Denn am Sabbat sollst du ruhen

Erschienen: Januar 1992

Bibliographische Angaben

  • -: ?, 1989, Titel: 'Retsaòh be-Shabat ba-boòker', Originalsprache
  • München: Goldmann, 1992, Seiten: 384, Übersetzt: Margalit Zibaso
  • München: Goldmann, 1994, Seiten: 384
  • München: Goldmann, 1995, Seiten: 384
  • München: Goldmann, 1997, Seiten: 383
  • München: Bertelsmann, 2006, Seiten: 351, Bemerkung: Stern-Krimi-Bibliothek 15
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 384
  • München: Goldmann, 2009, Seiten: 384

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Peter Kümmel
Gurs Bücher sind exzellente Bücher zum Lesen, nicht zum Verschlingen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

In ihrem ersten Roman führt Batya Gur ihre Leser in die Welt der Psychologie ein. Kein Zufall, dass sie ausgerechnet dieses Gebiet für ihr Debüt gewählt hat, denn ihr Mann ist Psychoanalytiker, so daß ihr für ihre Recherchen eine kompetente Ansprechperson zur Verfügung stand.

Das Buch ist natürlich mehr Kriminalroman als Sachbuch, doch trotzdem erfährt der Leser sehr viel Wissenswertes aus der Psychologie. So wird sehr verständlich der Unterschied zwischen Psychologen, Psychiatern, Psychoanalytikern, Supervisoren und Lehranalytikern dargestellt. Auch über die Ausbildung zu diesen Berufen in Israel erfährt man einiges Wissenswertes. Doch als interessentesten Aspekt versucht die Autorin darzustellen, aus welchen Gründen jemand diesen Beruf ergreift, obwohl doch die Ausbildung sehr lang und hart ist.

Neid und Eifersucht sind in diesem Berufszweig weit verbreitet. Dies gibt zwar einerseits Anhaltspunkte für die aufzuklärende Tat, machen aber andererseits die Ermittlungen auch recht schwierig.

Sein Bindeglied von diesem Thema zum Krimi erhält der Roman durch die Verwandschaft zwischen Verbrechensaufklärung und Analyse, wie es im Buch in einem Gespräch zwischen dem Inspektor und einem Psychoanalytiker dargestellt wird. Durch die zeitintensive Arbeit in beiden Berufen kommt es auch zu ähnlichen Problemen, das Privatleben wird vernachlässigt.

Batya Gurs Stil ist sprachlich einwandfrei und überaus ausführlich. Der Wechsel von direkter und indirekter Rede passt ausgezeichnet. Natürlich liesst sich ein solch anspuchsvoller Krimi nicht an einem Stück runter wie manch spannender Thriller. Fast selbstredend, dass auch die Charaktere in für Kriminalromane kaum gekannter Ausführlichkeit dargestellt werden.

Im Vergleich mit Das Lied der Könige ist "Denn am Sabbat sollst Du ruhen" mehr Kriminalroman. Hier wird nicht ganz so viel an Nebenhandlung reingepackt. Die Tätersuche steht hier doch mehr im Mittelpunkt. Das Lied der Könige ist kein "Who-done-it"-Krimi. Hier jedoch wendet Batya Gur klassische Kriminalroman-Strategien an: Der Leser wird zunächst auf falsche Fährten gelockt und dem Täter wird zum Abschluß eine Falle gestellt.

Batya Gurs Bücher sind exzellente Bücher zum Lesen, nicht zum Verschlingen. Dadurch, dass man in jedem Roman von ihr in ein neues Thema eingeführt wird, kommt keine Langeweile auf. Wer Interesse daran hat und nicht nur mal reinschnuppern möchte, dem sei empfohlen, mit diesem Buch zu beginnen und die weiteren Ochajon-Romane in chronologischer Reihenfolge zu lesen.

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Letzte Kommentare:
03.07.2009 22:51:35
ABaum71

"Gurs Bücher sind exzellente Bücher zum Lesen, nicht zum Verschlingen". Das kann man meiner Meinung nach so stehen lassen.
Das Buch ist nicht so mal zwischendurch zu lesen, da einfach zu viele Personen in der Story erwähnt werden, und das nicht nur mal eben nebenbei . Zum Teil werden Seitenlang Personen charakterisiert, die im weiteren Verlauf gar keine Rolle mehr spielen. Was dem einen als lästig erscheint, mag anderen wieder zwingend notwendig zu erscheinen. So wird die Hauptperson Michael Ochajon so detailiert beschrieben, dass man nach kürzester Zeit meint, neben ihm an den Ermittlungen teilzunehmen.
Der ständige Wechsel der Erzählperspektive ist sehr gelungen und trägt seinen Teil zur Unterhaltsamkeit des Buches bei. Wer hier allerdings Action und wahnsinnige Serienkiller erwartet, wird enttäuscht sein, diese findet man in Batya Gurs erstem Teil der Ochajon-Reihe nicht.
Fazit... siehe oben. Eher ein anspruchsvollerer Krimi aus Israel, aber nicht unbedingt schlecht. Am besten selber ein Bild machen !!!

06.03.2007 10:14:43
Regenfreund

Kein schlechtes Buch, aber mit Ausnahme des Umfelds und der Tatsache, dass es in Israel spielt, ein üblicher Krimi. Ich persönlich habe nicht viel gelernt. Interessant war aber der Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede, der zu großer Konzentration zwingt. 65 Grad.

25.05.2005 17:34:31
Urs

Mittlerweile ist der Band "Denn die Seele ist in deiner Hand" erschienen. Als er herauskam hatte ich schon lange auf ein neues Buch von Batya Gur gewartet und war begeistert, dass es ausgerechnet ein Ochajon-Roman war (ihre anderen Bücher sind aber auch toll!). Bevor ich mit dem Lesen begann, las ich zunächst alle vorherigen Ochajon-Romane noch einmal um mich in diese Welt einzulesen, was wie immer sofort gelang. Man möchte dann gar nicht zum Ende kommen und versucht, wenn es an die letzten Seiten geht das Ende so lange hinauszuzögern wie möglich! Das sagt doch eigentlich alles über die Qualität, oder?
Um so mehr betroffen und traurig bin ich über den frühen Tod der Autorin.

07.09.2004 19:13:41
Mira

Nach einem etwas zähen Einstieg konnte ich den Krimi recht flüssig durchlesen. Handlungsgrundlage ist der Mord an einer Psychoanalytikerin an ihrem Arbeitsplatz. Auch nach Beendigung des Buches habe ich den Unterschied zwischen einem "normalen" Psychologen und einem Psychoanalytiker nicht so recht verstanden, aber dies sei nur am Rande angemerkt. In diesem Roman trifft man auf viele verschiedene Persönlichkeiten, die von der Autorin alle eingehend charakterisiert werden. Vielleicht wollte sie damit den Bezug zur Psychologie herstellen oder vielleicht ist es ihre Art zu schreiben. Dennoch waren mir manche Szenen und Personen zu ausschweifend beschrieben. Ein Beispiel hierfür ist eine Freundin der Ermordeten, eine Nebenfigur in dieser Geschichte, bei der Batya Gur fast eine ganze Seite aufbringt um sie in der Erinnerung des Lesers haften zu lassen. Die Hauptfiguren jedoch werden überaus aktiv und lebendig gestaltet und Inspektor Ochajon schließt man nach kurzem ins Herz ( er ist ja schließlich sehr gutaussehend). Beeindrucken fand ich die Ausarbeitung des Konfliktes in diesem Krimi: die Auseinandersetzung der Menschen dieser Berufsgruppe mit ihren Normen und Wünschen, die häufig im Gegensatz zueinander stehen. Gurs Sprachstil ist flüssig, sie wechselt häufig, wie oben schon beschrieben, von direkter zu indirekter Rede. Leider lässt sich der/die Täter/in relativ früh erahnen, das Motiv aber wird erst zum Schluss hin geklärt. FAZIT: Lesenswert, aber nicht durchweg spannend.

11.07.2003 21:44:12
Anja S.

Intelligenter Plot, gut geschrieben, sehr spannend.
90 grad