Walching

Erschienen: Januar 1993

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Simader, 1993, Seiten: 165, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1997, Seiten: 183, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Paul Kajetan ermittelt in der Provinz

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2004

Kriminalinspektor Paul Kajetan arbeitet nach einer Strafversetzung aufgrund von zwielichtigen Verfehlungen neuerdings bei der Polizei in Dornstein, wo er mit seinem Chef, Kriminalrat Pointner, nicht immer auf bestem Fuß steht. Als in dem nahegelegenen Ort Walching eine Jugendliche ermordet auf einem der Höfe aufgefunden wird, wird Kajetan dorthin berufen, um den Fall aufzuklären. Doch was gibt es eigentlich aufzuklären, sitzen immerhin die vermeintlichen Mörder längst im Gefängnis? Der Mord ereignete sich auf dem Hof des Bauern Erber, wo die fast sechzehnjährige Sanne erwürgt aufgefunden wurde. Da in etwa zur fraglichen Tatzeit drei Landstreicher in den Hof eingedrungen sind, um sich dort in der Speisekammer zu bedienen, scheint der Fall klar. Kajetan verhört die Männer, die von einem Mord nichts wissen wollen. Bürgermeister Lindinger drängt währenddessen zum Abschluss der Ermittlungen, schließlich stehen die Weihnachtsfeiertage kurz bevor. Kajetan ist geneigt die Männer zu überführen, doch dann kommt es immer wieder zu widersprüchlichen Aussagen. Mehr und mehr muss sich Kajetan auf sein Gespür verlassen und kann sich dabei nur bedingt auf die teils verschlossenen, teils verschrobenen Dorfbewohner verlassen…

Nach Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski ist Walching (ein erfundener Ort übrigens) der zweite Teil der Paul-Kajetan-Reihe und spielt im Dezember 1922. Kajetan verlässt sich gerne auf "sein Gespür" und hat daher nicht selten Schwierigkeiten mit seinen Vorgesetzten. Einfach nur Befehle befolgen damit ein Fall schnell aufgeklärt ist, das ist nicht seine Welt. So verwundert es den Leser nicht, dass der Protagonist nicht mehr in München, sondern mittlerweile in dem beschaulichen Dornstein seinen Dienst verrichten darf. Aber auch hier kann er nicht anders.

 

"Aber er hat doch gestanden, Inspektor! Jetzt kommens mir nicht wieder mit Ihrem Gefühl. So was gibt’s bei einem Polizisten nicht!"

 

Obwohl der Fall klar zu sein scheint und er gleich zu Beginn zu einem raschen Ende der Ermittlungen gedrängt wird, wird Kajetan bewusst, dass er auch hier tiefer graben muss. Robert Hültner legt viel Wert auf Details, so wird insbesondere die Landschaft trotz des geringen Buchumfanges ausführlich dargestellt. Sprachlich bereitet der bei den Dialogen im Dialekt geschriebene Roman nur selten Probleme, beispielsweise aber bei der Identifizierung der Toten:

 

"Das Erber Sannerl von der Wieser Kat dem Erber sein angenommenes Kind ist erschlagen worden."

 

Ansonsten ist Walching ein spannender Krimi, der, im Gegensatz zu seinem Vorgänger überraschend wenig Politik beinhaltet, vielmehr recht schnell in den Fall einsteigt. Bis zum packenden Finale gibt es einige Wendungen, erneut viel Sprachwitz bei den Dialogen und einen bodenständigen Ermittler, der wiederholt um sein Leben fürchten muss. Bis dahin tritt er so manch einflussreichem Wichtigtuer kräftig auf die Füße. Die Obrigkeit ist halt nicht so sein Ding, weshalb er auch nicht mehr lange bei der Polizei arbeiten wird. Aber das können Sie in Die Godin, dem dritten Teil der Kajetan-Reihe, nachlesen.

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Letzte Kommentare:
22.05.2006 18:50:02
jeb

Ein schöner, kurzweiliger Krimi, der trotz seiner 180 Seiten ein lebhaftes Bild des ländlichen Oberbayerns zeichnet und interessante Verweise in die jüngere bayerische und deutsche Geschichte enthält. Er liest sich sehr flüssig.

Die Charaktere sind schön gezeichnet, aber bei einigen Nebenfiguren könnte etwas mehr Hintergrund nicht schaden. Für mich als "Preußen", der aber schon eine Weile in Bayern lebt, war es trotz der verwendeten bayerischen Mundart gut zu lesen.

Es war mein erster Krimi von Robert Hültner, aber sicherlich nicht der letzte.

Empfehlenswert auf jeden Fall für alle die Lokalkoleriet mögen!

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