Todesblues

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 1997, Titel: 'No Hiding Place', Seiten: 207, Originalsprache
  • Zürich: Diogenes, 1999, Seiten: 285, Übersetzt: Gertraude Krueger
  • Zürich: Diogenes, 2001, Seiten: 285

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Sabine Reiß
Flach und durchschaubar

Buch-Rezension von Sabine Reiß Aug 2003

Der Sohn von Bessie Raymond wurde vor einiger Zeit an seiner Haustür erschossen und da die Polizei den Fall unter dem Motto "Streit unter den schwarzen Gangs" schnell zu den Akten gelegt hat, bittet die verzweifelte Mutter die ebenfalls farbige Privatdetektivin Tamara Hayle um Hilfe. Sie soll herausfinden, wer ihren Jungen auf dem Gewissen hat. Tamaras Bruder war Polizist und bevor er Selbstmord verübte, war er eine Art Pate für den jungen Shawn Raymond, so dass sie den Fall kaum ablehnen kann. Just an dem Tage wird Tamara von einem Kind überfallen und der Kleine ist niemand anders als Rayshawn, der Sohn des Opfers. Sie hört sich zunächst im Kosmetiksalon um, um dort Details über die Akteure dieses Dramas zu erfahren. Die Mutter von Rayshawn hat einer anderen Frau das Gesicht zerkratzt und die Mutter des zweiten Kindes von Shawn, Gina Lennox lebt mit dem Baby wieder bei ihrer Familie, die zu den einflussreichen Bewohnern von Newark zählt. Auch dort macht Tamara einen Besuch, der jedoch nicht erfreulich verläuft, da Ginas Vater Gus Lennox nicht nur Drohungen ausspricht, er ist auch durchaus in der Lage, diese umzusetzen. An Shawns Tod hatte er bestimmt ein Interesse, doch er war damals gerade auf einer Kreuzfahrt.

Interessant schildert Valerie Wilson Wesley die familiären Verknüpfungen, die schlussendlich die Ursache für den Tod von Shawn sind, aber dies ist der einzige Pluspunkt, den die Story für mich aufweist. Ansonsten ist das Buch reichlich klischeehaft, insbesondere in der Sprache. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Farbigen in Amerika tatsächlich andauernd gegenseitig als "Brother" oder "Sister" bezeichnen, dazwischen werden noch einige "Yeahs" gestreut, so dass ich mich als Leser wie im falschen Film fühlte. Nichts gegen eine lockere Schreibweise, aber das passte hier einfach nicht ins Bild. Vielleicht wollte der Übersetzer damit Authentizität hervorrufen?

Der Plot ist reichlich flach und durchschaubar, zwar nicht bis ins letzte Detail, aber dennoch insofern, als dass ich das Buch tatsächlich nach der Hälfte weglegen wollte. Bis dahin war kaum etwas passiert und ich blieb nur dabei, weil ich erstens bisher 95% aller Bücher zu Ende gelesen habe und seien sie noch so langweilig und zweitens, weil mich die genauen Zusammenhänge doch interessierten.

Tamara Hayle wird vom Tagesspiegel gelobt als eine Person, die "mehr Gefühl, mehr Seele" hat. Mehr Gefühl als wer? Die Protagonistin war mir zwar nicht gerade unsympathisch, aber Privatdetektivinnen anderer Autorinnen sprechen mich mehr an. Insgesamt würde ich "Todesblues" fast als verschwendete Zeit für mich werten, wenn mich nicht das letzte Viertel wieder etwas mit dem Krimi versöhnt hätte. Zudem hielt sich der Zeitaufwand in Grenzen, alles ist flott lesbar und in ein paar Stunden ist man durch.

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