Tod am Zollhaus

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997, Seiten: 248, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998, Seiten: 410, Originalsprache, Bemerkung: Großdruck
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2001, Seiten: 248, Originalsprache
  • Hamburg: Universal Music Group, 2002, Seiten: 4, Übersetzt: Doris Wolters
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2005, Seiten: 248, Originalsprache

Couch-Wertung:

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Wolfgang Weninger
Das meint Krimi-Couch.de: Petra Oelker punktet mit pfiffiger Handlung

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Aug 2003

Die Komödianten kommen. Wir schreiben das Jahr 1765 und eine Truppe Gaukler passiert die Tore Hamburgs, wo das fahrende Volk nicht besonders willkommen ist. Noch schlimmer wird die Lage, als der Anführer des Haufens nach durchzechter Nacht neben einem Ermordeten gefunden wird, der seine Brötchen als Schreiber beim angesehenen Hamburger Großkaufmann Claes Herrmanns verdient hat.

Dies ist jedoch nicht der erste Schicksalsschlag im Hause Herrmanns. Erst von einem schweren Unfall auf der Insel Jersey genesen, wird ihm auch noch eines seiner Schiffe in Portugal in die Luft gejagt und sein dortiger Vertreter, der nach Hamburg kommt, um ihm Bericht zu erstatten und ihm eine Warnung zukommen zu lassen, wird in den finsteren Gassen der Stadt fast zu Tode geprügelt.

Irgendjemand trachtet danach, Claes Herrmanns zu vernichten, und die Schauspielergruppe rund um den eingekerkerten Jean Becker soll dabei den Sündenbock spielen. Der Übeltäter hat aber nicht mit dem ideenreichen und mutigen Theatertrüppchen, allen voran die hübsche und intelligente Rosina, gerechnet, die alles daran setzt, ihren Prinzipal zu entlasten und die Machenschaften um das Kaufmannshaus aufzudecken.

Die Journalistin Petra Oelker hat schon 1997 ihren ersten historischen Roman um das Duo Rosina und Claes geschrieben, dass soeben im Verlag Wunderlich Taschenbuch neu aufgelegt wurde. Hamburg als geschichtlicher Tatort ist mittlerweile kein neues Pflaster, denn auch Wolf Serno hat im Vorjahr seinen "Tod im Apothekenhaus" dort angesiedelt und mit diesem Buch muss sich der "Tod im Zollhaus" schon wegen der zeitlichen Übereinstimmung vergleichen lassen.

Wobei zu Allererst der Unterschied im sprachlichen Bereich auffällt. Während Serno wesentlich mehr Lokalkolorit einstreut und seine Personen fast ausschließlich Plattdeutsch sprechen, verzichtet Petra Oelker zu Gunsten der leichteren Lesbarkeit auf sämtliche regionalen Sprachdarstellungen. So erzeugt Serno zwar eine (für überregionale Leser) schwerer lesbare Sprachdichte und stimmigeres Ambiente, bei Petra Oelker wird in diesem Bereich deutlich mehr Wert auf Handlung und Krimiplot gelegt, der gelegentlich in journalistische Erzähltechnik abgleitet.

Wolf Serno vermag darüber hinaus seine Personen wesentlich stärker zu charakterisieren, was bei Petra Oelker lediglich dort gelingt, wo es sich um die Frauenquote im "Tod am Zollhaus" handelt. Die Darstellung der älteren Frauen und deren Schicksale sind bestens gelungen, während die Zeichnung der Kaufmannschaft eher lieblos ausfällt. So sind auch die Szenen in der Hamburger Börse und in den Spelunken des Hamburger Hafens bei Weitem nicht mit so viel Tiefgang geschildert, wie dies Wolf Serno in seiner Beschreibung der Wohnsituation und der nächtlichen Zustände im Hamburger Speicherviertel schafft.

Petra Oelker punktet dafür mit pfiffigerer Handlung und der Leser kann sich mit ihren Hauptfiguren recht leicht identifizieren, was sicherlich auch ein Grund ist, dass Frau Oelker diesem Roman noch einige andere nachfolgen ließ. "Tod im Zollhaus" ist genauso wenig aufregend, wie Wolf Sernos Buch. Wie man historische Spannung erzeugt, könnten beide Autoren bei Jörg Kastner nachlesen, dessen neues Buch Die Farbe Blau zwar in den Niederlanden und ein Jahrhundert vorher spielt, aber wesentlich spannungsgeladener ist und trotzdem vorgibt, authentisch zu sein.

Nichts desto trotz darf man Petra Oelker zu einem gelungenen historischen Krimidebüt gratulieren, bei dem historisch belegte Personen, wie der Komponist Georg Philipp Telemann genau so eingebaut werden, wie ein Auftritt des kleinen Wolferl Mozart, den die hübsche Schaustellerin Rosina vielleicht zu "Figaros Hochzeit" animiert haben könnte. Hier mischen sich gekonnt Dichtung und Wahrheit und dem Leser bietet sich eine leicht zu lesende Story, die dem Liebhaber historischer Mördereien sicherlich zu einem entspannten Leseabend verhilft.

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