Im Auftrag der Väter

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Scherz, 2007, Seiten: 444, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009, Seiten: 447, Originalsprache
  • Düsseldorf: Patmos, 2008, Seiten: 5, Übersetzt: Martina Gedeck

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Thorsten Sauer
Asymmetrischer Krieg in Freiburg

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Nov 2007

Ein alter Mann, eine Kommissarin mit Alkoholproblemen und ein asymmetrischer Krieg mitten im Breisgau. Das sind die Zutaten, aus denen Oliver Bottini seinen mittlerweile dritten Roman der Krimireihe um Louse Boni geschrieben hat. Klingt ungewöhnlich und - soviel sei vorweg genommen - es lohnt.

Der alte Krieger

Ein kleiner Ort irgendwo in der Nähe von Freiburg. Die Niemanns sind aus München hierher gezogen, um Ruhe und Sicherheit zu finden, und um sich in dem feinen Einfamilienhaus mit Blick ins Grüne ganz dem Familienleben zu widmen.

Doch eines Tages kommt ein bewaffneter Mann durch den Garten, versucht in das Haus einzudringen, bedroht die Familie, zitiert einen Bibelvers und stellt ein rätselhaftes Ultimatum.

 

"Ist mein Haus, ist nu mein Haus. Komm ich sieben Tag." 

 

Als die Polizei eintrifft, ist der Fremde längst verschwunden. Er hat überall Spuren hinterlassen, bleibt aber dennoch zunächst unauffindbar. Für eine Fahndung gibt es trotz der Spuren nur wenige Hinweise, außer der Tatsache, dass der Mann einen Akzent hatte, der ihn als Russen oder Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien ausweisen könnte.

Louise Boni, die Kriminalkommissarin und ihr Team der Freiburger Polizei stochern zunächst im Dunkeln, da taucht der Mann plötzlich auf, verschwindet jedoch wieder genauso unauffindbar wie beim ersten Mal. Wie ein alter Krieger scheint er seine Opfer in die Enge treiben zu wollen und abzuwarten, bis der richtige Moment gekommen ist. Louise Boni ahnt, dass sie schnell sein muss, um eine Katastrophe zu verhindern. Tief taucht sie in die Vergangenheit, um diesen Menschen und seine Motive Stück für Stück zu verstehen. Immer in der Hoffnung rechtzeitig einen Schlüssel zur Lösung dieses Falls zu finden. Ihre Recherche geht dabei sehr weit. Weit zurück in die Vergangenheit des Zweiten Weltkrieges und weit an den Rand Europas.

Zurück in die Vergangenheit

Jene Leser, die mit Im Auftrag der Väter zum ersten Mal einen Roman aus Bottinis Krimireihe lesen, wird eine Eigenart des Autors zunächst ein wenig verwirren. Bottini liefert zwar einen in sich geschlossenen Roman ab, doch grenzt die Geschichte unmittelbar an die des Vorgängerromans und häufig gibt es Bezüge, die in Nebensätzen auftauchen und völlig unkommentiert bleiben.

Doch nicht nur das, auch die erste Bekanntschaft mit Louise Boni fällt zunächst wahrscheinlich zwiespältig aus. Man muss erst einmal warm werden mit dieser etwas sperrigen Figur, die mehr Ecken, Kanten und Brüche hat, als Facetten, die sie sympathisch machen könnten. Da gibt es ein Alkoholproblem, das sie erst gerade eben in den Griff bekommen hat, die Stagnation ihrer Karriere, eine Freundin, die jene Lebensphase durchmacht, die Boni gerade hinter sich hat und ein Privatleben, das alles andere ist, als das aufgeräumte Familienleben der Niemanns. Doch der Zwiespalt wandelt sich schnell in Sympathie. Boni wirkt authentisch, wie sie sich da durch den Fall quält, kämpft und trotzig nach Abstürzen wieder aufsteht, um gegen den alten Krieger zu bestehen. Einen asymmetrischen Krieg nennt sie das.

Ein asymmetrischer Krieg, das ist eine Auseinandersetzung zwischen zwei Parteien, die waffentechnisch unterschiedlich stark gerüstet sind. Die hochgerüstete Polizei mit ihren Sonderkommisionen, Datenzugriffen und Beschattungsmöglichekeiten gegen den alten Krieger, der nichts hat, außer einem Plan. Der immer wieder in unerwarteten Momenten auftaucht und genauso schnell verschwindet, wie er gekommen ist. Boni ist gezwungen die Taktik zu ändern. Nicht die geballte Macht moderner Polizeimethoden führt in diesem Fall weiter, sondern sie muss sich in Geduld üben und mühsam die einzelnen Bruchstücke an Information über den alten Krieger zusammen setzen, um ihn kennen zu lernen, ihn zu verstehen und vielleicht den entscheidenden Schritt voraussehen zu können.

Geduld braucht dabei auch der Leser. Bottini hat großartig recherchiert. Er hat eine Studienreise zu den Orten unternommen, die im Roman vorkommen, mixt historische Fakten in die fiktive Geschichte und hat viel zu sagen. Für einige Leser sicher etwas zu viel, denn anders als die Inhaltsangabe vielleicht vermuten lässt, ist Im Auftrag der Väter kein Thriller um die atemlose Jagd auf einen Mörder, sondern ein feiner Roman mit Tiefgang. Einer, bei dem weniger die Jagd im Mittelpunkt steht, sondern die Figuren und das Warum der Tat. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer interessanten und mitunter aufrüttelnden Geschichte belohnt. In dieser Qualität darf Bottinis Krimireihe gerne noch lange weiter gehen.

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