Teufelsleib

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • München: audio media, 2010, Seiten: 6, Übersetzt: Thomas Piper

Couch-Wertung:

80°
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Andreas Kurth
Farewell, Andreas!

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2010

Der neue - und durch den tragischen Tod von Andreas Franz auch letzte – Fall von Kommissar Peter Brandt ist ziemlich verzwickt. Gerade aus dem Kurzurlaub mit Staatsanwältin Elvira Klein zurück gekehrt, wird der Ermittler mit einem Mord konfrontiert. In einem Offenbacher Appartement wird eine Edel-Prostituierte ermordet aufgefunden. Der Mörder hat ihr einen Olivenzweig in die Hand gegeben, sowie eine Taubenfeder und eine Olive in den Mund gesteckt. Im Umfeld der Toten wusste niemand von ihrem Doppelleben, dort galt sie als fleißige Putzfrau. Brandt und Klein stellen schnell Zusammenhänge zu ungeklärten Morden aus der Vergangenheit her. Aber der Killer schlägt abermals zu. Die Abstände zwischen den Morden werden kürzer, die Ermittler sollen verwirrt werden – und schließlich kommt es zu einem rasanten Finale.

Im fünften Fall von Peter Brandt geht es im Privatleben des routinierten Ermittlers weiterhin turbulent zu. Er ist mit seiner neuen Lebenspartnerin Elvira Klein glücklich - und beide sind genervt vom ständigen Störfeuer seiner Ex. Die entsprechenden Dialoge sind unterhaltsam, und lenken glücklicherweise nicht von der eigentlichen Handlung ab. Die Figur wäre durchaus noch entwicklungsfähig und -würdig – aber nun wird es der letzte Fall des knurrigen und doch sympathischen Offenbachers aus Überzeugung bleiben.

Andreas Franz hat mir im persönlichen Gespräch einmal bestätigt, dass ihm die Figur der Julia Durant durchaus an Herz gewachsen war. Wenn man den neuen Roman über Kommissar Brandt liest, hat man den Eindruck, dass dieser Protagonist auch auf dem besten Weg war, vom Autor ganz speziell gemocht zu werden. Brandt ist ein Ermittler, der nicht wirklich an den Paragraphen klebt, ohne nun aber der typische "Hau-drauf-Bulle" zu sein, wie man ihn aus vielen Fernsehserien kennt. Aber die teilweise tragischen Fälle, mit denen er konfrontiert wird, nehmen ihn menschlich ungemein mit.

Andreas Franz bringt das sehr authentisch rüber. Diese zu spürende Anteilnahme dürfte aus den ausgezeichneten Kontakten herrühren, die er zu Ermittlern verschiedener Ebenen in etlichen Bundesländern hatte. Der Autor war bekannt – und bei seinen eingefleischten Fans geliebt – dafür, dass er Szenen und Vorfälle aus realen Kriminalfällen in seine Romane einbaute. Wer schon mehrere Bücher von Andreas Franz gelesen hat, wird bei "Teufelsleib" spüren, dass der Autor mit großem Spaß bei der Sache war. Er hat hier einige Botschaften eingebaut, die ich nicht verraten will, weil sonst zu viel von der Spannung genommen würde.

Manchem Kritiker waren die Bücher des routinierten Schriftstellers sprachlich zu schlicht, die Themen nicht anspruchsvoll genug. Nicht nur der Publikumserfolg spricht dagegen, sondern auch die Lektüre des letzten Romans zeigt einmal mehr, dass Andreas Franz Themen in seinen Büchern aufgegriffen hat, die in der Gesellschaft aktuell waren oder gerade wurden. So spielt in Teufelsleib der Missbrauch in kirchlichen Kinderheimen eine Rolle. Ich bin sicher, dass hier auch wieder einer oder mehrere reale Fälle Pate gestanden haben – leider kann ich Andreas Franz nicht mehr dazu befragen.

Der letzte Fall für Peter Brandt besticht einmal mehr durch eine klare, unverschnörkelte, fast schon derbe Sprache. Von Beginn an hat der Autor zudem einen guten Spannungsbogen aufgebaut, und fast bis zum Schluss ist unklar, wer der Mörder seien könnte, und vor allem, was sein Motiv ist. Der Plot ist für mich überzeugend, die Auflösung glaubwürdig - und man würde gerne bald den nächsten Fall dieses Ermittlers verfolgen.

Eine persönliche Bemerkung zum Schluss: Ich habe Andreas Franz gut ein Jahr vor seinem Tod persönlich kennen gelernt. An zwei Abenden haben wir lange Gespräche geführt, über seine Arbeitsweise, seine Bücher, seine Kontakte zu den Polizeibehörden. Dabei habe ich ihn als kenntnisreichen, akribisch recherchierenden Schriftsteller kennen und schätzen gelernt. Der mir davor nur durch seine Bücher bekannte Autor, der von Rezensenten und Publikum zuweilen kontrovers beurteilt wurde, wandelte sich zu einer Person, mit der man sich gerne unterhielt, und mit der man sich noch gerne öfter ausgetauscht hätte. Die Nachricht von seinem frühen Tod hat mich außerordentlich betroffen gemacht. Farewell, Andreas!

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