Bodenfrost (Wallner & Kreuthner 12)
- Knaur
- Erschienen: September 2025
- 2


Auch der neue Föhr weiß zu überzeugen.
Aufgrund eines unglücklichen Zusammentreffens mit dem neuen Polizeipräsidenten Sebastian Binger muss Polizeihauptmeister Leonhardt Kreuthner quasi als Wiedergutmachung beim jährlich stattfindenden Kindertag der Polizei Dienst schieben. Doch das Ziel, den Kindern den Polizeidienst etwas näher zu bringen, wird unerwartet realer, als es sich alle Beteiligten gewünscht hätten. Ausgerechnet Bingers Tochter Martha findet in einem verlassenen Bauernhof den Leichnam des vermisst gemeldeten Brauereibesitzers Vitus Zander. Auf dem Bauch des Toten entdeckt das Ermittlerteam ein ungewöhnliches Zeichen, mit dem vor einigen Jahren ein bekannter Serienmörder seine Opfer kennzeichnete. Ist der Killer etwa zurück?
Das Team um den leitenden Kriminalhauptkommissar Clemens Wallner stößt bei seinen Ermittlungen auf einige Ungereimtheiten. Selbstredend lässt es sich Leo Kreuthner nicht nehmen, seine Beziehungen spielen zu lassen und auf eher unkonventionelle Art zu ermitteln, um beim Polizeipräsidenten Eindruck zu schinden. Doch dies hat ungeahnte Folgen...
Kult-Krimireihe
Autor Andreas Föhr braucht man längst nicht mehr vorzustellen. Seit über eineinhalb Jahrzehnten begeistert der Bestsellerautor seine Leserinnen und Leser mit der erfolgreichen Krimireihe rund um Kommissar Wallner und seinen etwas anderen Kollegen Leo Kreuthner, der nicht nur ein Faible für das Schwarzbrennen hat, sondern sich auch in durchaus zwielichtigen Kreisen aufhält, die die Grenze zum Illegalen und Kriminellen gerne überschreiten. Seien es seine Trinkkumpanen aus der Mangfalltalmühle oder ein introvertierter IT-Nerd, der sich mit der Hilfe Kreuthners outet: Der Polizeihauptmeister weiß alle für seine Zwecke einzuspannen. Aber Leo wäre nicht Leo, wenn ihn seine spezielle Art der Ermittlungsarbeit, bei der er mitunter auch seine Freundin Pippa einbindet, nicht auch diesmal in gefährliche Situationen bringen würde. Doch irgendwie versteht er es immer wieder, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Leo will vor allem den neuen Polizeipräsidenten beeindrucken, auch wenn dieser es verständlicherweise nicht mag, wenn Ermittler auf illegale Weise - oder wie es Leo sagen würde: „anders“ oder „unkonventionell“ - arbeiten. Sicherlich zählen diese Episoden stets zu den besonderen Highlights der Föhr-Romane. Auch im 12. Band der Reihe darf man sich auf zwielichtige Typen, skurrile Situationen und jede Menge typisch kreuthnerische Ermittlungsmethoden freuen.
Kritisches Thema
Das Pendant zum selten regelkonformen Polizeihauptmeister stellt wie gewohnt der prinzipientreue Kommissar Clemens Wallner dar, der mit altbekannter, gründlicher Ermittlungsarbeit versucht, den Täter zu finden. Aber nicht nur dies sorgt für den notwendigen ernsten Grundton der Romane. Das Besondere der Reihe, die rund um das oberbayrische Miesbach spielt, ist das stets bedeutsame Thema, auf dem die Handlung aufbaut. Bereits im achten Band „Tote Hand“ ging es um sexualisierte und häusliche Gewalt gegen Frauen. Ausgangspunkt im aktuellen Roman ist die toxische Beziehung, in der Isabell Zander, die Frau des ermordeten Brauereibesitzers, mit ihrem Mann lebte. Vitus Zander, Geschäftsführer und Anteilseigner der lokalen Brauerei, pflegte nicht nur gute Beziehungen zu den Spitzen der Landespolitik, sondern war auch bekannt für sein rigoroses Durchgreifen in der Firma. Was aber kaum einer wusste: Die harmonische Bilderbuchehe diente vor allem dem äußeren Schein. Denn Vitus hatte althergebrachte, „traditionelle“ Vorstellungen von Ehe - und er verstand es, diese gegenüber seiner Frau mit Nachdruck durchzusetzen.
Der Kommissar und sein Großvater
Liebhaber der Reihe müssen auch diesmal nicht auf Wallners Großvater Manfred verzichten. Auch wenn der beinahe 95-Jährige körperlich allmählich etwas abbaut, ist er geistig weiterhin fit - wenn gleich aber auch durchaus eigenwillig. Gerne sucht er noch die Nähe junger Damen, um sie mit seinem Charme und Wissen zu beeindrucken. Für die gutaussehende Historikerin Dr. Kubelka, die sich mit dem Alltagsleben in der NS-Zeit beschäftigt, dient Manfred als wertvoller Zeitzeuge. Doch die Aufarbeitung seiner Kindertage bringt leider nicht nur Erfreuliches zum Vorschein, sondern lässt einen nachdenklichen Manfred zurück. Dieser muss sich auch noch zu allem Überfluss entscheiden, ob er sein geliebtes Zuhause verlässt, um mit Clemens und seiner Lebensgefährtin und Chefin Karla in einem gemeinsamen Haus zusammenzuziehen. Selbstverständlich geht dies nicht ohne die ein oder andere Diskussion von statten.
Fazit
„Bodenfrost“ ist vielleicht nicht der beste Band der Reihe, aber trotzdem auf einem erneut hohem „kriminalistischen“ Niveau. Man muss die Romane um Wallner, Kreuthner und Großvater Manfred einfach mögen - weil sie trotz allem Humor nie banal und platt daherkommen. Ein guter Plot, eigenwillige Charaktere und so manch skurrile Situation sind auch diesmal die Zutaten für einen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Kriminalroman.

Andreas Föhr, Knaur












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