Das Mordkreuz

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008, Seiten: 288, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Kann im Finale richtig auftrumpfen

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2008

Deutsche Kommissare haben es im Allgemeinen schwer gegen die amerikanische Konkurrenz in Buchform anzutreten, weil in unseren Landen sehr oft die kriminalistischen Ermittlungsmethoden weniger spektakulär abzulaufen scheinen und die Damen und Herren Kommissare eher als behäbige Beamtentypen mit Familienstress und regionalem Wirkungskreis geschildert werden, weshalb wir hierzulande, schon fast als Schimpfwort gebraucht, von Regio-Krimis sprechen. Warum wir eine solche Klassifizierung nicht für Polizeidetektive aus Boston oder Uppsala verwenden und uns die Verlage mit mittelmäßigen Krimis aus dem nicht deutschsprachigen Ausland überschwemmen, liegt wohl am Marketing und den Käufern, die von einem Szenario in den Everglades oder in den norwegischen Fjorden deutlich mehr fasziniert zu sein scheinen, als bei einer Geschichte aus dem Würzburger Umland, wie sie Roman Rausch in seinem bislang sechsten Fall um die Kommissare Kilian und Heinlein in Das Mordkreuz erfunden hat.

Heinlein, ein durchaus biederer Familienvater mit den üblichen familiären und finanziellen Problemen, wird zu einem Friedhof gerufen. Betrunkene Jugendliche, darunter auch sein Sohn Thomas, haben hier eine Fete gefeiert und bei einem Streit einen Bildstock umgeworfen. Eine gleißend leuchtende Weiße Frau erscheint und die Jugendlichen flüchten. Unter dem Bildstock findet sich eine Leiche und nicht weit entfernt haucht auch einer der Jugendlichen sein Leben aus, genau derjenige, mit dem Thomas Raufhändel hatte. Heinlein ist natürlich befangen und so muss Kilian sich darum kümmern, ob Thomas für den Totschlag verantwortlich ist, oder sich das Ganze nur als unglücklicher Zufall heraus stellt.

Aber die Weiße Frau, eine weit verbreitete Sagengestalt, die nicht nur in Unterfranken erscheint, bevor jemand stirbt, sondern auch im keltischen Irland ihre Anhänger hat, taucht noch öfter auf. Und jedes Mal gibt es eine Leiche. Heinlein erkennt, dass sich die Weiße Frau korrupte Beamte des Gerichts vornimmt, die nun offenbar einem Rächer in die Hände fallen. Zuerst muss Heinlein die Verbindung zwischen den Verstorbenen suchen und dann den Mörder ...

Im Gegensatz zu Kommissar Heinlein kennt der Leser den Killer, zumindest kann er über lange Zeit an dessen abstrusen Gedankengängen teilhaben, denn ohne diese würde das Buch sehr schnell in einen Fantasyschmöker abgleiten. Der Aufbau der Geschichte ist logisch und sehr gut konstruiert und hat auch durchgehend Spannung zu bieten, auch wenn diese bis zum bitteren Ende doch eher schmalspurig bleibt und erst im Finale so richtig auftrumpfen kann.

Das Mordkreuz

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Letzte Kommentare:
21.01.2010 13:20:39
Der Matze

"Das Mordkreuz" war für mich ein echtes Ärgernis: Zum einen ist der Schluss ein Cliffhanger - etwas, das es in den Kilian/Heinlein-Geschichten bislang nicht gab. Das riecht für mich nach einem stillosen Versuch der Leserbindung, also nach einfacher Autorengier.

Zum anderen hat sich der Flair der ersten beiden Bände inzwischen komplett verflüchtigt: dort wog oftmals überzeichnetes, aber gerade deswegen auch ansprechendes Lokalkolorit (jaja, die Underfranggn) manch sprachliche und sprachbildliche Holprigkeit mehr als auf.Desweiteren erscheint mir die Entwicklung des Herrn Kilian durch die bisherigen Bände nicht konsistent: seine Charakterisierung wechselt immer wieder mal - ohne dass das als Entwicklung erklärbar ist. Der Schorsch sackt in gesetzte Bürgerlichkeit ab, aber ohne dass das zu größerem Amusement oder auch nur zu mehr Figurenlebendigkeit beitragen könnte.

Was mich sehr stört, ist die Schilderung der "Weißen Frau": Roman Rausch stellt die "Weiße Frau" als eine im "Volksglauben" einheitlich überlieferte Figur dar, die eine Art Todes- oder Jenseitsbotin sei, wie sie auch in der irischen Volkskultur aufträte.

Dabei gibt es aber "nur" lokal sehr unterschiedliche Geschichten vorwiegend im Süddeutschen, die meist einen konkreten, historischen Hintergrund und darauf basierend eine spezifische "Moral der Geschicht" haben. Bei meiner oberflächlichen Kurzrecherche bin ich auch auf nichts gestoßen, das irgendeinen Verweis nach Irland nahelegt.

Fände ich solch Abstruses akzeptabel, dann könnte ich auch gleich einen weiteren Dan Brown "geniessen"...