Heidelberger Requiem

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • München; Zürich: Piper, 2005, Seiten: 272, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2007, Seiten: 256, Originalsprache

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Peter Kümmel
Gelungene Überleitung zur neuen Serie

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jan 2005

Den ersten Satz des Buches musste ich gleich dreimal lesen:

 

"Erst Wochen später, als wir längst im tiefsten Schlamassel steckten, wurde mir bewusst, dass ich die Frau mit der Perlenkette in den Minuten zum ersten Mal sah, als Patrick Grotheer seinem Mörder die Tür öffnete."

 

Weitere Schachtelsätze auf den ersten beiden Seiten liessen mich befürchten, dass ich mich durch diesen Roman hindurchquälen müsse. Doch da hatte ich mich getäuscht: so schnell, wie sich der Autor eingeschrieben hatte, so schnell hatte ich mich auch eingelesen.

Mit der Einführungsfeier des neuen Kriminalrats Alexander Gerlach in Heidelberg, bei der auch seine früheren Kollegen aus Karlsruhe erschienen sind, schafft Burger eine geschickte Überleitung von seiner Petzold-Reihe zur neuen Gerlach-Reihe. Von der Ausgangslage her erinnert der neue sympathische Serienheld als alleinerziehender Vater pubertierender Zwillingsmädchen ein wenig an Andreas Franz' Kommissar Peter Brandt. Doch anders als jener ist Gerlach völlig auf sich allein gestellt. Eine neue Wohnung wird noch gesucht und so fährt Gerlach täglich nach Heidelberg, während die Töchter in Karlsruhe über die Stränge schlagen.

Eigentlich besteht sein neuer Job ja mehr aus Schreibtischarbeit und Koordination, doch so schnell kann sich der neue Kriminalrat nicht umstellen und fährt bei der ersten Mordmeldung gleich selber mit den Kommissaren Klara Vangelis und Sven Balke zum Tatort. Das Opfer ist der Chemiestudent Patrick Grotheer. Er wurde ans Bett gefesselt, dann wurden ihm die Pulsadern aufgeschnitten und er verblutete. Schnell finden die Beamten heraus, dass Grotheer synthetische Drogen herstellte und ein luxuriöses Leben führte. Mit seinem Vater, dem weltberühmten Arzt und Leiter der chirurgischen Abteilung des Heidelberger Uni-Klinikums, hatte er sich bereits seit langem überworfen. Seine Mutter hatte schon oft befürchtet, dass es mit ihrem Sohn einmal ein solches Ende nehmen würde.

In all der Hektik vergisst Gerlach die Staatsanwaltschaft zu informieren, und holt sich gleich den ersten Rüffel. Die Ermittlungen gestalten sich problematisch. Ein Verdächtiger wird zwar schnell festgenommen, doch scheint sich dessen unglaubhafte Aussage tatsächlich als wahr herauszustellen. Doch Gerlach hat nicht nur Probleme mit seinen Töchtern und seinen Vorgesetzten. Kommissarin Vangelis zeigt sich ihm gegenüber sehr abweisend, war sie doch selber auf seinen Job aus. Überhaupt scheint der Witwer mit Frauen nicht das glücklichste Händchen zu haben. Aber von all den Widrigkeiten lässt er sich nicht unterkriegen.

Burgers Charaktere sind lebensecht und gut dargestellt. Auch Randfiguren fristen kein Schattendasein. Sei es eine Kioskbesitzerin oder ein Nachbar, der etwas beobachtet hat, die Figuren wirken lebendig und nicht nur, als ob sie als Staffage dienten.

Mit Alexander Gerlach hat er einen glaubwürdigen Protagonisten erschaffen und eine gesunde Mischung zwischen dessen Privatleben und den dienstlichen Ereignissen geschafft. Gerlach ist keiner der Krimihelden, denen immer das Entscheidende einfällt, was alle anderen übersehen haben. Keiner, der aus der Masse herausragt. Nein, meist ist er mit seinen Ideen sogar eine Nuance langsamer als seine Untergebene Vangelis, die dem Leser im Verlauf der Handlung immer sympathischer wird. Und obwohl - oder gerade weil - Gerlach nicht als großer Sieger den Schauplatz verlässt, geht er beim Leser ganz klar als Gewinner hervor.

Obwohl der Alltag der Polizisten minutiös geschildert wird, was überaus realistisch wirkt, steigt die Spannung immer mehr an und man kann das Buch kaum noch aus den Händen legen.

Sehr beeindruckend ist der Abschnitt über die Schuldfrage von Ärzten, wenn sie ein Leben nicht retten können, weil sie derweil gerade zwei andere retten müssen. Und auch die Verbindung zur Verantwortung von Polizisten ist gut gezogen.

Mit "Heidelberger Requiem" hat der Autor einen Kriminalroman vorgelegt, mit dem er internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. National sehe ich Wolfgang Burger auf einer Stufe mit Horst Eckert. Auf die weitere Entwicklung von Kriminalrat Gerlach darf man sich schon freuen.

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