Der fünfte Mörder

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2011, Seiten: 320, Originalsprache

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Lars Schafft
Ein klug konstruiertes Police Procedural

Buch-Rezension von Lars Schafft Mär 2011

Knapp daneben ist glücklicherweise auch vorbei, zumindest für Kriminaloberrat Gerlach. Eigentlich wollte er an diesem beschaulichen Samstag im noch beschaulicheren Heidelberg nur zum Geldautomaten, als neben im eine Bombe detoniert. Hat der internationale Terrorismus die Provinz erreicht?

 

Terror!, war mein erster Gedanke in der Stille nach der Explosion. Der Dschihad hat Heidelberg erreicht!

 

Falsch gedacht: Schnell stellt sich heraus, dass der Wagen, der in die Luft flog, einem bulgarischen Zuhälter gehörte. Die ersten Spuren führen tief ins Milieu. Denn dort tobt ein brutaler Bandenkrieg zwischen osteuropäischen Clans, die vor nichts zurückschrecken. Anschläge mit Molotowcocktails sind da noch das harmloseste. Und bevor Gerlach sich ausgiebig um einige Wasserleichen und die in Heidelberg ausgetragene Vendetta kümmern kann, wird er von allerhöchste Stelle zurückgepfiffen.

Burgers Body-Count in Der fünfte Mörder ist hoch – dieser Umstand macht aus seinem Krimi aber noch lange keinen actionreichen Thriller – vielmehr steht die alltägliche Arbeit der Ermittler der Heidelberger Polizei im Vordergrund, wenngleich rasante Verfolgungsjagden zum Finale nicht ausbleiben.

Bemerkenswert ist zudem, dass auf dem Cover dieses Mal jeglicher Hinweis auf den Schauplatz fehlt. Ließen die ersten Titel der Gerlach-Reihe ob des Ortes keinen Zweifel aufkommen (Heidelberger Requiem, Heidelberger Lügen), so heißt es hier recht lapidar "Ein Fall für Andreas Gerlach". Recht so! Ausschweifende Beschreibungen der Kulisse sind in Der fünfte Mörder nämlich nicht Burgers Ding. Wodurch die Figuren und der teils rasante Plot deutlich im Vordergrund stehen und sich die leidliche Frage nach Regiokrimi gar nicht erst stellt.

Leider legt Wolfgang Burger allerdings zu viel Wert auf das Familienleben des recht bieder wirkenden Gerlach. Stress mit den pubertierenden Zwillingstöchtern (denen er nichtmals alleine den Haushalt überlassen kann) und auch die Beziehung mit der Frau seines Chefs nehmen recht viel Raum ein und streckenweise zu viel Spannung aus dem Roman. Da wäre weniger mehr gewesen.

Der fünfte Mörder ist alles in allem ein klug konstruiertes Police Procedural, bei dem nicht die Stadt Heidelberg die Hauptrolle übernimmt, sondern die Kripo um Alleinerzieher Gerlach. Stilsicher und souverän erzählt, kann Wolfgang Burger auf fast ganzer Linie punkten – lediglich seinem Protagonisten würde mehr Farbe gut zu Gesicht stehen und dem Plot ein wenig Straffung.

Der fünfte Mörder

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Letzte Kommentare:
12.10.2016 07:28:55
rolandreis

Dies ist der siebte Fall aus der Alexander Gerlach-Reihe. Diesmal muss der Heidelberger Kriminalrat im Umfeld der Russenmafia und Blutfehden ermitteln. Anfangs gerät er selbst in die Nähe eines Bombenanschlags, aber das "Warum" bleibt vorerst unklar. Geschickt lässt der Autor den Leser im Dunkeln. Von einem Anschlag, über Teil eines Bankraubs bis hin zu den eigentlichen Motiven und dem Hintergrund der ganzen Mordserie. Erst nach und nach klärt sich für Gerlach und den Leser alles auf und fügt sich zu einem Gesamtbild. Aber auch privat geht es wieder turbulent zu bei Alexander Gerlach. So muss er sich fast von seinem geliebten alten Peugeot trennen, in seinem Verhältnis mit der Frau seines Vorgesetzten kommt eine entscheidende Wendung und seine beiden pubertierenden Zwillingstöchter halten in wie immer auf Trab. Hier ist wie immer der ein oder andere Schmunzler angesagt. Für mich in Summe wieder ein weiterer gelungener Fall aus der Reihe, bei der ich aber die Bandreihenfolge zum Lesen empfehle, da sich durch die Bücher doch eine Entwicklung im Leben der Protagonisten zieht.

19.12.2015 18:51:17
Michael Gerhards

Dem Autor gelingt es wieder, nach der ersten Geschichte einen zweiten Erzählstrang zu eröffnen, der scheinbar mit der ersten Geschichte nicht zu tun hat. Vergleichbar zweier Spiralen, die ineinandergreifen, wächst die Spannung und die scheinbaren Widersprüche lösen sich auf. Es gibt keine logischen Brüche.
Das Liebesleben bekommt neue Impulse und baut somit der Routine und somit der Langweile vor. Bezüglich der Zwillingskinder wird die Entwicklung aufgefächert. Der Leser ist gespannt, ob in den Folgeromanen der Spannungsbogen bleibt.

06.04.2012 15:42:50
Wolfgang Engelmann

Ich schliesse mich B.Karas ` Kommentar an;
obwohl ich das Buch sehr oft unterbrochen habe aus Zeitmangel ,habe ich trotzdem im-
mer den Anschluss gefunden ,mich aber die letzten 40 Seiten gefragt , wann denn der grosse Showdown um Schivkov endlich über die Bühne geht... und dann die letzte Seite ,die mich fragen lässt , ob es eine Fortsetzung geben wird...
Trotzdem spannend ,Heidelberg und Umgebung ( ich bin Weststädtler !) schön in Szene gesetzt!

18.12.2011 18:39:32
JuleusW

Ich habe die anderen Gerlachs mit ihrer gelungenen Mischung aus Lokalkolorit, Ermittlungsarbeit und Familienstress gerne gelesen und hatte ein wenig Sorge, dass sich Ermittler und Autor jetzt mit „Bombenanschlag“ und „Bandenkrieg“ etwas verheben. Ganz falsch. Beide kriegen prima die Kurve und liefern eine überzeugende, flott zu lesende Story, die im Wesentlichen glaubwürdig – ist ja ein Roman, keine Reportage – und spannend erzählt wird. Natürlich ist das leichte Kost zum So-weglesen, aber es passt prima zwischen Adler-Olsen und Camilleri.

21.08.2011 16:14:30
Edelbert61

Bei diesem Burger war dranbleiben überhaupt kein Problem, so spannend fand ich ihn. In zwei Tagen regelrecht verschlungen, oft auch nur noch gestaunt, welche neuen Spuren sich ergaben und wer sich alles einmischte in den Fall von Kriminaloberrat Gerlach. "Der fünfte Mörder" ist für mich der Beste Gerlach bisher, egal ob der Fall oder Gerlachs Privatleben. So darf es weitergehen, Herr Burger.

12.08.2011 13:39:39
B.Karas

wenn man Burgers vorherigen Bücher gelesen hat, ist dies das erste Buch mit unglaublich viel "Durcheinander", um es mal ganz salopp auszudrücken. Bei diesem Buch sollte man schon dabeibleiben, denn sonst verliert man sehr leicht den Faden. Vor allem der Schluss, leider sucht man hier die "letzte Seite"!