Und Feuer fiel vom Himmel

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 440, Übersetzt: Barbara Linner
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 480, Übersetzt: Barbara Linner
  • Jerusalem: Keter, 2004, Titel: 'Retsaòh, metsalmim', Originalsprache
  • Frechen: Delta Music, 2007, Seiten: 5, Übersetzt: Susanne Dobrusskin

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Sabine Reiß
Batya Gurs letzte Tat

Buch-Rezension von Sabine Reiß Nov 2005

Es wird definitiv Batya Gurs letzter Roman um Inspektor Michael Ochajon sein, den ich hier in meinen Händen halte, denn die israelische Schriftstellerin verstarb im Alter von nur 57 Jahren im Mai 2005. Ein wenig Wehmut begleitet daher die Lektüre des Buches "Und Feuer fiel vom Himmel". Sie war bekannt dafür, dass sie nicht nur hintergründige und ausgefeilte Kriminalromane schrieb, sondern auch die Probleme und Konflikte innerhalb Israels als zentrales Thema in ihren Geschichten verarbeitete. In jedem ihrer Bücher hat sie einen anderen Hintergrund gewählt, mal die Psychoanalyse, die mir besonders im Gedächtnis haften geblieben ist, mal die Musikszene oder das Leben in einem Kibbuz, oder hier die Arbeit in einem Fernsehsender.

Den Leser erwartet ein komplexes Beziehungsgeflecht

Auf die Beschreibung des Inhalts will ich aus zwei Gründen nicht allzu viele Worte verwenden: Zuviel würde offenbart, wenn man stärker in die Geschichte einsteigen würde, zu viele Details müsste man beschreiben, um die komplexen Zusammenhänge zu erläutern.

Im Gebäude des Fernsehsenders Kanals 1 des israelischen Fernsehens wird die Leiche von Tirza Rubin gefunden, erschlagen von einer Marmorsäule, die sie selbst für die Kulisse eines Films herrichten hatte lassen. Produktionsleiter Matti Cohen hatte sie als letztes in der Nacht lebend gesehen, als er auf dem Weg war, die Aufnahmen für einen Film zu stoppen, der ein zu großes Budget verschlang, der jedoch dem Regisseur Benni Mejuchas, Tirzas Lebensgefährte, alles bedeutete. Bei der Zeugenvernehmung im Polizeipräsidium bricht Matti Cohen zusammen und stirbt kurze Zeit darauf im Krankenhaus - an einer Überdosis Digoxin, wie sich später herausstellt. Das lässt den Unfall, als der Tirzas Tod zunächst eingestuft wurde, in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr schwer. Man wird als Leser mitten in das Geschehen geworfen, das mit Tirza Rubins Tod beginnt, der jedoch schnell vom sehr turbulenten Fernsehalltag im Sender verdrängt wird. Jeder Charakter wird insgesamt ausführlich dargestellt, auch wenn es am Anfang extrem verwirrend ist, mit den vielen Personen zurechtzukommen, doch nach und nach kann man ihre Rolle im Fernsehsender einordnen. Die Schilderung des Beziehungsgeflechts der Personen untereinander war schon immer die große Stärke der Autorin, die sie auch hier wieder ausgespielt hat. Man hätte sich zu Beginn dennoch einige Erklärungen mehr gewünscht. Im Vorwort schreibt sie, dass das Buch auf einer Vorlage für ein Drehbuch basiert, was vielleicht erklärt, warum diese fehlen.

Batya Gur zelebriert die Langsamkeit par excellence

Auch wenn in den vorherigen Büchern immer andere Personen als der Ermittler im Vordergrund standen, so hat man ihn dennoch ganz gut kennengelernt. Hier hat sie die Präsenz von Michael Ochajon noch etwas mehr zurückgenommen, insbesondere im Vergleich zu "Das Lied der Könige" und "Denn die Seele ist in Deiner Hand" (den beiden Vorgängern), wo er deutlich mehr involviert war.

Obwohl einige Personen im Ablauf der Handlung ihr Leben lassen müssen und das Fernsehgeschäft, insbesondere bei den Nachrichten, ein sehr schnelllebiges ist, schafft es Batya Gur, diese Geschwindigkeit und das Auftreten mehrerer Todesfälle mit einer Langsamkeit zu verbinden, die verblüffend ist. Nur wenigen Autoren gelingt es, so viele Seiten auf detaillierte Beschreibungen zu verwenden, ohne zu langweilen. Das Motiv bleibt bis zum Ende im Dunkeln, man ahnt bis kurz vor Schluss nicht im Entferntesten, wer der Mörder sein könnte und doch glaubt man zumindest zu wissen, dass nur wenige Personen dafür in Frage kommen und dass die Ursachen in der Vergangenheit liegen müssen. Batya Gurs Abrechnung mit der Geschichte findet dieses Mal erst ganz am Ende statt.

Prädikat unterhaltend? Ja, aber das mit einer Tiefgründigkeit, die man nur selten in der Krimilandschaft findet. Es überkommt mich fast Trauer, wenn mir bewusst wird, dass dies das letzte Buch israelischen Autorin ist. Die breite Masse der Leser wird sicherlich Action und Thrill vermissen, aber wer anspruchsvoll unterhalten werden möchte, der sollte an Batya Gur nicht vorbeigehen.

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