Ohnmacht

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2004, Seiten: 377, Originalsprache

Couch-Wertung:

69°
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Peter Kümmel
Franzinger hat das Potential für bessere Krimis

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jun 2004

Zwei vom Tathergang identische Morde innerhalb von zwei Tagen beschäftigen die Mordkommission in Kaiserslautern. Die beiden Männer wurden betäubt und vor einem Eisenbahntunnel vor dem herannahenden ICE auf die Gleise geworfen. Eine Identifizierung der zerfetzten Leichen ist praktisch unmöglich.

Wer nun spannende Ermittlungsarbeit vom Team um Kommissar Wolfram Tannenberg erwartet, der wird enttäuscht. Denn nach gutem und flottem Beginn nehmen die beiden Morde in der Folgezeit nur noch eine unbedeutende Nebenrolle ein.

Der Leser hat sich nun hauptsächlich belanglosen Dingen zu widmen wie dem permanenten Krieg zwischen Tannenberg und dem Pflegedackel seiner Mutter und weiteren familieninternen Zwistigkeiten im Hause Tannenberg. Mit den gegenseitigen Frotzeleien der Mitarbeiter innerhalb der Mordkommission und dem gemeinsamen Essen einer leckeren Kohlsuppe. Mit Tannenbergs mehr oder weniger peinlichen Bemühungen im Stile eines pubertierenden Jugendlichen um seinen neuen Schwarm. Und mit seiner Nichte und ihrem neuen Freund, der nach einem Motorradunfall im Koma liegt.

Dessen seitenlange komatösen Gedanken nerven zu Beginn gewaltig, um dann später in einer modernen Variante der poeschen Schreckensvision des lebendig Begrabenseins zu faszinieren. Und so nach und nach spürt der Leser, wie er ganz außen herum von hinten zum Kern herangeführt wird und die Nebenhandlung immer mehr zum Hauptstrang des Geschehens wird.

Franzingers Pfälzer Humor trifft nur ab und an mit einer überzeugenden Pointe ins Volle. Oft dagegen lassen seine Dialoge nicht nur seine Charaktere, sondern auch den Leser kopfschüttelnd zurück.

 

"Dann war der ja wieder nur betäubt, als man ihn vor den Zug geworfen hat! Das gibt's ja gar nicht!"

"Das gibts wirklich nicht, Fouquet!", stimmte Kriminalhauptmeister Geiger zu. "Der war ja dann gar nicht tot, als man ihn ermordet hat."

Diesen Satz mussten die Anwesenden erst einmal verdauen.

 

Sammler von Stilblüten würden innerhalb des Buches sicherlich reichlich fündig werden.

Nach der Lektüre von Franzingers Vorgängerroman hatte ich mir etwas mehr kriminalistischen Anspruch gewünscht. Leider ist bei "Ohnmacht" das Gegenteil eingetreten. Die Auflösung des Falles erfolgt mehr oder weniger oder das Zutun der Protagonisten. Alleine beim Showdown, der für viel Leerlauf im Mittelteil etwas entschädigt, hat dann Tannenberg noch einen großen Auftritt.

Ansonsten kann ich nur wiederholen, was ich bereits in meiner Kritik zu "Goldrausch" angesprochen habe: Fehlende Details in ermittlungstechnischen Angelegenheiten und nicht aufgeklärte Fakten lassen einen schlechten Beigeschmack zurück. Franzinger hat das Potential für bessere Krimis. Seinen sensiblen und in vielen Dingen etwas plumpen Protagonisten aber muß man einfach gerne haben, so daß man auch ohne großartige Krimihandlung gut unterhalten wird.

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