Der fünfte Mörder

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2011, Seiten: 320, Originalsprache

Couch-Wertung:

77°
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Lars Schafft
Ein klug konstruiertes Police Procedural

Buch-Rezension von Lars Schafft Mär 2011

Knapp daneben ist glücklicherweise auch vorbei, zumindest für Kriminaloberrat Gerlach. Eigentlich wollte er an diesem beschaulichen Samstag im noch beschaulicheren Heidelberg nur zum Geldautomaten, als neben im eine Bombe detoniert. Hat der internationale Terrorismus die Provinz erreicht?

 

Terror!, war mein erster Gedanke in der Stille nach der Explosion. Der Dschihad hat Heidelberg erreicht!

 

Falsch gedacht: Schnell stellt sich heraus, dass der Wagen, der in die Luft flog, einem bulgarischen Zuhälter gehörte. Die ersten Spuren führen tief ins Milieu. Denn dort tobt ein brutaler Bandenkrieg zwischen osteuropäischen Clans, die vor nichts zurückschrecken. Anschläge mit Molotowcocktails sind da noch das harmloseste. Und bevor Gerlach sich ausgiebig um einige Wasserleichen und die in Heidelberg ausgetragene Vendetta kümmern kann, wird er von allerhöchste Stelle zurückgepfiffen.

Burgers Body-Count in Der fünfte Mörder ist hoch – dieser Umstand macht aus seinem Krimi aber noch lange keinen actionreichen Thriller – vielmehr steht die alltägliche Arbeit der Ermittler der Heidelberger Polizei im Vordergrund, wenngleich rasante Verfolgungsjagden zum Finale nicht ausbleiben.

Bemerkenswert ist zudem, dass auf dem Cover dieses Mal jeglicher Hinweis auf den Schauplatz fehlt. Ließen die ersten Titel der Gerlach-Reihe ob des Ortes keinen Zweifel aufkommen (Heidelberger Requiem, Heidelberger Lügen), so heißt es hier recht lapidar "Ein Fall für Andreas Gerlach". Recht so! Ausschweifende Beschreibungen der Kulisse sind in Der fünfte Mörder nämlich nicht Burgers Ding. Wodurch die Figuren und der teils rasante Plot deutlich im Vordergrund stehen und sich die leidliche Frage nach Regiokrimi gar nicht erst stellt.

Leider legt Wolfgang Burger allerdings zu viel Wert auf das Familienleben des recht bieder wirkenden Gerlach. Stress mit den pubertierenden Zwillingstöchtern (denen er nichtmals alleine den Haushalt überlassen kann) und auch die Beziehung mit der Frau seines Chefs nehmen recht viel Raum ein und streckenweise zu viel Spannung aus dem Roman. Da wäre weniger mehr gewesen.

Der fünfte Mörder ist alles in allem ein klug konstruiertes Police Procedural, bei dem nicht die Stadt Heidelberg die Hauptrolle übernimmt, sondern die Kripo um Alleinerzieher Gerlach. Stilsicher und souverän erzählt, kann Wolfgang Burger auf fast ganzer Linie punkten – lediglich seinem Protagonisten würde mehr Farbe gut zu Gesicht stehen und dem Plot ein wenig Straffung.

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