Schrei nach Stille

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Berlin: List, 2008, Seiten: 333, Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009, Seiten: 4, Übersetzt: Andrea Sawatzki

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Ines Dietzsch
Ein anspruchsvolles, sehr besonderes Lese-Erlebnis

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Jun 2008

In ländlichen Gegenden, wo die heile Welt noch hinter jedem Baum lauert, betrachtet die eingeschworene Dorfgemeinschaft fremde Menschen mit Argwohn.
Nicht anders in Klein-Roda, einer kleinen Gemeinde in Hessen. Man wendet sich dort an Paul Bremer, den zugezogenen, halbwegs akzeptierten Städter. Er soll nach einem schweren Sturm in der vom Volksmund "Heinrichs Verhängnis" getauften Siedlung nach dem Rechten sehen. Eine Frau hat vor gut einem Jahr das verwahrloste Anwesen im Auenweg bezogen und Paul findet die Besitzerin ohnmächtig unter einem umgestürzten Baum. Das "alt und böse gewordene" Haus stand noch nie unter einem guten Stern. Sein Erbauer erhängte sich auf dem Dachboden und 1968 verschwand aus einer Hippie-Kommune ein junges Mädchen spurlos.

Während dessen steht in Frankfurt am Main Kommissar Giorgio DeLange am Set eines Filmteams als Berater zur Seite, welches Summer of Love verfilmt. Das Drehbuch beruht auf einem Bestseller der Autorin Sophie Winter. Summer of Love erzählt die Geschichte dreier Blumenkinder, die auf einem Dorf Zuflucht suchten und auf Ablehnung und Hass stießen. Auf Drängen der Hauptdarstellerin liest DeLange den Roman und zieht Parallelen zu einem lange zurückliegenden Fall, der nie gelöst wurde.

Der Leser ahnt es gleich, die Schriftstellerin Sophie Winter war eines der Hippiemädchen, die sich in den 68ern in Klein-Roda niedergelassen hatten. Sie ist zurückgekommen in das verlassene Haus, jetzt nachdem sie ihre Geschichte aufgeschrieben hat und ihr Bestseller gerade verfilmt wird.

Hauptsache, die Gass' ist gefegt

Nicht für alle Dorfbewohner ist die etwas seltsame Dame eine Unbekannte und wie vor vierzig Jahren geschehen merkwürdige Dinge in Sophies Umgebung. Wer aus dem Dorf möchte den Mantel des Schweigens über die Vergangenheit hüten? Ist es wahr, was Sophie in ihrem Roman schreibt und jemand aus dem Dorf hatte damals etwas mit dem Verschwinden der schönen Sascha zu tun?

In zwei unabhängigen Ermittlungssträngen versuchen zwei Personen den Fall zu erhellen. In Klein-Roda erfährt Paul Bremer Dinge über seine Nachbarn, auf die diese beschämt zurück blicken und sie lieber bis ans Ende ihrer Tage verdrängt hätten. Zeitgleich geht der Frankfurter Hauptkommissar Giorgio DeLange den Geschehnissen auf den Grund und stößt auf das männliche Mitglied der 68er Kommune. Geschickt baut Anne Chaplet immer wieder kleine Berührungspunkte zwischen den Handlungssträngen ein, so begegnen sich DeLange und Sophie Winter am Set und der Kommissar nimmt die Hilfe von Staatsanwältin Karen Stark, Paul Bremers bester Freundin in Anspruch.

Sophies Story

Paul Bremer entgeht nicht, dass die Schusseligkeit der Schriftstellerin einen Grund hat, Sophie Winter ist an Alzheimer erkrankt. Gegenwart und Erinnerung bewegen sich aufeinander zu und mit dem Fortschreiten der Krankheit öffnet sich für Sophie immer weiter das Fenster zur Vergangenheit. Mit Sophies Geschichte entzaubert Anne Chaplet den Mythos von Flower Power und freier Liebe. Die parallelen Handlungsstränge gehen mit den Monologen von Sophie eine perfekte Symbiose ein und machen den Roman zu einem ganz besonderen Lese-Erlebnis, welches man gern mit zahlreichen Lesern zu teilen wünscht.

In bildgewaltiger und intensiver Sprache haucht Anne Chaplet den Dingen Atem ein, lässt Regentropfen, dicke Tannen und verwunschene Häuser lebendig werden. Mit ihren Protagonisten, besonders hervorzuheben die vierbeinigen, schafft die Autorin einnehmende Persönlichkeiten, die ins echte Leben drängen. Ganz großes Theater.

Schrei nach Stille

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Letzte Kommentare:
04.10.2011 17:11:53
Nijura

Nicht wirklich ein KrimiDie erfolgreiche Autorin Sophie Winter zieht in ein heruntergekommenes Haus in dem kleinen hessischen Dorf Roda. Sie hat einen Roman über die damaligen Vorkommnisse geschrieben: Vor 40 Jahren wurde dort eine zugezogene Hippie-Gemeinschaft, die der freien Liebe frönte, gemobbt und eine der Frauen verschwand spurlos. Die Frau wurde niemals gefunden. Jetzt verschwindet Luca, ein kleiner Junge, kann dieser Fall etwas mit den damaligen Ereignissen zu tun haben? Und warum weiß Sophie Winter so viel über damals?Meine Meinung:
Das war mein erstes Hörbuch von Anne Chaplet, die Story ist mäßig spannend, aber schön erzählt von Andrea Sawatzki. Von Paul Bremer erfährt man wenig, dafür umso mehr von dem Polizisten Jo DeLange, der bei der Verfilmung des Buches behilflich sein soll. Seine Geschichte ist noch die interessanteste in dem ganzen Plot, und wenn diese nicht mit eingeflochten worden wäre, wäre es sicher ein wesentlich kürzeres Hörbuch geworden.
Luca’s Geschichte hat nicht richtig in den Krimi gepasst und war somit eigentlich unnötig.
Sophies zunehmende Demenz finde ich realistisch und gut beschrieben.
Die Geschehnisse von damals werden nach und nach enthüllt, so bleibt die Geschichte interessant, das Ende ist jedoch schon vorgegeben, sodass der Schluss keine Überraschung mehr parat hält.Fazit:
Mäßig spannender Krimi, der mich nicht vollends überzeugt hat.

12.02.2011 21:57:57
Moehrchen

Schrei nach Stille - Sommer of Love

Klein-Rhoda, ein kleines Dorf in Oberhessen. Dort steht die Dorfgemeinschaft noch eng zusammen; etwas das jeder Zugezogene zu spüren bekommt. Vor 40 Jahren ist hier eine auswärtige Frau spurlos verschwunden. Was ist damals passiert und welches dunkle Geheimnis umweht Sophie Winter, eine zugezogene Schriftstellerin, die in dem Haus lebt, in dem auch die verschwunden Frau früher gelebt hat? Paul Bremer, der "Hilfssheriff" des Ortsvorstehers - auch schon bekannt aus früheren Büchern der Autorin - und der Polizist Giorgio DeLange versuchen unabhängig von einander hinter das Geheimnis zu kommen.

Am Anfang empfand ich die allzu ausufernde Erzählweise der Autorin als störend: Personen - nicht wenige - werden in aller Deutlichkeit beschrieben, deren Gedanken und Gefühle teilweise recht deutlich hervorgehoben und dadurch war es recht schwer in das Buch hinein zu kommen. Immer wieder fragt man sich am Anfang, warum die Autorin es für wert erachtet, scheinbar überflüssige Dinge dem Leser näher zu bringen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass genau diese Erzählweise für den Roman sehr wichtig ist. Zum einen lernt man die Protagonisten und deren Verhaltensweisen besser kennen - die Bewohner von Klein-Rhoda sind mir so schon fast ans Herz gewachsen - zum andern trägt der Erzählstil wesentlich zu der dichten Atmosphäre des Buches bei.

Ich bin mir nicht ganz sicher, welchem Genre ich das Buch zuordnen soll: ist es ein Krimi, eine Gesellschaftsstudie oder einfach nur eine Zeitreise in die nicht allzu rühmliche Vergangenheit? Oder einfach alles zusammen? Egal das Buch ist gut und das ist die Hauptsache!

03.07.2010 14:18:48
buecherleben

Auf dem Cover steht "Kriminalroman" ist es aber bei weitem nicht! Aber eines nach dem Anderen...

Das Thema dieses Buches hat seinen Ursprung im Sommer von`68, eine bewegte Zeit auch oder gerade in Deutschland. Hier nahm eben auch die Hippiebewegung einen großen Teil ein. 40 Jahre später holt das dunkle Geheimnis von damals Sophie Winter wieder ein...

Der Beginn der Geschichte ist sprunghaft und sehr zäh. Manchmal hat man das Gefühl die Autorin will zuviel. Viele lose Fäden und deutlich zu lange konstruierte Sätze und Nebensächlichkeiten. Trotz (zu) ausführlicher Vorstellung und Beschreibung der Figuren bleiben diese ohne Profil und blass.

Hinzu kommt die fehlende Galubwürdigkeit der Sophie Winter, so verwirrt und vergesslich und so unfähig sich im Alltag zu bewegen, wie soll diese Person ein Haus alleine gekauft haben und gerade eben mal so einen Bestseller geschrieben haben? Absolut daneben und nicht nachzuvollziehen. Später - am Ende des Buches - wird die Erklärung für dieses Verhalten nachgereicht, nur macht diese Erklärung alles nur noch schlimmer und dann erst recht unglaubwürdig.

Auch sonst kommt keinerlei Spannung auf, die Geschichte dümpelt vor sich hin ohne jeglichen Höhepunkt. Chaplet verstrickt sich immer weiter in Nebenschauplätze, welche aber nie eine Relevanz für den Roman haben, noch kommt sie auf den Punkt. Das einzig Positive: die Kapitel sind recht kurz gehalten, so dass sich das Durchhangeln ein wenig leichter ertragen lässt. Dennoch: mit jeder Seite wird das Lesen ins Unerträgliche gesteigert. Egal ob die Winter schläft, einkauft, telefoniert oder putzt: Ununterbrochen fallen ihr Sachen aus der Hand oder ihr stösst etwas zu. Nochmal: die Erklärung am Ende führt dies ad absurdum.

Der Erzähl- und Schreibstil ist kalt und ohne jede Emotion. Liebe zum Detail gibt es hier nicht. Ob ein Autoreifen während der Fahrt platzt oder ein Gespräch am Gartenzaun geschildert wird, der Leser merkt da gar keinen Unterschied.

Ein Beispiel für das Chaos in diesem Buch?

Wilhelm, ein Charakter mit nebensächlicher Wirkung (ein Zeitzeuge), raucht nicht mehr. Dadurch hustet er auch nicht mehr. Am Anfang des Buches wird dieser Umstand vom Dorfbewohner Bremer vermisst, es gehöre doch zum Dorf und seiner Heimat!? Nun, knapp 180 Seiten später dann, dieses Originalzitat: "Wilhlem hustete, er hustete kein bißchen weniger, obwohl er nicht mehr rauchte..." Diese Szene steht nur symbolisch für andere solcher Art..

"Ein eindringliches Porträt der BRD" in den 68er Jahren soll hier geschildert werden, laut Text im Innenteil. Es ist aber keineswegs eindringlich, sondern oberflächlich. Sicherlich werden die Gräben von damals zwischen Hippies, Studentenbewegung und Bürgertum als Motiv und Hintergrund gewählt. Aber diese kennt jeder Leser der sich auch nur oberflächlich mit der Zeit damals befasst hat. Es ist kein Kriminalroman, ein bürgerliches Drama allenfalls mit Tragödien die im Leben (leider) passieren können. Ein recht cleverer Schluß kann dieses Buch dann auch nicht mehr retten...

06.11.2009 00:21:14
Nomadenseele

Das war das erste Buch von Anne Chaplet, welches ich nicht mochte. Schlimmer: Ich wußte nichts mit dem Buch anzufangen. Drei Geschichten laufen parallell, haben vage mitaeinander zu tun, um sich ganz am Ende zu berühren. Wer Sophie Winter bedroht wird nicht geklärt, der Mord liegt in dem Buch ein paar Jahrzehnte zurück. was das am Ende alles soll, weiß ich nicht.

Fazit:

Wirr und langweilig.

03.05.2009 16:54:10
stjerneskud

Sophie Winter wohnt in einem renovierungsbedürftigen Haus in Klein-Rhoda im Oberhessischen. Ein von ihr veröffentlichter Roman, wird zum Bestseller und soll jetzt verfilmt werden. In ihm geht es um die Hippiebewegung und um drei jungen Leute, die ihren Sommer der Liebe in einem kleinen Dorf verleben und damit bei der einheimischen Bevölkerung auf keine große Gegenliebe stoßen. Damals im Jahr 1968 verschwand eine junge Frau und als 40 Jahre später ein Junge verschwindet, brechen alte Wunden auf.

Es war mein erster Roman von Anne Chaplet und ich bin nicht abgeneigt, einen weiteren von ihr zu lesen. In den Kapiteln 2 bis 5 wird man mit vielen unterschiedlichen Personen konfrontiert und es war nicht einfach für mich sie auseinander halten zu können. Auch umfassen die Kapitel nicht allzu viele Seiten, so dass einem die Figuren vertraut werden könnten. Wenigstens sind sie so gut und mitreißend geschrieben, dass man dabei bleibt und gerne weiter liest. Nach einiger Zeit kam ich mit den relativ kurzen Kapiteln und dem Hin- und Herspringen zwischen den einzelnen Figuren besser zurecht und konnte mir langsam auch merken wer wer ist, obwohl ich mich mit Manchen schwer tat. Giorgio De Langes Privatleben wurde ein wenig zu ausführlich behandelt. Wenn der Roman mehr Seiten umfasst hätte, wäre es nicht weiter ins Gewicht gefallen, aber bei der Proportionierung der Kapitel fällt es auf. Es war sehr interessant über das Leben auf dem Lande zu lesen und welche Auswirkungen die drei Hippies in der Dorfgemeinschaft auslösten. Die Geschichte habe ich sehr gerne gelesen, obwohl es sich weniger um einen richtig guten, spannenden Krimi handelte und die Luft raus war, als bekannt war, was das Verschwinden der jungen Frau ausgelöst hatte.

Wer hier mit einer richtig spannenden Kriminalgeschichte rechnet, wird enttäuscht werden, aber die Geschichte ist interessant genug, dass es sich lohnt sie zu lesen.

09.02.2009 14:52:13
subechto

Ich habe fast alles von Cora Stephan alias Anne Chaplet gelesen.

Den Frankfurt-Krimi "Sauberer Abgeng" von ihr fand ich klasse! Sie ist eine tolle Erzählerin.

"Schrei nach Stille" hat mir aber fast genauso gut gefallen. Manchmal ein wenig langatmig, kein richtiger Krimi eben, aber nicht minder empfehlenswert!

16.01.2009 12:07:26
villawiebke

Anne Chaplet erzählt in ihrem Buch „Schrei nach Stille“ eine Geschichte, die in 2 Zeitebenen spielt. Es ist das Jahr 1967 als ein Hippie-Trio in das Dorf Klein Rhoda zieht, zu einer Zeit, in der Selbstverwirklichung, LSD und Räucherkerzen zelebriert werden. Ihre Vorstellung von der Verwirklichung der freien Liebe stößt auf massiven Widerstand bei der überaus prüden Dorfbevölkerung und es kommt zu Übergriffen, die ihr abruptes Ende finden, als eines der Blumenkinder spurlos verschwindet.

40 Jahre später kauft die Autorin des Bestsellers „Summer of Love“, Sophie Winter, ausgerechnet das Haus in Klein Rhoda, in dem damals die Hippies gewohnt haben und reißt damit alte Wunden wieder auf. Die misstrauischen und starrköpfigen Einheimischen fühlen sich durch die Fremde in ihrer Dorfidylle empfindlich gestört. Und so dauert es nicht lange, bis unheimliche Vorkommnisse das Leben der Autorin durcheinander bringen. Immer öfter wird die Frage nach dem verschwundenen Hippiemädchen gestellt, aber das Dorf schweigt.

Bereits auf den ersten Seiten Buches fand ich es faszinierend, ja eigentlich genial, wie die Autorin es versteht, die Stimmung in dem alten Haus zu schildern, wie sie mit bildhafter Sprache und Atmosphäre spielt. Aber auch die persönlichen Befindlichkeiten der Dorfbewohner kommen in diesem Buch nicht zu kurz. Ein typischer Dorfkrimi eben, der durch spießige Bewohner und dörfliche Regeln sein Leben eingehaucht bekommt.

„Schrei nach Stille“ ist vielleicht nicht der spannungsgeladene Krimi, den die Thrillerfans unter uns bevorzugen, aber ein Buch, das es in sich hat.

08.11.2008 22:20:10
Binea

Verruchtes Cover, gegensätzlicher Titel.
… klingt nach einem spannendem Buch, welches Erfolg haben könnte. Obwohl ich keine Krimis bevorzuge, da mir die meisten zu Seicht sind, muss ich sagen das mir bei diesem der Anfang schon mal sehr gut gefällt.
Das war meine Meinung zur Leseprobe - nun hab ich das ganze Buch gelesen, besser gesagt in fast einem Ritt verschlungen.
Der Anfang des Buches beginnt mit einer ausführliche Beschreibung der Umgebung, der Geräusche, Gerüche, Gefühle.ein gelungenes Kopfkino, was mich durch diese wunderbare Schreibweise zu 100 Prozent in dem Buch versinken lies.
Sophie Winter, die Autorin des Buches "Summer of Love" wohnte bereits in der Hippi-Zeit in Klein-Rhoda, dem Ort der die größte Rolle in Ihrem Leben spielt. Schon damals wohnte Sie, bekannt als Angel, mit der schönen Sascha und Charles in dem scheinbar verfluchtem Haus. Bereits in der Hippizeit waren Sie dem ganzen Dorf ein Dorn im Auge, da Sie für Unruhen sorgten. Als nun auch noch Ihr erfolgreiches Buch verfilmt wird und Sie in das Geisterhaus zurückkehrt, werden die Nachbarn/Dorfbewohner aufmerksam und erinnern sich an den Sommer 68. Plötzliche Fragen treten auf und Sophie Winter ist Gesprächsthema Nr. 1. Der Polizist DeLange, welcher als Berater am Filmset tätig ist, lernt Sophie Winter kennen und merkt das etwas nicht stimmt.
Erzählt Sie in Ihrem Buch eine frei erfundene Geschichte oder doch über Ihre Vergangenheit? Wo ist der seit ein paar Tagen vermisste Luca? Was ist mit Sascha passiert, dem Hippi-Mädchen, dass seit 40 Jahren als vermisst gilt ? Kann die Akte Alexandra Raabe doch noch geschlossen werden? Fragen über Fragen welche beantwortet werden wollen.
In den Vier sorgfältig ausgewählten Abschnitten des Buches - Nach dem Sturm, Nach der Liebe, Vor dem Schnee, Vor der Stille - werden nach und nach die Zusammenhänge der drei Protagonisten deutlich. In einer fesselnden Erzählweise und kurzen aber aussagekräftigen Kapiteln wird der Leser gefesselt und erst am Schluss wird Licht ins Dunkel gebracht.

Die Autorin Anne Chaplet (Cora Stephan) lebt in Oberhessen und erhielt bereits zweimal den deutschen Krimipreis. www.anne-chaplet.de

Fazit: Ein sehr zu empfehlendes Buch was aufgrund der oft unheimlichen und düsteren Atmosphäre dem Leser eine Gänsehaut beschert.

08.11.2008 18:24:26
sapkowski

Da mir das Buch zu teuer war und meine Bibliothekarin es mir sehr ans Herz legte,habe ich es in der Bücherei ausgeliehen.
Anfangs hat mich die Geschichte noch nicht so gepackt, zu bildhaft und langsam ging es los.
Aber je weiter ich gelesen habe, umso spannender wurde es. Es gibt in dem Buch mehrere Handlungsstränge, die immer wieder mal überlappen,was teilweise verwirrend war,aber trotzdem zur Spannung beihalf.
Die Autorin schreibt direkt, realistisch, trifft hin und wieder mitten ins Herz, den Nagel auf den Kopf und sie bringt einem oft zum Schmunzeln. Die Charaktere, vor allem Jo DeLange, gut ausgearbeitet und glaubhaft. Zum Schluß werden die gesponnenen Fäden gekonnt miteinander verknüpft.Die Auflösung war anders als ich es erwartet hatte, aber dennoch in sich schlüssig.und das Ende lies mich das Buch schließlich zufrieden zuklappen.
Dies war mein erster Roman von Anne Chaplet und vielleicht auch nicht mein letzter.
Für alle Fans von guten Krimis kann ich dieses Buch sehr empfehlen.

27.10.2008 22:18:43
LilStar

"Schrei nach Stille" behandelt die Geschichte des Sommers 1968 in dem drei Hippies das kleine Dörfchen Klein-Roda mit ihrer ungewöhnlichen Lebensphilosophie aufmischen, was den Dorfbewohnern natürlich überhaupt nicht recht ist.
40 Jahre später schreibt Sophie Winter, eine der damaligen Hippies, ein Buch über ihre Sicht der Ereignisse aus dem Jahr 1968, das für viel Wirbel sorgt. Als sie dann auch noch in ihr altes Haus von damals zieht, geschehen merkwürdige Dinge und ein Kind verschwindet. Paul Bremer und Hauptkomissar DeLange ermitteln unabhängig voneinander und decken die wahren Geschehnisse des damaligen Sommers auf.

Zunächst einmal sei gesagt, dass das Buch der bereits fünfte Teil einer Reihe rund um Paul Bremer ist. Für jemanden, der die Vorgänger nicht kennt, ist es recht schwierig ins Buch rein zu kommen, da viel Hintergrundwissen einfach vorrausgesetzt wird. Für mich war es leider so. Ich kannte die bisherigen Bände nicht und konnte bis ca. zur Mitte des Buches mit den meisten Hauptpersonen nichts anfangen, ausgenommen DeLange, der wohl in diesem Band erstmalig auftritt. Dieser wurde von der Autorin gut beschrieben.
Das Buch wird generell aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt. Zunächst einmal aus der Sicht von Sophie Winter. Diese Passagen sind ein wenig wirr und konfus und obwohl diese Person wohl die einzige erzählende ist, die eigentlich das komplette Wissen über alle Geschehnisse haben müsste, erfahren wir von ihr nur wenig konkretes.
Paul Bremer, der in Klein-Roda lebt, bringt ein wenig Einblick ins Dorf und seine Bewohner und deren Sicht der Geschehnisse des Jahres 1968.
Der neue Ermittler DeLange klärt dann schlussendlich nahezu den kompletten Fall. Als Nebenhandlung geht es noch um sein Privatleben mit seinen Töchtern und seiner (Ex)-Frau, was eigentlich überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun, dem aber doch große Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Zu erwähnen sei noch der Schreibstil von Chaplet. Dieser ist nämlich ein ungewöhnlicher, woran wahrscheinlich nicht jeder Freude haben wird. Mir hat dieser abgehackte Stil soweit gut gefallen, nur an einigen Stellen störte er mich ein wenig, vor allem dann, wenn der vorherige Text unglaublich flüssig war und dann nur noch abgehackte Sätze kamen.
Ansonsten beschreibt Chaplet sehr bildreich und nüchtern die Umgebung, so dass sich der Leser gut in die Umgebung einfühlen kann.

Der Schluss war mir persönlich an einigen Stellen zu vorhersehbar und an anderen Stellen nicht allzu gut nachvollziehbar.

24.10.2008 11:34:15
sassenach

Vergessen ist Gefahr und Gnade zugleich

Das dem Buch vorangestellte Zitat von Theodor Heuss passt ausgezeichnet zu Anne Chaplets neustem Buch „Schrei nach Stille“.

Sophie Winter ist eine ältere Schriftstellerin, die sich vom Geld ihres Buches „Summer of Love“ ein verlassenes Haus im nordhessischen Dorf Klein-Roda gekauft hat. Die Dorfbewohner begegnen ihr mit der gleichen misstrauischen Ablehnung, wie den Hippies, die einst 1968 in diesem Haus lebten. Es wird schnell klar, dass sie nicht zufällig in dieses Haus gezogen ist und ihr Roman keine erfundene Geschichte beschreibt.

In „Summer of Love“ beschreibt sie wie 1968 drei junge Hippies nach Klein-Roda zogen, welche Konflikte zwischen den Dorfbewohnern und den Hippies entstanden und legt nahe, dass eines der beiden Hippie-Mädchen von den Einwohnern in den Tod getrieben worden wäre. Die Dorfbewohner verbinden mit diesem Haus nicht nur wegen der Hippies unangenehme Erinnerungen und begegnen Zugezogenen ohnehin nicht gerade offen und herzlich. Davon kann auch ihr Nachbar Paul Bremer ein Lied singen, denn obwohl er schon lange in Klein-Roda wohnt, gehört er nicht richtig dazu. Erst durch das Buch erfährt er, was hier 1968 geschah und einiges andere mehr, das er vielleicht lieber nicht über liebgewonnene Nachbarn gewusst hätte.

Bei der Leseprobe war ich mir noch sicher, dass ich recht schnell den Überblick über die vielen eingeführten Personen und die unterschiedlichen Erzählperspektiven haben würde. Für mich wurde das Lesevergnügen leider dadurch getrübt, dass ich gelegentlich zurückblättern musste, um den Überblick zu behalten. Hätte ich die Lektüre nicht mehrmals für einige Tage unterbrechen müssen, wäre das sicher anders gewesen. Die oft fehlende Kennzeichnung von wörtlicher Rede und den SMS trug zur Verwirrung bei.

Für mich ist „Schrei nach Stille“ nicht wie auf dem Klappentext versprochen: „Ein eindringliches Porträt der Bundesrepublik in einer ihrer größten Umbruchsphasen (...)“, sondern ein sehr gelungenes Porträt des Lebens in einem Dorf vor vierzig Jahren und heute. Die Nebenhandlung nimmt soviel Raum ein, dass es sich meiner Ansicht nach nicht um einen Krimi handelt, sondern um einen (sehr lesenswerten) belletristischen Roman.

Ein sehr beeindruckendes Buch, das ich gerne gelesen habe und auch schon weiterempfohlen habe.

03.10.2008 21:05:20
Karin

Schrei nach Stille – Anne Chaplet

„Summer of love“ – so lautet der Titel des Romans von Sophie Winter.
Und was in diesem Sommer der Liebe 1968 passiert ist, davon handelt der neueste Roman von Anne Chaplet.
Sophie Winter ist vor kurzem nach Klein-Roda gezogen, in das geheimnisvolle Haus, welches eine unheilvolle Vergangenheit hat, über die die Einwohner des Dorfes lieber den Mantel des Vergessens ausbreiten.
Sie ist bei den Nachbarn nicht beliebt, wird geschnitten und ausspioniert. Und bald passieren die ersten seltsamen Dinge.

Und dies alles muss mit den Ereignissen des Jahres 1968 zusammenhängen.

Zeitgleich verschwindet ein Junge aus dem Dorf, in Frankfurt lernen wir den neuen Protagonisten Giorgio DeLange kennen, Paul Bremer wird in Klein-Roda in das Geschehen mit hineingezogen, die Fäden laufen zusammen – bis zum bitteren Ende.

Mir war nicht bewusst, dass es sich bei „Schrei nach Stille“ um den neuesten Teil einer Serie von Anne Chaplet handelt. Von daher war der Einstieg nicht unbedingt einfach, es fehlte einem teilweise einfach das Vorwissen um die Hauptpersonen wie Bremer und Karen Stark.
Das hat sich aber ziemlich schnell gelegt und ich war von dem Buch und dem Schreibstil von Anne Chaplet begeistert. Kurze Kapitel, eigenwillige Einschiebungen wie SMS Dialoge, Gedankengänge usw. haben für mich die Spannung erhalten und für kurzweiliges Lesevergnügen gesorgt.
Zudem hat mich DeLange ziemlich begeistert, ich finde, er ist ein gelungener und ausbaufähiger Protagonist.
Anne Chaplet versteht es, Charaktere glänzend zu schildern und aufzubauen. Vieles steckt hier im Detail, man sollte das Buch aufmerksam lesen und sich keine Hinweise entgehen lassen.

Für mich war dieses Buch der Anreiz, nun nach und nach auch die weiteren Teile der Serie lesen zu wollen.

29.09.2008 23:08:09
annaw

Zum Glück haben sich meine Vermutungen nicht erfüllt. Das Haus, das am Anfang der Geschichte so unheimlich und gruselig beschrieben wird, ist nicht der wahre Mörder! Ob es überhaupt einen Mörder gibt, wird der Leser erst am Ende des Kriminalromans erfahren und bis dahin verfolgt er die Geschehnisse aus der Perspektive von drei Protagonisten: der Bestsellerautorin Sophie Winter, ihres neuen Nachbars Peter Bremer sowie des Polizisten Giorgio DeLange.



Sophie Winter, eine ältere Dame, wohnt erst seit einem Jahr in dem hessischen Dorf Klein-Roda, doch schon jetzt mutet sie ihren Mitbürgern einiges zu. Nicht nur dass sie in ihrem berühmten Buch „Summer of Love“ ein falsches Licht auf ein Ort wirft, das haargenau auf Klein-Roda passt. Die Ereignisse die sie beschreibt, sind teilweise echt und fanden bereits 1968 statt. Was am Anfang nur wenige wissen, Sophie, damals noch ein wachechter Hippie, bewohnte schon vor 40 Jahren dasselbe Haus. Mit ihren Freunden Sascha und Charlie schockierte sie die damaligen einfachen Landbewohner. Man müsste nicht lange warten bis sich die Wut der Dorfgemeinde in Taten umgewandelt hat. Am Ende verschwand die bildschöne Sascha spurlos und auch die Geschichte schien in Vergessenheit zu geraten.



Nicht nur das Auftauchen von Frau Winter macht den Menschen zu schaffen. Man macht sich auch Sorgen über das Verschwinden des kleinen Luca, der schon seit ein paar Tagen vermisst wird. Bremer fängt an, einen Detektiv zu spielen, dabei muss er einsehen, dass er obwohl schon länger in Klein-Roda wohnt, von den meisten Bauern doch als Fremder behandelt wird. Nur der pensionierte Kommissar Kosinski, der den Fall 1968 erlebt hat, gibt überraschenderweise zu, dass er damals nicht seinen Pflichten nachgegangen sei, sondern die gemobbten und gehänselten Opfer als Täter eingestuft hat. Anders der Polizist, der sich jetzt um den Fall kümmert. DeLange handelt vorerst auf eigene Faust. Dabei verlässt er sich oft auch seine „Nase“ und liegt damit auch meistens richtig.


Die Autorin hält die Spannung in Grenzen, was aber bei einem Kriminalroman, der sich überwiegend in einem Dorf abspielt, recht passabel sei. Sie weiß sehr gut, wie sie die Fäden zwischen den Charakteren verbinden soll. Jedes Auftreten ist ziemlich gut überleget und sinnvoll. 

Was mich in dem Roman stört ist die oberflächlich dargestellte Sorge um den vermissten Luca. Obwohl der Junge schon seit Tagen verschwunden ist, glauben die meisten Dorfbewohner, dass dem Jungen nichts passiert ist. Ob sich ihre Ahnungen erfüllen oder nicht, bisschen mehr Gefühl wäre mir dort lieber. Auf einer anderen Stelle des Romans finde ich das unnötige Hervorheben der seltenen Krankheit von Frau DeLange übertrieben und sogar zwecklos.


Verwirrend erscheint am Ende die Antwort auf die Frage, warum Sophie wiedergekehrt sei. Viele Gründe scheinen stimmen und dann wieder nicht. Aus Rache, aus Sühne, um nicht zu vergessen oder um sich doch zu erinnern? Die Autorin lässt einen nachdenklichen Leser zurück. 

Viel Blut wird auf den Seiten des Buches nicht vergossen, stattdessen erwartet die Leser ein Plot, der in einer heimischen Atmosphäre eine Geschichte darstellt, die gutmöglich passieren könnte und dessen Ende überraschend aber glaubwürdig zugleich ist.

18.09.2008 15:53:28
kiki

Vor vierzig Jahren war der "summer of love" und die Schriftstellerin Sophie Winter zieht es nach all den Jahren zurück in das Dorf und das alte verwunschene Haus. Was passierte damals? Heute verschwindet ein Kind, 1968 eine junge hübsche Frau. Paul Bremer und Giorgio deLange rollen unabhängig voneinander den Fall von damals auf. Finden sie dadurch auch den verschwundenen Luca. Ein Kriminalroman der leisen Töne, ohne Schießerei und Action und trotzdem spannend bis zum letzten Satz.

12.09.2008 10:32:39
-ina-

Inhalt:
Sophie Winter hat sich ein kleines Haus in Klein-Roda in Hessen gekauft. Kaum jemand weiß warum sie ausgerechnet jetzt wieder hier auftaucht. Giorgio DeLange ist als Berater bei einer Filmproduktion tätig und wird auf einen ungeklärten Fall vom Jahre 1968 aufmerksam. Paul Bremer findet eine Frau die unter einem eingestürzten Baum liegt und kann sie retten. Gleichzeitig verschwindet der 12-jährige Luca und nirgends gibt es eine Spur. Wie hängt das alles miteinander zusammen?

Meine Meinung:
Das war mein erstes Buch von Anne Chaplet und aus einem Genre, aus dem ich schon länger nichts mehr gelesen hab – Kriminalromane. Dementsprechend neugierig bin ich auf das Buch gewesen.
Auf den ersten Seiten lernt man bereits viele verschieden Personen und Geschichten kennen, wobei ich mir nicht immer sicher war, wie und was zusammen gehört – das klärt sich dann aber recht rasch.
Das Buch wird aus der Sicht von 3 Personen erzählt:
1. Sophie Winter: vom Sternzeichen her Schmetterling wirkt sie doch sehr verwirrt, was sich vor allem durch oft nicht nachvollziehbare Gedankensprünge äußert
2. Paul Bremer: er ist auf ein Geheimnis unter den Einheimischen gestoßen und versucht die ganze Geschichte zu erfahren
3. Giorgio DeLange: Kriminalhauptkommissar, der als Berater bei einer Filmproduktion mitarbeitet – „Summer of Love“ (als Vorlage dient das von Sophie Winter geschriebene Buch) – stößt auf einen alten ungeklärten Fall
Ausgehend von der Leseprobe hatte ich mir vom Buch mehr erwartet.
Die Spannung konnte sich nicht wirklich aufbauen, da doch recht schnell klar wird, was es mit den Geschehnissen aus 1968 auf sich hat und die kurzen, abgehackten Sätze haben da nicht geholfen.
Auf die im Klappentext als eine der größten Umbruchsphasen der Bundesrepublik bezeichnete Zeit wird kaum eingegangen. Das Buch spielt hauptsächlich in der Gegenwart. Hippies, freie Liebe und Drogen werden nur nebenbei und oberflächlich erwähnt.

Wertung:
Ich vergebe für dieses Buch 2 von 5 Punkten, da ich mir von einem Krimi etwas anderes erwarte und von der Geschichte kaum gefesselt war.

09.09.2008 23:14:32
Stephi

Sophie Winter lebt erst seit Kurzem in Klein-Roda, einem kleinen Dorf in Hessen. Jeder kennt dort jeden, aber sie lebt sehr zurückgezogen und hat kaum Kontakt zu den Bewohnern. Es stellt sich heraus, dass sie schon einmal dort gelebt hat – nämlich 1968 in einer Hippie-Kommune. Damals wurden sie und ihre beiden Mitbewohner vom Dorf schikaniert und es deutet zunächst alles darauf hin, dass sich dies fortsetzt.
Ihre Erinnerungen an den „Summer of Love“ hat Sophie in dem gleichnamigen Buch festgehalten. Im Dorf stößt sie damit jedoch nur auf Widerstand und Ablehnung, da sich die Menschen in ihren Erzählungen wieder erkennen und bloßgestellt fühlen. So scheint auch schnell klar zu sein, wer Sophies Alltag immer wieder boykottiert.
Im Laufe des Buches werden jedoch immer mehr Einzelheiten aufgedeckt, die ein ganz neues Licht auf das Geschehen werfen...

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe bis zum Ende keinen Zugang zu diesem Buch gefunden. Leider.

Am Anfang fand ich den Schreibstil noch richtig klasse. Die Grundstimmung des Buches wurde wunderbar deutlich und der Leser wird nicht einfach in die Handlung „hineingeworfen“, sondern allmählich mit den bereits bekannten Sachverhalten vertraut gemacht. So weit so gut.

Unglücklicherweise ändert sich der Stil nicht. Das Handlung treibt vor sich hin. Die Kapitelanfänge stellen jedes Mal einen Szenenwechsel dar – das ist ja an sich kein Problem, aber dadurch ist es mir nicht möglich gewesen, in die Handlung einzutauchen. Die Kapitel sind überwiegend sehr kurz. Das macht das Lesen zwar angenehm, aber die wirklich toll ausgearbeiteten Charaktere wirken nicht wirklich.

Die Beschreibung der Personen und die Einblicke ihre Gedankenwelten gelingen der Autorin wirklich hervorragend – dies war es letztlich auch, was mich das Buch zu Ende lesen ließ. Die innere Zerrissenheit Sophies und die inneren Konflikte Bremers und DeLanges erzeugen eine Tiefe, die man selten bei Romanfiguren vorfindet. Um so bedauerlicher ist es, dass dies durch bereits erwähnte Szenenwechsel meist unterbrochen wird, um erst später irgendwann fortgesetzt zu werden.

Außerdem positiv hervor zu heben ist in meinen Augen der Aufbau des Buches. Die durchaus vorhandene Spannung wird aufrecht erhalten, da sich die einzelnen Handlungsstränge mit dem Fortschreiten der Handlung immer weiter annähern. Es ergeben sich Beziehungen zwischen einzelnen Personen, die teilweise nicht zu erwarten waren. Für Überraschungsmomente ist also gesorgt.

Dazu gehört auch das für mich überraschende Ende. Den Ausgang des Buches hätte ich so nicht erwartet. Die allmähliche Herleitung der tatsächlichen Geschehnisse verhindert einen konstruiert wirkenden Abschluss der Geschichte und wertet das Buch durchaus auf.
Dennoch ist „Schrei nach Stille“ für mich insgesamt nur durchschnittlich, da die positiven Aspekt das Negative in meinen Augen nicht gänzlich wett machen können und ich eben keinen Zugang zum Buch gefunden habe.

07.09.2008 12:21:43
dubh

Eine in die Jahre gekommene Frau kehrt zurück in ein hessisches Dorf. Das Pikante daran? Sie hat ein Buch geschrieben „Summer of Love“, das gut verkauft wurde und zudem auch noch verfilmt wird. Es erzählt auch einen Teil ihres Lebens: als junge Frau hat sie mit zwei weiteren jungen Leuten in jenem Dorf gelebt – zur Zeit der 1968er. Damals wurden die Hippies mehr als kritisch von der Dorfgemeinschaft beäugt, die mit Sex und Drogen nichts am Hut haben wollten, ja, es kam sogar zum Eklat. Eine der jungen Frauen verschwand und kehrte bislang nie mehr zurück...

Was ist damals geschehen? Sophie Winter, die Wiedergekommene, spricht - oder besser schreibt - eine eindeutige Sprache: sie unterstellt den Dorfbewohnern von damals und heute Mord. Oder noch konkreter: sie sollen die junge Frau zu Tode gehetzt und verscharrt haben.
So bleibt den Dorfbewohnern - zu denen neuerdings auch Paul Bremer gehört – eigentlich nur Verachtung für die etwas verwirrt erscheinende Autorin, zumindest aber Nichtachtung für den Rufmord, den sie verfasst hat. Folglich muss sich dann auch der Neuling im Dorf, Paul Bremer, um Sophie Winter kümmern, als ein Sturm die Bäume ihres Gartens entwurzelt und ihr Dach zerstört hat. Dabei findet er jede Menge Erinnerungszettel im Haus und anschließend die Besitzerin unter einem Baum eingekeilt, glücklicherweise aber nur leicht verletzt.

Außerdem ereignet sich ein weiterer 'Fall': ein Junge aus dem Dorf verschwindet und alle nehmen Anteil daran – ganz anders als damals, beim unbeliebten Blumenkind. Aber der Fall von damals wird durch einen Zufall neu aufgerollt: ein neuer Kriminalhauptkommissar macht mit Hilfe der Staatsanwältin Karen Stark (und gleichzeitig auch Paul Bremers gute Freundin) eine Entdeckung...

Anne Chaplet hat diese ganz eigene Sprache, die mich schon bei ihren vorhergegangenen Romanen so fasziniert hat: eine bilderreiche, präzise Sprache mit teilweise sehr knappen Sätzen. Dadurch werden ihre Geschichten stimmungsvoll und dicht. Wer allerdings auf blutige, rasante Krimis und Thriller steht, kommt hier vermutlich nicht so sehr auf seine Kosten. Die Autorin strickt feine Kriminalromane, die Konflikte innerhalb unserer Gesellschaft beleuchten: dieses Mal pünktlich zum 40sten der 1968-Generation. Dennoch malt sie niemals schwarzweiß oder erklärt uns als LeserInnen gar die Welt – nein, sie erzählt von der damaligen Zeit und lässt manches auch im Dunkeln, zeigt Gegensätze damals wie heute auf und schreibt irgendwie auch einen politischen Roman. Letzteres kann sie wohl mit Fug und Recht, war sie doch selbst in dieser Zeit aktiv – zum Beispiel in der antiautoritären Schülerbewegung, wie sie selbst in einem Interview erzählte.

Kurzum, 'Schrei nach Stille' ist ein sehr gut erzählter (Kriminal-)Roman mit Facetten, die über einen Krimi eigentlich hinausreichen, und erzählt von einer interessanten Zeit!

02.09.2008 13:19:58
Sonja Sorrentino

In diesem Buch handelt es sich um eine Frau, die in ihr Dorf zurück gekehrt ist, in welchem sie 1968 mit einer Frau und einem Mann als Hippie gelebt hat. Sie schreibt ein Buch über diese damalige Zeit "Sommer of Love", welches auch erfolgreich verkauft und nun sogar verfilmt wird.
Die Geschichten zeigen die damaligen und jetzigen Denkweisen, sowie das "typische Landleben" auf. Die ganze Story wird von verschiedenen Perspektiven beleuchtet, was mir sehr gut gefallen hat, obwohl ich am Anfang etwas Probleme damit hatte und einige Zeit brauchte, die verschiedenen Personen zu unterscheiden.

Insgesamt fand ich das Buch gut. Es war mein erstes von Anne Chaplet und es wird sicherlich nicht das letzte sein. Ich finde, man kann dieses Buch der Serie um Bremer gut lesen, ohne die Vorgängerteile gelesen zu haben.
Ich hatte am Anfang etwas Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen, da der Sprachstil von Fr. Chaplet doch etwas Besonderes ist. Nicht so gut fand ich die etwas sehr kurzen Sätze.

Allgemein zum Buch kann ich sagen:
Das Cover fand ich schön, wirkte auf mich aber etwas amerikanisch. Ich weiß nicht warum. Ich hatte, obwohl ich die Leseprobe schon gelesen hatte, lange das Gefühl, dass der Schauplatz USA ist. Fragt mich bitte nicht warum. Aber nach einigen Seiten hat es sich geändert.
Ich mag gerne kurze Kapitel, diese waren für meinen Geschmack fast ein wenig zu kurz, aber passte schon. Ich finde, da liest man ein Buch schnell weg.

Eine negativer Punkt war für mich der Name Sascha für eine Frau. Ich mag den Namen schon für Männer nicht und für Frauen erst recht nicht. Aber das ist ja subjektiv. Wollte es nur mal gesagt haben.

29.08.2008 16:52:16
dyabollo

Das Buch
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Ich muss gestehen das Bild auf dem Schutzumschlag erinnert mich eher an die Grufti Generation der 90er Jahre als an die 68er und ist zusammen mit den roten Lettern und dem Titel eher etwas abschreckend. Die Bezeichnung Kriminalroman verbilligt das ganze noch etwas mehr und würde so niemals in meinen Händen landen! In diesem Fall habe ich gelernt meinen Augen zu misstrauen, denn auch der Text auf der Rückseite ist ein wenig verwirrend und gibt nicht den Tatsächlichen Ablauf der Romans wider. Warum ich es dennoch gelesen habe? - Alleine der Schreibstil hat mich überzeugt!

Inhalt
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Eine ältere Dame zieht, nachdem sie ein Buch veröffentlicht hat, in ein kleines Dorf in Hessen. Keiner will sie dort haben obwohl sich das Buch sehr erfolgreich verkauft. Es liegt nicht daran, dass die Einwohner neidisch sind und auch nicht an der Tatsache dass es in ihrem Haus spuken soll. Vielmehr ist es das Buch was die Nachbarn so unruhig werden lässt, denn es erzählt die Geschichte von zwei Frauen und einem Mann die sich in den wilden 60ern für freie Liebe aussprechen und von einem ganzen Dorf gemobbed werden. Das Buch endet mit einem Mord. Ein älterer Polizist liest ebenfalls diesen Bestseller und erinnert sich an einen Fall der sich wohl so ähnlich zugetragen haben soll - in einem Dorf in Hessen. Mit nur einem kleinen Unterschied: In Wirklichkeit gab es keinen Mord sondern eine Vermisstenanzeige und die junge Frau wurde niemals gefunden. Woher kennt die Schriftstellerin die ganzen Details und steckt hinter ihrem Buch die ganze Wahrheit?

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Chaplets Schreibstil ist so ausschmückend und faszinierend schön, dass es mir am Anfang gar nicht erst um die Geschichte ging. Die Worte der Autorin lassen Bilder vor den Augen entstehen. Dieses Buch liest sich nicht, es spielt ein großes Kino. Eine faszinierende Geschichte: spannend, unterhaltsam und niemals langweilig.

Gleich zu Beginn wird der Leser in das kleine hessische Dorf entführt in dem die Nachbarn von Sophie Winter - der Bestsellerautorin - so unvorstellbar kalt und unfreundlich wirken, dass man automatisch Mitleid mit der älteren Dame bekommt.
Man lernt Kapitel für Kapitel die wichtigsten Nachbarn aus ihrer eigenen Perspektive kennen jedoch bleiben die Tatsachen noch unangetastet, nur das düstere Gefühl macht sich breit. Jedes Kapitel verändert die Geschichte und so nach und nach fügen sich die Puzzleteile zusammen. Dadurch bleibt die Geschichte niveauvoll und spannend bis zur letzten Seite. Niemals vergisst die Autorin ihre ausschmückenden Details.

Anne Chaplet liebt es zu schreiben und sie liebt ihre Geschichte das spürt man in jedem Wort, desto eigenartiger kam mir ab und zu ihre Wahl der Worte vor die nun gar nicht zu ihrem gehobenen Schreibstil passen wollten: “Er kriegte einen Job” - Warum “bekam” er ihn nicht? Dieses “kriegte” anstelle von bekam oder noch schöner erhielt brachte mich wirklich zum Nachdenken. Vielleicht redet man in Hessen so? Ich weiß es nicht und möchte es auch nicht kritisieren, denn jeder Mensch hat seinen eigenen Stil und vielleicht mag Anne Chaplet lieber etwas kriegen als es zu bekommen?
Mehr habe ich weder an der Geschichte noch an dem Schreibstil von Anne Chaplet, die in Wirklichkeit Cora Stephan heißt, nicht auszusetzen. Im Gegenteil: Das Buch ist wirklich sehr gut durchdacht denn es funktioniert genau so wie es sollte. Ich schreibe absichtlich dass es funktioniert, denn das Buch ist aufgebaut wie ein guter Film: Der Regisseur versucht Gefühle zu erzeugen. Wenn er möchte dass wir einen Menschen lieben und mit ihm leiden so zeigt er seine Umgebung auf eine Art die uns dazu zwingt diese von ihm auserkorene Person zu lieben. So macht es auch Anne Chaplet und man ist wirklich erschüttert wenn man am Ende eine bittere Enttäuschung erlebt - nicht weil das Buch so schlecht ist, sonder weil Anne uns dazu zwingt jemanden zu lieben der letztendlich keine Liebe verdient oder vielleicht doch? Finden Sie es am besten selbst heraus!

Ich empfehlen dieses Buch Menschen die mehr wollen als einen Krimi und vor allem denen die keine Krimis mögen - nach diesem Buch werden sie zumindest einen Kriminalroman lieben! So wie ich :)

28.08.2008 19:37:03
Buecherfan

Ein verhängnisvoller Sommer

Zum Inhalt:

Sophie Winter, eine erfolgreiche Schriftstellerin Anfang 60, bewohnt seit einiger Zeit in Groß-Roda, Oberhessen, ein verfallenes Haus. Hier lebten vierzig Jahre zuvor drei junge Hippies, die den Dorfbewohnern mehr als unwillkommen waren. Als sich auch noch ein Mädchen aus dem Ort mit den unkonventionellen Zugezogenen anfreundete, eskalierte die Situation. Kurz darauf verschwand ein weibliches Mitglied der Hippiegemeinschaft spurlos. Sophie, die in ihrem Buch die Dörfler des Mordes an der Vermissten anklagt, versucht die damaligen Schuldigen durch ihre Anwesenheit zu provozieren. Denn sie kennt die Geschichte nicht nur aus zweiter Hand. Ihr Nachbar Paul Bremer interessiert sich ebenfalls für die Wahrheit und auch ein Kommissar aus Frankfurt wird durch Zufall in den Fall hineingezogen. Zeitgleich verschwindet ein Junge aus dem benachbarten Klein-Roda und die Ereignisse überschlagen sich...

Meine Meinung:

"Schrei nach Stille" hebt sich wohltuend vom üblichen Krimi-Einheitsbrei ab. Anne Chaplet gelingt es grandios, die Mechanismen des dörflichen Zusammenlebens zu entlarven. Auch die Diskrepanz zwischen Landbevölkerung und den zugezogenen Städtern sowie die sich daraus zwangsläufig ergebenden Konflikte sind sehr gut herausgearbeitet. Nach der Lektüre hat man für die Haltung beider Seiten Verständnis. Eine Gut-Böse-Konstellation ist in diesem Buch nicht zu finden. Neben den sozialkritischen Aspekten ist der Roman aber vor allem eins, nämlich sehr spannend. Und das, obwohl die Autorin auf die gängigen Blutbade gänzlich verzichtet. Statt dessen durchziehen mysteriöse Vorkommnisse das gesamte Buch und durch die für einen Krimi ungewöhnlich plastischen Naturbeobachtungen wirken Sophies Haus und seine Umgebung sehr lebendig und bedrohlich. Chaplets Sprache ist sowohl bildreich als auch fantasievoll, was das Lesen sehr interessant gestaltet. Es gibt im Ganzen drei Personen aus deren Sicht die Geschehnisse erzählt werden. Neben der geheimnisvollen Hauptfigur Sophie Winter wären da noch der ehemalige Werbefachmann Bremer, der erst seit kurzem in der Gegend wohnt und Kommissar Giorgio DeLange. Man erfährt viele persönliche Details aus dem Leben der drei, die die Geschichte angenehm auflockern. Ziemlich schnell wird klar, dass Sophie Probleme mit ihrem Gedächtnis hat. Der Grund dafür wird allerdings erst auf den letzten Seiten ersichtlich, vorher hängt der Leser etwas in der Luft. Am Schluss verbinden sich die einzelnen Handlungsstränge sinnvoll miteinander und die Auflösung der beiden Vermisstenfälle ist überraschend und anders als erwartet, jedoch sehr passend.

Fazit:

Ein stimmungsvoller Kriminalroman mit einer gelungenen Spannungskurve und mystischen Elementen. Sehr zu empfehlen!

27.08.2008 23:37:15
Moehrchen

Schrei nach Stille - Sommer of Love aktualisiert
Klein-Rhoda, ein kleines Dorf in Oberhessen. Dort steht die Dorfgemeinschaft noch eng zusammen; etwas das jeder Zugezogene zu spüren bekommt. Vor 40 Jahren ist hier eine auswärtige Frau spurlos verschwunden. Was ist damals passiert und welches dunkle Geheimnis umweht Sophie Winter, eine zugezogene Schriftstellerin, die in dem Haus lebt, in dem auch die verschwunden Frau früher gelebt hat? Paul Bremer, der "Hilfssheriff" des Ortsvorstehers - auch schon bekannt aus früheren Büchern der Autorin - und der Polizist Giorgio DeLange versuchen unabhängig von einander hinter das Geheimnis zu kommen.

Am Anfang empfand ich die allzu ausufernde Erzählweise der Autorin als störend: Personen - nicht wenige - werden in aller Deutlichkeit beschrieben, deren Gedanken und Gefühle teilweise recht deutlich hervorgehoben und dadurch war es recht schwer in das Buch hinein zu kommen. Immer wieder fragt man sich am Anfang, warum die Autorin es für wert erachtet, scheinbar überflüssige Dinge dem Leser näher zu bringen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass genau diese Erzählweise für den Roman sehr wichtig ist. Zum einen lernt man die Protagonisten und deren Verhaltensweisen besser kennen - die Bewohner von Klein-Rhoda sind mir so schon fast ans Herz gewachsen - zum andern trägt der Erzählstil wesentlich zu der dichten Atmosphäre des Buches bei.

Ich bin mir nicht ganz sicher, welchem Genre ich das Buch zuordnen soll: ist es ein Krimi, eine Gesellschaftsstudie oder einfach nur eine Zeitreise in die nicht allzu rühmliche Vergangenheit? Oder einfach alles zusammen? Egal das Buch ist gut und das ist die Hauptsache!

27.08.2008 11:35:26
Auglia

Vergessen ist Gefahr und Gnade zugleich

Inhalt des Buches:
In den 68-er Jahren ziehen zwei Frauen und ein Mann als Kommune in ein Haus, das schon früher negative Schlagzeilen machte, seitdem wird es „Heinrichs-Verhängnis“ genannt Dies geschieht in dem kleinen Dorf Klein-Rhoda, den Einheimischen sind die drei wie Dorn im Auge, denn es galt damals als unerhört, wenn ein Mann mit einer Frau zusammenzog ohne verheiratet zu sein. Eine der zwei Frauen verschwindet spurlos, doch keinen interessiert dies, alle es zu vergessen. Das Buch erzählt aus drei Blickwinkeln, aus dem von der Buchautorin Sophie Winter, die genau obenerwähnte Geschichte aufgeschrieben hat, aus dem von Paul Bremer, der zufällig von dem ganzen erfährt und aus dem Blickwinkel von Georgio, Jo, DeLange, einem Polizisten der Polizei, der bei der Verfilmung des Buches von der Autorin Sophie Winter als Berater tätig ist. Sophie Winter spielt dabei ein besondere Rolle, denn sie hat den Roman geschrieben hat und nur sie weiß, was wahr und was gelogen ist…

Zur Autorin:
Anne Chaplet wohnt mit drei Katzen in Oberhessen, Frankfurt am Main und Südfrankreich. Laut ihrem Pass heißt sie Cora Stephan und hat als promovierte Politikwissenschaftlerin und Historikerin zahlreiche Sachbücher verfasst. Für ihre Romane erhielt sie zweimal den Deutschen Krimipreis sowie den Krimipreis von Radio Bremen.
Weitere Informationen zur Autorin gibt’s unter: www.anne-chaplet.de

Aufmachung:
Auf dem Buchcover findet sich ein Gesichtsausschnitt, der die Nase und ein Auge zeigt. Die Person ist stark geschminkt, vor allem das Auge ist ganz und gar mit schwarzem Lidschatten umrundet. Wer das Buch gelesen hat, weiß, dass die Aufmachung auf den Inhalt passt.
Der Titel „Schrei nach Stille“ scheint eigentlich ein Widerspruch in sich, denn wenn man Stille verlangt, wieso sollte man dann schreien, dann erhält man ja keine Stille. Andererseits könnte man sich vorstellen, dass es sich um einen verzweifelten Schrei handelt, der unbedingt nach Stille fordert und nicht erreicht werden kann. Zum Inhalt passt der Titel natürlich insofern, da Sophie Winter sich auch nach Stille bzw. Vergessen sehnt.

Eigene Meinung:
BUCHKULTUR/ August,September 2008/Sylvia Treudl
»Anne Chaplet (hat) einen wunderbaren neuen Krimi vorgelegt, der in bewährter Weise subtil arbeitet und auf genial verquickte Weise das Setting eines Dorfes der Gegenwart... und die sehr spezielle Rückschau auf die Flower-Power-Tage zusammenbringt. «
Dieser Kommentar kann ich nur zustimmen.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich anfangs Probleme hatte mich in das Buch hineinzufinden. Es lag nicht am Inhalt, keineswegs, viel mehr an den Personen, die in ursprünglich noch sehr durcheinanderbrachte. Wahrscheinlich wäre es von Vorteil gewesen die vorherigen Teile der Reihe zu lesen, in denen die Personen vorgestellt werden.
Die Sprache fand ich anfänglich noch sehr gewöhnungsbedürftig. Die kurzen Sätze, dann wieder nur ein Wort und ein Punkt usw. Doch mit der Zeit konnte ich mich immer besser in die Geschichte und die Personen hineindenken, da störte mich die Sprache dann nicht mehr, ganz im Gegenteil sie fing an mir zu gefallen.
Am Anfang verlaufen mehrere Handlungen parallel und man weiß nicht gleich, dass diese miteinander verbunden sind. Die Auflösung der ganzen Geschichte hat mich ebenfalls überrascht, aber sie war dennoch gelungen. Wobei bei mir noch einige Fragen offen bleiben z. B. was der Mann bei der Beerdigung meint, wenn er sagt: „Ich nehme Abschied, von einer, die schon damals nicht gewusst hat, dass es mich gibt.“
Anfänglich fehlte es dem Buch etwas an Spannung, welche den Leser an das Buch fesseln könnte. Doch mit zunehmender Handlung und Verstrickung nahm die Geschichte an Fahrt zu und ich konnte das Buch kaum aus den Händen geben.
Ich habe schon lange keine Buch mehr gelesen, dass mich nach beenden so zum Nachdenken anregt.

Wer ein Buch sucht, das zum Nachdenken anregt, in einer ländlichen Gegend mit viel Atmosphäre spielt und einen Krimi, der sich langsam entfaltet und wirklich hätte passiert sein können, der ist mit „Schrei nach Stille“ bestens bedient.

Ich vergebe 9 von 10 möglichen Punkten.

26.08.2008 17:14:15
Manuela2205

Ungewöhnlicher Krimi

„Schrei nach Stille“ ist ein untypischer Krimi – es gibt keine Leiche um die herum ermittelt wird. Stattdessen findet man sich wieder mit einer älteren Frau in einem alten, leicht baufälligen Haus, einem verschwundenen Kind und einer Geschichte aus dem Jahr 1968:

Sophie Winter hat einen Roman geschrieben, der von drei jungen Menschen der Hippie-Bewegung handelt. Sie leben in einem kleinen Dorf ihren Begriff der freien Liebe, werden von der Dorfbevölkerung angefeindet, bis schließlich eines der Mädchen bei einer Hassattacke stirbt.
Das Haus, in dem Sophie Winter lebt, war der Schauplatz einer beinahe identischen Geschichte. Hat Sophie etwa autobiographisch geschrieben? Was ist damals wirklich passiert? Und wie passt der verschwundene Junge ins Bild?
Nur ganz langsam führen die einzelnen Erzählfäden zusammen und führen zu einem überraschenden Höhepunkt.

Dieses Buch hat mich richtig in seinen Bann gezogen, ich wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Man wartet gespannt darauf, was damals im Jahr 1968 wirklich passiert ist und ob Sophie Winter und Angel ein und dieselbe Person sind.
Ein kleiner Punkt ist mir aufgefallen: Anne Chaplet schreibt von einem schwarzweißroten Kater. Den würde ich gerne sehen… da diese Katzen immer weiblich sind. Es können zwar auch dreifarbige Kater geboren werden, aber diese sterben kurz nach der Geburt, weil sie ein Gen zuviel haben, hat mir mein Tierarzt mal erklärt.
Das ist aber nur winziger schwarzer Punkt an einem ansonsten makellosen Buch. Ich kann es nur weiterempfehlen.

26.08.2008 12:03:25
Danai

Die Bestsellerautorin Sophie Winter kommt in ein Oberhessisches Dorf, in dem sie schon 40 Jahre zuvor einen wilden Sommer lang gelebt hat. Damals endete diese Zeit tragisch, als ein Mädchen spurlos verschwand. Nun ist sie wieder da und hat über die damaligen Geschehnisse einen aufsehenerregenden Roman geschrieben. Bald verschwindet ein 12jähriger Junge. Damals wie heute wird sie von der Dorfbevölkerung, die mit den Hippies und deren Idealen schon früher nichts anfangen konnte, belauert, gemieden und misstrauisch beäugt.
Man spürt von Anfang an, dass Anne Chaplet genau kennt worüber sie schreibt, nämlich die oberhessischen Dorfgepflogenheiten. Hierüber schreibt sie sehr authentisch. Ich weiß es, ich wohne auch dort 
Mit ihrer bildhaften Sprache schafft die Autorin eine Atmosphäre, die einen gefangen nimmt. Der Leser trifft eine zutiefst einsame und verwirrte Sophie Winter, Anne Chaplets Serienheld Paul Bremer und den Polizisten Giogio DeLange. Bis alle Handlungsstränge zusammen finden, mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Am Ende lässt es den Leser nachdenklich und auch ein wenig traurig zurück, weil es doch ein sehr emotionales Buch ist.
Zu Anfang plätschert die Handlung zunächst dahin, nimmt dann aber Fahrt auf und man möchte zu gern wissen, was denn nun tatsächlich damals geschehen ist. Vor allem war ich neugierig darauf, was aus dem verschwundenen Jungen geworden ist. Obwohl ja hierzu gleich ganz zu Anfang des Romans ein Hinweis gut versteckt ist.
Leider kannte ich die Vorgängerbücher aus dieser Serie nicht. Ich denke aber, dass es sinnvoller ist, die Romane um Paul Bremer chronologisch zu lesen. Es fehlt in diesem Buch jeder Hinweis darauf, wer Paul Bremer ist und was ihn nach Klein-Roda verschlagen hat. Es tut dem Lesegenuss zwar nicht wirklich Abbruch, aber es ist sicherlich schöner mit all diesen Hintergrundinformationen noch versorgt zu sein. Man hat ein wenig das Gefühl etwas versäumt zu haben.
Mein Fazit: Ich habe einen gelungenen Krimi gelesen, der ohne Grausamkeit , technische Spielereien und die zur Zeit so populären kriminaltechnischen Wunderdinge auskommt. Mir hat es gefallen und ich werde mich als nächstes um den 1. Band dieser Reihe bemühen, denn dieser Paul Bremer ist ein äußerst sympathischer Held, von dem ich gerne mehr lesen möchte.