Sündenmord

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • --: --, 2009, Titel: 'Mother of god', Originalsprache, Bemerkung: bislang nicht auf englisch erschienen

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Jörg Kijanski
Der Dritte wird der Letzte sein

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2009

Der bekannte Prediger Reverend Callison wurde in seinem Fernsehstudio erdrosselt und anschließend enthauptet. Erst vor kurzer Zeit war er öffentlich in die Kritik geraten, da er angeblich Spendengelder der Kirche entwendet haben soll. Damit ist er bereits das dritte Opfer einer Mordserie, bei denen alle Opfer zuvor in der Presse angegriffen wurden und so macht sich Special Agentin Elizabeth Hewitt von der Illinois State Police auf die Jagd nach dem "Boulevardblatt-Mörder". Dabei hofft sie auf die Hilfe ihres ehemaligen Partners und Ex-Geliebten Matt Carlisle, der bei ihrem letzten gemeinsamen Fall versehentlich von Hewitt angeschossen wurde. Seitdem hat er sich als Bruder Matthew in ein buddhistisches Kloster zurückgezogen und allen weltlichen Dingen abgeschworen.

Die Zeit drängt, denn weitere Morde geschehen und plötzlich erklärt sich Matt bereit, Elizabeth zumindest beratend zu unterstützen. So findet er heraus, dass sich die Opfer an den zehn Geboten vergangen haben und sich der Mörder offensichtlich für Gott persönlich hält. Das erste Opfer verstieß gegen das zehnte Gebot, das zweite Opfer gegen das Neunte und so weiter. Bei ihrer Recherche erhält Elizabeth auch Unterstützung von einem Psychiater, der ihr zwei Namen von möglichen Verdächtigen nennen kann. Doch der erste ist vor lauter Fettleibigkeit nahezu bewegungsunfähig und der zweite starb gemeinsam mit seiner Mutter, als deren Haus abbrannte. Der Mörder hinterlässt an seinen Tatorten keinerlei Spuren und so drehen sich die Ermittlungen im Kreis. Da meldet plötzlich das Chicago Police Department die Verhaftung des Serienmörders, aber die Freude wehrt nur kurz, denn während die Kollegen des CPD noch jubeln hat der Mörder bereits erneut zugeschlagen...

Der mit Abstand schwächste Roman des Autors.

Tja, was soll man von Sündenmord halten? Special Agent Elizabeth Hewitt versucht mit ihrem Ex-Partner einen Fall zu lösen, was wir ja schon aus Rabenmord kennen. Auch dort lief die Zusammenarbeit alles andere als rund. Dafür erleben wir wieder Captain Ed Spangler im "aktiven" Dienst, der bei Sheldon Ruschs zweitem Roman Todesmelodie bereits im Ruhestand weilte. Alles klar? Wohl dem, der das Buch aufmerksam liest und bereits mit dem "Waschzettel" anfängt, denn bevor der Roman beginnt erfahren wir hier, dass es sich um Hewitts ersten Fall handelt. Nun könnte man natürlich bei dem Verlag nachfragen, ob denn der Roman tatsächlich vor den anderen Geschichten geschrieben wurde und es sich nur um eine Art "Recycling" handelt, frei nach dem Motto, damals zu schlecht, aber die Bücher des Autors verkaufen sich inzwischen. Doch diese Frage wollen wir zugunsten des Autors einfach mal mit "Ja" beantworten, denn sollte dieser Roman erst nach "Todesmelodie" geschrieben worden sein, wäre es um den Autor erschreckend schlecht bestellt.

Alle Männer können "zwergifiziert" werden! Aber braucht man(n) das?

Special Agentin Elizabeth Hewitt oder Elizabeth, so genau kommt es sich nicht in diesem Roman, in dem Matt Carlisle gerne als Bruder Matthew oder Bruder Matt Carlisle genannt wird, ermittelt also in einem Serienmord. Was man so als Ermittlung bezeichnet, denn zunächst "erfreut" der Autor seine Leser mit einem Hobby Hewitts, die andere Menschen gerne "zwergifiziert". Nach ihrer Auffassung kann man alle Männer anhand der sieben Zwerge charakteristisch einordnen. So ist beispielsweise der örtliche Leichenbeschauer eine Mischung aus den Zwergen Chef und Hatschi. Das ist doch mal eine revolutionäre Neuerung für einen Krimi. Au weia, au weia, geht das auf die E....

Schwachstellen ohne Ende.

Dass bei aller Zwergifizierung ihres Umfeldes die Ermittlungen zunächst mal keine Rolle spielen versteht sich fast von selbst. Dabei hat Hewitt aber auch in ihrem Privatleben einiges zu ordnen. Ihr zum Mönch mutierter Ex-Lover erholt sich von einer Schussverletzung, die Hewitt selber unabsichtlich verursacht hat. Eine abgefälschte Kugel traf Matts Hirn und seitdem schält er in einem Kloster massenhaft Gemüse und meditiert stundenlang vor sich hin, wodurch er die ein oder andere "Erleuchtung", beispielsweise beim Anblick einer toten Hirschkuh, in diesem Fall hat. "Nee, is' klar", hört man einen bekannten Comedian an dieser Stelle förmlich rufen. Währenddessen trinkt Hewitt viel Kakao mit Marshmallows und wünscht sich vor allem ihr altes Liebesleben (daher "Thriller") zurück. Ein weiteres "Highlight" des Romans ist das ständige Erwähnen von irgendwelchen sexuellen Phantasien der Protagonisten. Sex sells, so heißt es, doch geht hier der berühmte Schuss nach hinten los, da die völlig überflüssigen Anspielungen offensichtlich nur ein ohnehin schon dünnes Werk (dies leider in jeder Hinsicht) aufblähen sollen. Wen wundert es da noch, dass "Gott" ständig nackt in seinem Garten herum läuft.

Immerhin sorgen 93 Kapitel auf nur 312 Seiten für ein bisschen Tempo.

Ja, der Täter hält sich für Gott persönlich (warum auch immer) und macht sich einen Spaß daraus, einen blinden Farbigen namens Moses (erneut meldet sich die Stimme "Nee, is' klar") in sein Spiel einzubinden. So lesen wir denn in den 93 Kapiteln (auf 312 Seiten) immer wieder Gespräche die Gott mit Moses führt. Dies nur als Vorwarnung, denn religiöse Leser/innen dürften hier eine gewisse Blasphemie unterstellen und sich von der Lektüre des Romans womöglich abwenden. Dies ist übrigens eine glänzende Idee, denn Ihr in diesem Fall leidender Rezensent hätte gerne vorzeitig die Lektüre abgebrochen. So quält man sich in zwei bis sechs Seiten langen Kapiteln durch das Szenario bis es dann zu einem Ende kommt, dass einen einmal mehr Schaudern lässt. Wie Hewitt dem Täter auf die Spur kommt ist ja in Ordnung, aber das Finale selbst ist selten einfallslos (sehr, sehr freundlich formuliert).

Sheldon Rusch hat mit Sündenmord einen Roman vorgelegt dem man lediglich zu Gute halten kann, dass die sehr kurzen Kapitel für ein bisschen Tempo sorgen. Ansonsten gibt es reichlich viel freie Flächen in dem Buch, dessen Handlung leider nicht viel hergibt. Minimale Spannung, eindimensionale 08/15-Charaktere, ätzend aufgeblähte Passagen (eine halbe Seite sinniert Hewitt beispielsweise über den aktuellen Wetterbericht) sowie ein nicht immer nachvollziehbares Verhalten der Figuren (der Mönch lässt grüßen) sorgen für wenig Lesespaß. Wie schön, dass es nach nur 312 großzügig gedruckten Seiten bereits vorbei ist.

Sündenmord

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Letzte Kommentare:
11.10.2009 16:27:29
Mariahsjack

Dieses Buch ist in der Tat schlechter als die Vorgänger, aber man kann ihn dennoch gut lesen. Allerdings sollte man unbedingt vorher die ersten beiden lesen. Denn für Neueinsteiger in die Serie, finde ich es einfach zu "nackt". Gerade am Anfang fehlt zu viel von den schon bekannten Charakteren um sie sich bildlich vorstellen zu können.
Dafür ist das Finale aber recht gelungen. Durch die sehr schnellen, kurzen Kapitel und nur 312 Seiten, hat man es aber schnell durch und ich denke mit schon 50 Seiten mehr, hätte man dem Buch noch etwas mehr Leben einhauchen können. Auf alle Fälle werde ich aber auch den 4. Band lesen.

11.02.2009 11:40:44
MSutchy

Langsam kommt es mir so vor, dass ich nur Kommentare schreibe, wenn mir etwas ganz gut bzw. etwas total schlecht gefällt.
Bei Sündenmord ist leider letzteres der Fall.
Bereits beim zweiten Fall lies die Qualität nach, aber Teil 3 geht gar nicht.
Dabei hätte man aus dem Plott so viel machen können. Ich meine Gottes Gebote...
...ich bitte euch.
Doch nicht nur dieses Gebote-Konstrukt überzeugt mich nicht, sondern auch die Charaktere. Fand man die in den Vorgängern noch sympathisch, sind sie jetzt nur noch ein schwacher Abklatsch. M.E. agieren sie eigentlich gar nicht miteinander. Sie schleichen im Handlungsbogen herum und treffen doch nicht aufeinander - wie man es sich eigentlich gewünscht hat. Ständig sind sie mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, die sie jedoch nicht lösen können und philosophieren ewig herum. Was streckenweise sehr langatmig und sehr öde ist.
Und man bekommt den Eindruck der Autor weiß selbst nicht was er will.
Einzig das Finale punktet. Vielleicht weil das Gute gesiegt hat, der Böse bestraft wurde, oder weil Matt seiner Elizabeth verziehen hat.
Ich denke eher weil damit das Buch zu ende war und man es in den Schrank stellen konnte.
Meine Schlussfolgerung daher: Mindestens dreimal überlegen, ob man auch den neuen Fall der Elizabeth Hewitt kauft!