Die Backup-Männer

Erschienen: Januar 1972

Bibliographische Angaben

  • New York: William Morrow, 1971, Titel: 'The backup men', Seiten: 222, Originalsprache
  • Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1972, Titel: 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht kalt', Seiten: 158, Übersetzt: Wilm W. Elwenspoek
  • Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1984, Titel: 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht kalt', Seiten: 158, Übersetzt: Wilm W. Elwenspoek
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1992, Titel: 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht kalt', Seiten: 158, Übersetzt: Wilm W. Elwenspoek
  • Berlin: Alexander, 2012, Seiten: 250, Übersetzt: Wilm W. Elwenspoek & Jochen Stremmel

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Jochen König
McCorkle und Padillo: Diese Zwei sind nicht zu bremsen. Recht so!

Buch-Rezension von Jochen König Apr 2011

"Mac’s Place" hat seine Heimstatt nicht mehr im beschaulichen Bad Godesberg, sondern in einer anderen, etwas voluminöseren Hauptstadt: Washington. Immer noch Aufenthaltsort für journalistische Straßenköter und Gäste, die Diskretion und die besondere Atmosphäre schätzen. Padillo ist zu McCorkle zurückgekehrt und beide streifen unabhängig durch die USA, um nach dem richtigen Platz für eine Filiale ihrer geschätzten Lokalität zu suchen. Doch angeblich stimmt nirgendwo das, worauf es ankommt: Das Ambiente. Und so suchen sie weiter. Manchmal werden sie auch gesucht. Zumindest Ex-Geheimdienstler Padillo. Wie von Geschwisterpaar Gothar. Padillo soll als Backup-Mann einspringen, um zusammen mit den Gothars einen König in spe zu schützen, der vor der wichtigen Unterzeichnung eines Ölhandelsabkommens steht. Wenn er König wird anstelle des komatösen Königs.

Das kommende Oberhaupt des fiktiven Landes Llaquah hat anscheinend Feinde, die seinen Tod, zumindest aber die Nichtunterzeichnung des Vertrags wünschen. Deshalb ist ihm ein nahezu unbezwingbares Killer-Duo auf den Fersen, dem nur Padillo gewachsen sein könnte. Wenn überhaupt. Padillo möchte sich zwar raushalten, doch als Walter Gothar ermordet wird, springt er bärbeißig ein. Keine Frage, dass McCorkle, der "begabte Amateur" bald ebenfalls mitmischt. Und es wird eine Heidenaufgabe, den König und seinen Begleiter lange genug am Leben zu erhalten, um den Vertrag abzuschließen. Denn irgendjemand spielt falsch.

Für Ross Thomas sind tatsächlich Superlative angebracht. Die Backup-Männer ist wieder eine kongeniale Mixtur aus Hardboiled-Krimi und Polit-Thriller. Kein Wort zu viel, eine genau austarierte Handlung, die auf überflüssige Nebensächlichkeiten verzichtet. Thomas schildert eine Welt, die auf Gewinnmaximierung hin orientiert ist, in der Menschenleben wenig zählen. So hätte die Ölgesellschaft gar nichts dagegen einzuwenden, wenn ihr potenzieller Vertragspartner das Zeitliche segnet. Mit seinem Nachfolger säßen garantiert günstigere Konditionen drin.

Empathie und Gefühle sind Luxus, deswegen verkneift sich Wanda Gothar auch jede Regung, nachdem er Zwillingsbruder ermordet wurde. Padillo und vor allem der gefühlige McCorkle wirken in dieser Umgebung wie Relikte, wie Versprechen an eine bessere Welt, die natürlich nicht eingehalten werden können. Weswegen sich die Beiden in Sarkasmus und eine geradezu zenmeisterliche Gelassenheit flüchten. Ein Habitus, der ihnen von der missgünstigen Welt natürlich nicht gegönnt wird. Und dem auch immer die eigenen Emotionen in den Weg kommen. Sowie jenes Laster, das Loyalität heißt.

Es ist dieser Luxus, den sich Padillo, der vom Geheimdienstgeschäft angewiderte Profi, erlaubt, der ihn und seinen Kumpel McCorkle immer wieder in tödliche Bredouille bringt. Der einen Preis einfordert, der im günstigen Fall Sachbeschädigung, meist aber den Verlust von Menschenleben bedeutet. Der aber letzten Endes den größten Unterschied zu den kalten, perfektionistischen Mechanikern des Todes ausmacht, und die Chance bedeutet, diese zu schlagen, auch wenn es nur ein vorübergehender Sieg ist.

Die Backup-Männer bietet neben der temporeichen On-The-Road-Handlung eine pralle Ausbeute an Finten, Doppelbödigkeiten, Verrat und (dunklen) Geheimnissen. Ross Thomas verwebt das alles mit abgeklärter Lässigkeit, er belässt es bei Andeutungen, wo andere Autoren Seite um Seite mit Zusatzinformationen gefüllt hätten. Tut auch nicht Not, denn dort wo Unwägbarkeit herrscht, ist eins gewiss: Es gibt keine Sicherheit(en). McCorkle und Padillo, mit den Nachteilen des Älterwerdens hadernd, versuchen, die ihnen Anvertrauten im Schlepptau, unversehrt durch eine Nebelbank zu schippern, wohl wissend, dass an deren Ende bestenfalls eine marode Anlegestelle wartet. Und mittendrin Sabotage lauert.

Mit seinem Blick auf die unheilvollen Geflechte zwischen Politik- und Finanzwelt, den Möglichkeiten ständig wechselnder Koalitionen und den Tricksereien, die von einem perfiden Schelmenstück bis zur Weltpolitik und wieder zurück reichen, ist Die Backup-Männer ein immer noch aktuelles Buch.

Und so ganz nebenbei ein genussvoll zu lesender, spannender und ungemein witziger Kriminalroman.

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Letzte Kommentare:
27.06.2015 21:32:40
mikes

Wie McCorcle und Padillo das Ende ihres ersten Abenteuer in "The cold war swap" überlebt haben, verrät uns dieses Dritte Buch mit den beiden ebensowenig wie das zweite. Leider ist die Story hier aber doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Warum der kommende König von Llalaqh quer durch die USA touren muss, um die Ölrechte seines Landes an ein paar große Konzerne zu verscherbeln, erschließt sich nicht wirklich. In der Tat ist die Geschichte kurz und knackig, und für manche trockene Bemerkung kann man die Protagonisten durchaus lieben, wie etwa diese: "I ran my hands through my hair and realized how thin it has become. But then, who wants fat hair?" Ross Thomas allerdings deshalb mit Eric Ambler oder gar Raymond Chandler zu vergleichen, erscheint mir jedoch jedenfalls bei diesem Buch doch stark übertrieben. Lesenswert allerdings wiederum die Beschreibung der USA in den späten 60er und 70er Jahren, die eine Atmosphäre ähnlich wie bei "Mad Men" erzeugt und heute ziemlich nostalgisch wirkt. Allein der Alkohol- und Zigarettenkonsum der beiden Hauptfiguren lässt einen verwundert darüber zurück, dass sie bei den diversen Schlägereien und Schießereien noch gerade stehen und geradeaus gucken können.
Das alles ändert allerdings nichts daran, dass der Plot Löcher hat, so groß, dass ein Schwein mit ´nem Koffer da durchgehen könnte. Insgesamt 70".

18.08.2013 17:07:48
111fgh@web.de

Viele Ideen, immer neue Finten, einige Tote, wenig Moral und kam Liebe: hier kommt der Liebhaber von Humphrey Bogart auf seine Kosten. Ob unsere hoffnungslos altmodisch loyalen Helden es wieder mal schaffen?
Eines ist sicher: Ohne Blessuren kommt hier keiner raus, auch nicht der Leser, der sich an ständig neue Konstellationen gewöhnen muss.
Lesenswert.

20.01.2013 18:43:57
christoph oberkötter

Also mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die bissigen Kommentare von Mc Corkle, einfach super. Außerdem braucht Thomas nicht endlos Seiten, um irgentwelche Sachverhalte zu erklären. Super Übersetzung.
@Helmut: Vielleicht sollte man berücksichtigen, daß der Roman aus den frühen 70ern stammt. Wenn man heutzutage Kojak guckt ist das auch antiquiert und trotzdem supercool. Also von mir gibts beide Daumen hoch für die Backup-Männer.
Das bringt mich zu einer Frage: Die Backup-Männer habe ich mir aufgrund einer Radiorezension gekauft, in der gesagt wurde, daß es sich um eine neue Übersetzung handelt. Die alte muß wohl schlecht gewesen sein. Weiß jemand, ob die beiden anderen Mc Corkle/Padillo - Thriller auch neu übersetzt worden?
LG Christoph

19.12.2012 17:01:31
Helmut Mörth

Die Story ist an den Haaren herbeigezogen und die Protagonisten sind genauso cool wie dämlich. Zuerst denkt man noch, die dummen Handlungen der Protagonisten sind Teil eines ausgklügelten Planes, der dem Leser erst später offenbart wird. Allmählich muss man aber einsehen, dass es keinen raffinierten Plan gibt, sondern nur eine ärgerliche Abfolge von unlogischen Handlungssequenzen.