London Undercover (Ein kalter Hauch im Untergrund)

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin´s Press, 1991, Titel: 'A cool breeze on the underground', Seiten: 281, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 1997, Titel: 'Ein kalter Hauch im Untergrund', Seiten: 273, Übersetzt: Ulrich Anders
  • Berlin: Suhrkamp, 2015, Seiten: 369, Übersetzt: Conny Lösch

Couch-Wertung:

75°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

6 x 91°-100°
2 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:97
V:7
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":1,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":6}
Andreas Kurth
Sex, Drugs and .... books

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2010

Neal Carey wurde schon als Jugendlicher zum verdeckten Ermittler ausgebildet. Er hat allerdings ein großes Ziel – er möchte Professor für englische Literatur werden. Dennoch wird er immer wieder von der privaten Organisation "Friends of the Family" mit Aufträgen versorgt – und führt sie aus, denn die Friends haben ihn ausbilden lassen und finanzieren jetzt sein Studium. Und so wird Neal gezwungen, das Studium für längere zu unterbrechen, um über den Atlantik nach London zu reisen. Dort soll er die Tochter eines amerikanischen reichen Politikers suchen, damit sie bis zum Nominierungsparteitag in den Staaten ist. Schließlich will Daddy der nächste Präsident der USA werden. Das Vorhaben gestaltet sich schwierig, das Mädchen möchte nicht gefunden werden – und für Neal gibt es kaum brauchbare Anhaltspunkte, wo er sie auftreiben könnte. Aber nun zeigt sich, dass seine gründliche Ausbildung die entsprechenden Früchte trägt. Überaus kompliziert und dramatisch wird es, als sich der Verdacht bestätigt, dass aus eigenen Reihen vehement gegen Neal und die Erfüllung seines Auftrages gearbeitet wird.

Debütroman unter neuem Titel

Mit London Underground hat der Suhrkamp Verlag den ersten Roman von Don Winslow wieder aufgelegt, der 1991 unter dem Titel "Ein kalter Hauch im Untergrund" erschienen ist. Der Start der Reihe mit dem jungen Draufgänger Neal Carey unterscheidet sich – wenig überraschend – von den aktuellen Romanen des Autors, lässt aber gleichwohl schon sein Potenzial aufblitzen. Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, die damalige mit der heutigen Schreibweise zu vergleichen – das führt nur zu Enttäuschungen. Der schnelle, harte Stil, den Winslow jetzt kultiviert, ist in diesem Roman noch nicht zu finden. Thematisch sieht das schon anders aus, es geht um Drogen, Verrat und akribische Ermittlungen. Besonders faszinierend fand ich natürlich den Büchersammler - und alles was damit verbunden ist. Derartige Anwandlungen dürften jeden Büchernarren begeistern.

Situationskomik und witzige Dialoge

Dabei gestaltet Don Winslow den Plot nicht nur spannend, sondern lässt auch Platz für genügend humorvolle Einsprengsel. Situationskomik und witzige Dialoge lockern die Handlung auf, sorgen in aller Regel aber auch dafür, dass die Geschichte weiter vorangetrieben wird. Die Reihe um den jungen Draufgänger Neal Carey hat Don Winslow in der ersten Hälfte der 90er Jahre geschrieben, also lange bevor er in Deutschland einem größeren Publikum bekannt wurde. Die Bücher waren bislang wohl vor allem antiquarisch zu bekommen, jetzt gibt es eine neue Übersetzung des ersten Buchs, und dabei wird es wohl nicht bleiben. Winslow-Fans, und davon gibt es ja nicht wenige, werden hier sicher zugreifen, und sie werden keineswegs enttäuscht – unter Berücksichtigung der bereits geschilderten Einschränkungen. Allzu genaue Vergleiche mit aktuellen Büchern des Autors sind eben nicht angesagt.

Vom jungen Stromer zum Privatdetektiv

Breiten Raum nimmt in diesem Serien-Auftakt die Geschichte des jungen Neal Carey ein. Aus einem ziemlich verwahrlosten Kind formt sein Mentor Joe Graham mit schier endlosem Training und viel Geduld einen Privatermittler, der mit so ziemlich allen Wassern gewaschen ist. Carey ist in diesem ersten Buch zwar nur zarte 23 Jahre alt, aber er hat bereits ein Jahrzehnt an akribischer Ausbildung und erste kleine Einsätze hinter sich. Die Mission in London setzt Graham auch gegen Widerstände in der Organisation durch, weil er Carey einfach für am besten dafür geeignet hält. Die Absicht, beim Wahlparteitag eine intakte Familie des Senators zu präsentieren, kommt nicht wirklich überraschend. Sehr wohl aber das gesamte Umfeld der Aktion, über das ich hier allerdings aus dramaturgischen Gründen nichts verraten werde. Neal Carey stellt in der britischen Hauptstadt bemerkenswerte Überlegungen an, um den möglichen Aufenthaltsort von Allie Chase einzugrenzen. Er kommt schrittweise voran, und muss schließlich alles aufbieten, was er jemals gelernt hat, um bei dieser heiklen Mission nicht selbst Schaden zu nehmen.

Der Plot entwickelt eine ganz eigene Faszination

Das Buch ist vor einem Vierteljahrhundert geschrieben worden, aber das merkt man nur daran, das Internet und Handy keine Rolle spielen – diese modernen Kommunikationsinstrumente gab es noch nicht, jedenfalls nicht in der heutigen Verbreitung. Neal ist in London also wirklich auf sich gestellt, ohne ständige Verbindung zu seinem Mentor. Don Winslow versteht es auch in seinem ersten Roman schon, den Leser mit der Geschichte zu fesseln. Auch wenn zunächst die Vorgeschichte von Neal Carey breit ausgewalzt wird, entwickelt der Plot eine ganz eigene Faszination. Das von seinen Subkulturen geprägte London kommt ganz anders daher, als man es heute erleben würde. Der Winslow-Erstling ist spannend, lesenswert und lässt den Leser voller Vorfreunde auf die Fortsetzung der Reihe zurück. Im April soll bereits mit China Girl, der zweite Fall von Neal Carey, auf den deutschen Buchtischen liegen.

London Undercover (Ein kalter Hauch im Untergrund)

London Undercover (Ein kalter Hauch im Untergrund)

Deine Meinung zu »London Undercover (Ein kalter Hauch im Untergrund)«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
12.04.2015 18:42:02
SchmökerKing

Winslow führt einen neuen Charakter ein, Anfang der Neunzehnhundert Siebziger Jahre, Mutter drogenabhängige Prostituierte, allein erziehend, der im strafunmündigen Alter einen wirklich bösen Jungen bestehlen will, der sich aber nicht bestehlen lässt und, satt Neal fertig zu machen, den Kleinen unter seine Fittiche nimmt, ihm eine -anständige - Ausbildung beschert, zu einem Spezialisten in allen kriminell notwendigen Bereichen macht, so dass der Junge in Zukunft eigentlich nur einen Weg gehen kann, aber, weit gefehlt, der Ausbilder, der sich als -Dad- anreden lässt, achtet darauf, dass der Junge anschließend eine Schulausbildung bekommt und in seine Organisation eingeführt wird, die wiederum für sein College zahlt und nur ab und zu einen -Gefallen- will, dann muss Neal alles stehen und liegen lassen, um zu helfen, klingt sehr nach Mafia, ist aber eine Privatbank, die vor allem ihren reichen Kunden in Neuengland etwas helfen möchte, wenn sie private Probleme haben, die niemand in der Zeitung lesen möchte.
Die Geschichte der geretteten Tochter aus gutem Hause ist nett, vor allem aber sehr cool geschrieben, vieles ist wie ein Selbstgespräch eingefügt und ich hatte einen großen Spaß, das zu lesen, die Ironie und die tolle Beschreibung der Charaktere machen dieses Buch wie einen Film, der läuft, einfach toll und man bemerkt an diesem Frühwerk, die große Erzählkunst des Autors, der, ein Jahrzehnt später, weltberühmt geworden ist.
Freue mich auf die Fortsetzung,-China Girl-

07.12.2014 18:13:46
Mikes

Ich habe das Buch im englischen Original gelesen und habe dann in kurzer Folge alle 5 Neal Carey Romane sozusagen verschlungen. Schräge Charaktere, die aber selten unglaubwürdig wirken, rasante Action, aber auch klasse Dialoge und vor allem feine Ironie, die sich von Buch zu Buch steigert und die sich schließlich im bisher letzten Neal Carey Band "While drowning in the desert" zu einem Generalangriff auf die Lachmuskeln auswächst und dessen Absurdität durchaus eines Tom Wolfe würdig wäre. Inwieweit die deutsche Übersetzung das einfängt, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen. Mein Tip: unbedingt lesen, am besten alle 5 in der Reihenfolge ihres Erscheinens und im Original.