Böses Blut

  • Blanvalet
  • Erschienen: Dezember 2020

- Ein Fall für Cormoran Strike 5

- Übersetzung: Wulf Bergner, Christoph Göhler & Kristof Kurz

- Originaltitel: "Troubled Blood (Cormoran Strike 5)"

- Taschenbuch

- 1.200 Seiten

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Sabine Bongenberg
61°

Krimi-Couch Rezension vonJul 2022

Fast eine unendliche Geschichte

Privatdetektiv Cormoran Strike weiß langsam nicht mehr ein noch aus. Seine geliebte Tante, die an ihm und seiner Schwester Mutterersatz lebte und liebte, wird den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen können, seine ehemals Dauerverlobte und jetzt Ex-Freundin Charlotte scheint eine erloschene Flamme um jeden Preis wieder in Gang bringen zu wollen, sein berühmter Erzeuger will neuerdings auf „Familie“ machen, in seiner Privatdetektei geht es drunter und drüber und jetzt scheint seine Lieblingskollegin Robin auch noch ein kreatives und geschmackvolles Weihnachtsgeschenk zu erwarten! Man könnte meinen – das sei genug – aber Strike wäre nicht Strike, wenn ihn ungeklärte Geheimnisse nicht magisch anziehen würden. So das der Ärztin Margot, die vor vierzig Jahren auf dem Weg zu einer Verabredung mit einer Freundin verschwand und nie wieder gesehen wurde. Im Auftrag ihrer jetzt erwachsenen Tochter macht sich der Privatdetektiv mit seiner Geschäftspartnerin Robin Ellacourt an die Untersuchungen und beide stellen alsbald fest, dass auch die Verbrechen der Vergangenheit durchaus einen Schatten auf die Gegenwart werfen können.

Ein respekteinflößender Umfang

Ich lese viel und ich lese schnell, aber ich gebe es zu – als ich diesen Strike aus der Verpackung nahm, da bekam ich Angst. Ein dickes Buch, mit Seiten die ein wenig an Bibelseiten erinnerten und auch nicht sonderlich groß bedruckt. Zu Corona-Zeiten im Lockdown hätte ich mich möglicherweise über diesen Umfang gefreut – aber im Juni 2022, da gab es auch andere Sachen als nur zu lesen. Schüttelt man den ersten Respekt vor dem Buch ab, stellt man erfreut fest, dass Joanne K. Rowling und ihr alter Ego Robert Galbraith den Leser mit ihrem fünften Band über den eigenwilligen Ermittler alsbald in ihren Bann ziehen können - unerfreut bemerkt man aber genauso, dass dem Buch die eine oder andere Kürzung nicht geschadet hätte. So erzählt Galbraith nicht nur im Jahresverlauf über die Ermittlungen an dem Mordfall, sondern schildert auch detailliert und mit verschiedenen Schleifen und Schnörkeln, was sich in einer Detektei ereignet, welche Fälle dort an der Tagesordnung sind und wie die Ermittlungen verlaufen. Diese Nebenstränge sind aber in ihrer Ausführlichkeit und der teils nervigen Spitznamen, die den Beschatteten verliehen werden, nicht dazu geeignet, eine besonders große Spannung aufzubauen. Mit dem eigentlichen Hauptfall haben sie auch nichts zu tun und so fragte ich mich manchmal doch, ob hier der Lektor schlicht und ergreifend zu eingeschüchtert war, um einmal energisch zum Rotstift zu greifen.

Die Familie kann man sich nicht aussuchen

Neben den verschiedenen Handlungssträngen führt Galbraith eine große Menge von Personen ein und das trägt auch nicht zur Vereinfachung der Handlung bei. Wer hier mit der Lektüre nicht bei der Stange bleibt und möglicherweise eine größere Pause einlegt, dürfte feststellen, dass er alsbald nicht mehr nachvollziehen kann, wie sich der neue Fall entwickelte. Ein wenig anders ist das natürlich mit Strikes und Ellacourts Beziehung zueinander und ihren Familien- oder alten Liebesgeschichten. Diese Stränge laufen in einem festen Gefüge und sind damit vertraut und bekannt. Aber auch hier drängte sich mir manchmal das Gefühl auf, dass es doch oft dasselbe ist: Strike, der gute Absichten hat, diese aber am Tresen vergisst und Robin auf der Gegenseite, die immer doch etwas mehr erwartet. Nicht selten hatte ich zusätzlich den Eindruck, dass Strikes Alkoholkonsum ein bisschen zu sehr bagatellisiert wird und manchmal fragte ich mich, ob die Autorin selber einmal geraucht hat, lässt sie doch ihren Helden in passenden aber auch absolut unpassenden Situationen zur Kippe greifen. Abschnittsweise nervte mich auch ehrlich gesagt der ganze „Huddel und Brassel“, der sich in der Familie Strike ereignete: Wenn der Papa unbedingt ein gemeinsames Gruppenfoto mit allen Kindern haben will, Himmelherrgott, dann mach es doch und dann ist endlich Ruhe!

Bei diesen ganzen Nebensträngen ist es fast überraschend, dass Galbraith dennoch seinen eigentlichen Krimi nicht ganz aus den Augej verliert. Er löst seinen Roman sauber auf und das Gruseln, was einem hier überkommt, das hätte man lieber doch schon auf den früheren Seiten verspürt. Wer bis hier durchgehalten hat, der wird zum guten Schluss belohnt, aber es war doch ein weiter Weg.

Fazit:

Cormoran Strike Band 5 – fast eine unendliche Geschichte und meiner Meinung nach war hier der Spruch „Weniger ist mehr“ nie so wahr.
 

Böses Blut

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