Walhalla-Code

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2009, Seiten: 322, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Auf der Jagd nach Heydrichs Giftschrank

Rezension von Jörg Kijanski Mär 2009

Am 27. Mai 1942 gelingt einigen Widerstandskämpfern in Prag ein Attentat auf den Statthalter des "Protektorats Böhmen und Mähren" Reinhard Heydrich, der für die Organisation des Massenmordes an den europäischen Juden verantwortlich ist. Heydrich kommt in ein Krankenhaus, wo er acht Tage später seinen schweren Verletzungen erliegt. Kurz vor seinem Tod kann er jedoch noch ein kurzes Telefonat von seinem Krankenbett führen und fordert seinen Gesprächspartner auf, "Walhalla auszulösen". Gemeint ist, die brisanten Dokumente seines "Giftschrankes" zu vernichten, damit diese vor allem nicht seinem Intimfeind Himmler in die Hände fallen. Doch das Telefon Heydrichs wurde abgehört und so setzt der Reichsführer-SS die Gestapo auf die Dokumente an. Da auf unterschiedliche Weise auch die Briten und Russen von dem Verschwinden der Geheimunterlagen erfahren, machen sich Churchills und Stalins Topagenten ebenfalls auf die Jagd.

Währenddessen haben der Berliner Hauptkommissar Tom von Sydow und sein Assistent Erich Kalinke einen vermeintlich leichten Fall zu lösen, denn der Tote, der auf einer Parkbank in Nähe der Siegessäule gefunden wurde, hat offenbar Selbstmord verübt. Allerdings deuten einige Anhaltspunkte darauf hin, dass der Tod des SS-Sturmbannführers Alfred von Möllendorf vielleicht nicht ganz so freiwillig war, denn zu auffällig ist das Interesse der Gestapo an dem Fall. Als noch am gleichen Tag bei einem Anschlag der Dienstwagen der beiden Ermittler explodiert, müssen die beiden Polizisten entscheiden, ob sie unter Einsatz ihres eigenen Lebens die Ermittlungen fortführen wollen. Ihr Schicksal scheint besiegelt, denn recht bald stoßen sie auf eine Verbindung zwischen von Möllendorf und Heydrich...

Fiktion und historische Fakten werden gut kombiniert

Einer der skrupellosesten und gleichzeitig einflussreichsten Parteigrößen, Reinhard Heydrich, hatte seinen rasanten politischen Aufstieg womöglich dem Umstand zu verdanken, dass er alle Parteigrößen bis hin zum "Führer" selbst, durch hochbrisante Unterlagen in der Hand hat. Sein geheimnisvoller "Giftschrank" hat es jedenfalls in sich und enthält allerlei kompromittierende Schriftstücke. Verheerend für das Deutsche Reich wäre dabei sicher die Entdeckung des Originalprotokolls der berüchtigten Wannseekonferenz, bei der die "Endlösung" der Judenfrage beschlossen wurde. Doch auch die Russen müssen alles daran setzen, um in den Besitz der Dokumente zu kommen, denn darunter befinden sich Protokolle über die Verhandlungen des Geheimdienstchefs Berija. Die Folgen des Vertrauensverlustes in die russische Bündnistreue wären unabsehbar und dies zu einem Zeitpunkt, wo die deutschen Truppen Kiew erobert haben und bereits vor Leningrad stehen.

Der fiktive Fall wird von Uwe Klausner mit dem historischen Szenario der damaligen Zeit gekonnt vermischt. Die Ermittlungen des Hauptkommissars von Sydow bilden zwar den zentralen Erzählstrang, allerdings wechselt das Szenario mitunter zu Churchill, Stalin oder Himmler. So liest man eine spannende Geschichte bei der gleichzeitig historische Begebenheiten eingestreut werden. Dabei erfahren die Leser/innen immer ein bisschen mehr als von Sydow und wissen somit schon lange vor ihm, dass von Möllendorf derjenige war, der für Heydrich seine brisanten Dokumente vernichten sollte. Sollte, denn der Sturmbannführer sah plötzlich eine rosige Zukunft vor sich und entschied die Unterlagen für sich gewinnbringend einzusetzen. Ein fataler Fehler, da die Telefonate Heydrichs abgehört wurden und er nun Himmlers Schergen am Hals hat. Allerdings nur kurz, denn kaum hat er die Unterlagen in einem vermeintlich sicheren Versteck untergebracht, endet auch schon sein Leben.

Ein wenig muss schon konstruiert werden

Von Sydow und Kalinke beginnen die Ermittlungen, obwohl sie noch am Tatort mit der Gestapo aneinander geraten. Als sie kurz darauf fast überfahren und Stunden später bei einem Bombenattentat auf ihren Dienstwagen mehrere Menschen getötet werden, müssen die beiden Ermittler eine im wahrsten Wortsinn lebenswichtige Frage beantworten. Die Antwort fällt (überraschenderweise?) positiv aus, da ansonsten der Roman womöglich ein jähes Ende erfahren hätte.

Bedenkt man die vielen Facetten, die der Autor in diesem recht kurzen Roman (etwas über 300 Seiten) unterzubringen versucht hat, so ist ihm hier ein ordentliches Werk gelungen. Natürlich hätte man Churchill, Stalin, Himmler und deren Gehilfen mehr Platz gewünscht und selbstredend wären genauere Figurenzeichnungen oder Darstellungen der damaligen Lebensverhältnisse wünschenswert gewesen, aber dann hätte der Umfang des Buches eben auch locker den dreifachen Platz in Anspruch genommen. Der vorliegende "Kompromiss" gelingt ausgezeichnet und dass nicht alle "Helden" überleben spricht ebenfalls für das Werk. Allein die eingebaute "Liebesgeschichte" ist von Anfang an "erkennbar" und wirkt ein wenig zu sehr konstruiert. Doch wer will schon gegen ein kleines Happy-End in dieser finsteren Zeit ernsthaft Einwände erheben?

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