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Thomas Gisbertz
Abgesang auf den kirgisischen Wolf

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jul 2020

Akyl Borubaew, Inspektor bei der kirgisischen Mordkommission, hat einen untrüglichen Riecher für Gewaltverbrechen. Als er den Tod einer jungen Drogensüchtigen untersucht, ist ihm schnell klar, dass einiges nicht stimmt. Bevor er jedoch weiter ermitteln kann, wird er vom Dienst suspendiert. Sein Erzfeind, der Minister für Staatssicherheit, hat ganz eigene Pläne und droht, ihn zu zerstören. Borubaews Kampf um die Karriere wird schnell zum Überlebenskampf, der ihn in die tiefsten Abgründe der kirgisischen Drogenkartelle und bis nach Bangkok führt. Als er nichts mehr zu verlieren hat, riskiert er alles und nimmt es mit dem gesamten korrumpierten System auf.

Schachfigur im Machtapparat

Michail Tynalijew, Minister für Staatssicherheit, ist nicht nur der gefährlichste Mann Kirgisistans, sondern benutzt Akyl Borubaew, Inspektor der Mordkommission in Balyktschy, immer wieder für seine Drecksarbeit. So hat der Inspektor in der Vergangenheit unter anderem herausgefunden, wer für die Ermordung der Ministertochter verantwortlich war - und dann schweigend geduldet, dass Tynalijew den Mann auf bestialische Weise abschlachtete.

Zuletzt spürte Borubaew im Namen des Ministers dessen Geliebte in Dubai auf, nachdem diese das Konto Tynalijews um zehn Millionen Dollar erleichtert hatte. Statt Dankbarkeit zu zeigen, klagt der Minister den Inspektor nun wegen Verbrechen gegen den Staat, darunter Mord, Korruption und Erpressung, an - gleichzusetzen mit einem Todesurteil. Um seine Karriere und sein Leben zu retten, muss sich Borubaew auf Geheiß des Ministers in das Kartell um Drogenbaron Kanybek Alijew einschleusen. Doch diesmal unterschätzen alle Borubaew, der den Machenschaften beider ein Ende setzen will.

Kosmopolit und Autor

Tom Callaghan, geboren in Nordengland, arbeitete nach seinem Studium viele Jahre für eine international tätige Werbeagentur in London, New York und Philadelphia, bevor er sich dem Schreiben widmete. Callaghan nahm 2011 am Emirates LitFest Crime Workshop des bekannten englischen Kriminalautors Mark Billingham teil: Das Ergebnis ist „A Killing Winter“, der erste Roman seiner Reihe um den kirgisischen Mordermittler Akyl Borubaev. In dieser Thrillerserie erschienen bisher „Blutiger Winter“ (2015), „Tödlicher Frühling“ (2016) und „Mörderischer Sommer“ (2018). „Erbarmungsloser Herbst“ (2020) stellt nun leider den Schluss der Tetralogie dar. Heute verbringt Weltenbummler Callaghan seine Zeit zwischen London, Prag, Dubai und Bishkek, der Hauptstadt Kirgisistans, was gleichzeitig Heimat seiner Hauptfigur ist.

Gnadenloser Thriller

Tom Callaghan ist einer der am meisten unterschätzten Autoren, die vollkommen zu unrecht ein Schattendasein als Schriftsteller führen. Grund hierfür ist vielleicht der Handlungsort seiner Reihe um Inspektor Akyl Borubaew, denn es mag idyllischere und interessantere Orte für einen Roman geben als die Kirgisische Republik. Aber man verpasst etwas, wenn man den Romanen Callaghans keine Chance gibt. Die Reihe ist gnadenlos, brutal, aber auch wegen ihrer ganz besonderen Atmosphäre äußerst spannend und lesenswert. Auch wenn sämtliche Romane um den eigenwilligen Inspektor nach ähnlichem Schema ablaufen, kann man sich dem Sog der Serie nicht entziehen. Ein absolutes Muss für Liebhaber düsterer, melancholischer Thriller.

Beeindruckender Schreibstil

Callaghans Sprache ist eine absolute Wucht: zumeist lakonisch, voller Ironie und Zynismus. Seine Schreibweise ist gradlinig, direkt, erschütternd. Sie zeichnet das düsteres Bild eines Landes zwischen sowjetischer Vergangenheit und trister Zukunft. Ausbeutung und Korruption scheinen an der Tagesordnung zu sein. Trotz der beklemmenden Stimmung und der dargestellten Gewalt gewinnt der Thriller durch seine Sprache eine Leichtigkeit, ja sogar Heiterkeit, die so gar nicht zur Handlung passen will, die aber nur derart zu ertragen ist. Man bekommt das Gefühl, dass Akryl Borubaew lediglich durch seine spöttischen Bemerkungen die Realität zu dulden vermag. Sarkasmus statt Resignation.

Und dennoch weiß er, dass er scheitern wird, ja scheitern muss, da das System, gegen welches er vorgeht, stärker ist als er. In einer Welt voller machtgieriger Despoten und eiskalter Drogenbarone erscheint Borubaew wie der letzte Held, der gegen das übermächtige Böse kämpft. Aber wie Don Quichottes Kampf gegen die Windmühlen scheint auch sein Aufbegehren letztendlich erfolglos. Und doch kämpft Borubaew bis zum Schluss, weil er es nicht ertragen kann, dass das Böse siegen soll. In einer gewissen Weise ist er aber auch ein Spieler, der die Gefahr sucht, der es liebt, die Mächtigen zu reizen. Es ist für Borubaew immer eine Gradwanderung zwischen Gerechtigkeit und Tod.

Spannendes Finale der Reihe

„Erbarmungsloser Herbst“ ist der wehmütiger Abschied von einem einzigartigen Ermittler, der trotz seines ambivalenten Auftretens nie die Grenze zwischen Gut und Böse überschreitet, der trotz der erlebten Gewaltexzesse immer noch nicht abgestumpft ist und der trotz persönlichen Verlusts Polizist aus Überzeugung ist. Besonders in diesem letzten Teil der Reihe, in dem das Schicksal es endlich gut mit ihm meint, würde man ihm wünschen, kein Gerechtigkeitsfanatiker zu sein. Aber Borubaew kann nicht anders. Wie Züge rasen die Figuren aufeinander zu. Die Weichen gestellt. Der Crash unausweichlich. Es kommt am Ende zu einem großen Finale und Borubaew muss sich entscheiden, was für ihn im Leben zählt.

Fazit: 

Ein mehr als würdiger Abschluss der Reihe um den kirgisischen Mordermittler Akyl Borubaew: brutal, düster und voller Melancholie. Ein fesselnder, überaus spannender Thriller, der nicht mit Zynismus spart und von einer faszinierenden Atmosphäre getragen wird.

Erbarmungsloser Herbst

Erbarmungsloser Herbst

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