Sauberer Abgang

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • München: Kunstmann, 2006, Seiten: 288, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2008, Originalsprache

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Sabine Reiß
Kommt drauf an, was man draus macht!

Buch-Rezension von Sabine Reiß Nov 2005

Wegen des Lokalkolorits bin ich immer für einen Frankfurter Krimi zu haben. In etwas abgewandelter Form könnte "Sauberer Abgang" möglicherweise auch in Berlin spielen, in München oder vielleicht sogar in Köln. Aber Cora Stephan alias Anne Chaplet hat nun mal Frankfurt ausgewählt - die Bürotürme aus Beton treten im Übrigen in einer Nebenrolle auf -, und daher ist sie mit ihrem neuesten Buch auf meinem Stapel gelandet.

Mord und Totschlag im Reinigungsmilieu

Die Geschichte ist auf zwei Zeitebenen angesiedelt: 1981, da muss etwas passiert sein, aber ein Mord scheint es nicht gewesen zu sein. Zumindest aber ein einschneidendes Erlebnis. Die Morde aber passieren heute. Neben diesen beiden Zeitschienen gibt es auch noch mehrere Erzähler: Natürlich die der Hauptfigur Will Bastian. Aber ist dieser Will überhaupt die Hauptfigur? Könnte nicht auch die Staatsanwältin Karen Stark diese Rolle übernehmen? Oder was ist mit Dalia Sonnenschein, der Reinigungskraft mit dem bewegten Vorleben? Auch aus ihrer Sicht wird ein Teil der Story erzählt.

Dalia Sonnenschein arbeitet bei der Reinigungsfirma Pollux Facility Management und ist zur Zeit bei einer Bank eingesetzt. Dort findet sie eines Abends die Leiche von Marcus Saitz. Ehe sie den Mord meldet, putzt sie die das ganze Büro noch gründlich. Seltsam. Der Fall landet auf dem Tisch von Staatsanwältin Karen Stark. Die interessiert sich eigentlich eher dafür, weil sie hinter der Putzfrauenmafia her ist, die Frauen ins Land schleust und dann ausbeutet. Doch kurze Zeit später gibt es einen neuen Fall und das in ihrer nächsten Umgebung. Ihr Kollege Thomas Czernowitz, ein alter Freund von Marcus Saitz, wird ebenfalls tot in seinem Büro gefunden und Dalia Sonnenschein war auch hier in der Nähe. So langsam macht sich Will Bastian Gedanken. Wer hat seine beiden Freunde getötet?

Der Titel ist Programm

Der Titel "Sauberer Abgang" gefällt mir. Er bringt es auf den Punkt, ist treffend. Genau wie die Sprache im ganzen Buch, sie ist gängig, fließend, gut lesbar. Bei "Schneesterben", dem vorigen Krimi der losen Reihe um Karen Stark und Paul Bremer, empfand ich das als anders, der Stil war gewöhnungsbedürftig. Dort fiel mir der Einstieg viel schwerer. Auch da gab es eine dunkle Geschichte in der Vergangenheit, ein Stilmittel, das sich also wiederholt, aber die Atmosphäre war auf eine andere Art einnehmend, packender. Die Ortsbeschreibungen sind im vorliegenden Buch dennoch bildreich und treffend. Auch der gezielt und sparsam eingesetzte Humor sagte mir zu. So sagt an einer Stelle Will Bastians Vater über das Thema abgelaufenen Verfallsdaten auf Konserven:

"Na und? Das ist doch bloß eine Erfindung der Industrie, damit man alles neu kaufen muß!" Will sah ihn verblüfft an. Sein Vater, ein Regimekritiker?

Im Übrigen ist die Überschrift dieser Rezension nicht auf den Roman gemünzt. Es handelt sich dabei um ein kleines Wortspiel, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht und an den unterschiedlichsten Ecken wieder auftaucht. Mehr wird dazu nicht verraten... 

Obwohl man erst ziemlich am Ende erfährt, was 1981 passiert ist, bleibt die Spannung leider etwas auf der Strecke. Das mag vielleicht auch an der geringen Anzahl der Verdächtigen liegen, denn schon mit ein oder zwei Gedanken zum Täter hat man die Lösung, was aber keinesfalls am Weiterlesen hindert. Abwechslungsreich wird es durch die unterschiedlichen Erzähler, obwohl die Story damit gar nicht so stark vorangetrieben wird.

Sensationell, überraschend, einfallsreich, das sind alles Attribute, die auf "Sauberer Abgang nicht zutreffen. Eingängig, unterhaltsam, gut geschrieben dafür auf jeden Fall. Ein  Buch, das man gut auf einen Rutsch lesen kann.

Sauberer Abgang

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Letzte Kommentare:
15.04.2006 10:09:24
Mara

Stimmt, wir brauchen kein Blut. Wir brauchen aber auch keine Blutleere, und das ist leider die Essenz dieses Romanversuches. Blutleer die Charaktere, butleer die Dialoge, seitenweise Klischees. Diese Autorin versucht sich ja mit viel Tamtam als eine Art "Krimiqueen" zu inszenieren, was natürlich ins Auge geht, liest man ihre Bücher. Eine Autorin, die sich an einem Thema abarbeitet, statt zu erzählen. Der deutsche Krimi ist weiter, aber hier wird noch einmal alles ausgebreitet, was ihn lange Zeit so unerträglich gemacht hat. Für Cozy-Fans geht das vielleicht noch durch.

09.03.2006 20:30:09
Tabea B.

Ein wirklich gut geschriebener Krimi aus Frankfurt!
Nicht rasant, kein Showdown, noch nicht einmal viel Blut - aber eine gute Geschichte um Freundschaft und alte, offene Wunden...
Mehr als ein Krimi, der "bloß" spannend unterhalten soll! Mir gefällt er sehr gut.