Dämmerung in Mac's Place

Erschienen: Januar 1992

Bibliographische Angaben

  • New York: Mysterious Press, 1990, Titel: 'Twilight at Mac’s Place ', Seiten: 343, Originalsprache
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1992, Titel: 'Letzte Runde in Mac's Place', Seiten: 336, Übersetzt: Bernd Holzrichter
  • Berlin: Alexander, 2013, Seiten: 300, Bemerkung: bearbeitet von Jochen Stremmel

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Jochen König
And so well drink the final glass, Each to his joy and sorrow

Buch-Rezension von Jochen König Apr 2011

Dämmerung in Mac’s Place ist der letzte gemeinsame Auftritt des "odd couple” McCorkle und Padillo. Beide sind älter und ruhiger geworden, weswegen sie sich auch klaglos mit Rollen als relevante Nebenfiguren zufrieden geben. Sie sitzen in Mac’s Place, kommentieren das Geschehen um sich herum, schütteln den Kopf, nicken anderes ab und werden selten wirklich aktiv. Einmal muss sich McCorkle vorführen lassen – natürlich von einer Frau -, dafür darf er auf seine ureigene Weise einen gemeingefährlichen Killer zu Fall bringen.

Ansonsten hat eine Art Wachablösung stattgefunden, die leider keine Fortsetzung erfuhr, da Ross Thomas fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung von Twilight At Mac’s Place starb. Die aktiven Handlungsträger des Romans sind Granville Haynes, Ex-Cop und begabter Schauspieler sowie seine Begleiterin und spätere Freundin Erika McCorkle, die sich ähnlich stur und nassforsch wie ihr Vater verhält, aber hübscher ist. Mutter Fredl hält sich wie üblich in Deutschland auf, als Korrespondentin der "seriösen" der beiden großen Frankfurter Zeitungen. Ganz zum Schluss darf sie sich aber leibhaftig und gebührend verabschieden.

Granville ist der Sohn von Steadfast Haynes, eingeführt mit der Thomas eigenen Mischung aus treffsicherem, leisen Witz und knapper, dennoch äußerst einprägsamer Charakterisierung:

 

Kurz nach dem Tod des gescheiterten Quäkers Steadfast Haynes erhielt die Central Intelligence Agency telefonisch eine so sorgsam verschleierte und höflich gemurmelte Erpressungsdrohung, daß sie als das Werk eines harmlosen Spinners hätte mißverstanden werden können.
Doch sie wurde nicht mißverstanden.

 

Haynes, Söldner und höflicher Tausendsassa, verwickelt in die wenig illustren Geschäfte diverser Geheimdienste, hat Memoiren hinterlassen, die einigen Menschen arge Kopfschmerzen bereiten. Von solcher Heftigkeit, dass sie entweder bereit sind, viel Geld zu bezahlen, um sie loszuwerden oder ihretwegen zu morden.

Granville ist mit Erika auf der Flucht vor einem ominösen Killer, der die kleine Beerdigungsgesellschaft, die sich an seines Vaters Grab einfand, rasch reduziert. Gleichzeitig versucht der junge Haynes das mysteriöse Manuskript meistbietend zu verkaufen. Es gibt Interessenten, die sich nicht lumpen lassen. Ohne den blassesten Schimmer zu besitzen, was auf den Seiten geschrieben steht. Sie könnten ebenso gut leer sein.

Ross Thomas inszeniert den Geheimdienstzirkus einmal mehr als (gefährlichen) Jahrmarkt der Eitelkeiten, in dem sich unterschiedliche Koalitionen bilden, (letal) auflösen und Arrangements getroffen werden, die auf Ahnungen, Halbwissen oder bloßem Verdacht beruhen. Kluge Geister wie Steadfast und besonders Granville Haynes wissen das auszunutzen und bringen eine ganze Branche in Aufruhr. Was sich angesichts der möglicherweise ausgeplauderten Geheimnisse als nicht ungefährlich erweist. Immerhin hatte Steadfast Haynes direkte Einblicke in die schmutzigsten Ecken der (amerikanischen) Außenpolitik, in denen Menschen schuldig geworden sind, die das später liebend gerne aus ihrer Biographie gestrichen sehen möchten. Denn die begangenen Verbrechen an Menschen und Menschlichkeit würden auch in der Gegenwart für lange Jahre hinter Gittern sorgen.

Bei allen witzigen Zwischentönen, und die existieren reichlich, lässt Thomas zu keiner Zeit vergessen, dass sich seine Protagonisten in einem hochexplosiven Minengebiet bewegen, das jederzeit explodieren kann. Und dabei Weltgeschichte schreibt, mindestens aber eine Menge Menschenleben fordert. Ein Fingerschnippen, eine Unterschrift, eine Absprache im Hinterzimmer einer laotischen Bar reichen, um Verbrechen zu vertuschen und Bauernopfer im Kindesalter ins Jenseits zu befördern.

Thomas leistet sich den Luxus, seinen integren Einzelkämpfern kleine Siege zu gönnen, in einem (Geheimdienst)-Krieg, den sie im Gesamten nie gewinnen können. Zu überleben ist schon eine reiche Belohnung.

Dem Alter der beiden Recken McCorkle und Padillo entsprechend, geht es ein wenig gemütlicher zu als in früheren Jahren. Neben einem gerüttelt Maß an Action, gewitzten Betrügereien, Mord und Totschlag, finden sich immer wieder Momente des Innehaltens, in denen Bilanz gezogen oder nur miteinander geredet wird, um sich über die herrschende Situation klarzuwerden. Dabei vermeidet Thomas wie gehabt überflüssige Wortkrämerei; sogar tiefes Empfinden vermag er en passant durch kleine Gesten und Bemerkungen auszudrücken.

Gemordet wird bei Thomas aus klaren Beweggründen, deren Ursachen allerdings gerne im Nebulösen liegen. Die Wahrung der eigenen Interessen, Machterhaltung, Schadensabwendung – resultierend aus der Angst vor Haftstrafe - und nicht zuletzt die leidigen Finanzen liefern die Hauptmotive. Es braucht keine aufgepropften Nebenhandlungen mit soziopathischen Serienkillern und durchgeknallten Terroristen, die für oberflächliche Spannung sorgen. Ganz im Gegenteil. Die meiste Spannung erzielt Thomas aus der Schilderung der Unsicherheiten, mit denen fast jede Figur seines literarischen Universums zu kämpfen hat. Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung zur falschen Zeit, und das Leben endet mit einem Knall und/oder Gewimmer.

Dämmerung in Mac’s Place ist ein würdiger Abschluss des McCorkle/Padillo-Quartetts. Auch wenn man die Beiden und ihre Nachfolger allzu gerne durch weitere Abenteuer/Bücher begleitet hätte.

Dämmerung in Mac's Place

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