Haut

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • London: Bantam Press, 2009, Titel: 'Skin', Seiten: 382, Originalsprache
  • München: audio media, 2011, Seiten: 6, Übersetzt: Wolfram Koch
  • Berlin: DAV, 2010, Seiten: 5, Übersetzt: Wolfram Koch

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Jochen König
Sauerstoffmangel und keine Peilung - die große Leere

Buch-Rezension von Jochen König Sep 2009

Die verschwundene Gattin eines Fußballers; Frauen, die sich unter Medikamenteneinfluss die Pulsadern aufschneiden, ein freundlicher Pädophilenkiller, ein merkwürdiger mystischer Schatten aus den Tiefen Tansanias, Tokoloshe genannt. Mittendrin Detective Inspector Jack Caffery und Polizeitaucherin Sergeant Phoebe "Flea" Marley, nicht verwandt oder verschwägert mit Bob.

 Es gibt Bücher, die sind so schlecht, dass man sie nach wenigen Seiten bereits mit Wucht in die Ecke, oder über die anliegenden Hausdächer pfeffern möchte. Haut, der aktuelle "Psychothriller" Mo Hayders gehört dazu.

Schon der Der Vogelmann litt unter seinem hanebüchenen Ideengerüst (Psychopath pflanzt seinen Opfern kleine Flattermänner anstelle der Herzen ein. Das hätten sich nicht mal Jacob und Wilhelm Grimm getraut), und auch der vielerorts gelobte Die Behandlung ist in punkto Handlungsentwicklung und interner Logik ein schwachbrüstiger Kandidat seiner Zunft.  Haut lässt beide Bücher locker hinter sich.

 Da haben wir: Jack Caffery, wieder in Bristol unterwegs, bzw. um Bristol herum, immer noch den vor Jahrzehnten getöteten und verschwundenen Bruder im Nacken. Jetzt gesellt sich noch eine mythische Figur hinzu; der "Tokoloshe", den Caffery als Teil eines Verbrechens vermutet, das er nicht restlos aufklären konnte. Ohne zu viel zu verraten: diese läppische Kunstfigur entpuppt sich bald als ziemlich irdischer und verkrüppelter Erdenbürger, der Caffery sogar in brenzligen Situationen beisteht und ihm im Schlaf die Haare schneidet. Wie Caffery überhaupt von jedem hergelaufenen Sexspielzeugverkäufer überrumpelt, an den Eiern gezogen und verletzt wird; immer eine Hand am Schlagstock und darüber fluchend, dass er mal wieder seine Pistole irgendwo vergessen hat. Am Ende klärt sich alles in Wohlgefallen auf, weil Caffery wie besoffen durch die Gegend läuft, gelegentlich anhält und mitbekommt, was wichtig für die Geschichte ist. Die Rolle des belehrenden griechischen Chores übernimmt der "Walking Man", jener Seelenverwandte, der seine Tochter von einem widerwärtigen Pädophilen vergewaltigt und gemeuchelt sah, und diesen dann seiner irdischen, aber gerechten und nachhaltig schmerzhaften Strafe zuführte.

 Übler als Caffery  ist allerdings Taucherin Flea Marley dran. Der man, ob ihres strunzdummen Benehmens, einerseits den vorzeitigen Tod an den Hals wünscht, sie andererseits bemitleidet, in der Hand einer gnadenlosen Autorin gelandet zu sein, die die arme Tauchschnepfe bis auf’s Blut malträtieren will.
Denn Flea hat nicht nur mit Luftknappheit und Halluzinationen unter Wasser zu kämpfen, sondern auch mit einer Leiche im Kofferraum ihres Ford Focus. Umgefahren von ihrem unsympathischen und derangierten Bruder Thom, den Flea aus nur ihr begreifbaren Gründen schützen möchte. Weshalb sie ein Bündnis mit Thoms dominanter und ziemlich meschugger Freundin Mandy sucht, was natürlich voll in die Hose geht. Na gut, so unerfindlich sind die Gründe des Beschützens nicht. Die unsanft dahingeschiedenen Eltern fanden keinen rechten Zugang zum Brüderchen. Flea fühlt sich deshalb berufen, Mutterersatz zu spielen, damit die Verbindung zur gemeinschaftlichen Vergangenheit nicht abreißt. Wer jetzt denkt, der Lauser dankt es seiner Schwester, der irrt. Im Gegenteil: lässt er sie doch ins offene Fahrerfluchtmesser rennen; das sie selbst hilfsbereit erst aufgeklappt hat. Ganz schön böse, der Bursche.

Dass es sich bei jener Leiche, die Flea zwischenlagert und spazieren fährt, um jene semiprominente Fußballergattin handelt, die von der gesamten Polizei Bristols fieberhaft gesucht wird, stellt kein großes Hindernis dar. Würden die doch nicht mal ihre Socken bei grellem Tageslicht finden.

Am Ende hält die kleine Welt, die Hayder aufgebaut hat, nahezu unweigerlich ein Meeting mit sich selbst ab. Geht gar nicht anders. Schönheitsoperierte vorgebliche Suizidopfer und flitterige Fußballerfrauen finden sich alle im selben Steinbruch ein. Caffery guckt zu und ist zufrieden.

 Ein Täter wird zwischendurch auch etabliert, doch dessen Motivation, ein Hautpuzzle aus möglichste vielen Teilen zu erstellen, wird nicht hinterfragt. Hauptsache Sensation und stockender Atem – Plausibilität oder nur ein Hauch Nachvollziehbarkeit sind uninteressant. Der Mann ist einer jener Instant-Psychopathen, die mittlerweile nicht mal mehr unglaubwürdig, sondern nur noch unendlich gelangweilt vorgestellt werden.

 Hayder packt Schnipsel zusammen, gibt sie ihren Hauptfiguren mit auf den Weg durch unerfreuliche 382 Seiten, und schaut, ob am Ende irgendwas dabei heraus kommt. Tut es nicht.

 Polizisten, die sich derart unprofessionell benehmen wie Flea Marley (dümmlich, hysterisch, planlos und nur von dem Glück beseelt, dass die restliche literarische Polizei noch blinder ist), oder ungezwungen und verpeilt wie Jack Caffery (komm’ ich heute nicht, komm’ ich morgen... vielleicht) durch die Landschaft huschen, gehören in halbwegs durchdachten Romanen auf die Straße gesetzt (Caffery), oder am nächsten Laternenpfahl aufgeknüpft (Flea).

 Ein großes Rätsel hat Haut indes zu bieten: wie konnte solch ein unausgegorenes Konstrukt von Manuskript, je einen Lektor passieren und als druckreif abgesegnet werden?

 Man könnte es natürlich auch folgendermaßen sehen:

 In ihrem Roman Haut dekonstruiert Mo Hayder landläufige Erzählhaltungen bis auf ihr Gerüst. Es gibt keine glaubwürdigen Ermittler, geschweige denn Täter mehr. Hayder zentriert das Wesen des Schreibens auf eine bloße Behauptung: irgendetwas passiert, weil irgendetwas IST. Das ist existenzialistische Tiefe, die Leben und Poetik als Produkt eines Zufallsgenerators begreift, der sowohl blind wie taub und stumm gegenüber allem ist, was irgendeiner Logik oder Sinnhaftigkeit gehorchen würde. Leben IST...  der Hohn und eine große, große Leere. Hayder hat’s raus.

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Letzte Kommentare:
07.01.2019 04:43:19
Harry

Ich habe selten ein so schlechtes Buch in der Hand gehabt. Hab allerdings kein Geld dafür ausgeben sondern aus der Bücherei entliehen. Nach dem ersten Drittel habe ich es zur Seite gelegt und beschlossen nicht mehr weiter zu lesen da mir meine Lesezeit dafür dann doch zu schade war. Da ich eigentlich viel Juss Adler Ohlsen oder Simon Bekett lese bin ich von diesem Buch mehr als enttäuscht. Im ersten Drittel war ich bereits so durcheinander durch die "Handlung" und "Charaktere" dass ich oft zurückblätter und einzelne Seiten nochmal lesen musste. Sehr zäh zu lesen, würde ich allenfalls als Unterlage für nen Schrank oder Tisch verwenden. Eigentlich hàtte mich der Hinweis auf der Rückseite mit dem "Wesen mit Zauberkräften" stutzig machen sollen. Naja, jedenfalls nicht empfehlenswert, sorry Mo Hayder.

15.11.2016 15:25:22
lenalaura1410

Ich habe das Buch noch nicht sehr lange aber dafür dass es mein erster Psychthriller ist finde ich ihn eigentlich ziemlich gut! Ich bin halt noch nicht so erfahren wie die anderen. ... Ich wünsche den zukünftigen Lesern trotzdem viel vergnügen und würde mich auf ein neues NOCH spannenderes Buch von Mo Hayder freuen!

26.10.2013 22:02:50
Buchleserin-m

schade - ein sehr zähes Buch, langweilig mit viel für mich unwichtigen Beschreibungen. Hätte als Kurzkrimi vielleicht spannend sein können, aber es war sehr quälend. Habe mich durchgebissen würde es aber in mein "Gelsen" Bücherregal nach ganz ganz unten stellen.

Wobei mich alle vorherigen Bücher überzeugt haben und sehr spannend waren

28.08.2012 14:41:45
jadzia_dax

Ich quäle mich jetzt bereits seit fast 6 Wochen mit dem Buch herum - und das sagt Menschen die mich kennen schon so gut wie alles ...

An guten Tagen lese ich wieder ein paar Seiten weil ich es einfach nicht leiden kann ein Buch nicht fertig zu lesen - aber es kommt gut und gerne vor dass ich es eine Woche lang nicht mal angreife weil sich einfach NICHTS tut *seufz* - den Titel Psychothriller verdient diese Buch auf gar keinen Fall - manchmal denke ich dass es nicht mal ein richtiger Krimi ist

Mein Rat - Finger weg von diesem Buch

20.08.2012 20:31:14
sinely

Tja, ich hätte gut getan, zuerst hier alle Bewertungen zu lesen, statt mich durch dieses langweilige Buch zu "quälen" in der Hoffnung, dass es doch noch spannend wird...Also ich habe mich bis zur Hälfte durchgeschafft und werde es vernichten:
Ich kann es noch nicht einmal guten Gewissens weiter verschenken.
Ich bin sehr enttäuscht und ja, ich ärgere mich, dass ich nicht schon früher kapituliert habe.
Lediglich die erste Seite fand ich spannend zu lesen. Schade!

09.09.2011 13:40:25
Sarah_Ch

Meine Wertung kommt der der Krimi-couch ziemlich nahe.

Ich habe mich unheimlich schwer getan mit dem Buch.
Es war einfach nur furchtbar langweilig, sehr schlecht geschrieben und sehr enttäuschend.

Ich habe "Haut" nur zuende gelesen, weil ich es nicht mag Bücher halb gelesen wieder ins Regal zu stellen.

Bei einigen Büchern fängt es ja nur langweilig an und geht dann spannend weiter, aber bei diesem Buch habe ich die Hoffnung ziemlich schnell aufgegeben.

Ungefähr zehn bis zwanzig Seiten waren gegen Ende hin vielleicht etwas spannend.
Der Schluss war dann wieder einfach nur schlecht.

Eines der schlechtesten und langweiligsten Bücher die ich je gelesen habe. Mein zweites und letztes Buch von Mo Hayder.

25.12.2010 20:52:08
melissa.huck

ich habe gelesen, was meine vorgänger verfasst haben - und MUSS zustimmen. ich LIEBE psychothriller, doch leider war ich unglaublich enttäuscht nach mo hayder\'s HAUT. so ein schlechtes buch hab ich noch nie gelesen. in einem punkt muss ich den anderen jedoch widersprechen: ich bin nämlich überhaupt nicht der meinung, dass es hayder gelungen ist schock-momente niederzuschreiben. ich wurde weder überrascht, noch schockiert. noch nie hab ich meiner zeit nachgetrauert, die ich verbracht habe, um ein buch zu lesen.

ich kann denen, die das buch noch nicht gelesen haben und es noch vor haben, nur davon abhalten.

26.05.2010 13:37:29
Summerherekid

Hanebüchene Ideenkonstrukte, unglaubwürdige und unlogische Handlungsstränge, seltsame und unausgegorene Charaktere - die Kritik, die hier geäußert wird, ist durchaus berechtigt.

Mo Hayder fokussiert in ihren Romanen stets auf die Darstellung von menschlichen Absonderlichkeiten - sowohl in deren Handlung als auch in deren Äußerlichkeiten. In "Haut" konzentriert sie sich voll und ganz darauf zu schocken. Und vergißt dabei, eine gute Geschichte zu erzählen.

Nach 3 Hayders reicht es mir nun erstmal.

26.03.2010 12:58:42
lalahamburg

Sehr schade. Ich habe mich so auf das neue Werk von Hayder gefreut, aber das war einfach enttäuschend. Selten habe ich einen Thriller gelesen, der so viele Ansätze aufgreift, ohne auch nur einen einzigen von ihnen konsequent voranzutreiben, geschweige denn zum logischen Abschluss zu bringen. Statt dessen springt die Handlung zwischen verschiedenen seltsamen Charakteren hin und her, die Fragezeichen werden immer größer und die ersehnte überwältigende Auflösung bleibt komplett aus, so dass alle Charaktere am Ende lächerlich und belanglos erscheinen.
Was soll der ganze Tokoloshe-Kram, wenn das am Ende nur ein verkrüppelter Mensch in einer Höhle ist, der auf Menschenhaare steht aber sich sonst widerspruchslos von einer gestörten Taucherin bedrohen lässt und sich verständnisvoll eine Leiche unterjubeln lässt, nur damit er nicht abgeschoben wird? Weil sein Leben im brackigen Steinbruch so toll ist? Und warm hat er Caffery aus Tanner\'s Sickergrube befreit?
Und was genau war die Motivation von Tanner? Wieso brachte er sich selber um?
Und welche Rolle spielte der Sexspielzeughändler? Was machte der nachts in seinem Lager, und warum griff er Caffery an? Wofür hat er den Gerberbaum mit Tierfett daran benutzt, wenn doch angeblich Tanner der Hautsammler war? Oder war Pooley für den gehäuteten Hund verantwortlich? Die Krönung ist der Walking Man, weil man keine bessere Quelle für die Moral von der Geschicht finden konnte?
Oder soll es zu dem ganzen Quatsch womöglich noch eine Fortsetzung geben? Nein, lieber nicht, mir reicht\'s. Vielleicht kommt Mo Hayder ja doch noch über dieses Tief hinweg und kann an Tokyo oder die Behandlung anknüpfen.

12.03.2010 08:41:16
marianne

Blindgänger ist ja noch gelinde ausgedrückt. Gähnende Langeweile!
Dann schreib doch lieber gar nichts, liebe Mo Hayder- als irgendeinen Schwachsinn in die Maschine zu hacken.
Ich hab mich über den Anfang gequält, dachte vielleicht wirds ja noch, aber nach dem
ersten Drittel hab ich es enttäuscht weggelegt. Verschwendete Zeit!

11.02.2010 16:13:25
lieschen1

Schrecklich!!!

Ich habe alle bisherigen Bücher von Mo Hayder nur so verschlungen, vor lauter Spannung. Konnte sie nicht mehr aus der Hand legen - aber dieses??
Was für eine merkwürdige, unglaubwürdige Geschichte. Und dieser dumme Thom !
Habe mich regelrecht durch das Buch gequält.
Von mir gibt es 29 °.

07.01.2010 14:25:06
aerynsun

Mir haben die beiden ersten Krimis mit Jack Caffery sehr gafallen und deswegen freute ich mich auf Fortsetzungen. Aber "Ritualmord" war ein Disaster und ich dachte mir, das wäre ein Ausrutscher und mit "Haut" würde Mo Hayder wieder zu alter Form zurückfinden. Aber weit gefehlt, es war eine reine Zeitverschwendung. Unlogische Handlung mit einem Hauch von Esoterik, völlig blöde Charaktere ohne Entwicklung und mir ging insbesondere (wie schon in "Ritualmord") die Polizeitaucherin Flea mächtig auf die Nerven. Ein Frau mit solch einem harten Job hat so ein schwaches Nervenkostüm. Sehr unglaubwürdig.

07.01.2010 10:13:00
marina

Ich muss mich den Vorschreibern anschließen. Welch dumme Geschichte. Kein Gerüst, keine Linie. Ich habe das Gefühl da wird niedergeschrieben, was gerade im Kopf ist ohne Sinn und Logik.
Keiner Person kann Sympathie entgegengebracht werden, weil sich alle unerklärlicherweise total unprofessionell verhalten. Der Höhepunkt der Geschichte ist aber der dumpe Bruder von Flea und dieser Grottenolm, der in der Höhle lebt und eigentlich ein Mensch ist.
Die Autorin sollte sich auf eine Geschichte konzentrieren, denn da hat sie sicherlich genug zu tun. Wer dieses Buch empfiehlt
und als Bestseller deklariert, hat es bestimmt nicht gelesen.

16.12.2009 19:36:15
Karin Bucconi

Der dummste Krimi, den ich seit langem gelesen habe. Ich ärgere mich sehr, das Buch gekauft zu haben. Da geht es einmal um "Tokoloshe", einen afrikanischen Geist, der sein Unwesen treibt, um einen Verrückten, der Haut sammelt, und als liebende Schwester fährt Flea Marley (Polizeitaucherin) die Leiche einer Frau durch die Gegend, die ihr lebensfremder Bruder auf einer Landstraße überfahren hat...
Dieses Buch ist eine einzige Zumutung.