbenskalt", ich bei diesem Roman zwischendurch ein klein wenig ungeduldig wurde, weil es mir doch zu langatmig erschien. Besonders die Vernehmung von Conor.
Insgesamt hätte das Buch 150 - 200 Seiten kürzer sein können, ohne daß es seiner Eindringlichkeit geschadet hätte.
Der Schluß ist dann so wie das Leben, denn wirkliche Happyends gibt`s nur in Hollywoodfilmen.
Tana French kann wunderbar schreiben.

21.10.2013 19:55:58
JaneM.

Wieder einmal hat Tana French eine hervorragende Geschichte ersonnen. Die einen empfinden ihren Stil als "langatmig", die anderen lieben die ausführlichen, detailverliebten Schilderungen von Personen und Atmosphäre. Ich finde es beachtlich,wie sie es immer wieder schafft, völlig neue Handlungen und Figuren so lebendig darzustellen.
Die Stimmung der Neubausiedlung, wo Mittelschichtsträume wahr werden sollten, die aber unfertig und geisterhaft blieb, hätte nicht besser geschaffen werden können. Lange bleibt es unklar, was hinter dem Mord an der Bilderbuchfamilie Spain steckt. Warum hatten sich die Spains von ihren Freunden zurückgezogen? Sind Jenny Spains Vermutungen, dass regelmäßig jemand in das Haus eindringt, richtig? Was hat es mit den Jugendfreunden und den neidischen Nachbarn auf sich? Warum lebt die pedantische Hausfrau Jenny mit Löchern in den Wänden und einem Haus voller Babyphons? Der Leser rätselt mit den Ermittlern, die ihre private Geschichte mitbringen. Der junge Neuling Richie stammt aus dem Arbeitermilieu und findet in schwierigen Befragungen erstaunlich guten Zugang zu den Zeugen. Der erfahrene Mike hat Probleme mit seiner psychisch labilen Schwester und zeigt hier erstaunliche Nachsicht mit deren egozentrischen Verhaltensweisen.
Lediglich dem Schluß kann aus meiner Sicht der Vorwurf der Langatmigkeit gemacht werden, wenn der Leser selbst auf die Lösung gekommen ist, muss ihm alles nicht noch ausführlich erklärt werden. Trotz diesem kleinen Punktabzug: ein hochklassiger, wenn auch im ruhigen Fahrwasser verlaufender Krimi.

28.05.2013 09:11:52
CS

Ich habe noch nie ein besseres Buch gelesen und ich hab noch nie so geweint. unglaublich gut.
Mitreissend, packend, brachte mich um schlaflose Nächte...
Es ist einfach HAMMER!!!
Für mich das Beste Buch das Tana French je geschrieben hat, wenn auch in kurzen Teilen etwas zu langatmig, aber insgesamt absolut empfehlenswert.
Der Leser fühlt sich von Beginn an in die Geschichte einbezogen, als würde er "live dabei sein".

11.11.2012 18:24:56
scribbler 44

Diese Geschichte wäre spannend, wenn sie gut 40% kürzer wäre. Ein sehr schleppendes Erzähltempo. Und mal ehrlich: Für wie blöd hält Tana French ihre Leser eigentlich? Und wie dämlich ist M. Kennedy, wenn er so spät erkennt, was hinter dem unheimlichen Tier auf dem Dachboden steckt? Tana French sollte dringend einmal ein Jahr pausieren und versuchen, zu einer spannenden Schreibweise zurückzufinden - ohne so viele unnütze Wiederholungen zu schreiben.

30.10.2012 12:41:48
Kerstin

Grundsätzlich kaufe ich eigentlich nur Taschenbücher. Für Tana French habe ich eine Ausnahme gemacht. Lange auf "Schattenstill" gewartetund asl Hardcover erworben - und bitter bereut. Ein derartig langweiliges Buch. Der Stoff, die Idee, die Personen der Aufbau- alles gewohnt hervorragend- aber viel zu langatmig und sich stets wiederholend. Irgendwann hat auch der begriffstutzigste Leser verstanden, dass es sich um vielschichtige Personen handelt- eine derart ausufernde und sich ständig wiederholende Darstellung ist nicht notwendig. Selten so bei einem Krimi mit dem Lesen gequält. Kein übliches" Ich-kann-es gar- nicht- erwarten-weiterzulesen" sondern ein: "Irgenwie- mußt -Du das- ja zu-Ende bekommen"...

07.09.2012 19:54:35
B.Oechsner-O.

Ich kann es bei manchen Autoren kaum erwarten, bis endlich ein neues Buch erscheint und lese die Bücher dann meistens im Original, so muss ich mich über komische Titel nicht ärgern. Aber dieses Mal musste auch ich Pausen machen, weil ich die Geschichte sehr langatmig fand, zumindest an den Stellen, an denen die E-Mails zu lesen waren, die einfach kein Ende genommen haben. Auch am Ende, als klar wird, was geschehen ist, dauert es noch sehr lang bis die Geschichte tatsächlich zuende ist. Es ist zweifellos ein tolles Buch und viele Beschreibungen sind unerlässlich, um die Personen zu verstehen. Aber ich fand die ersten drei Bücher besser und spannender und ich habe mich nie quälen müssen, weiter zu lesen.

27.08.2012 11:49:01
Dickie_Greenleaf

In meinen Augen Tana Frenchs bester Roman bisher. Glaubwürdig, menschlich, erschreckend, verstörend, poetisch, tiefgründig, abgründig, wahrhaftig.
Sie schreibt einfach großartig.
Kein Wort ist zuviel.
Ihre Werke stechen aus der Masse des zu 80% uninteressant geschriebenen Einheitsbreis der sonstigen Krimiliteratur unbestreitbar heraus. Zum Glück ist das noch nicht so vielen Leuten klar. Irgendwann wird sie zum Kult erhoben - genau wie Fred Vargas - und dann ist es mit der Poesie vorbei.

08.08.2012 13:02:52
Eva-Lotte

"Schattenstill" hat mir sehr gut gefallen, das Buch läßt einen so gut in die Situation und die Personen eintauchen, dass es einem Angst und Bange werden könnte.

Die Sache mit den Titeln gefällt mir auch nicht so, denn aufgrund der einheitlichen Covergestaltung und der gleichartigen Titel ihrer Bücher wird dem Leser vermittelt, dass es sich bei den Büchern von Tana French um eine Serie handelt, was nicht der Fall ist.

Ich finde es sehr erholsam, dass die Autorin sich jedes Mal die Mühe macht, die Hauptpersonen neu zu konstruieren, und kaum angerissene Nebenfiguren aus den vorigen Büchern zum Hauptermittler zu machen (Ausnahme: Cassie Maddox, die in zwei Büchern eine große Rolle spielte). Da kann man sich schon fragen, wer vielleicht im nächsten Band der Ermittler ist...

02.08.2012 18:42:37
Mike Fuhs

Ich habe mich sehr auf "Frenchs Neues" gefreut und finde das Buch.enttäuschend. Besonders am Ende wird es langatmig, die Auflösung absehbar und -im Gegensatz zu den ersten Büchern- wenig originell. Tana French hat das Buch viel später fertig bekommen als gedacht, die Originalausgabe hat sich um ein gutes Jahr verzögert - aber was lange währt, geht manchmal auch nicht gut...

28.07.2012 13:50:38
Thomas

Ein tolles Buch, bei dem man sich mit zunehmender Dauer des Lesens nur darüber ärgert, dass man irgendwann am Ende angelangt sein wird. Die Story ist gleichermaßen bedrückend und faszinierend, zudem sprachlich wertvoll und daher auch nicht zu lang. Auch wenn der deutsche Titel etwas gekünstelt klingen mag - er passt!

27.07.2012 13:19:35
felinette

Also erstmal: Frau French kann schreiben! Packend, berührend und plastisch. Sie kann komplexe Plots bauen und Figuren schaffen, die lebendig werden – das ist schon eine ganze Menge. Ich habe „Schattenstill“ gern gelesen, nicht unbedingt mit Vergnügen, dazu war es über weite Strecken dann doch zu quälend, was am Thema liegt und nur folgerichtig ist. Ich finde allerdings, der Roman wäre auch mit 100 bis 200 Seiten weniger ausgekommen ohne an Qualität zu verlieren. Was mich schon bei den anderen Romanen geärgert hat, bei diesem aber vollends auf die Palme bringt, ist die Marotte, einen „originellen“ deutschen Titel zu finden, der dem geschätzten Leser oder der Leserin gleich anzeigt: Leute, das ist der neue Tana-French-Krimi. „Schattenstill“ – ich glaub's wohl! Dabei ist der Originaltitel hervorragend und auch metaphorisch zu verstehen – nicht ganz unwichtig für ein Buch, in dem Metaphern eine so immens bedeutende Rolle spielen wie in diesem. Fazit: Gute Story, viel Stoff zum Nachdenken, aber bitte nicht versuchen, Tana French zum Kult zu machen. Langt doch, dass sie eine gute Autorin ist…

24.07.2012 09:23:48
€nigma

Dieser Roman ist der vierte Krimi von Tana French, man kann ihn aber völlig unabhängig von den übrigen Büchern lesen und verstehen.

Der Ich-Erzähler dieses Romans, Detective Mike Kennedy, auch "Rocky" genannt, hat einen neuen Partner bekommen, den er anlernen soll. Der erste gemeinsame Fall des neuen Teams ist ebenso grausam wie spektakulär: Fiona Rafferty will ihre Schwester Jenny Spain samt Familie besuchen, da Jenny entgegen ihren Abmachungen nicht telefonisch erreichbar war. Im Haus der Spains findet sie Jennys Ehemann Pat durch zahlreiche Messerstiche ermordet vor, auch Jenny weist zahlreiche Stichverletzungen auf und ist schwerstverletzt. Im oberen Stockwerk entdeckt Fiona die Kinder des Paares, die sechsjährige Emma und den dreijährigen Jack, tot in ihren Betten, die Kinder wurden jedoch nicht erstochen, sondern erstickt.
Da Jenny ihrer Schwester von dem Verdacht berichtet hatte, dass während der Abwesenheit der Familie ein Unbekannter in ihr Haus eingedrungen sein könnte, ohne etwas zu stehlen, machen sich Kennedy und sein Partner Richie Curran auf die Suche nach dem Einbrecher. Sie ermitteln aber auch in andere Richtungen, wobei sie sich nicht immer einig sind, sich aber erfolgreich zusammenraufen. Jenny ist zunächst nicht vernehmungsfähig, als sie wieder zu Bewusstsein kommt, scheint sie etwas zu verschweigen...
Parallel zum Fall gibt es noch einen Handlungsstrang um Kennedys Schwester Dina, die psychisch krank ist und ausgerechnet jetzt ihren überarbeiteten und übermüdeten Bruder mit ihren Problemen belastet.

Obwohl in diesem langen Roman handlungstechnisch gesehen nicht sehr viel passiert, handelt es sich um ein ungemein komplexes Buch, das man nicht schnell herunterlesen kann. Die Vernehmungen der Beteiligten, vor allem des relativ schnell verhafteten Hauptverdächtigen, werden in langen Kapiteln ausführlich geschildert, wobei die Autorin wieder ihre ganze "Sprachkunst" entfaltet, sehr anschaulich und glaubwürdig schreibt, sodass der Leser den Eindruck hat, er sei selbst im Vernehmungsraum anwesend. Auch andere Aspekte der Ermittlungen, wie z.B. die Wiederherstellung der aus Pats Computer gelöschten Daten wird akribisch über viele Seiten hinweg in Form von Forenbeiträgen präsentiert, wodurch man sich ein Bild von der Vorgeschichte dieses tödlichen Dramas machen kann. Die Dynamik von Internetforen ist sehr realistisch dargestellt.
Trotz der sehr langgezogenen Erzählweise habe ich das Buch nicht als langatmig empfunden. Lediglich die Kapitel um Kennedys (für mich) sehr nervige Schwester und die problembeladene Familiengeschichte der Kennedys hätten meiner Meinung nach weniger detailliert gestaltet werden können. Auch eine Einteilung in etwas kürzere Kapitel wäre hilfreich gewesen, denn das Buch ist inhaltlich keine leichte Kost und erforderte - zumindest bei mir - Lesepausen.

Wer einen actionreichen Thriller zur schnellen Unterhaltung erwartet, ist mit "Schattenstill" nicht so gut beraten. Freunde anspruchsvoller Romane kommen jedoch voll auf ihre Kosten, wobei sich hier der äußerst gekonnte Erzählstil mit einem originell konstruierten Kriminalfall verbindet. Krimifreunde, die gewillt sind, Zeit und Konzentration zu investieren, können sich auf ein großartiges "Kopfkino" freuen.

20.07.2012 15:29:21
Eva Thieme

Am Anfang ist die Geschichte etwas langatmig aber später wird klar das alles wichtig ist für den weiteren Verlauf der Geschichte. Die Charaktere sind wieder ausgezeichnet es ist leicht sich in sie hinein zu versetzen. Ein ungewöhnlicher Krimi aber sehr lesenswert und wieder so ganz anders als die vorigen Bücher von Tana Frecnch