Rotes Fieber

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2007
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 384, Übersetzt: Sigrun Zühlke
  • New York: William Morrow, 2004, Titel: 'Red Tide', Originalsprache
Rotes Fieber
Rotes Fieber
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Thorsten Sauer
45°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2006

Wenig inspirierter Standardreißer

Einer der Gründe, weshalb es weit mehr englischsprachige Unterhaltungsliteratur gibt, als in irgendeiner anderen Sprache, liegt - neben der Sprache selbst - auch darin begründet, dass es im angelsächsischen Raum Kreatives Schreiben als Studienfach gibt. G.M. Ford gehört zu den Dozenten dieses Fachs, die auch auf eine Reihe erfolgreicher Romane zurückblicken können. Er ist mittlerweile sogar so erfolgreich, dass er das Unterrichten aufgegeben hat. Dass man als Dozent nicht unbedingt ein erfolgreicher Autor sein muss, beweist dagegen beispielsweise James N. Frey mit "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt", der einen Überblick über das gibt, was in den einschlägigen Schreibseminaren so gelehrt wird. Von Frey soll hier zwar nicht das Thema sein, doch werden jene, die sein Buch kennen, einige der Regeln für einen verdammt spannenden Roman bei G.M. Ford geradezu exemplarisch angewendet wiederfinden. Dass das Unterfangen einen spannenden Roman zu schreiben - trotzdem oder gerade deshalb - verdammt daneben gehen kann, sei hier schon einmal vorsichtig angedeutet.

Killervirus in Seattle

Frank Corso, der einzelgängerische Schriftsteller mit dem Talent immer wieder in haarsträubende Abenteuer verwickelt zu werden, begleitet seine Freundin, die nach einem bizarren Verbrechen am ganzen Körper tätowierte Meg Dougherty, zu einer wichtigen Vernissage. Die Ausstellung soll den Höhepunkt in Megs bisheriger Karriere als Fotografin bilden, doch es kommt ganz anders.

Terrorarlarm. In einem unterirdischen Busbahnhof tötet ein bisher unbekanntes Virus über 100 Menschen. Der gesamte Stadtbezirk und die Besucher der Vernissage werden evakuiert. Im allgemeinen Chaos macht sich Corso daran, auf eigene Faust hinter das Geheimnis des unbekannten Virus zu kommen. Er wird damit allerdings selbst zu einem der Hauptverdächtigen der diversen ermittelnden Behörden. Denn Terroristen haben das Virus, das sich aufgrund gezielter Anpassung an die Einsatzbedingungen, hervorragend als Waffe einsetzen lässt, in der Hand und es droht eine weltweite Epidemie von verheerendem Ausgang.

Eine wirre Anhäufung von Zufällen und Klischees

Es passiert so einiges in Fords neuem Roman und dort, wo der Autor mit Logik nicht weiter kommt, hilft eben der Zufall, die Geschichte wahlweise voran oder in eine neue Richtung zu treiben.

 

"Ich hab mit angesehen, wie sich meine Karriere in Rauch aufgelöst hat. Ich hab jemanden, mit dem ich mal zusammen war, tot auf meinem Küchenfußboden gefunden. Irgendein Irrer hat versucht, mich mit seinem Auto tot zu fahren. Ich habe eine Schlägerei gesehen ... und wie jemand an einem Herzinfarkt gestorben ist." (S. 220)

 

Das ist nur der kleinere Teil der Zufälle die Rotes Fieber zusammenhalten und so treibt die Hauptfigur Frank Corso mehr durch die Geschichte, als dass sie logisch handelt oder gar systematisch Nachforschungen anstellt.

Leider ist nicht nur die Konstruktion der Geschichte reichlich dürftig, auch den Protagonisten fehlt es allesamt an Glaubwürdigkeit. Frank Corso stehen daher eine Reihe stereotyper Figuren zur Seite, bei denen der Autor kaum ein Klischee auslässt: Neben dem einsamen Wolf Corso, agieren einige arrogante Schnösel der Bundesbehörden FBI und CIA derart dilettantisch, dass es fast zur Katastrophe kommt. Zum Glück taucht ein besonnener Bulle aus Seattle auf, der die Sache gemeinsam mit Corso ins Reine bringen kann. Desweiteren bietet Ford noch den obligatorischen Fernsehreporter auf, der - karrierebesessen und skrupellos - zunächst gegen die Beiden agiert, aber dann doch gerade noch rechtzeitig sein Gewissen als aufrechter Amerikaner entdeckt und zu guter Letzt den Helden spielen darf. Lediglich die Terroristen sind ausnahmsweise keine Araber aber selbst das gerät Ford zum Klischee.

Insgesamt gesehen, fügt Ford daher nur einen reichlich überflüssigen und wenig spannenden Beitrag zu den bereits zahlreich vorhandenen Weltuntergangsthrillern hinzu. Wen das Thema reizt, der sollte keine großen Schwierigkeiten haben, eine lesenswertertere Alternative zu finden. Einzig eingefleischte Corso-Fans dürfen sich freuen, bekommen sie am Ende von Rotes Fieber doch bereits das erste Kapitel des - noch nicht erschienenen - nächsten Thrillers von G.M. Ford präsentiert, in dem natürlich Bezug zum aktuellen Werk genommen wird.

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