Die Puppe

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Der Hörverlag, 2013, Seiten: 2, Übersetzt: Steven Scharf, Bemerkung: MP3

Couch-Wertung:

55°
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Brigitte Grahl
Voodoo in Bristol: Jack Caffery bleibt blass in seinem sechsten Fall

Buch-Rezension von Brigitte Grahl Okt 2013

Mit Der Vogelmann und Die Behandlung hat Mo Hayder viele Lorbeeren als Krimiautorin eingeheimst. Leider hat sie mit ihren letzten Büchern die selbst gesteckte hohe Messlatte nicht mehr erreicht. Das ist schade, denn ihre Plots sind interessant und haben Potential. Die Puppe spielt in einem ehemaligen Armenhaus, das jetzt eine psychiatrische Klinik beherbergt und in dem es bizarre Mordfälle gegeben hat. Die ideale Kulisse für einen Schauerroman. Und Mo Hayder beschert ihren Lesern mit einem gruseligen Intro Gänsehaut: ... Doch sie macht weiter und zieht den Reißverschluss herunter, vom Brustbein bis zum Schambein. Mit nassem Schmatzen springen die Bauchmuskeln aus der Haut. Sie packt die Ränder der Öffnung, windet sich weinend, zerrt sie auseinander. Die Haut löst sich von Rippen  und Brüsten und schält sich über die Schultern herunter, reißt, blutet, aber sie macht weiter, bis sie von ihren Hüften hängt, wie tropfendes Wachs. Sie atmet ein paarmal tief durch und zieht sie sich von den Beinen.

Mo Hayder vermischt in Die Puppe nicht zum ersten Mal Horror und Thriller miteinander. Auch in Tokio und Die Sekte ließ sie Übersinnliches einfließen, um es dann rational aufzulösen. In Die Puppe funktioniert das leider nicht so überzeugend, sondern wirkt, als ob sich Mo Hayder bis zum Ende selbst nicht wusste, für welches Genre sie sich entscheidet. Zu viele übernatürliche Elemente der Story bleiben unaufgelöst stehen und scheinen nur als Stilmittel eingesetzt, um eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen.

Ebenso disparat wirken die Handlungsstränge. Zum einen gibt es die Story des Pflegedienstleiters der Klinik, A J, ein sympathischer Charakter, der viel Raum einnimmt. Zum anderen ist da der ermittelnde Detective Jack Caffery, der mit einem alten Falles ringt und erst spät in den aktuellen einsteigt. Bis zur Hälfte des Buches laufen die beiden Stränge ohne Bezug neben einander her und der Leser fragt sich, wer eigentlich die Hauptperson des Buches ist.

Die Puppe ist das sechste Buch in der Reihe um Jack Caffery, den seelisch gebeutelten Detective aus Bristol, der sich bei seinen Ermittlungen öfter mal am Rande der Legalität bewegt. Er plagt sich mit dem Wissen, dass seine Kollegin, Polizeitaucherin Flea, eine Leiche hat verschwinden lassen, um ihren Bruder zu schützen. Dieser Erzählstrang zieht sich seit drei Büchern als Subplot durch die Reihe ohne nennenswerte Fortschritte zu machen und strapaziert die Geduld der Stammleser.

Die Puppe ist in viele kurze Kapitel eingeteilt. Gerade hat sich der Leser auf den Charakter eingelassen und in die Stimmung eingefühlt, da bricht die Autorin ab und springt zum nächsten Handlungsstrang. Normalerweise sollte der Wechsel der Erzählperspektive die Spannung steigern, aber diese Wirkung stellt sich in Die Puppe erst im letzten Drittel des Buches ein, wenn Mo Hayder die Personen und Handlungsstränge endlich zusammenführt.

Trotz aller Kritik ist Die Puppe ist immer noch eine unterhaltsame Lektüre, die gut ausgearbeitete Charaktere, atmosphärisch eindringliche Szenen, überraschende Wendungen und eine (spät) ansteigende Spannungskurve enthält. Leider gilt das hauptsächlich für den Haupterzählstrang um A J und die Klinik. Der zweite Erzählstrang, die Geschichte zwischen Flea und Caffery, tritt auf der Stelle und nimmt entschieden zu viel Raum ein.

Mit dem Jack Caffery, wie ihn Mo Hayder in Die Puppe zeichnet, gewinnt die Reihe keine neuen Fans. Caffery bleibt als Charakter blass, sein Verhalten gegenüber Flea ist weder stimmig noch nachvollziehbar. Mo Hayder hätte vielleicht besser daran getan, Die Puppe als stand alone zu schreiben und nicht auf Biegen und Brechen in die Jack Caffery Reihe einzupassen, nur um bessere Verkaufszahlen zu sichern.

Wer Mo Hayder noch nicht kennt, bekommt mit Die Puppe einen soliden Durchschnittskrimi. Wer ihre Thriller kennt, wird eher enttäuscht sein. Die Puppe gehört zu den schwächeren Büchern der Jack Caffery Reihe. Immerhin scheint der Flea/Caffery-Plot endlich im nächsten Buch der Reihe ein Ende zu finden und macht Hoffnung auf ein besseres Werk.

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