Hämatom

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2010, Seiten: 251, Originalsprache

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Thomas Kürten
Zwischen Gott und Adolf

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mär 2010

Was ist hier denn los? Zwischen dem Debüt von (damals) Lucie Klassen und der Fortsetzung Hämatom von (heute) Lucie Flebbe liegen gerade mal knappe 2 Jahre. Aber leider liegen zwischen beiden Romanen auch Welten. Was vor zwei Jahren noch unbekümmert, frech und unterhaltsam wirkte und zu Recht mit einem Glauser-Preis für das beste Krimidebüt ausgezeichnet wurde, wirkt im Nachfolger nur noch verkrampft, schnippisch und uninspiriert.

Doch der Reihe nach. Lila Ziegler, Revoluzzerin mit Abitur, die von ihren Eltern zum Jurastudium nach Bielefeld geschickt wurde, aber erst in Bochum aus dem Zug stieg, um sich dort in einen Privatdetektiv zu verlieben, befindet sich in einer Sinnkrise. Ihr umschwärmter Detektiv vergnügt sich wohl mit seiner Ex, weswegen Lila wochenlang auf Extasy durch die Bochumer Clubszene schwärmt und mit allen Männern ins Bett steigt, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Schließlich landet sie im Krankenhaus, um wieder clean zu werden. Sie bemerkt dort bei einer Putzfrau einen Bluterguss am Handgelenk und findet darin einen neuen Lebensinhalt: Sie muss in Erfahrung bringen, wer der Putzfrau dieses Hämatom beigebracht hat.

Ich sag mal eben, wo es lang geht

Kaum will Lila die Putzfrau darauf am kommenden Tag ansprechen, erleidet die Putzfrau einen Herzinfarkt und stirbt. Irgendwas scheint Lila hier in diesem Krankenhaus falsch zu laufen. Kurzerhand verschafft sie sich mit der Schlüsselkarte der toten Putzfrau Zugang zu deren Büro. Die Tote war nämlich Abteilungsleiterin des Reinigungsdienstes. Aus den Zeugnissen anderer Putzfrauen fälscht sich Lila einen Lebenslauf zusammen und bewirbt sich mal eben auf die gerade frei gewordene Stelle. Natürlich ein Glücksfall für die Klinikmanagerin mit dem zweifelhaften Spitznamen "Adolf" und den Chefarzt, der von allen nur "Gott" genannt wird. Lila kriegt den Job und von da an ermittelt sie Undercover im Krankenhaus.

Was sich schon anhört wie ein Krampf, lässt sich auch durch gelegentlichen Wortwitz nicht aufpeppen. Eine mühsam konstruierte Geschichte wird da den Lesern zugemutet. Lila Ziegler als Oberputzfrau, die soeben noch als Drogenabhängige einen Mini-Entzug im gleichen Krankenhaus mitmachen musste – das kann einfach nicht klappen. Das was die Autorin bei ihrem Debüt noch mit Leichtigkeit schaffte, nämlich die Emotionen ihrer Leser zu wecken und sie darüber zu erreichen, geht hier gründlich in die Hose. Alles was die Autorin erreicht ist ein unverständnisvolles Kopfschütteln, wodurch sie ihr Publikum nicht ansprechen kann.

Auch Danner ist keine Rettung

Die Stärken ihres Debüts lässt Lucie Flebbe kümmerlich vermissen. Nicht Lila Ziegler allein war hier die starke, prägende Figur, sondern es war das Wechselspiel mit ihren drei Beschützern Danner, Molle und Staschek auf der einen Seite und ihren jugendlichen Freundinnen auf der anderen Seite. Und es war natürlich die Art, wie eine kesse und selbstbewusste junge Frau Männer um ihren Daumen wickeln konnte. Nichts davon ist übrig geblieben. Danner erhält eine Nebenrolle im letzten Viertel des Buches, kann aber auch nichts mehr in Sachen Unterhaltsamkeit retten. Staschek, Molle und die Mädels werden erst ganz am Ende noch mal so nebenbei erwähnt. Alle anderen Charaktere sind mehr oder weniger Witzfiguren ohne Pointen.

Bleibt zu fürchten, dass Der 13. Brief ein Zufallstreffer war. Der bedingungslose Verzicht auf jegliche Stärken des preisgekrönten Debüts hat jedenfalls eine brutale Konsequenz. So ist Hämatom meilenweit von der Qualität des Vorgängers entfernt, kann seine Leser nicht emotional binden und wirkt lediglich als uninspirierter, unbeholfener Krimi nach, der die zugegeben hohen Erwartungen nicht im Ansatz erfüllen kann.

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Letzte Kommentare:
13.01.2018 17:00:07
trafik

Es war mein erstes Buch von Lucie Flebbe das ich gelesen habe. Mich hat es nicht umgeworfen. Nicht wirklich ganz schlecht, aber auch nie so richtig gut. Nicht Fleisch, nicht Fisch!
Ein mittelmässiger Krimi von vorne bis hinten. Keine Höhepunkte, weder bei der Handlung, aber auch nicht bei den Hauptfiguren. Die Geschichte fast ein wenig zu einfach gestrickt.
Eine Chance gebe ich der Autorin natürlich noch.

31.05.2016 21:56:52
Hanna

Ich fand dass Buch großartig. Unrealistisch, Na! welche Krimis sind es nicht, ganz in Gegenteil, ich finde die Deutsche Klinik Kultur wird gut getroffen. Mir gefällt die scheue und unsichere Zärtlichkeit wie dass Paar Danner-Lila miteinander umgehen.

Ich liebe die Soziale Ader. Wie sie in dem Krimi die Putzfrauen Kolonne einwickelt, einfach genial.

Die Beschreibungen sind sehr gut. Die Stripties Szene ist einfach Perfekt, heißer als Ein ganzes Buch von Grey und Kompanie.

19.05.2011 13:40:36
Moehrchen

Lila im Krankenhaus
Lila Ziegler ist nach der Trennung von Privatdetektiv Ben Danner am Boden zerstört. Sie gibt sich Alkohol und Drogen hin, um ihren Trennungsschmerz zu betäuben. Nach zwei Wochen hat sie einen lichten Moment und weißt sich selber zur Endgiftung in die Klink ein. Im Krankhaus beobachtet sie eine junge Putzfrau, die ein großes Hämatom am Handgelenk hat, ihr Jagdinstinkt erwacht. Sie möchte herausbekommen, was der Putzfrau passiert ist, doch plötzlich stirbt diese an einem Herzinfarkt. Wie kann das sein? Die Frau war doch noch jung. Lila bewirbt sich auf die frei gewordenen Stelle und beginnt mit ihren Ermittlungen. Als Danner im Krankhaus auftaucht gerät Lilas Gefühlsleben aus dem Fugen...

Mit Lila hat Lucie Flebbe eine sympathische Hauptperson erschaffen, die durch Zufall an einen Fall gerät, der sonst nie einer geworden wäre. Beharrlich verfolgt Lila ihr Ziel: sie will unbedingt herausfinden, was mit der Putzfrau passiert ist. Selber gerät sie dadurch in so mach brenzliche Situation aber sie meistert alle Hürden - unter anderem auch dadurch, dass sie es versteht aus dem Stand heraus Geschichten zu erfinden. Eine Frau mit Fehl und Tadel aber trotzdem wächst sie einem sehr schnell ans Herz.

Wer gerne locker und frech erzählte Krimis mit Sprachwitz liest, der macht bei diesem Buch nichts falsch.

06.08.2010 19:03:45
Sarah

Der 13 Brief hat mir gut gefallen, war mal was anderes. Hämatom war dann leider eine Entäuschung.
Die Geschichte ist leider oft so unrealistisch geschrieben das man leicht das Interesse verlieren kann.
Die Darstellung des Ben Danner ist interessant. Lila Ziegler war im ersten Buch noch erfrischend. Jetzt ist sie mir leider zu altklug, teilweise nervig. Ich hoffe das nächste Buch wird besser.

11.05.2010 07:53:15
koepper

Ich kann der Rezesion nur zustimmen. Meine Enttäuschung war reisengroß. Während der 13. Brief wirklich gelungen war, ist der Folgeroman völlig uninspiriert und völlig daneben konstruiert. Die Geschichte ist völlig absurd, wsa nicht schlimm wäre, wenn sie wenigstens gut wäre. Aber das ist sie nicht. Was völlig fehlt ist das erfrischend flapsige des ersten Krimis. Zäh wie ein Kaugummi zieht sie sich hin, wenig Wortwitz, eine einzige Enttäuschung.

09.04.2010 14:11:47
Sonny

Über anderthalb Jahre hab ich auf die Fortsetzung vom 13. Brief gewartet. Und was ist? Hab´s in nur einer Nacht durch gelesen und muss wieder warten.
Hämaton ist kein reisserisches, actionlastiges Buch. Es besticht durch gut gezeichnete Charaktere und durch seine unverblümte Sprache. Besonders die Darstellung der Lila gefiel mit gut. Schwankend zwischen spätpupertärer Rebellion gegen ihr spießiges Elternhaus und der Übernahme von Verantwortung für sich und Andere. Dies sorgt immer wieder für humorvolle Momente. Bis auf ein kleines Manko, welches ich aus spoilertechnischen Gründen jetzt nicht erwähnen werde, ein schönes Buch. Die Warterei hat sich gelohnt. 95°