Tod eines Lehrers

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer Knaur, 2004, Seiten: 362, Originalsprache
  • Berg: AME, 2005, Seiten: 6, Übersetzt: Tommi Piper
  • Augsburg: Weltbild, 2011, Seiten: 362, Originalsprache

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Peter Kümmel
Spannender Lesestoff, in dem die Kanten fehlen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Nov 2003

"Tod eines Lehrers" - nicht nur durch den Titel fühlt man sich an einen Reinecker-Krimi erinnert, auch die Befragungen in der Schule versprühen spröden 70er-Jahre Charme. Bei den trockenen Dialogen hat man Kommissar Keller und Harry Klein bildlich vor seinem geistigen Auge.

Rudolf Schirner, Lehrer am Gymnasium im hessischen Langen, wurde spätabends beim Spaziergang mit seinem Hund bestialisch ermordet. Über 80 Messerstiche und das Abschneiden seines Geschlechtsteils zeugen davon, dass ihn jemand sehr gehasst haben muß. Dies steht jedoch im absoluten Gegensatz zu dem, was die ermittelnden Beamten bei ihren ersten Befragungen erfahren. Schirner hatte keine Feinde, er war bei allen überaus beliebt. Sowohl Schüler als auch Kollegen sind voll des Lobes über den Lehrer. Er führte eine mustergültige Ehe und hatte gute Freunde im Kollegium.

Doch irgendwie traut Kommissar Peter Brandt von der Offenbacher Mordkommission diesem Frieden nicht. Seiner Meinung nach muß jeder Mensch irgendeine Leiche im Keller haben. Bald wird er fündig. Sein Eheleben war wohl doch nicht ganz so harmonisch wie man ihn glauben zu machen versucht. Mit seiner Frau, die unter einer Reinlichkeits-Neurose leidet, hatte er seit Jahren keinen Sex. Er brauchte sie zwar für sein häusliches Wohlbefinden, doch sein Vergnügen holte er sich woanders. Gleich zwei seiner Kolleginnen geben zu, ein Verhältnis mit ihm gehabt zu haben. Da tun sich für Brandt erste Motive auf: War der Täter ein gehörnter Ehemann einer weiteren Beziehung Schirners? Oder vielleicht eine von ihm verschmähte Frau?

Das 70er-Jahre-Feeling ist schnell verschwunden und aus dem trocken beginnenden Text wird schnell flotter und spannender Lesestoff, der routiniert geschrieben ist.

Der Leser wird relativ frühzeitig auf die richtige (?) Spur gebracht und kann sich vieles schon zusammenreimen, doch trotz allem bleiben noch genügend Fragen offen, um das Spannungsniveau auf gleichmäßig hohem Level zu halten.

Mit Hauptkommissar Peter Brandt hat Andreas Franz einen sympathischen Protagonisten entwickelt, der glaubhaft und überzeugend wirkt. Brandt ist alleinerziehender Vater zweier pubertierender Töchter, sehr sensibel und bei Frauen sogar schüchtern. Mit Humor und einer Liebesgeschichte gewürzt macht "Tod eines Lehrers" Appetit auf mehr von Kommissar Brandt, auch wenn mir persönlich in seinem Privatleben alles etwas zu glatt läuft. Ein paar kleine Problemchen hier und da wären das vermisste Salz in der Suppe.

Auch die weiteren Charaktere, insbesondere die Staatsanwältin Elvira Klein, sind vielschichtig angelegt und für weitere Serienkrimis ausbaufähig.

Der Schluß des Romans dürfte für den meisten Diskussionsstoff sorgen. Ich möchte dazu nicht allzu verraten, doch auch hier hat sich Franz für die Lösung entschieden, in der alles relativ reibungslos läuft und für die meisten der Beteiligten einen positiven Ausgang nimmt. Doch dürfte der ein oder andere Leser sicherlich an den Gedanken des Autors zum Thema Selbstjustiz Anstoss nehmen.

"Tod eines Lehrers" ist ein Roman, der ein brisantes Thema aufgreift und der spannende Unterhaltung bietet, dem aber ein wenig die Ecken und Kanten fehlen, um von einem rundum gelungenen Krimi sprechen zu können.

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