Staatskomplott

Erschienen: August 2017

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2017, Seiten: 373, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Vielschichtige Handlung mit grenzwertigen Dialogen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2020

15. Mai 1970, morgens. Doktor Max Friedländer, einst Arzt an der ostdeutschen Charité, wird nach sechs Jahren Haft in Bautzen II vorzeitig entlassen und darf in die Bundesrepublik ausreisen. Beihilfe zur Republikflucht, Urkundenfälschung und verbrecherischer Menschenhandel, so lauteten 1964 die Vorwürfe. Allein, sie trafen nicht zu.

15. Mai 1970 am frühen Abend. Der König der Berliner Unterwelt, Waldemar Pawelka, wird in seiner Protzvilla erschossen. Auf seinem Grundstück befindet sich ein Privatzoo mit rund 20 Raubtieren; auch diese wurden getötet,brutal abgeschlachtet.

Hauptkommissar Tom Sydow und sein Team übernehmen die Ermittlungen und treten in ein Wespennest. Die Untersuchungen kommen zunächst nicht voran, da vermeintliche Zeugen nichts gesehen haben wollen. Einen heftigen Streit mit seiner Frau Doreen hatte Pawelka jedoch, dessen Spuren in ihrem Gesicht deutlich sichtbar sind. Hat ein Unterweltboss eine offene Rechnung beglichen, um einen Konkurrenten aus dem Verkehr zu ziehen? Ist Doreen einmal zu oft verprügelt worden und hat nun letal zurückgeschlagen? Und dann ist da noch ein gewisser Andreas Baader. Er ist auf der Flucht und ausgerechnet Sydows Stieftochter hat dem meistgesuchten RAF-Mitglied vorübergehend Unterschlupf gewährt…

Drittes Reich, Stasi, MfS, BND und RAF – alles dabei. Was will man mehr?

Wie der Buchtitel „Staatskomplott“ erahnen lässt, ist der hier vorliegende Fall komplexer und undurchsichtiger als viele andere. Damit es für den Leser nicht zu schwierig wird, erfährt man indes schnell, wer Pawelka ermordet hat - eine (glaubwürdige?) Überraschung inklusive. Immerhin muss der Protagonist damit bis zum Ende des Romans warten. Kurzum: Die Stasi hatte ihre Hände im Spiel, denn Pawelka wurde nicht nur durch Prostitution und ähnliches zum Multimillionär, sondern auch durch Menschenschmuggel.

1970 war die Grenze von der „DDR zur BRD“ zwar schon dicht, doch gelang jährlich immer noch rund 1000 Menschen die Flucht. Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, steht unter Beschuss von Erich Honecker und Walter Ulbricht, so dass etwas passieren muss. Jedes Grenzloch kann man nicht schließen, allerdings den organisierten Menschenhandel bekämpfen, in dem man einen der wichtigsten Hintermänner eliminieren lässt.

„Staatskomplott“ ist besonders dann interessant und lesenswert, wenn es um die zeitgeschichtlichen Bezüge geht. Sydow war bereits Polizist unter Himmler, musste Deutschland jedoch 1942 fluchtartig verlassen. Er weiß also, was es in einer Diktatur heißt, wenn der Staat hinter einem her ist. Auch die Arbeit der Stasi wird ansprechend dargestellt, zudem wechseln sich diverse Szenarien immer wieder ab, was den Lesefluss zusätzlich fördert. Welche Rolle hierbei der BND spielt, soll nicht vorweggenommen werden, das Thema RAF wird in dem Roman hingegen nur am beiläufig angerissen. Wie sich die einzelnen Tathergänge auflösen ist – wie so oft – Geschmacksache, doch so viel sei verraten: Es wird recht turbulent.

Ein wesentlicher Schwachpunkt des grundsätzlich soliden Werkes soll nicht verschwiegen werden. Die ermittelnden Polizisten gehen sich in ihren teils äußerst skurrilen Dialogen regelmäßig selber auf die Nerven, was in hohem Maße auf den Leser abfärbt. Dazu eine Vielzahl Uralt-Weisheiten wie „Ein alter Mann ist schließlich kein D-Zug.“

Fazit:

Ein thematisch vielschichtiger Plot, in dem es munter drunter und drüber geht, was dem titelgebenden Komplott geschuldet ist. Wer sich an den schrägen Dialogen zwischen den Polizisten und auch teils bei den Zeugenbefragungen nicht stört, findet hier eine durchaus interessante Reise in die deutsch-deutsche Vergangenheit.

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